Die Zeitwaisen

Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

Oraltaster figurieren aurale Ovationen

N A c h

KommTier! | Auf | |

Ich habe sie nirgends gefunden

in: Gesellschaftskritik

Ich habe sie nirgends gefunden,
die Windbögen mit den Silbertönen;
überall nur Kläffmäuler;
blechernes
dumpfes Getöse,
Maschinengesänge,
Endlos-Geleier,
Schreien und Stöhnen -
trostlose Eintönigkeit,
unendliches Nichts -
überall nur Leere
und
endlose
endlose
Öden.

KommTier! | Auf | | |

Stunden Projekt

Hallo Herr W.,

wie von Ihnen angefordert, habe ich in den mir von Ihnen zur Verfügung gestellten Planungskalender, im Excel Format, auf Grundlage des beiliegenden Ausfüllmusters (Tabelle "Muster" - die für die jeweiligen Tage eines Monats rot markierten Einträge), die Vorabplanung meiner geplanten Stunden für den Zeitraum Mai bis Oktober, nicht exakt aber wie gewünscht taxierend, eingetragen.

Nein, selbstverständlich sah ich davon ab, daraus eine Wissenschaft zu machen. Tatsächlich gelang es mir sogar, die 15 Minuten Vorgabe des von Ihnen genannten Kollegen zu toppen. Bis zum Abschluss der Aktion, obschon nicht ganz im von Ihnen vorgesehenen Maße, wie von mir im Folgenden erläutert, waren von meiner Seite aus nur knapp 10 Minuten erforderlich. Das ist ganz klar absolut zumutbar. Ihre Einschätzung diesbezüglich war vollkommen korrekt.

Bei dem Versuch die Urlaubsstunden zu ermitteln, die laut des vorliegenden Ausfüllmusters in der gleichen Form einzutragen seien wie die Tätigkeitsstunden, wurde ich jedoch stutzig. Mir ist nicht wirklich klar, welche Art Eintragung ich dort genau vornehmen sollte, ohne dass ich nun doch die Absicht entwickelte, eine Wissenschaft daraus machen zu wollen, und vor allem, warum? Zumal die Eintragung dieser Werte keinen Einfluss zu haben scheint, auf jene Werte, der auf Basis der eingetragenen Tätigkeitsstunden in den Mappen automatisch berechneten Einträge, und jene Werte der Tätigkeitsstunden keinen Einfluss auf diese Stunden der Nicht Tätigkeit.

Da ich in meiner Eigenschaft als selbstständig handelnder Freiberufler für ein durch Sie vermitteltes Projekt eines Dritten tätig sein werde, und meine Urlaubspläne naturgemäß nicht Teil eines solchen Projektes sein können, sehe ich mich nicht in der Lage, eine sinnvolle Angabe darüber zu machen, für wie viele Stunden ich nicht im Projekt tätig sein werde, an den Tagen an denen ich nicht im Projekt tätig sein werde.

KommTier! | Auf | | |

brief an eine dame

in: die annäherung zweier epidermen am logischen tränenflusz — Blatt 1
Alles und Nichts …

liebe dame,

wir sollten einander zeichen senden, wintermelander und melissen, kulissentee und hornissengeist, geister zwischen all dem untermelanin. mögen Sie melasse (maleasse)?
der abfall vom wein ist das weinen lassen, nämlich ein fall und ein fortlauf von dingen.
liebe dame, auch ich möchte fortlaufen, auch von Ihnen, ... fortlaufen ... und immer sind sie doch da, diese gebinde, bündel von reiseruten, nach nirgendwohin, gerisse, zerrisse und alles nur papier.

papier, auf dem alles beginnt, begann und geduldig sein ende findet. das fade ende eines anfangs oder der anfang eines faden endes? eine fadenheftung also, der grund einer lockenden verbindung ... so sind wir dem faden verhaftet in unserer anhaltenden verpflichtung, in den verkettungen verschlungener, verschlingender dinge; liane und lasso und schlinge, zeichen neben den fäden gehefteten papiers, lingualfäden auf den weiszheiten der binsen ...

gestern träumte ich, dasz ich mit Ihnen ging.
als ich Ihr haar berührte, verbrannte es mir die finger.
mit einem atemzug wie seide kühlten Sie meine hand.

Sie zerflieszen in einem meer von tränen?
dafür danke ich Ihnen.
weinend zu Ihren füszen
Ihr h.

KommTier! | Auf | | |

lieb ellenfeld

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 14
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

fortlaufende hörung, flüchtiges bienenbetreten,
anfallen im saal; er hört nicht.

der wald fällt zusammen zwischen den bäumen
zum weg. jch verdurste, verhungere an meinem
orts-sinn, oder war es doch der ur-sinn?
unsinnsort. rot der theorie. so heb jch mir
etwas zum knabbern auf. der kern, der bleibt.
die schale ... fliegt.

einbeiniger mann treibt den strom entlang.
daneben ein treideln und gebläse.
meine augen hängen fest im fernverkehr.
die gedanken still im warmkörperhaus,
an geäse, geäst und knochen-gefräse.

die zeit vergeht schneller, je schneller du fährst.

so ruf jch zu; dem stromtreibenden mann,
und bin am halben kochen. ein ganzes dorf voll
flüssigem gold liegt über alten knochen. au und -au.
linksgestreift liegt eine frau, biologisch abgebaut.

und : auf daß ich mich nicht zu weit erhöbe!
erbo(o)t er sich, mir beim halten behilflich zu sein,
einzuhalten, inne zu halten, halt aus, halt ein,
sei sein. niemals. denn wartend im lieb-ellenfeld
zerzaust und verzweifelt mein liebster fällt ...

so präg jch mir ein:

ich möchte das glitzern des sees
und den glimmer des sand's
dir zu füßen legen, ach !!!!
den ganzen strand, ja ! den ganzen strand !

dann zittere ich dem haus entgegen,
mit eingezogenem bienenbein.

KommTier! | Auf | | |

täglich

in: the daily horror — Szene 82
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

die tage sind wie zugenäht.
ich bewege mich in ihnen mehr oder weniger anstößig.
kann anfang oder ende nicht erkennen.
will es auch nicht.
sehe wülstige nähte,
rote fäden.
hautfalten sind in tagescreme gelegt,
eingelegt wie in suppe.

so enter ich durch die gegend und
in manchen momenten ist mir, als ob ich geliere.
als ob mich die anspannung verlässt.
dann denke ich an seewespen-briefe und anderes
würfliges tier.

unter der elektrodrähte summentausch finde ich
manches verlorene wieder. symbole und zeichen.
haltepunkte. halte mich auf oder halte du mich.
auf; in provisorien, verbarrikadiert.

die welt ist: voller ungesehener erinnerungen.
unausgesprochen AUCH.

Suche