Die Zeitwaisen

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tierrest an luftalge

der fadenartige
spürt keine luft mehr zum atmen
in seinem kopf. kehl-kopf auch. der wind

treibt es zu toll.
ein zutreibender versingt die
letzten worte, verschlungen

mit dem faden.
neben weiteren knochenfunden
liegt grüne haut, frosch vergrünt

durch biliverdin.
darüber der pferdeschädel mit augen
auf und die bleckenden zähne …

welch ein furchterregendes rot!
rot, so rot, so schamrot in grün.
die nacht hockt sich über den boden.

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beginn

das war der akt des aushöhlens,
unreif noch, als der engel mit dem
gesicht nach unten lag, erlegen dem
taurus, auch tau-ruß, im tiervorrat
verkrochen hinter dem schleier der
gut gelüfteten leichen. im kopf die
nacht, sie ward ihm entsprungen
aus zeitungsgrau im pergament der
alten untierhaut, während die minerale
stürzten aus einem tiefen epidermisblau.
es war der akt des aushöhlens,
der ablauf der dinge; unverhinderbar,
unverhandelbar – immer erwartbar.

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un-mitteilung

unerhört einbeinig
steht ein nicht näher
identifizierbares tier
zwischen zwei geteilten
stühlen.
unter langen geweihstangen
verhält es sich beängstigend
friedlich.

während dieses geschehens
verändert ein engel unaufhörlich
seine gestalt und wendet seine nähe
ausgefransten objekten zu.
im wechsel streben erde und himmel
unverdrossen einander entgegen.

erde und himmel. sie fielen ineinander
und wurden zu einer einzigen eindeutigkeit.
tier und engel aber fielen übereinander,
zerbissen sich, zerrissen sich und lösten sich
auf in langen zersetzungsphasen.
niemand hatte ihnen gesagt, es wäre hier nicht
gefährlich.

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