Die Zeitwaisen

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Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

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Berlin–Dingle–Avranches 2017

Fyfield–London-Ealing, Sonntag 4. Juni

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Fyfield–London-Ealing, Sonntag 4. Juni
Reisen, Radreisen

-8:19-

The Black Bull Inn, die Bar, Sonntag früh am Morgen. Mind your head.

Zimmer warm genug, Zelt ist trocken, ebenso die Taschen und was sonst noch feucht war. Bin früh dran, verstaue also schon mal Zelt und Schlafsack. Frühstück ganz allein. Well, Sonntag, da schlafen die meisten ein bisserl länger. Auf dem Tisch das übliche – Toast, Marmelade etc., Rührei + Lachs – und Porridge zum selbst anrühren. Aludeckel vom Plastikbecher ziehen, Zeuch in Schüssel kippen und heiß Wasser drüber. Klappt erstaunlich gut.

Frühstück mit Instantporridge Frühstück mit Instantporridge

Das Buffet Das Buffet

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Fyfield–London-Ealing, Sonntag 4. Juni – 64

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Fyfield–London-Ealing, Sonntag 4. Juni
Reisen, Radreisen

-9:50-

Kurz vor der Abfahrt nach London. Links auf dem Bild, der Eingang zum Flachbau mit den Gästezimmern – noch weiter links, hinter dem Windfang, stand das Fahrrad über Nacht. Rechts der Eingang zum Frühstücksraum, und in der Mitte – nur ein Geländer ist zu sehen – der Zugang zum Pub.

Nach dem Frühstück, restliche Klamotten zusammen packen und in Fahrkleidung schlüpfen. Habe grad die Hose angezogen, oben rum noch alles frei, geht die Alarmanlage am Fahrrad los. Fuck. Schlüssel mit Fernbedienung ist stets in der Hosentasche. O.k.. Schnell raus durch zwei Klapptüren und um die Ecke, Schlüssel gezückt und entschärft. Nichts zu sehen, was den Alarm ausgelöst haben könnte. Hund, Katze, Vogel, Ratte? Keine Ahnung. Zurück durch die erste Klapptür in den Flur. Die zweite, die Zimmertür, ist zugeschlagen, und ups, Türschlüssel in der Eile vergessen. Was nun. Flitze halb nackt erneut durch die Klapptür am Ende des Flurs, nach draußen, zum Hintereingang des Pubs, durch den jetzt gut besetzen Frühstücksraum – das selbe distinguierte Publikum wie am Abend zuvor, aufblickende Köpfe – und zum Tresen. Melde mein Unheil. Moment. Ebenfalls gleiches Prozedere wie am Vorabend. The owner gives me the once-over. Erkläre die Situation. Sie holt unbeeindruckt den Ersatzschlüssel, folgt zum Zimmer und schließt auf. Bedanke mich, thanx for the trouble, gehe hinein, klatsche mit der flachen Hand an den Kopf.

Packe alles fertig und trage die Taschen hinaus. Die Klapptüren sind durch jeweils eine Tasche gesichert. Treffe die Besitzerin noch einmal. Sie steht mit ihrem Hund auf dem Rasen vor dem Flachbau und raucht eine Zigarette. Das Anbringen des Gepäcks am Fahrrad gibt Anlass zur Unterhaltung über die Tour und das Wetter. So viel Gepäck! Ja, sähe nur so viel aus, sei halt für sieben Wochen, Zelt und alles, ect.. Wie immer wird gutes Wetter prognostiziert. Wir verabschieden uns. Schiebe das Rad von der Grünfläche auf die Einfahrt, schaue ob am GPS alles korrekt eingestellt ist, schwinge auf den Sattel und los. London calling.

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-10:39-

Capitals Route - part United Kingdom (England 2), kurz hinter „Housham Tye“.

Fahrt nach London ist ganz o.k., teils schöne Strecke, durch kleine Vorstädte und relativ domestiziertes Grün. Ab und zu sind im Dickicht der Städte schmale Trampelpfade mit heftigen Steigungen zum überwinden.

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Fyfield–London-Ealing, Sonntag 4. Juni
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-13:49-

Mittagspasue im „Gunpowder Park“, östlich des „Rammey Marsh Flood Reliff Channel“ und „Enfield Island Village“, nördlich des „Osier Marsh“.

Ein Mann nähert sich straffen Schritts und erkundigt sich, ob ich eine Frau mit kleinem Kind gesehen hätte, in jene Richtung gehend – zeigt nach links. Ja, hätte ich. Danke vielmals. Bleibe nachdenklich zurück. Ob die sich wohl verloren haben oder Frau mit Kind auf der Flucht sind.

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-15:55-

London Cycle Network route 6, „Byng Place“.

Das Vorankommen wird umso langsamer, je weiter die Strecke in die zunehmend volle Innenstadt führt. Auch wegen der Ampelanlagen, die gefühlt alle paar hundert Meter im Weg sind und oft ihre Zeit brauchen, wenngleich manche recht spontan auf Knopfdruck reagieren. Anderseits ein belebendes, spannendes Gefühl, mal wieder in einer großen Stadt mit vielen Leuten zu sein – ja o.k., hier in der Fotografie jetzt grad nicht so viel los.

Streckenweise super ausgebaut für Fahrräder, wie schon letztes Jahr auf dem Weg von „Kings Cross“ nach „Liverpool Street“. Etwas irritierend sind die Situationen mit zeitlich unabhängigen, dreifachen Ampelphasen für motorisierten Verkehr, Fußgänger und Fahrräder.

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-16:10-

„Old Marylebone Road“ Ecke „Edgware Road“, neben dem „Winchester House“. Blick Richtung Innenstadt, Hyde Park.

Ein Stück weiter und mittendrin im Verkehr Ein Stück weiter und mittendrin im Verkehr

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-16:45-

London Cycle Network route 39, „Uxbridge Road“ Ecke „Shepherds Bush Green“. Blick Richtung Ealing.

Straight towards Ealing Straight towards Ealing

Treffe um 17:12 am „Grange Lodge Hotel - B&B“ in Ealing ein. Der Empfang ist freundlich und flexibel; das Fahrrad kann im Garten neben einem kleinen Gartenhäuschen parken. Der Weg dorthin führt quer durch den Eingangsbereich und den Frühstücksraum. Zum Glück ist das Rad ausreichend sauber. Trage es dennoch, natürlich ohne Gepäck. Kanns sogar vom Zimmer aus sehen. Das ist allerdings sehr klein, aber gemütlich, und hat immerhin Stuhl und Tisch – schmale Platte von Wand zu Wand – direkt vor dem Fenster. Der Boiler in der Dusche lässt sich nur schwer von Brühheiß herunter regeln und das Spülbecken vom WC braucht ca. 20 Minuten bis es wieder voll ist. Überlege und versuche den Wasserzulauf anzupassen, lasse dann aber doch alles wie vorgefunden. Das Hotel wirkt in die Jahre gekommen, hat aber Charme, wie z.B. der Aufenthaltsbereich mit Sesseln, Couch, Kommode und Bücherregal. Hinter der Tür rechts im Bild führt eine Treppe hinauf zu den Zimmern.

Leseecke neben dem Frühstücksraum Leseecke neben dem Frühstücksraum

Duschen, umziehen – die etwas dezentere Vor-Ort Outdoor Garnitur –, und ab in die Stadt, zu Fuß und mit der U-Bahn. Das Wetter ist ausreichend warm, kein Regen, aber recht windig – wer hätte das gedacht. Laufe an „Ealing Common“ erstmal vorbei, obwohl der Bahnhof schon auf dem Weg zum B&B aufgefallen ist. Zu sehr in Gedanken versunken oder zu blöde oder unterzuckert oder die Station ist aus der Fußgänger Perspektive zu unscheinbar. Bin schließlich verwundert, so weit laufen zu müssen, frage einen Passanten, und klar, ja, liegt in der Richtung aus der du kommst, also wieder zurück.

Studiere die Netz- und Tarifinformationen in der Eingangshalle des Bahnhofs. Ein Mitarbeiter sieht das, kommt von seinem Schalterplatz nach draußen und fragt, wo ich denn hin möchte und ob er helfen könne. Ja gerne. Er berät umfangreich, hat einen Netzplan parat und verzeichnet die nach seinem Dafürhalten derzeit interessantesten Punkte in der Londoner Innenstadt, die von hier aus am einfachsten zu erreichen seien. Er erklärt welche Linie für die Rückfahrt zu benutzen sei und wie lange die Strecke bedient würde, etc.. Wow. Gibts solchen Service auch in Berlin? Zug kommt gleich, schnell das Ticket besorgen, durch die Schranke durch – Ticket rein raus –, Treppe runter, hinein in den Zug. Versuche während der Fahrt den Linienplan, meine Position, die Strecke und die Stationen zu verinnerlichen.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Fyfield–London-Ealing, Sonntag 4. Juni – 75

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-19:37-

Steige am „Piccadilly Circus“ aus. Auf scheinbar endlos langen Rolltreppen in die Höhe ans Tageslicht. Unübersichtliche Situation, schaue umher, Überblick verschaffen.

Ist halt eine mittelgroße Hauptverkehrsstraßenkreuzung mit einer kleinen, zerstückelten Fußgängerinsel mittendrin, und den Platz annehmbar fassende Gebäude drumherum, mit verbreitertem Gehweg davor. Auf einer dieser Begegnungsflächen ein schicker Brunnen, eingefasst in Treppenstufen zum träumerischen Abhängen. Sogar ein Straßenkünstler ist anwesend. Die Reklamefassade wirkt viel unscheinbarer als auf Fotografien oder im Film. Ja, o.k., ist halt gerade Baustelle, wegen Umbau der gesamten Fassade zum super-duper 4K Display. Schätze, als arroganter Großstädter fällt einem das aber alles so oder so nicht so imposant auf. Bewege mich auf meinem Kurztrip auch nicht durch angesagte, hippe, versteckte, Insider Gegenden, das wahre London, whatever. Demnächst vielleicht mal, für ein paar Tage, aber nur falls sie doch in der EU bleiben oder wieder zurück aufs Schiff hoppen. War zwar schon öfter in London, aber immer nur zur Durchfahrt, so wie auch letztes Jahr auf dem Rückweg von Schottland nach Berlin.

Erkunde ein wenig die angrenzenden Straßen, und schnell wirds trist städtisch, Potemkinsches Dorf, backwater, …. Well, Berlin ist da nicht anders. Vielleicht aber auch nur der aktuelle Blick auf die Dinge.

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-19:43-

Seitenblick Richtung London Chinatown, auf dem Weg zum „Leicester Square“.

Bin angekommen. Wirkt fast kleinstädtisch, durchaus heimelig – im Hintergrund immer mal wieder lautes Aufheulen von Sirenen und schreckhaft den Kopf hebendes Publikum.

Nach einem Italiener suchend, Kohldampf auf Spaghetti, fällt eine schmale Gaststätte namens „Bella Italia“ am Rande des Platzes auf. Entscheide mich draußen zu sitzen, im schmalen Zugangsbereich, an einen kleinen runden Tisch mit Blick auf Platz und Grünanlage. Rechterhand vor dem Eingang irgendeines Clubs lungert Security, die nervös ob erwarteter VIPs wirkt. Später erscheint tatsächlich eine Gruppe glatter Aufgeputzter, die abgeschirmt und nach allen Seiten gesichert hinein gelassen wird. Bestelle Spaghetti Gamberoni scharf und ein Menabrea Blonde. Nicht weit vor dem Restaurant versucht ein junger Mann – der aussieht wie Samuel L. Jackson und sich auch so bewegt – Handzettel für eine Comedy Veranstaltung zu verteilen, was ihm nicht so recht gelingen mag. Mehr als einen Zettel schafft er nicht bis zum Zahlen. Spiele ein paar Mal mit dem Gedanken, ihm zu winken, sogar die Veranstaltung zu besuchen, verwerfe die Idee aber jedes Mal. Die Spaghetti sind tatsächlich sehr scharf. Am Zuweg zum kreisförmig mit Wiese, Bäumen, Bänken und Gehweg eingefassten Brunnen, wechselt die Künstlerbesetzung vom Musiker zum Imitator. Der lässt lautstark mit Stimme und Mund eine ganze Rhythmus Sektion aufleben. Nicht schlecht, macht er gut, nur etwas viel Gelaber dabei. Das Programm wiederholt sich dreimal. Trinke zum Abschluss einen Espresso und zahle.

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