Die Zeitwaisen

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ich-spiele

in: the daily horror — Szene 102
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

noch sitz ich mich ausbrütend mich
aussitzend in schwitzperlen unterm
hölzernen das deutsame gefieder
ausgebreitet weit nach allen seiten
geöffnet und das gedächtnis forscht
zwischen den kleinen betrogenheiten
firnis riechend auch wie belesen
das auge ist und wie verschlingend
da ich mich doch aufpfropfe nach dem
geopfere und überhänge, mit den
verbrennungen als markierzeichen.

die füße wie (zwei) kleine kinder müde
vom spiel im spiel übereinanderfallend
einander überfallend miteinander spielend
auch sich etwas vorspielend, etwas nur,
ein wenig auch wie gefaltet, lachsam,
haarlos und mundlos gepflügt wie das
verlorene tonlos überschlagen überworfen
einander übergeworfen wie zueinander verholfen
sind sie unbeholfen verdorben, die vertrockneten
füße aufgesprungen auf haselruten, reusengedörrt.

aus den fingern wächst es mir rinnt das
grannengesicht ganz von selbst zu boden
in ständigem geriesel sitz ich und lass mich
kleine prinzessin an fadenverkörperungen,
diesen brüchigen haarknoten in mich selbst hinab
in diese tiefe, in diese wirrnis, unterste wirrnis
hinauslauschend und selbsthörend wie unwillkommen
ich doch bin, vollkommen dort, den eigenen mund
im ohr und haar um haar fällt zu boden - golden;
mir entgeht nichts.

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aufschlag

in: the daily horror — Szene 91
Alles und Nichts …

am abend rutschen die gedärme an den wänden hinunter.
in den ecken sammelt sich verwirrung, verzweigt sich,
breitet sich aus, steigt empor. aus schmalen spalten tropft
gilb, hirnmasse. eine stirn öffnet sich und läßt einen gedanken
frei. dieser gedanke fällt wie ein knetklumpen auf bodenbretter.
irgend einer tritt ihn fest, geht danach zur seite, schlägt seinen kopf
an der kalkweißen wand auf wie ein ei und erzeugt ein krachendes
geräusch. haare und splitter an der wand.
das gilbe tritt hervor, rinnt ein kleines stück herab, bleibt kleben.
das rote fließt ungehindert zu boden, hinein in die herab gerutschten
gedärme die inzwischen einen see gebildet haben, in dem es mächtig
schlingert. die graue farbe der gedärme vermischt sich mit dem roten
zu einem prächtigen farbton von fauligem fleisch. ein fulminanter verlauf.

die gäste sitzen geruhsam in den stühlen und stieren vor sich hin.

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handfas(s)er (kein glas)

in: the daily horror — Szene 28
Alles und Nichts …

ich schlief in der tür,
ich schlief immer dort,
in hab-acht-stellung,
gewahr der gefahr und
unter geschlossenen lidern
die knochen des bleiben-
wollenden hauses im blick.

die stimmung nach halb ∞
ist abgesackt, stimmgabel-
unendliches schlucken zum
metronom bleibt nicht er-
spart. metrisches karat,
getrocknete samenkerne.

knack mich, knick mach,
wunderstab- und ei-gerecht.
eine stimme hetzt zerfaserung,
zermarterung und die knochen
des hauses sind mit bleicher
blümchentapete bedeckt.

die alten morschen knochen,
verschämt versteckt.
und im inner'n der knochen,
steht ein trauerhaus, ein
langer blues ... o mark ...
durch zu lange verrenkung
verreckt.

schlucken im takte des metronoms.
knochen kochen. zermarterung und
mark. räum den knochen aus, im
zentrum steht ein trauerhaus ...
zemomentrum - es tickt die wanduhr:
alles spiel nur. wunderbar.

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donner-stag

in: the daily horror — Szene 43
Alles und Nichts …
Komödie

bin heut freier hueter.
kein sturmgeheul. kein regen, keine sonne,
einfach NICHTS ! und das soll man nun ertragen?
nein, soll man nicht man will
ein wenig die monas durch den garten tragen,
sie hin und her legen, verblättern, sie nach ihrem befinden
befragen, ob es ihnen fein und angenehm ist ... ob es noch
was zu ihren wünschen gibt das man ihnen zu füßen werfen
könne, das sich selbst ganz sicherlich ... und dann ein wenig die backofentüre öffnen, mit den hufen scharren und hänsel und gretel spielen. kasch kasch kasch. kasch-perle, bist du schon da? kaschper am brotstuhl, mit dem flintengewehre, schießt in die menge, managerie. drei vierecke zerplatzen,
fünf rosen verrauchen und machen ein beleidigtes gesicht.
an einem kopf pickern unendlich spatzen.
:(
äh, wie fürchterlich.

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hurntrom

in: the daily horror — Szene 93
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

hypersensibilisiertes
beinlein akkordeon.
der hund spielt wie verrückt
von wegen.
welche, die er noch nicht gegangen ist,
sind die variablen seiner unbekannten gleichung.
später wird er einsehen müssen, dass seine gleichung
eine ungleichung ist.
ein bein wellt willig dem eingang entgegen.
wer ist der behütter dieser hausung?
da wächst ein wilder wein.
wildweinwuchs.
wildbienenwachs.
bildwiener. der hund denkt an fleischwaren des täglichen bedarfs.

orchideenleiblein.
rechts und links kohlrabenschwarz. kohle.
da solltest du gesellschafter sein und bist doch landschafter.
verbene, werben ohne ende.
buntes pflanzgetier, eiserner fingerhut, wachsen auf allen
ebenen, ach du schönste g-artenvielfalt!
der hund singt wie verrückt I'm going underground
dem untergang entgegen.
doch noch gibt es durchaus passable durchlässigkeiten und nur
wenig ist unpassierbar wie geschehbar.
ideenstäbe wachsen.

hyperbilirubiniertes
weinlein robineum.
kein wein bellt.
wilde haarverwirbler wachsen in die tiefe, ins unterholz.
ein mann stürzt ab in ein lupinarium voller stille. ruhe,
große känguruhe.
schmetterlingsblüter laden den schläfrigen hund zum essen ein.
erwachend nimmt er bei dieser aktion reißaus.
er meidet jegliche gesellschaft. unhöfliche verneinungen waren
schon manchmal seine freundlichste antwort.
ohne bedeutung völlig bedeutungslos.

hundsrosengewächs.
wildes heckengewölk.
eine frau ist auf reisen.
an den schuhen trägt sie rosen und ihr gefasstes gesicht
zur schau der spiegellogik alter meister.
der hund spielt wie entrückt
auf wegen.
weg ungleich weg. maßlieb und libellenleibchen.
er springt den fögeln hinterher und weiß,
noch ist kein ende in sicht.

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ungebügelter bauch

ein sechsmännerstück

in: the daily horror — Szene 33
Alles und Nichts …
Komödie

der erste mann macht die türe auf
der zweite mann steigt aus dem bett heraus
der dritte mann stürzt zum fenster hinaus
der vierte mann klatscht dem dritten applaus
der fünfte mann geht auf die straße hinaus
der sechste mann sammelt den dritten auf
übergibt ihn dem fünften mit viel radau
der bringt ihn zum vierten zurück ins haus
den dritten ... der stürzte zum fenster hinaus;
der zweite mann legt sich wieder zur ruh,
der erste mann macht die türe zu.

das publikum geht befriedigt nach haus.

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tun und tat

in: the daily horror — Szene 21
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

mein kind,
das ich pulverisierte
durch wasserentzug
durch verbrennung
bis zum höchsten grad
bis zum n-ten grad also
und die asche dann fein
im mörser zu diesem grau-
rötlichen pulver zerrieben hab,
füllte ich in die kapseln,
die ich von den ärzten bekam
und die hier immer noch
herumlagen, die ich natürlich
zuvor entleerte und den inhalt
in die blumenbeete warf,
verzehre ich nun, zehre davon,
verzehre eine kapsel pro tag,
pro tag eine kapsel,
mein kind.

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gehirnfogelfutter

in: the daily horror — Szene 90
Alles und Nichts …

folge
folgefogel
follgefuttert.

ganz eigenartige
hundbewegung,
hofbewegung,
wie melusinenhaft.

nach einer drehung
folgen ameisenfögel
aus strelizienstrahlen,
unzweifelhafte fögel.

den ganzen tag huschen
pustende wesen vorbei,
verschroben in ausstoßender
blasblümigkeit.

im blau der beeren vergoren
kauern meine meisen, taumeln
entlang der sinnlosigkeit, die beine
durch dinge gezogen.

schöne bummelei.
ich komme nicht davon,
auch nicht - geschoren.

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gegenstände schreibendes nichtschreiben

in: the daily horror — Szene 48
Alles und Nichts …
Komödie

die labung der räume
fliguren
goldhülsen lippenstifte
hälse
riemchen und schnüre
schuhe
vorgerückte zeit
fehler
sprach vergessen
weinen
vor lust und wollen
lachen
subversives dasein
injektionen
und lange beine
weilen
an langen leinen
hälsen
mit mundverzückung
fließen
verzuckertes laben in
räumen
sich zu ergießen in
träumen
einander zu er-tragen.

ächzs.

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wache

in: the daily horror — Szene 63
Alles und Nichts …

streichel über seine stirn
hinweg die gespenster in seinem kopf,
ich mache … schlaf - wache
und wache über seinen schlaf und
lache …
alle gespenster fort, die argen.
wenn er schläft,
wenn er schläft,
ist das lächeln,
ist das lächeln
seiner augen doch
immer noch -
da.
wann er schläft,
weiß ich nicht.

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schwarz

in: the daily horror — Szene 41
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

die frau verneigt sich vor dem mann
der sich interessiert nach vorn beugt
dass ihr kopf den boden berührt
und die haare sich wie ein teppich auslegen
auf dem der mann steht
bis er über sie fällt
und die frau seine füße ergreift
zusammenlegt
und fort trägt.

seitdem ist es grau dort.
und der ganze himmel
ist mit füßchen behängt,
die sich auf den kopf stellen
um nicht unterzugehen.

mit kohlschwarzen augen
schaut er sie an.



Lila Regenflieg
weiss
der mann verneigt sich vor der frau
die erschrocken zurückweicht
mit hängenden armen
so dass die hände den boden berühren
auf dem ein teppich liegt
bis sie umfällt
und der mann den teppich greift
zusammenrollt
und fort trägt.

seitdem ist es grau dort.
und der ganze himmel
ist mit ärmchen bedeckt

die sich zur decke strecken
um nicht unterzugehen.

mit schneeweißen augen
schaut sie ihn an. …

weiss

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täglich

in: the daily horror — Szene 82
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

die tage sind wie zugenäht.
ich bewege mich in ihnen mehr oder weniger anstößig.
kann anfang oder ende nicht erkennen.
will es auch nicht.
sehe wülstige nähte,
rote fäden.
hautfalten sind in tagescreme gelegt,
eingelegt wie in suppe.

so enter ich durch die gegend und
in manchen momenten ist mir, als ob ich geliere.
als ob mich die anspannung verlässt.
dann denke ich an seewespen-briefe und anderes
würfliges tier.

unter der elektrodrähte summentausch finde ich
manches verlorene wieder. symbole und zeichen.
haltepunkte. halte mich auf oder halte du mich.
auf; in provisorien, verbarrikadiert.

die welt ist: voller ungesehener erinnerungen.
unausgesprochen AUCH.

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cis

in: the daily horror — Szene 54
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

theater - logisch

cisfinite, das vergießen des
körpers in die form, finte.
begrüßung und einverleibung
des allgemeinen all-gemein.
dann fortsetzung der begrüßung - und:
ausblick auf die vollendete form ...
das ziel: die bekanntmachung.

unbekanntes zeigen,
sich untereinander und dafür sein,
wohingegen wohin wogen ... geh,
fort sein. bei uns entledigen Sie
sich aller worte, aber kleidsam.

die nacktheit folgt aus dem gehölze
des mädels krummen nachtebein
auf dem fuße ... spricht: ge-heim!
zur verstärkung: sago.
im anschluss ladung zu roten drinks
im feuer. dann: das auf die uhr schauen,
zu immer gleich bestimmten zeiten
und laut sagen: das ist geheimnisvoll
wie kaminholz, ungeheuer,
eine diva im netz !

kaminvoll. ein geheimnis im feuer ...
unverraten, das reihen, das du an du
und übertragen der träger der rollenden
elementarteilchen von einem diwan
auf den anderen.
finten wörter, wörter finten,
ekstasen der zärtlichkeit.

wir wären im mond.
hätten wir nicht vergossen der organe
sprossen, alles uns
verschossen.

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rudelsicher

in: the daily horror — Szene 89
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

pfeilgespitzt da bin jch,
kleine momente meiner anwesenheiten hinter mir lassend
ziehe ich feldräumend tangenten um kreise zu überwinden,
schlupflöchernd meiner unzulänglichen beschreiblichkeiten
und durchwegend wenig hymnisch eingefräste fögel bin ich
ungelegen in schuppenhäuten ganz gewöhnlich lebend, ich,
da bin ich, im glaszeitalter, unbeschaulich eben.

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