Die Zeitwaisen

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Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

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Berlin–Dingle–Avranches 2017

Cymer–Carmarthen, Freitag 9. Juni

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Cymer–Carmarthen, Freitag 9. Juni
Reisen, Radreisen

-9:53-

National Cycle Network: Route 887, östlich von Rock und dem Fluss Afan, ein paar Kilometer vor Port Talbot.

Langes Frühstück, langes Packen, Abfahrt soweit wie möglich hinaus zögern, in Hoffnung auf später trockeneres Wetter. Schöner Abschied dann, tatsächlich ohne Regen, und ermutigendes Gespräch mit der Herbergsfrau. Sie kommt mit nach draußen und versucht Sorgen bezüglich kommender Steigungsstrecken zu entkräften, würde das gestern doch auch bis hierher geschafft haben, prognostiziert gutes Wetter und empfiehlt den Fahrradweg entlang des Flusses. Den hatte BRouter ebenfalls raus gepickt. Kann eigentlich nichts mehr schief gehen, bei so viel Zuspruch.

Sehe später auf der Karte einen weiter abseits gelegenen, auf der anderen Seite des Flusses entlang führenden Track, vielleicht meinte sie auch diesen, schätze aber, der wäre mit dem Rad schwieriger zu befahren.

Ist schon o.k. hier. Der „Afan Valley Cycle Track“ verläuft zwar streckenweise in nur 20 Metern Abstand zur Hauptverkehrsstraße, aber auf Grund des dichten Grüns zwischen Track und Straße und ohne den stressenden motorisierten Verkehr direkt vor der Nase, ist das Radeln auf dem Track ganz angenehm. Allein der schon wieder düstere, von Regen kündende Wolkenbehang stimmt ein wenig melancholisch. Aber da kann der Weg nichts dafür.

Nach ein paar Kilometern, kurz vor Pontrhydryfen – wundervoll diese Namen, kann das nicht oft genug betonen –, endet der Track scheinbar abrupt und ohne Ausweg, im Gegensatz zur Darstellung auf der Karte. Eine Wand aus Grün zieht sich weiter vorne quer über den Asphalt, als würde er dort seit jeher enden. Kann wohl nicht sein. Fahre ein Stück weiter der Barriere entgegen, und glücklicherweise zweigt links doch noch ein Weg ab. Blick auf die Karte: gibts dort nicht, hoffentlich eine Umfahrung, also dort entlang, was auch sonst. Bald wird rechter Hand zwischen dem trennenden Baumwerk hindurch der Cycle Track wieder sichtbar, auf weiter Strecke komplett unter Wasser. Mit dem Fahrrad wahrscheinlich kein Problem, zu Fuß schon eher, sofern nicht mit Gummistiefeln unterwegs. Nach knapp einem Dreiviertel Kilometer führt der Weg auf den Cycle Track zurück.

Vor „Port Talbot“, so um 10 Uhr, hoppelt das Rad über einen etwas rumpeligeren Pfad, und bald danach fühlt sich das Fahren an wie auf einer wabbeligen Gummimatte. Platten, hinten. Sofort wird klar, wo der seine Ursache haben muss. Suche fluchend nach einem geeigneten Platz, um den Schlauch zu flicken oder zu wechseln, möglichst ohne im gerade wieder aufkommenden Regen noch mehr Freude zu haben. Eigentlich kein Problem, erster Platten nach rund 1400 Kilometern, bin dennoch stinke sauer und missgelaunt, ob der für den Glasscherbenteppich in der Unterführung bei Newport verantwortlichen Idioten und meiner Unachtsamkeit. Verdränge die Vorstellung, welchen Effekt so eine Panne gestern bei der Abfahrt gehabt hätte. Zum Glück liegt direkt in der Nähe eine Hochstraße und darunter ein wunderbar betoniertes Rechteck. Mache dort gemütlich halt und versuche die Situation schön zu reden. Sehe etwas weiter weg unter der Hochstraße einen Kleinlaster, regungslos. Noch mehr Nerverei. Wird hoffentlich nicht hier entlang müssen.

Entscheide spontan, die Dichtmilch zu testen. Sollte am schnellsten gelingen, vor allem ohne Radausbau. Fläschchen aus dem Werkzeugpack friemeln, Kappe abschrauben, Siegel von der Öffnung entfernen. Aber halt, vorher noch gut schütteln, liegt ja schon ein Jahr herum, das Fläschchen. Nur zweimal heftiges Schlackern brauchts und das weiße Zeuchs landet im Gesicht, im rechten Augenwinkel, auf der Regenjacke – wie passend – und rundherum. Ja welcher Idiot schraubt auch vor dem Schütteln die Kappe ab und entsichert dadurch das Siegel. Fluche noch heftiger, bis schließlich abrupt aller Ärger einer heiteren Gelassenheit weicht. Zum Glück ist niemand vor Ort und filmt den ganzen Slapstick. Krame halb blind die Haushaltstücherrolle aus einer der Taschen und versuche so gut als möglich Klamotten und Gesicht von der Dichtmilch zu befreien. Klappt erstaunlich gut und rückstandsfrei. Schraube die Kappe von der Trinklasche und spüle das Auge aus. Könnte die Augenwäsche aus dem Erste Hilfe Pack fummeln, habe aber keinen Bock drauf. Muss reichen. Brennt auch nichts am Auge. Die Dichtmilch scheint eh nicht mehr funktionsfähig, dünn wie Wasser. Ein Jahr Lagerung nach dem Kauf, war vielleicht doch zu viel. So schnell endet „am schnellsten“.

Versuche, im Kampf gegen den Wind, den Haufen benutzter Tücher unter dem Gepäckhaufen zu sichern. Die Flasche ist noch halbvoll und irrerweise – jetzt erst recht –, gehe ich daran weiter zu testen. AV Ventil aus der Fassung und Dosierkappe auf das Fläschchen schrauben und Dichtmilch einfüllen. Gelingt einigermaßen und ohne weiteres Kleckern. Ventil wieder rein und Reifen versuchsweise aufpumpen. Nach 60 Stößen mit der Minipumpe fühlt der sich immer noch an wie zuvor. Wird wohl nix. Demontage lässt sich nicht umgehen.

O.k., was jetzt zuerst. Ätzend, natürlich das Gepäck ab und dann Fahrrad auf Sattel und Lenker stellen. Die ganze Aktion wieder mit Flüchen begleitet. Der Wind nimmt zu, muss aufpassen, dass dieses oder jenes nicht weg gepustet wird. Arbeitshandschuhe an und weiter im Text. Auf eine zufällige Verletzung kann ich gut verzichten. Zuerst die externe Ansteuerung der Rohloff abmontieren, dann den Kettenspanner. Einprägen der Stellung des Spanners, Entspannen der Feder und das ganze Teil abschrauben. Halt, nein, stopp. Zum Glück hängt die Schraube noch ein, zwei Umdrehungen im Gewinde, zum Glück noch dran gedacht: an das Unterlegscheibenpot­pour­ri. Wie am besten die mannigfaltige Konfiguration der Unterlegscheiben des Rohloff DH Spanners sichern, zumal bei diesem Wind? Geniale Idee, bin begeistert, mit Panzertape natürlich. Und da purzelt er schon wunderbar gesichert mit Schraube und Scheiben die Kette hinunter. Pitlock abschrauben, und Rad unter weiterem Fluchen aus den verschiebbaren Ausfallenden ruckeln. Kette vom Ritzel abheben. Am befreiten Rad mit zwei Reifenhebern vorsichtig den Reifen an einer Stelle über die Felge hebeln und den Rest von Hand heraus schlupfen.

Reifen inspizieren. Die im Mantel steckende Glasscherbe ist schnell gefunden und entfernt. So um die drei Millimeter dürften eingeschnitten sein. Dann der Schlauch. Kann immer noch nicht glauben, dass die Milch versagt hat und versuche unsinnigerweise den freigelegten Schlauch erneut aufzupumpen. Na klar, Luft und Milch spritzen freudig aus dem Loch. Immerhin, ein wenig Luft hält der Schlauch. O.k., doch flicken. Kurzer Druck auf den Nippel im Ventil, um die Restluft rauszulassen. Super Idee, prompt milcht auch das Ventil voll. Schlauch ruiniert. Flicken hat sich damit ebenfalls erledigt. Bei der Suppe im Schlauch und im Ventil, kein Bedarf an weiterem Siff. Schlauch vorsichtig zusammenfalten und in Plastiktüte verstauen, bis zum nächsten Mülleimer oder dergleichen. Im Nachhinein ist klar, dass selbst bei erfolgreicher Verarbeitung, ein zwei Millimeter Schnitt im Schlauch eventuell zu viel für die Milch sein könnte.

Ersatzschlauch aus einer der Seitentaschen kramen, auf Felge drauf schlingen, und Reifen wieder aufziehen. Hätte das gleich machen sollen, den kaputten Schlauch später bei besserer Gelegenheit flicken, am Ende der Tagestour oder so. Sehe aus dem Augenwinkel, wie sich auf dem scheinbaren Trampelpfad unter der Hochstraße der Kleinlaster nähert. Boah, muss der hier doch lang? Ein paar Meter vor dem Betonplateau bleibt er stehen. Mache einfach mal weiter, die werden sich schon melden, wenn sie durch wollen. Das Rad sitzt inzwischen wieder festgeschraubt im Ausfallende und als nächstes wäre der Kettenspanner dran, fuck, wie oft ist mir das schon passiert, vergessen die Kette übers Ritzel zu legen. Demontiere das Rad erneut, aber nur so weit, dass sich die Kette grad so auf das Ritzel heben lässt.

Fernlicht flammt auf. O.k., Sichtkontakt zu den Wageninsassen. Gestikuliere, werde gleich Platz machen, räume hektisch Gepäck, Müll und Fahrrad mit lose eingehangenem Rad bei Seite. Langsam nähert sich der Wagen, stoppt direkt auf Augenhöhe und die Fensterscheibe geht runter. Freundlich, entspannt, und sehr interessiert, erkundigt sich der Fahrer wo ich her käme, wo ich hin wolle, was ich hier mache, und so weiter. Versuche so intelligent wie möglich zu antworten. Er fände das cool, so eine Tour würde er auch gerne unternehmen, wünscht schließlich alles Gute für die Fahrt, vor allem keine weiteren Pannen, und dauerhaft sonniges Wetter – Optimist oder Zyniker – und dann verabschieden wir uns lächelnd. Nette, entspannte Menschen hats hier.

Zurück zum Fahrrad. Die Montage von Hinterrad, Kettenspanner und Schaltbox gehen glücklicherweise ohne weitere Probleme von der Hand. Das anschließende Aufpumpen des Reifens kostet nahezu den Rest verbliebener Kraft, physisch und psychisch. Nach 250 Stößen aus der Minipumpe scheint der Reifen per Hand gefühlt ausreichend prall. Besser nochmal mit dem Luftdruckmesser testen. Doch leider verweigert der auch nach mehrmaligem Drücken auf den Einschaltknopf seinen Dienst. Hoffentlich nur eine leere Batterie. In den Niederlanden hatte das Teil noch funktioniert. Egal. Zurück mit dem Gepäck aufs Rad, den Müll in einem der Pausenmüllbeutel verstauen, und los gehts. Das Fahrgefühl ist allerdings nicht optimal.

Sehe schräg links auf der anderen Seite der Straße eine Tankstelle. So ein Glück aber auch. Oder auch nicht. Das Gerät, das Luft gegen Bezahlung offeriert, wirkt kompliziert – bin vielleicht aber auch nur wieder unterzuckert, wie anscheinend so oft –, auf der Skala eine Angabe in „lb“, das werden wohl „psi“ sein. Stelle sicherheitshalber nur auf 55 lb ein, nicht das der Schlauch platzt auf Grund eines ungenauen oder defekten Druckluftgerätes oder eines Bedienfehlers. Scheint, für einen bestimmten Geldbetrag ist eine festgelegte Zeit lang beliebiges Rumpumpen möglich. Ein Pfund ist der Spaß wert. Angeblich hört das Teil automatisch auf Luft zuzuführen, sobald ein vorher eingestellter Druck erreicht ist. Klappt aber nicht wirklich. Zisch, piep, piep, blink, blink, zisch …. Gebe schließlich auf, als das Display nach mehreren Ansätzen endlich knapp 53 lb zeigt. Rauf aufs Rad und weiter fahren.

Doch das Fahren fühlt sich immer noch nicht richtig an. Was tun? Vergleich mit dem Vorderrad, da waren ursprünglich ca. 0,5 Bar weniger als hinten. Also ein paar Stöße nachpumpen, kann nicht schaden, und merken wie schwergängig sich der Kolben rein drücken lässt. Hinten bis zum selben Kraftaufwand pumpen, pumpen, pumpen und noch ein paar Stöße mehr pumpen. Muss an die Shadoks denken. Genug. Rauf aufs Rad, und jetzt fährt sich das Teil wieder wie gewohnt, vielleicht sogar besser als zuvor. Zu spät blitzt der Gedanke auf, an der Tankstelle nach einer neuen Batterie für das Messgerät Ausschau zu halten. Habe aber sowieso keinen Nerv auf weitere Verzögerung. Muss reichen bis Dingle.

Nach über anderthalb Stunden endlich wieder auf der Spur – die wenig später an einen irren Verkehrsknoten zwischen „Aberafan Shopping Centre“ und M4 führt. Bin beinahe am Verzweifeln. Roundabout mit sieben andockenden Straßen, weiteren Wegen und Pfaden, drumherum, nebendran und oben drüber. Die dem Track folgende Straße irgendwie kreuz oder quer, jedenfalls nicht eindeutig zu erkennen, anscheinend vom Radweg weg führend, was zuerst nicht klar ist. Kopf versagt heute nachhaltig. Eine viertel Stunde später, gefühlt alle Auf- und Abfahrten mindestens einmal ausprobiert, endlich auf dem korrekten Abzweig. Nehme die folgenden Kilometer bis nach Swansea kaum wahr. Auf halber Strecke geht dann plötzlich auch noch das 64s aus. Lässt sich aber zum Glück gleich wieder starten.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Cymer–Carmarthen, Freitag 9. Juni – 152

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Cymer–Carmarthen, Freitag 9. Juni
Reisen, Radreisen

-13:41-

Swansea, Atlantic Coast Route - part United Kingdom (4), am Fluss Tawe kurz vor der „Swansea Sail Bridge“, südlich der „Quay Parade“.

In Swansea, immer noch auf der Atlantic Coast Route und ein paar Meter vor dem Abzweig zur Promenade am Fluss Tawe, greift der rechte Cleat plötzlich nicht mehr in die Aufnahme am Pedal. Mehrmalige Versuche aus verschiedenen Winkeln, mit Geruckel und Geklacker, schlagen alle fehl. Was soll das denn jetzt. Fahre ein Stück weiter mit der Plattformseite, steige an geeigneter Stelle ab und schaue das Pedal an. Eine braune Masse verziert alle Ecken und Winkel. Der nächste Blick geht in Zeitlupe zum Schuh und dessen Unterseite. Scheiße. Cleat und Aussparung ebenfalls dick mit dem braunen Zeug eingecremt. Shit. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Wo ist das denn passiert? Wirklich Scheiße? Der Geruchstest verwirrt. Riecht nicht wie übliche Hundescheiße, vielleicht war das Tier Vegetarier, keine Ahnung. Sicher ist sicher, behandle das Zeug als wäre es Scheiße. Nur, wie säubern in dieser durch Pflaster und Asphalt geprägten Landschaft? Zum Glück sind noch ein paar Pfützen vom letzten Regen übrig und weiter vorne wachsen ein paar Grasbüschel neben dem Asphalt. Versuche so gut das eben geht, den Cleat sauber zu baden, möglichst ohne Wasser oder Kacke in die Sandale zu bekommen, und ihn durch Schubbern der Sandale im Gras, von der braunen Masse frei zu rubbeln. Klappt nicht wirklich, sticks like shit, aber immerhin klickt der Cleat nach einer Weile des Badens und Rubbelns wieder ein. Das Treiben scheint inzwischen misstrauisch von Passanten beobachtet zu werden. Warum tritt der da ständig ins Gras? Alter Paranoiker.

Sehe Bänke entlang der Promenade. Zwangspause. Rad abstellen und mittels Papiertüchern und Wasser aus der Flasche, dem Pedal und Cleat zu Leibe rücken. Auf dem Weg liegende, kleine Aststöckchen helfen weiter, zumindest ein wenig. Mittagspause mal anders. Gebe nach einer Weile auf. Sieht zwar schon ganz gut aus, Einklicken funktioniert problemlos, aber richtig sauber wird das erst unter der Dusche oder mit dem Gartenschlauch. Hoffentlich wars das jetzt mit den Zeit fressenden Zwischenfällen.

Denkste. Ein paar Meter weiter schaltet sich das 64s erneut ab, benötigt nach dem Anschalten ungewöhnlich lange um hoch zu fahren, und verabschiedet sich kurz darauf wieder. Das ganze zweimal hintereinander. Dann scheint das Teil zwar stabil zu laufen, nur wird die Position nicht korrekt gefunden und auf der Karte wild Strecke gezeichnet während ich fahre. What the fuck. Schalte das Gerät diesmal selbst aus und an. Prompt schaltet es wieder ab. Kann absolut nicht zuordnen, ob das Problem beim 64s liegt oder beim Forumslader. Oder hat der USB-Spacer beim Umfaller vorgestern doch etwas mehr abbekommen, als sich nur leicht zu verdrehen? Whatever, warum überhaupt den Akku die ganze Zeit lang im Gerät aufladen? Sollte reichen, den Akku als Fallback mitzuführen und bei Bedarf alle paar Tage an einer Steckdose nachzuladen. Sollte nicht zum Problem werden. Also Akku raus aus und 64s nur noch per Forumslader betreiben. Zur Not liegt halt der voll geladene Akku bereit.

Schalte das 64s wieder an, schwupp ist es da, aber ohne OSM Karte und ohne Tracks. Waaa? Daten weg? Kurze Panikattacke. Zum Glück ist das alles auch auf dem Notebook und Smart gespeichert. Schalte das Gerät aus und wieder an, kein Unterschied. SD-Karte? Anscheinend sind nur Daten auf der SD-Karte betroffen. Ausschalten, öffnen, SD-Karte rausfriemeln, abwischen, SD-Karte reinfriemeln, schließen, anschalten. OSM Karte und Tracks wieder sichtbar, Positionsanzeige ebenfalls o.k.. Uff. Saß die Karte nicht korrekt? Feuchtigkeit an den Kontakten? War das auch die Ursache für diesen merkwürdigen Effekt in den letzten Tagen? Gelegentlich schob sich auf ein paar Metern Fahrt ein leeres Stück Karte auf das Display, als wäre das Gebiet nicht kartiert. Kurz darauf war die Darstellung wieder vollständig. Gut, alles scheint jetzt zu funktionieren. Der Akku bleibt trotzdem draußen. Vielleicht klappert der auf dem Kartenschacht und lockert die SD-Karte in der Halterung, oder was auch immer. Wie schon überlegt, eh Unsinn den Akku die ganze Zeit im Gerät zu lassen.

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-14:13-

Swansea Bay, Atlantic Coast Route - part United Kingdom (4), Fahrradweg entlang der „Oystermouth Road“, gegenüber der „Beach Street“. Blick auf „Mumbles Lighthouse“ und „Mumbles Pier“.

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-15:22-

National Cycle Network, Atlantic Coast Route - part United Kingdom (4).

Spät Nachmittags dann die etwas entspanntere Mittagspause, am Rande der „Clyne Valley Woods“, neben dem „Clyne Cycle Path“, an der Brücke über den „Clyne Fluss“, kurz vor der „Gower Road“, gegenüber „Rowan Close“. Was für eine Verortung! Viel schöner als GPS Koordinaten.

Futtern. Da ausreichend Ästchen, Blätter und Gras vorhanden sind, auch eine gute Gelegenheit für weitere Reinigung von verkacktem Pedal und Cleat, nach dem Essen.

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-17:18-

Immer noch bei Llanelli, Millennium Coastal Path, Atlantic Coast Route, über der hier unterirdisch geführten „South Wales Main Line“. Blick aufs Meer und das „Whiteford Lighthouse“, da ganz hinten, fast mittig.

Ritter der Kokosnuss? Ritter der Kokosnuss?

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-17:22-

Millennium Coastal Path, Atlantic Coast Route, über der hier unterirdisch geführten „South Wales Main Line“ bei Llanelli. Blick in die Bucht und auf die Gleisanlagen.

Schöne Gegend und inspirierende Fahrt an der Küste entlang. Mag die düstere Lichtstimmung des frühen Abends, die apokalyptische Bewölkung und das gleißende Meer, und zum ersten Mal keinerlei bange Gedanken zur Ankunftszeit, vollkommen wurscht, endlich frei sozusagen. Auch ohne Planung und zu später Stunde fand sich bisher jedes Mal problemlos eine Unterkunft. Zur Not wild zelten, oder was auch immer. Alles ist wundervoll. Haben die hier was in die Luft gekippt, das high macht?

Stahlskulptur Eine von mehreren identischen Stahlskulpturen
entlang des Millennium Coastal Path
Obelisks (2000). Sculpture by Mike Fairfax.

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-17:45-

Gleiche Strecke wie zuvor, Millennium Coastal Path, Atlantic Coast Route, kurz vor dem Hafen von „Burry Port“.

Keine weiteren Zwischenfälle bis Carmarthen, nur am frühen Abend und kurz vor dem Ziel geben sich Wind, Regen und Steigung vermehrt die Ehre, wie üblich.

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-22:50-

B&B Zimmer im Spilman Hotel in Carmarthen.


Drei Stunden zuvor, Ankunft in Carmarthen, der Legende nach Herkunftsort des legendären Merlin. Hunde und Katzen fallen vom Himmel. Der Regen lässt jedoch bald nach und wird zu einem feinen Niesel. Viel Volk ist unterwegs auf den dicht bebauten Straßen, möchte sagen, touristisch belebt das Örtchen und irgendwie heimelig angenehm zu durchfahren. Begegne in der Fußgängerzone einer Art Prozession, einer kleinen Gruppe, kostümiert in farbenfreudiger, traditioneller Kleidung, wichtig wirkend, determiniert und unbeirrbar voranschreitend. Habe irrerweise die Idee, einen der Anführer nach Übernachtungsmöglichkeiten zu fragen. Der verweist, freundlich weiter marschierend und ohne den Kopf zu wenden, auf später, nachdem sie angekommen seien. Was auch immer das bedeuten mag. Folge ihnen kurz, schätze aber, das wird nix, fahre an ihnen vorbei und sehe sie, zurück blickend, in ein Restaurant einziehen. Frage noch zwei weitere Passanten, die aber auch von keinem B&B wissen, scheinen ebenfalls Touristen zu sein. Gut, einfach weiter fahren, der Nase nach, keine Lust auf langes Suchen, Fragerei und Experimente bei dem Wetter, auch wenn diese Vorgehensweise widersprüchlich, wenn nicht kontraproduktiv erscheinen mag. Andere würden zum Smart greifen. Zu mühsam, momentan nicht im Fluss der Dinge.

Fahre, immer noch triefend nass, an einer mit „Hotel Entrance“ beschilderten, unscheinbaren Durchfahrt vorbei, wieder zurück und hinein. „Entrance“ ist sicherlich nicht der Name des Hotels. Die Passage führt auf einen Hof, auf dessen gegenüberliegenden Ende ein Eingangsportal zu sehen ist. Ob das wohl der Zugang zum Hotel ist? Klar. Von hinten durch die Brust ins Auge zur Rezeption. Hintereingang erwischt. Wie erwartet, ist auch hier gerade noch ein passendes Zimmer frei. Etwas teurer als bisher, speziell nach der Entscheidung fürs umfangreichere Continental Breakfast plus, aber was solls. Nur Porridge haben sie nicht. Das sei schade, wirklich nicht? Kurzes Überlegen und Nachfragen in der Küche. Normale Haferflocken hätten Sie, die könnten Sie entsprechend zubereiten. Ja, gerne, würde passen. Ist sogar noch besser als die üblichen, super feinen Porridge Spezialflocken.

Zuerst das Gepäck abladen. Der Regen hat angenehmerweise weiter nachgelassen. Frage anschließend an der Rezeption nach einer sicheren und trockenen Unterstellmöglichkeit für das Fahrrad. Eine vom Rezeptionisten herbei gewunkene, bis dahin unbeteiligt im Foyer sitzende Frau, bittet ihr zu folgen. Quer über den nun wieder stärker verregneten Hof, Kapuze über den Kopf gezogen, mit der hilfsbereiten Frau entspannt über Wetter und Rad plaudernd, hinein in einen anderen Flur des Gebäudekomplexes, der anscheinend auch zum Hotel gehört. Kapuze runter. Nur das Personal des Hotels und eine weitere Person die dort wohne, hätten Zutritt zu diesem Bereich. O.k., werde schon passen. In einer Nische neben einem zweiten Zugang zu Flur und Treppe, quasi fast direkt vor der Treppe, könne ich das Rad abstellen. Gegen Wegtragen zwar sinnlos, sichere ich das Rad trotzdem per Faltschloss. Auf dem Rückweg machen sich starkes Hungergefühl und Appetit auf Spaghetti bemerkbar. Frage die sympathische Frau, ob in der Nähe ein italienisches Restaurant zu finden sei. Sogar ein sehr gutes, gleich um die Ecke, nicht weit vom Hotel, könne sie wirklich empfehlen. Sie beschreibt den Weg, verstehe jedoch den Straßennamen nicht. Sie wiederholt ihn ein paar Mal, dann macht es plötzlich Klick. Wales halt.

Doch zuerst die Arbeit. Gepäck zwei Treppen hinauf ins Zimmer schleppen, duschen, ins Ausgehoutdoorzeugs schlüpfen und los gehts. Das Restaurant ist tatsächlich gleich um die Ecke, in der „Jackson’s lane“. Der Regen hat anscheinend erneut nachgelassen, verliere langsam den Überblick, nur ein sehr feiner Niesel behaucht das Gesicht. Betrete noch froher Erwartung die gemütlich in schmaler Gasse gelegene Gaststätte und ahne doch sogleich Böses. Verharre im Eingangsbereich. Der Laden ist einladend proppenvoll, optisch wie akustisch. Fröhlich schwätzende Leute in proper Kleidung rundherum. Eine Bedienung kommt herüber. Ob ich denn reserviert hätte? Nein? Einen Moment bitte. Ein Moment vergeht. Nein, leider sei kein Tisch mehr frei, vielleicht in ein bis zwei Stunden. Umpf. Schade. Trappel leicht missgestimmt hinaus ins Nasse und ja, dann schauen wir mal kurz die Straßen rauf und runter, was da noch so an Lokalitäten bereit steht. Ein bis zwei Stunden, das wird denn doch zu spät. Leider poppt unterwegs kein weiteres italienisches Restaurant auf. Stoppe an ein paar anderen Gaststätten und schaue kurz auf die Karte und hinein in die gute Stube; meist ebenfalls satt gefüllt, und auf der Karte nichts, was die Spaghetti aus dem Kopf zu vertreiben mag. Doch sind Spaghetti wirklich erforderlich? Ja, sind sie, und wenn da nur der eine Italiener ist, dann wird dort auch gespeist.

Finde sogleich zurück zu dem Restaurant, wie magisch angezogen, werde wiedererkannt und frage noch einmal, und ob denn vielleicht etwas früher ein Platz frei werde, ihr Restaurant sei mir extra empfohlen worden, und …, ich solle kurz warten, … dann kommt sie wieder, bittet mich ihr zu folgen, weiter hinein, zur einer Art Empfang, Bar, Theke, Zugang zur Küche. Der Mann hinter der Theke erklärt erneut, dass derzeit leider kein Tisch frei sei, vielleicht in einer halben Stunde, er könne dies aber nicht garantieren, überlegt kurz und meint dann, ich solle ihm meine Telefonnummer geben und sie würden anrufen, sobald etwas frei werde, ob das für mich o.k. sei, ob ich dann gleich herkommen könne. Ja, klar, mein Zimmer sei gleich um die Ecke im Hotel Spilmann. Super. Was für ein Service. Weiß leider die Handynummer nicht auswendig, rufe die nur selten an. Glücklicherweise das Smart mitgenommen. Krame es nervös aus der Jackentasche, in der Hoffnung, dass auch die eigene Nummer gespeichert ist. Ist sie, unter Kontakte gleich die erste. Die Bedienung schreibt die Nummer geschwind auf eine schon reichlich bekritzelte Metalltafel an der Wand. Wunderbar. Ganz kurz flammt so ein hilfloser Datenschutzgedanke auf und verglüht. Schnell ins warme, trockene Hotel; die Nieselei ist stärker geworden, langsam leeren sich die Straßen, werden dunkler und kühler.

Nur zwanzig Minuten später klingelt das Smart, der Sound alter, amerikanischer Telefone, der unvergessliche Sound von Homer, IRC Client für den Mac, in Cubase leicht modifiziert. Scheint Jahrhunderte her, oder erst gestern. Schwupps zurück im Restaurant, freundlich begrüßt von der weiblichen Bedienung. Bin in freudiger Erwartung auf einen lecker mit Spaghetti gefüllten Teller und weitere Schmankerl. Folge ihr nach oben, in einen zweiten, länglichen Gastraum. Der ist unterteilt in zwei, drei Bereiche auf versetzten Niveaus, klein und gemütlich – viel Holz und Naturstein an Boden und Wänden, in Kontrast zu einer glatt verputzten Decke in Form eines Mansarddaches – aber gleichzeitig auch steril, aufgeräumt, kühl. Weiß nicht, wie dieser Eindruck zustande kommt, das Licht, die Beleuchtung, die Anordnung der Tische, die Decke? Nehme Platz an der Längsseite des einzigen unbesetzten Tisches, mit dem Rücken zum Fenster. Immer noch gut besucht.

Eine männliche Bedienung bringt die Speisekarte, wirkt distinguiert. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite des Ganges, vier Gäste bei denen nicht genau zu bestimmen ist, ob sie sich zur mittleren oder oberen Upperclass der Einheimischen rechnen oder aber Touristen sind. Eine der drei Damen ist extrem fett. Aunt Marge style. Nach dem Aufblasen. Die Dame scheint allerdings um die 30 Jahre jünger. Blättere durch die Karte, auf der Suche nach einem Spaghetti Gericht, und blicke währenddessen hin und wieder fasziniert zu dem Vierergespann. Finde immerhin fünf Variationen mit Spaghetti. Die Beweggründe, letztendlich „Linguine Al'Granchio“ auszuwählen, erschließen sich im Nachhinein nicht wirklich. Vielleicht allein die Erinnerung an eine Crabmeat Speise unter Diplomaten in Nairobi. Werde diese Variante eines Nudelgerichts jedenfalls nie selbst zubereiten. Der Hunger ist groß, und so wird das Hauptgericht mutig um eine Vorspeise erweitert, „Focaccia and Ciabatta bread“.

Nach einer kurzen Weile macht der Mann erneut halt am Tisch. Bestelle die ausgewählten Leckereien zusammen mit einem Perino und einem großen Glas Sprudel. Das bald von ihm gebrachte Brot ist lecker, verfeinert mit Olivenöl und Salz noch leckerer. Wenig später, Brot noch nicht ganz aufgeputzt, bringt er die Nudeln in Krabbensoße, schon etwas lockerer und weniger distinguiert. Krabbe im Sinne von echter Krabbe, nicht im Sinne von Nordseegarnele. Ups. Hm. Trifft visuell nicht so ganz das Erwartete. Geschmacklich, haptisch und vom Handling her ebenso wenig. Die wässrige Sauce und das Krabbenfleisch lassen sich nur schwer zusammen mit den Nudeln aufnehmen. Genau genommen ist die Mischung geschmacklich doch nicht so unlecker, allein zu den zahlreichen Stücken und Splittern des Krabbenpanzers stellt sich die Frage, ob das so soll, also feature or bug. Hoffentlich hauen die keine Plombe raus oder schlimmeres. Das Knirschen und Knacken ist schon arg, und stört den Genuss erheblich. Well, vielleicht wären simple Spaghetti Carbonara doch beglückender gewesen, vielleicht fehlt hier das Gen des Feinschmeckers. Vertilge den Hauptgang brav, bis auf die gröbsten Schalenbruchstücke. Nehme mal an, die sind nicht zum Verzehr gedacht.

Gegenüber treffen inzwischen üppige Nachspeisen ein, nach üppigen Vorspeisen und üppigen Hauptspeisen. Sicherlich war heute keiner aus dem Vierergespann 90 Kilometer in Wind und Wetter mit dem Fahrrad unterwegs, oder hat durch andere Tätigkeiten eine entsprechende Menge Kalorien verbrannt. Egal, jedem seine Freude. Bestelle deshalb ebenfalls noch einen Nachtisch, Tiramisu. Wird schnell gebracht und ist ebenso schnell wieder weg, war lecker. Die Zahl der unbesetzten Tische ist derweil gestiegen und gleich kommt noch einer hinzu. Gebe der Bedienung – jetzt gar nicht mehr distinguiert, sondern locker freundlich – Zeichen zum Zahlen. Und ab durchs nun menschenleere, stille Dunkel, Richtung gemütliches Bettchen im tief weinroten Zimmer.

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