Die Zeitwaisen

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Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

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Berlin–Dingle–Avranches 2017

Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
Reisen, Radreisen

-9:04-

Atlantic Coast Route - part United Kingdom, kurz hinter den „Rogiet Moor Ranges“ bei Rogiet.

Der Tag beginnt, wie der vorangegangene Tag endete, mit dunklen Wolken, einem frischen Lüftchen und leichtem Niesel. Ziehe besser die Regenklamotten jetzt schon an. Nichts desto trotz macht die Fahrt gute Laune, unter anderem auf Grund der abwechslungsreichen, von motorisiertem Verkehr kaum belästigten Strecke. Gelegentliche Flüche, ob des Wetters und der Beschaffenheit des Belags oder Nichtbelags, müssen sein. Mag besonders die Feld- und Wirtschaftswege mit Weitblick oder nur leichtem Busch- und Baumwerk am Wegesrand, inklusive Holterdiepolterstockundstein und düsterem Himmel, der einem auf den Kopf zu fallen droht. Die Städte mit ihren explizit für Radfahrer angelegten, reichhaltigen, komplizierten Lichtzeichenanlagen und Wegführungen nerven allerdings. Der Linksverkehr macht das nicht einfacher, obwohl ansonsten gewohnt. Bin somit regelmäßig gewollt oder ungewollt recht selbstbestimmt und chaotisch unterwegs, so wie gestern in Bristol. Oft aber auch eine Gelegenheit für kurzen Smaltalk mit Passanten oder Radfahrern.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni – 127

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
Reisen, Radreisen

-10:02-

Atlantic Coast Route - part United Kingdom (4), „Broad Street Common“ Ecke „Chapel Road“.

Und da ist es wieder, das englische Wetter, heftiger Regen, zum Glück mit nur mäßigem Gegenwind. Sogar auf Strecken mit leichtem Gefälle steht das Wasser an vielen Stellen quer zur Fahrbahn.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni – 128

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
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-10:24-

Newport. Regen und Wind haben zugenommen. Biege in die „Stephenson Street“ ein. Nach ein paar hundert Metern erhebt sich in der Ferne, scheinbar mitten über der Straße, eine große, merkwürdige Stahlkonstruktion. Fahre im strömenden Regen und durch heftige Böen schlenkernd dem hoch aufragenden Vierbeiner langsam entgegen. Ein blaues Häuschen scheint unter seinen Hinterbeinen zu schweben. Passiere ein Tor und fahre etwa hundert Meter weiter unter dem aufgeständerten Häuschen drunter durch. Ahne Böses. Erreiche schließlich im Schritttempo das erste paar Fachwerkstützen und muss abrupt anhalten. Die Darstellung auf der Karte lässt vermuten, die Straße würde ohne Unterbrechung verlaufen, also Brücke oder dergleichen. Am Ende der Straße tut sich jedoch nur ein riesiger Abgrund auf, schlammig braune Wassermassen bahnen sich acht Meter weiter unten ihren Weg, 250 Meter gegenüber das andere Ufer. Keine Straße, keine Brücke, nur hoch oben diese Stahlkonstruktion, die von einem zum anderen Ufer spannt. Brücke weggerissen in den Schlammfluten? Zusammengebrochen und weg gespült? Unwahrscheinlich bei dem Wasserstand. Fährbetrieb ebenso. Wie soll hier eine Fähre anlegen? Vielleicht ist die Stahlkonstruktion die Brücke. Müsste da nur irgendwie rauf. Bescheuerter Gedanke. Aber da ist tatsächlich eine Treppe in einem der Fachwerkpfeiler. Regen und Wind klatschen ins nasse Gesicht. Fahre vor dem Abgrund mehr oder weniger im Kreis umher und versuche Informationen zu sammeln. Halte Ausschau nach Schildern, Tafeln, etc., die Aufschluss geben über die Art des Betriebs, vielleicht ja doch eine spezielle Fähre. Doch nirgendwo ein Hinweis auf Fährbetrieb, Einlass, Ticketpreise oder dergleichen. Warum auch. So ein Blödsinn. Der Wasserstand schließt Fährbetrieb definitiv aus. Keine Menschenseele in Sicht. Eine Art Hängefähre? Dann muss die Gondel wohl auf der anderen Seite vertäut sein. Kann da jedoch nichts erkennen. Schlage das Teil später nach und werde schlauer. Korrekt, eine Schwebefähre, die „Newport Transporter Bridge“. Und tatsächlich führt ein Fußweg oben drüber, zum anderen Ufer, sofern der Weg nicht gesperrt ist auf Grund der Wetterverhältnisse, so wie aktuell. Wäre mit Fahrrad und Gepäck aber eh eine irre Aktion. Kühle langsam ab, zu wenig Bewegung. Drehe frustriert um, fahre den Weg zurück in der Hoffnung jemanden zu finden, der sagen kann, ob da was in Betrieb ist oder nicht, obwohl letzteres offensichtlich scheint. Sehe rechts am Straßenrand hinter der nassen Windschutzscheibe eines Pkw ein Pärchen sitzen, fahre heran, kann kaum noch schalten, alles klitschnass, gestikuliere, wir blicken uns an, Fensterscheibe senkt sich. Im Stand scheint der Regen immer nachzulassen. Nein, die Verbindung sei nicht mehr in Betrieb. Ganz sicher? Ja, die sei außer Betrieb, aber ich könne die Brücke etwas weiter oben nehmen. Weit? Nein, gleich links die Straße rauf, knapper Kilometer. Vom Regen gestreichelt geht die Sturmfahrt weiter. Erleichterung ist ein ermutigendes Gefühl. Flüchtig auf der Karte checken, bestens, hinter der Brücke führt die Straße direkt auf die ursprüngliche Route zurück.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni – 130

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
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-10:38-

Und so schaut die „Transporter Bridge“ von der „City Bridge“ gesehen aus. Romantisch. Bei ähnlichem Wetter muss „1984“ geschrieben worden sein.

Nicht weit hinter der Brücke, ist das drückende Gefühl beim Pedalieren nicht länger zu ignorieren. Meistens findet sich ein der unmittelbaren Öffentlichkeit entzogenes Plätzchen. Komme diesmal jedoch nicht ganz heraus aus dem belebten Bereich. Immerhin, am südlichen Rand von Newport, unter den Eisenbahnbrücken über dem „Docks Way“ – kurz hinter dem „Docks Way“ Roundabout -, ergibt sich eine Gelegenheit hinter magerem Gebüsch, zwischen Radweg und scheinbar gefliestem Brückenunterbau. Wie passend. Scheint ein bekanntes, wenngleich inoffizielles, öffentliches WC. Sorry Newport. Ging nicht anders.

Der von dunklen Wolken verhangene Himmel taucht die Szenerie inzwischen in eine düstere Abendstimmung. Fahre an ein paar Jugendlichen vorbei, im Bereich des „Maesglass West“ Roundabouts, und unmittelbar danach in eine Unterführung der A48. Lautstark knirscht und knackt Glas unter den Reifen. Nicht rechtzeitig bemerkt. War durch die Halbstarken abgelenkt und unaufmerksam. Der gesamte Boden des hell erleuchteten Tunnels ist vollflächig mit glitzernden Glasscherben überseht und die Tunnelwände rundherum mit Graffiti bekünstelt. Fucking nice gesamtkunstwerk. Bremse vorsichtig, komme so schnell wie nur möglich zum Stillstand, und steige ebenso vorsichtig ab. Selbst das Schieben tut in den Ohren weh. Fluche leise ein „fucking idiots“. Zum Glück hört das niemand. Wer auch immer das war, sollte, keine Ahnung, geglascherbt werden oder so. Hoffentlich hat sich nichts verfangen in den Reifen. Flüchtige Kontrolle; scheint noch mal gut gegangen. Keinen Nerv, bei dem Wetter das Gepäck abzuladen, Rad umzudrehen und genauer nachzusehen. Also Prinzip Hoffnung und weiter gehts. Bin doch ziemlich gleich runter vom Rad, oder? Was du dir halt so einredet.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni – 131

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
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-12:07-

National Cycle Network, Atlantic Coast Route - part United Kingdom (4), gegenüber dem Craig Ruperra, südlich der Iron Bridge über den Rhymney Fluss.

Raus aus der Stadt, wird die Umgebung erträglicher bis ziemlich schön. Der Regen hat nachgelassen. Ergreife die Gelegenheit vor dem nächsten Guss und mache Mittagspause in der Auffahrt zu einer Art Woodland Naturpark, dem „Coed Craig Ruperra“. Keine Gelegenheit zum Einkaufen gehabt, deshalb Reste, das was noch da ist. Haferflocken mit Wasser, Büchsenmandarinen und Honig. Lecker. Bisher verlief die Strecke recht flach. Pausiere nun mitten drin in der ersten, leichten Steigung und bin während des Futterns etwas beunruhigt, wegen der insgesamt 1200 Höhenmeter über die der Track von Caldicot nach Cymer führen soll. 40 Kilometer und rund 300 Höhenmeter sind erst abgehakt. 56 Kilometer und knapp 900 Höhenmeter folgen noch. Da kommt Freude auf.

Almost wilderness Almost wilderness

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-12:08-

National Cycle Network, Atlantic Coast Route - part United Kingdom (4), am Zugamg zum Craig Ruperra, südlich der Iron Bridge über den Rhymney Fluss.

Gleiche Stelle wie zuvor. Immer noch Mittagspause. Eine halbe Stunde später ist alles aufgefuttert und der Schweiß einigermaßen getrocknet. Kühle jedoch langsam aus, also rauf auf den Stahlgaul und weiter, Wärme produzieren. Ende der Mittagspause.

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
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-13:10-

„Redbrook Lane“, Atlantic Coast Route, zwischen „Newport Road“ und „Brecon and Merthyr Tydfil Junction Railway“ südlich des „Red Brook“, kurz vor Trethomas.

Ein kleines Stück Märchenwaldweg. Die Zivilisation gleich nebenan, kaum wahrnehmbar.

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
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-13:48-

Caerphilly, Atlantic Coast Route auf der „Caerphilly Brynau Road“.

Bin so unbedarft, deshalb erstmal staunender Blick über die Häuser. Was ist das denn? Schiff der Konstrukteure gelandet? Per Anhalter durch die Galaxis?

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-13:57-

„Caerphilly Castle“ vom „Dafydd Williams Park“ aus gesehen.

O.k., mehr geht nicht, kaum möglich die kleine Kamera bei dem Geschütte aus allen Richtungen, frei von Tropfen und Beschlag zu halten. Putztuch wird auch sofort nass. Keine Chance. Hatte letztes Jahr in Schottland eine D750 und einen Manfrotto Regenschutz im Gepäck. Nie benutzt, außer als unnötigen, voluminösen Ballast. Zu viel Aufwand für schnelle unterwegs Fotografie. Dann lieber atmosphärisch verregnete Aufnahmen. Überlasse die Hochglanzdokus den Professionellen.

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Caldicot–Cymer, Donnerstag 8. Juni
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-15:00-

Pull Up and Forearm Rolls. Yeah. Trimm Dich Strecke auf der Atlantic Coast Route bei Pontypridd, zwischen Fluss Taff und A 470, noch vor dem „Ynysangharad Park“.

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-15:24-

„Rhondda Fach Trail“ südlich der „Gyfeillon Road“ kurz vor einer Stromleitung.

Da half nur durchbeamen, links Dickicht, rechts Dickicht. Auch hier muss wettertechnisch ganz schön was los gewesen sein die letzten Tage.

Wirkt wie jwd und doch ist die Zivilisation ganz nah, das Fitnessstudio laut Karte nur fünfzig Meter weit jenseits der asphaltierten Pseudowildnis.

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