Die Zeitwaisen

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Über dies

in: Im Scheinen der Dinge — Milbeaut Expeed 4 FX 24.3

Feuerabend in der Zivilisation Feuerabend in der Zivilisation

Die Fotografie in dieser Serie, ebenso wie die Fotografie in „Die Dinge die da sind“, illustriert nicht, jedenfalls nicht konzeptuell.
Mich interessiert die Situation als solche, das Licht, die Dinge und ihre visuelle Wirkung, ihre fotografische Interpretation, nicht die Situation als Komposition aus Requisiten, um durch die Fotografie einen Zusammenhang abzubilden, der außerhalb dieser Situation existiert.

Im Unterschied zu den Aufnahmen im Bereich „Die Dinge die da sind“, fotografiere ich für diese Serie mit einer hochauflösenden digitalen Spiegelreflexkamera.
Während also die einen Aufnahmen mit der Kamera eines Smartphones gemacht werden, mit einer Kamera fester Brennweite und relativ geringer Auflösung, die sich über ihre Positionierung hinaus in keiner Weise steuern lässt und die Entwicklung der Aufnahme als JPEG gleich mit übernimmt, das Fotografieren quasi einer Hightech Polaroid Lomografie gleicht, schafft die vielfältig steuerbare DSLR zusammen mit ihren Wechselobjektive Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten, die so mit dem Smartphone nicht realisierbar sind, und ermöglicht dem Fotografen, wie in der analogen Film basierten Fotografie, die Entwicklung der RAW Daten - dem inhaltlichen Äquivalent des Negativs - zum fertigen Bild.

Im Fall der Smartphone Kamera sind auf Grund der unberechenbaren Umsetzung des gewählten Ausschnitts und der Lichtsituation durch die Kamera, teilweise mehrere Aufnahmen erforderlich, iterierend die Kamerahaltung korrigierend, bis da die eine Aufnahme entsteht, die so passt wie auf dem Monitor gesehen. Im Fall DSLR/RAW ist die Aufnahme geplant, eingestellt, abgestimmt, parametrisiert, die Umsetzung wesentlich zuverlässiger. Natürlich nehme ich auch hier mehrfach auf, jedoch aus anderem Grund, wie z.B. für Belichtungsreihen.

Die zu fotografierende Situation wird ausgesucht, jedoch nicht inszeniert. Die Situation existiert unabhängig von meinem Zutun, nicht jedoch meine Wahrnehmung und deren Inszenierung durch das Handling der Kamera.

In vielen Fällen würde eine fotografisch exakte Abbildung der vor Ort wahrgenommenen Situation, tatsächlich nicht der Wahrnehmung vor Ort entsprechen.
Das heißt, visuell würde das auf der Fotografie Abgebildete zwar in etwa dem entsprechen, was auch ursprünglich auf der Netzhaut ankommt, dessen Wahrnehmung also vor Ort Anlass für die Fotografie ist.
Das was auf der Netzhaut ankommt, ist jedoch meistens nicht das, was auch wahrgenommen wird. Das System Auge plus alle anderen Sinne plus Gehirn funktioniert anders als eine Fotografie, die zwar ein zweidimensionales, optisch korrektes Abbild liefert, losgelöst von der komplexen, vom Gehirn umfangreich gefilterten, ursprünglichen Situation, aber eben genau diese Filterung nicht so ohne weiteres reproduzieren kann.
Die Übertragung des vor Ort Wahrgenommenen in die Fotografie, geschieht durch Wahl von geeignetem Objektiv, Ausschnitt, Perspektive, Schärfeverlauf und Belichtung. Die resultierende zweidimensionale fotografische Abbildung gleicht der ursprünglichen Situation also nicht notwendigerweise visuell, wie allein vom Auge gesehen, sondern ist das Ergebnis des Versuchs mittels der Fotografie die Wirkung des vor Ort Wahrgenommenen, wie wahrgenommen und nicht nur wie gesehen zu reproduzieren.

Unter Umständen entsteht eine Aufnahme, die sogar stärker ist, als die vor Ort ursächlich wahrgenommene Situation, entsteht etwas Neues.
Insofern handelt es sich auch um keine dokumentarische Fotografie, wenngleich andererseits natürlich jegliche Fotografie, die nicht nachträglich manipuliert wurde, eine existierende Situation visuell abbildet, dokumentiert.

Meine Fotografie — Perspektive, Ausschnitt, Schärfe, Licht- und Farbumfang — entsteht durch das Fotografieren, nicht durch anschließende Bearbeitung, Verfremdung oder anderweitige Manipulation des digitalen Materials, mit dem Ziel erst durch diese Bearbeitung eine bestimmte, über die ursprüngliche Fotografie hinausgehende Aussage zu produzieren.

Die Aufnahme im RAW Format wird hinsichtlich Kontrast, Farbe und Schärfe, der erinnerten Situation entsprechend entwickelt, in einem Umfang der auf Methoden der analogen Fotografie basiert.

Die Titel funktionieren auf einer eigenen Ebene, stehen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Aufnahme, jedoch in Beziehung zu dieser.

Der Farbraum der Fotografien ist ProPhoto RGB. Beim Betrachten in Browsern und Programmen die kein Farbmanagement beherrschen, sind grobe Farbabweichungen zu erwarten.

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Über dies

in: Die Dinge die da sind — B2G Revolution Live

Die 10 Hinweise Die 10 Hinweise

Hightech Lomografie.
So oder so ähnlich.

Das Aufnahmegerät ist ein Smartphone, das Revolution.
Dessen Spezifikation kann den Angaben des Herstellers, der kleinen, spanischen Firma Geeksphone entnommen werden.
Ich betreibe das Gerät mit Boot2Gecko. Boot2Gecko, das ist Firefox OS ohne Schutzmarke.

Der veröffentlichten Fotografie gehen Tests, Varianten, Annäherungen voraus. Da der Upload teilweise direkt vom Revolution und unmittelbar nach der Aufnahme erfolgt, live halt, ist eine Bearbeitung nicht mehr möglich. Unabhängig davon, ist sie von vornherein nicht gewollt, zumal auf Grund des Bildformates JPEG technisch selten sinnvoll.
Anders als bei der Fotografie im RAW Format, das nur einen relativen Farb- und Kontrastumfang wiedergibt, also erst noch zum Bild entwickelt werden muss, repräsentiert das JPEG bereits ein fertiges Bild mit absoluten Farb- und Kontrastwerten - noch dazu nicht verlustfrei komprimiert.
Die Aufnahme wird in diesem Fall von der in die Kamera integrierten Soft- und Hardware Parameter zum Bild entwickelt und nicht durch den Fotografen, so wie bei der RAW Fotografie oder der analogen, Negativ basierten Fotografie.
Die Entscheidung, ob ich mit dieser Entwicklung leben kann oder nicht, ob sich die unbearbeitete, bzw. von der Kamera entwickelte Aufnahme mir so perfekt wie möglich darstellt, führt im verneinenden Fall nicht zum Versuch einer nachträglichen Verschlimmbesserung des JPEG, sondern zum Verwerfen der Aufnahme.

Wie auch bei meiner Abstrakten Fotografie wird die Fotografie allein bestimmt durch den Umgang mit der Kamera und der vorhandenen, vorgefundenen Szenerie.
Das Vorhaben ist Fotografie, nicht nachträgliche Erarbeitung eines Bildes auf Basis einer Fotografie.

Bedeuten mir Motiv und Komposition genügend, so das Verwerfen auf Grund durch das Gerät bedingtem technischen Mangel oder minimalem Mangel im Ausschnitt der Aufnahme, bedauerlich wäre, versuche ich diesen Mangel zu beheben.
Dies betrifft einmal die schlechte Performance des Revolution, in Situationen mit ungenügend Licht; das Resultat ein nicht beabsichtigtes Farbrauschen. Beheben bedeutet Reduzierung des Farbrauschens. Ist das Ergebnis nicht akzeptabel, wird die Aufnahme dennoch verworfen.
Der andere Mangel betrifft diejenige spezielle Situation, die eine optimale Positionierung der Telefonkamera nicht ermöglicht, und die dadurch bedingte Schwächung der Komposition durch minimal in die Aufnahme ragende undifferenzierte Randelemente.
Diese Elemente werden retuschiert, abgewedelt oder nachbelichtet.
Führt dies zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, wird die Aufnahme verworfen, oder der Mangel hingenommen.
Keine weitere Bearbeitung.

Thema ist einerseits das Fotografieren selbst. Das Fotografieren mit dieser Kamera.
Die Konstruktion und die beschränkten Möglichkeiten der Kamera führen zu einer speziellen Handhabung.
Eine geplante mögliche Interpretation, ein im Voraus festgelegtes inhaltliches Thema, über das Aufgenommene hinausgehend, ist nicht vorhanden.
Ich fotografiere nicht, um eine bestimmte vorher gedachte Aussage abzubilden. Die Aufnahme hat jedoch zwangsläufig eine Aussage. Diese kann, muss aber nicht gefunden und in Worte gefasst werden.
Ebenso das Motiv, die Situation für die Abbildung; sie zeigt sich, findet sich, oder eben nicht.
Entscheidend ist nicht das, was die Fotografie abbildet, sondern dessen Abbildung.
Das Thema der Aufnahme ist abstrakt, die Abbildung selbst ist realistisch.
Jede Fotografie steht für sich. Sie ist nicht Bestandteil einer Serie inhaltlich gleichartiger Aufnahmen.
Bildtitel und Bildtext sind Zusatz. Sie sind mal mehr, mal weniger eigenständig, erklärend, benennend, interpretierend, ergänzend, Bedeutung erfindend und zuweisend.


Ziel der Aufnahme ist, die Situation im beschränkten Rechteck so zu komponieren, dass der Eindruck der ursprünglichen, mit zwei Augen wahrgenommenen, viel umfassenderen Situation, sich bestmöglich in dieser Fläche vermittelt.
Prinzipiell nicht machbar, deshalb eine Übersetzung in die Geometrie der Fläche.

Eine Übersetzung jedoch derart, dass einerseits etwas Eigenständiges, Neues entsteht, unabhängig von der Situation, die abgebildet wurde, andererseits aber dennoch die Wahrnehmung der ursprünglichen Situation so weit als möglich transportiert.

Während des Ausrichtens der Kamera werden weniger Einzelheiten, sondern maßgeblich das im Rechteck der Vorschau Abgebildete als Ganzes wahrgenommen und abgeschätzt.
Sobald das Bild stimmt, zu stimmen scheint, wird ausgelöst.
Kontrolle und Wiederholung, iterierend bis zum Erfolg, oder wenn nicht machbar, Abbruch.


Was der andere Betrachter in der Aufnahme sehen mag, wird allerdings genauso unterschiedlich von der eigenen Wahrnehmung sein, wie dessen Wahrnehmung der Situation vor Ort.


Eigenart und Reiz bei diesem Gerät:
Die Vorschau weicht im Ausschnitt grob von der Aufnahme ab, und muss deshalb geschätzt werden, wie oben beschrieben.
Alle Parameter der Aufnahme lassen sich, sofern überhaupt, nur durch Ausrichtung der Kamera beeinflussen.
Einstellmöglichkeiten jeglicher Art existieren nicht.

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Ziehung der Achter – 5

Strahlung selbst nicht sehen, obwohl es dafür viel zu hell und die Strahlungsintensität hoffentlich zu gering ist. Aber ich weiß, da rotiert eine Kamera um meinen Kopf herum, verliert dabei ein paar masselose Elementarteilchen, die durch mich hindurchrasen und mehr oder weniger Energie verlieren, um auf der für Röntgenstrahlung empfindlichen Folie gegenüber eine Abbildung meines Kiefers samt Gebiss zu hinterlassen. Es summt, ich glaube die Strahlen zu spüren. Geschafft. Dem Krebstod wieder ein Stück näher. Gebiss befreien, Bleijacke ablegen.

Zurück in den Behandlungsraum und auf den Stuhl.

Die Betäubung wirkt inzwischen. Ich muss warten, bis die Aufnahme entwickelt ist. Der Arzt kommt wenig später und setzt sich mit dem Negativ in der Hand neben mich.

„Reste sind keine zu erkennen, gut. Aber wie schon erwähnt eine große Höhlung in der sich die Bakterien an frischem Gewebe und Blut laben… “ Ich glaube, es macht ihm Freude diese Dinge zu beschreiben. Der Mann hat Humor. Er setzt sich neben mich, Skalpell schon in der Hand.

„Wirkt die Spritze?“

„Weiß ich noch nicht“, versuche ich mich auch in Witzigkeit.

Gleiche Prozedur, jedoch ohne einen Zahn zu entfernen, aber viel interessant gurgelnde Absaugschlauch Aktion durch die Assistentin. Was muss, das muss. Die Höhle ist schlussendlich evakuiert.

„Geben sie mir doch bitte noch einmal einen längeren Streifen …“, ich sehe, wie er mit den Fingern zeigt; mindestens 10 cm, die er jetzt in die Wunde stopft. Ich fühle leichten Schmerz und Druck, als ob er direkt auf den blanken Kieferknochen trifft.

„So, das war’s! Den Tupfer auf der Wunde entfernen Sie …“, jaja, kenne ich schon. Schon wieder so ein dämliches unspürbares Fremdobjekt im Mund.

„Die Wunde muss offen bleiben, damit sie von unten nach oben verheilen kann, sich nicht wieder schließt, bevor sie innen verheilt ist. Deshalb der Streifen. Der guckt ein Stück heraus und verhindert so das Zuwachsen, und bewirkt, dass der Eiter aufgesaugt wird und abfließen kann. Der Streifen muss alle zwei Tage gewechselt werden. Immer ein Stück kürzer, je nach Heilungsfortschritt. Sie können dies bei ihrer Hausärztin machen lassen, oder aber in der Praxis wo sie operiert wurden. Sie können aber auch gerne zu uns kommen.“ Ja, oder ich probiere noch ein paar weitere Ärzte aus.

„Essen und Zähne putzen kann ich ganz normal? Ich meine, wegen der offenen Wunde, kann sich da nichts verfangen oder steckenbleiben?“, kurzes nachdenkliches Schweigen gegenüber.

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Es werde Licht

Entferne einmal das Objektiv
von Deiner Kamera
und mache anschließend
eine Aufnahme.

Oder entferne die Balken
vor Deinen Augen.

Deine Linsen.

Dann wirst Du „Sehen“
wo wir uns befinden.

In einem

LICHTMEER

Das
was Du visuell
als „strukturierte“ visuelle Realität
wahr nimmst
beruht nur auf der „Ordnung“
dieses Lichtmeeres
der Wirklichkeit
durch die Linse
vor Deiner Netzhaut
und der Interpretation
durch Dein Nervensystem
in Zusammenhang
mit all Deinen anderen
Empfindungen.

Es ist für einen Sehenden
kaum möglich
sich von diesen Bildern
zu lösen
und die Wirklichkeit
ohne diese Bilder
wahr zu nehmen.

Ein von Geburt Blinder
nimmt die Wirklichkeit
natürlicherweise
vollkommen anders wahr.
.

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Wirklichkeit, Wahrnehmung … und Realität? – Technik und Entwicklung – 2

in: Abstrakte Fotografie — BerHWolf
Handgetanzt — Sinnliche Eigenwelten – Fragmente der Wirklichkeit

Diese Einstellungen sind so gewählt, dass die Aufnahmedaten bei der Visualisierung so wenig wie möglich vorverarbeitet werden, die erste Ansicht mich also in der Regel mit einer eher blassen Wiedergabe konfrontiert.

Mit den im RAW Format aufgezeichneten Daten des Bildsensors selbst ist noch keine Interpretation verbunden, die umfangreichen Rohdaten stehen jedoch in einer definierten Relation zueinander; in dieser Hinsicht entspricht es, im Vergelich zu anderen digitalen Bildformaten, dem analogen Filmnegativ am meisten und wird deshalb auch als digitales Negativ bezeichnet.

Das visuell wahrnehmbare Bild entsteht erst durch die anschließende digitale Entwicklung der RAW Daten, das heißt, durch die Interpretation dieser Daten im Rahmen von Farbräumen, Farbprofilen und Kameraprofilen.
Ebenso wie bei der analogen Entwicklung einer Farbfotografie werden u.A. Weißabgleich, Farbbalance, Sättigung, Kontrast und Schärfe eingestellt bzw. optimiert.

In einem weiteren iterativen Auswahlprozess mit grundlegender Entwicklung finden weitere Selektionen statt.
Die meine Ansprüche erfüllende und am intensivsten auf mich wirkende Aufnahme wird jeweils zur abschließenden Version entwickelt.
Diese ausgewählte Aufnahme wird für einige Zeit beiseite gelegt.
Bin ich später immer noch zufrieden und erachte die Aufnahme als würdig, wird sie publiziert und zur Weiterverarbeitung für den Druck abgelegt.
Das Bild scheint so durch Betrachtung, Auswahl und Entwicklung ein zweites Mal zu entstehen, beim Druck dann sogar ein drittes Mal.

Entwicklung bedeutet in diesem Zusammenhang, wie schon angesprochen, die Anwendung von Dunkelkammertechniken in die digitale Welt übertragen – die optimale Ausarbeitung der Charakteristik der Aufnahme.

Ich nehme jedoch weder selektive ortsbezogene Korrekturen an der Aufnahme vor, noch verändere ich die Aufnahme in irgendeiner Weise strukturell wie z.B. durch Beschneiden, Montage, Entfernen oder Hinzufügen.
Ebenso wenig bearbeite und verändere ich das Bild nachträglich, um eine bestimmte Aussage zu erreichen, die über die schon vorhandene Aussag, durch die Aufnahme, insofern bei abstrakter Fotografie von einer Aussage gesprochen werden kann, hinaus geht.

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