Die Zeitwaisen

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Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

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Berlin–Dingle–Avranches 2017

Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni
Reisen, Radreisen

-7:50-

Im Ort Boskoop, Reijerskoop Europaroute R1 Part Netherlands (Lf4). Hubbrücke über die Gouwe. Bald geht die Fahrt auf kleineren Straßen weiter, abseits vom lärmenden, stinkenden Autoverkehr.

Die Strecke bis dahin ist nicht wirklich schlecht, jedoch verläuft sie zum großen Teil auf einem Radweg neben fetter Straße, wie schon am Tag zuvor, aber immerhin meist mit Grün drumherum und oft recht weit abseits der Straße, insoweit erträglich. Aber auf weiten Abschnitten zieht sich wieder diese elend lange, minimale Steigung im Bereich von 1,5% bis knapp über 2% hin, jeweils gefolgt von kurzem, unwesentlich steilerem Gefälle, während die Straße linkerhand stets nur abzufallen scheint. Ein irres, physikalisch und mathematisch nicht wirklich schlüssiges Phänomen. Das ganze garniert mit reichlich Gegenwind. Vielleicht sollen die Radfahrer ausgebremst werden, damit sie nicht zu schnell werden, die Kontrolle über ihr Gefährt verlieren und in den Autoverkehr rutschen. Oder jemand fand das besonders schön so mit der Topographie. Keine Ahnung. Später gibts zum Glück auch mal längere Gefällestrecken. Auf denen kommt der Velogical zum Einsatz und das hungrige Smart darf am Forumslader laden.

Was zuvor geschah:

Stehe am Morgen in Woerden mal richtig früh auf, den meisten Eventualitäten zuvor kommend, um die Fähre in Hoek nicht zu verpassen. Der Campingplatz liegt noch im ersten Sonnenlicht, kühl, frisch, nur ein paar Enten und Hasen auf der Wiese, alle anderen schlafen noch. Still und einsam, und doch potentiell belebt. Wundervoll. Versuche dem Drumherum entsprechend, ebenso behutsam und leise zu werkeln. Ein weiterer Camper wankt im Gegenlicht verschlafen zu den Sanitäranlagen. Nachdem alles verstaut und aufgeladen ist, folgen ein ausgiebiges Müsli im Stehen, Zähne putzen, etc., und ab in den Sattel, der Sonne, äh, Fähre entgegen. 6:49 Uhr.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni – 48

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni
Reisen, Radreisen

-11:54-

Hoek Van Holland, Hafen, Fähre nach Harwich. Vertreibe ein Teil der Wartezeit bis zum Boarding durch Plauderei mit zwei Motorradfahrern aus Östereich, die zum TT Rennen auf die Isle Of Man wollen. Muss erstmal fragen, was das ist. Good luck.

Weiter schmoren in der Hitze, bis sich die Schranken zur Auffahrt endlich öffnen.

Zufahrt zur Fähre Zufahrt zur Fähre

Waten auf Einlass Waten auf Einlass

Zum ersten Mal kommt der Rucksack jenseits des Gepäckträgers zum Einsatz. Kurz zuvor für den Aufenthalt auf der Fähre umgepackt.

Rucksack mit Lenkertasche Rucksack mit Lenkertasche

Den Rucksack derart passend ausgesucht, dass sich die Lenkertasche komplett drin verstauen lässt und zwar so, dass man den Deckel der Lenkertasche vollständig öffnen kann, während man den Rucksack z.B. vor dem Bauch trägt. Ursprünglich dazu gedacht, abseits des Fahrrads auf längeren Fußtouren komfortabel mit der Spiegelreflex unterwegs sein zu können, bzw. generell nicht die unbequeme Lenkertasche durch die Gegend schleppen zu müssen – unter Umständen plus kleinem Rucksack für weitere Utensilien, so wie letztes Jahr in Schottland, oder gar plus eines dedizierten Fotorucksacks. Erspart umständliches Umräumen des Inhalts aus der Lenkertasche in den Tagesrucksack, sofern nur der Rucksack mit soll.

Neben der Lenkertasche passt nämlich noch allerlei Kleinkram in und an den Rucksack, unter Anderem die IT Abteilung, eine Windjacke und die Kulturtasche. Wechselkleidung würde auch noch passen. Der Rest bleibt während der Überfahrt am Fahrrad. Letztes Jahr auf der Überfahrt nach Newcastle, haben wir tatsächlich noch jeweils alle sechs Taschen ächzend durch die langen Gänge bis in die Kabine gefrickelt. Was für ein umständlicher, Platz raubender Blödsinn. Die unterwegs am Rucksack angebrachten Schutzüberzüge und die direkt darunter oder im Rucksack gut zugänglich verstauten Regensachen, wandern für die Überfahrt fix in eine der Hinterradtaschen. Könnte prinzipiell aber auch weiterhin alles im Rucksack Platz finden.

Leider wird diese Version des Rucksacks nicht mehr hergestellt. Habe mit dem Personal bei Globetrotter bestimmt eine Stunde lang alle in Frage kommenden Rucksäcke getestet. In Frage kommend heißt, nicht zu groß, also eher die Kubatur eines Tagesrucksacks, aber auch nicht zu klein, so dass halt die Lenkertasche Version L wie gewünscht leichtgängig hinein passt und sich bedienen lässt. Bei keinem anderen Rucksack war das so unproblematisch, und schon gar nicht derart, dass die Lenkertasche bei geöffnetem Rucksack vollständig und unkompliziert zugänglich bleibt und zusätzlich so viele weitere Dinge hinein passen.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni – 49

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni
Reisen, Radreisen

-14:35-

Blick aus der Kabine auf Industrie und Hafenanlagen gegenüber von Hoek Van Holland.

Nach dem feinen Mittagessen hat sich die anfänglich recht luftige Fähre mehr als gehofft mit Menschen gefüllt. Das ist denn doch zu viel Trubel, kein ruhiges Plätzchen, an dem mal entspannt etwas geschrieben, gelesen oder gedöst werden könnte. Auch die Plus Lounge ist leider schon ausgebucht; hätte vorher per Internet reserviert werden müssen. Da das Bedürfnis nach einer Dusche nun doch größer als angenommen ist, bleibt nur das spontane Anmieten einer Kabine. Erschien vor der Reise, beim Onlinekauf des Tickets, noch überflüssig da nur Tagfahrt. Egal. Korrekte Entscheidung, ist ja Urlaub.

Was da beim Anmieten wieder schräg läuft, keine Ahnung, aber toll. Auf der Fähre gibt es Innenkabinen und Außenkabinen. Die Außenkabinen sind natürlich teurer, frage also nur nach einer Innenkabine. Muss das Fährticket vorzeigen und erhalte dann staunend letztendlich eine Außenkabine zum Preis der Innenkabine. Und so ergibt sich anschließend an eine erfrischende Dusche auch noch ein wunderbarer Mittagsschlaf in einer wunderbar sonnigen und dennoch wohltemperierten Kabine.

Am späten Nachmittag ist die Bar etwas weniger voll und die Zeit ist reif für den auf dieser Route traditionellen Irish Coffee mit Honigwaffel und gemütliches Rumhacken auf dem Apfelbuch. Muss die achte Fahrt sein seit 1981, damals natürlich ohne mobile IT. Ob das immer noch der gleiche Barkeeper ist? Den Irish Coffee bekommt er jedenfalls wieder top hin.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Woerden–HvH–Harwich–Ramsey, Freitag 2. Juni – 54

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Reisen, Radreisen

-18:19-


Selfie im Auge des Bullen.

Kurze Zeit später, etwa eine Stunde vor Ankunft, Abendessen auf der Fähre. Zum Ende etwas hektisch, verstehe eine Ansage nicht korrekt und denke, die Zimmer müssen schon vor Ankunft geräumt sein. So ein Unsinn. Entspann dich. Alles schick.

Verlasse den Hafen mit dem Fahrrad um 20:56 Festlandzeit bzw. 19:56 englische Zeit. Ab jetzt englische Zeitangaben. Kurze Fahrt zum Pub-Campingplatz in Ramsey. Im Linksverkehr schnell wieder drin, schon ein paar Mal Erfahrung gesammelt, in Kenia, Schottland und Irland. Komplizierte und umständliche Führung von Radwegen und Querungen in Kombi mit dem Linksverkehr, irritieren aber gelegentlich immer noch.

Um 20:30 rein in den gemütlichen und gut besuchten Pub, an der Theke einchecken – hatte sicherheitshalber vor der Reise gebucht –, und ab nach hinten in den großen, ansteigenden Garten, natürlich ganz nach oben. Gerade noch Zeit, den Zeltnachbarn beim Abendessen zu begrüßen – Ist es o.k. wenn ich mich hier daneben packe? Ja klar doch! –, im Trockenen den Zeltplatz auszusuchen und das Zelt aufzubauen, da fängt es schon an wie aus Kübeln zu schütten. Schnell rein in die hauchdünne Stube und abdampfen. Fast die ganze Nacht über Regen, Wind, Blitz und Donner. England sei gegrüßt. Zelt hält dicht. Irgendwann mitten in der Nacht, während kurzer Regenpause, aufs Clo zum Pinkeln, kurz bevor die Blase platzt. Über dem Waschbecken Sprüche wie: „Mutti kommt nicht zum putzen, bitte selbst sauber machen, vielen Dank“. Sehr schön.

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