Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

KommTier! | Auf | | |

blatt 10

in: fogelprotokolle — Blatt 10
Absurdes, Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

unter feststehendem himmel fliegen die landschaften vorüber wie augenblicke.
eine dame mit pfauenaugen sieht aus dem fenster und fängt einen besonderen fisch.
der hat nachtaugen und schaut so, als ob der regen ihn zur ruhe zwang.
die dame spricht: das regentropfen unter festgezurrtem himmel, feststehend wie unveränderlich.

fogelschwärme am morgen, fogelschwärme am abend.

ein mann hält die hand auf, er schläft.
dann wacht er auf, in einer sprachlosen öde und niemand weiß, warum.
nur er. und fühlt sich so unflüchtig. und zu spät.
dann hängt er viele sonnen auf, die ganz rund tun und von der trauer träumen.
der mann geht.
____________________________________
stundenlange fogelstange
ein fall aus dem fährtenbuch des lockfogels

KommTier! | Auf | | |

die optik des schauers oder wie das lot fällt

in: fogelprotokolle — Blatt 11
Absurdes, Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

die optik des schauers oder wie das lot fällt

der mann hängt seinen traum zum trocknen auf,
filtriert die sonnenstrahlen und mißt mit
hinreichender genauigkeit, wie die schnüre
senkrecht in den himmel wachsen
während sich die lerchen durstig erheben.

verse spannend beobachtet er mit astronomischen augen
die achsen seiner lageverschiebung zwischen drei
glasspiegeleien und tabuliert,
aus welcher lücke quergestreifter durchbrochenheiten
er sich wohl selbst am nächsten kommt.

als er im letzten spiegel sein vergangenes ich erblickt,
kommt er aus dem takt und verirrt sich in den gereimten
zugängen einer verwirrten passage.

lautschreibend konstatiert er lose:
wie meine seele im himmel hängt!
ich bin das durcheinander der dinge,
gebügelt in falten, in den falten
aufgeworfener hügel eines himmels.

danach schreitet er im stundenwinkel die zeit ab,
nimmt seinen traum von der leine und schickt ihn
den lerchen hinterher, damit diese ihn
in alle windrichtungen davontragen.

nördlich geht er noch einmal den kalender durch
und friert seine gedanken an ein dreiecksverhätnis ein.

KommTier! | Auf | |

was

in: Dunkelheit

was noch im dunkeln zu tun wäre:

die nase in den noch im dunkel des morgens
frisch gepflückten hyazinthenduft tauchen
und ein feuchtes schneckendreierlei einsaugen.
dann die hyazinthe in das zimmer tragen
und sich entfalten lassen.
ihr dabei einen wasserblauen brief schreiben.
dann sich zur hyazinthe legen und
die schnecken aus der nase entlassen.
warten.
warten, bis sie den duft der schnecken angenommen hat.

tagsüber daraus dann ein schönes bild malen:
über die begegnung mit der sich bedingenden
wechselseitigkeit bei der entstehung
des hyazinthenduftes einer schnecke.
die entscheidung zu einem zwischenzustand oder
das konzept der höheren iteration - zwitter-Ratio

KommTier! | Auf | |

Wasser

„Ist da wirklich ein elementarer Unterschied zwischen dem Toten und dem Lebendigen?
Dem Stein und der Zelle?

Sediment resultiert aus physikalischen und chemischen Prozessen; so auch Aminosäuren.
Die Weg zur Zelle und die Organisation zum Zellverband sind zwingend, genauso wie der Weg zum Stein, zum Gebirge, und ebenso wieder zurück.
Innerhalb geeigneter äußerer Umstände, die sich hier und dort in gleicher Weise zwingend ergeben, erfolgen diese Prozesse überall im Universum.

Welche Ursache diese äußeren Umstände, die zugrundeliegenden physikalischen und chemischen Prozesse haben, weshalb diese so erscheinen wie sie erscheinen, ist ein ganz andere Frage.



Alan Stein, „Auf dem Weg zu den Göttern“, flu. 2221

KommTier! | Auf | |

Fragen über Fragen

„Der Mensch unterscheidet sich letztendlich nicht fundamental von allen anderen Lebewesen.
Er entnimmt seiner Umwelt Stoffe und modifiziert diese in einer Art und Weise, die ihm für seine Existenz notwendig erscheinen.
Sei es Nahrungsaufnahme, Überleben, Nestbau, Sex, Kultur oder Kunst.
Der entscheidende Unterschied zu den anderen Lebewesen besteht in seiner Fähigkeit, all das was er tut, oder nicht tut, in Frage zu stellen.“


Karl Soroni, „Die Erkenntnisstörung“, sch. 2053

2

Suche