Die Zeitwaisen

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tierrest an luftalge

der fadenartige
spürt keine luft mehr zum atmen
in seinem kopf. kehl-kopf auch. der wind

treibt es zu toll.
ein zutreibender versingt die
letzten worte, verschlungen

mit dem faden.
neben weiteren knochenfunden
liegt grüne haut, frosch vergrünt

durch biliverdin.
darüber der pferdeschädel mit augen
auf und die bleckenden zähne …

welch ein furchterregendes rot!
rot, so rot, so schamrot in grün.
die nacht hockt sich über den boden.

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beginn

das war der akt des aushöhlens,
unreif noch, als der engel mit dem
gesicht nach unten lag, erlegen dem
taurus, auch tau-ruß, im tiervorrat
verkrochen hinter dem schleier der
gut gelüfteten leichen. im kopf die
nacht, sie ward ihm entsprungen
aus zeitungsgrau im pergament der
alten untierhaut, während die minerale
stürzten aus einem tiefen epidermisblau.
es war der akt des aushöhlens,
der ablauf der dinge; unverhinderbar,
unverhandelbar – immer erwartbar.

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zunder

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 2
Alles und Nichts …

o zundergrünes wunderwort.

ich sehe die verschiedenheiten meines durchnächtigten körpers, durchnässt auch, auch von isolierflüssigkeit, aber absetzbar, abzählbar an den ringen des schauens der augen, auch DIE augen, ein ringen gegen die müdigkeit und ein öffnen für die schlüssel der verschwiegenen heimlichkeit.
die schlüssel, verboten, himmelsschlüsselchen und der tontaube schmeckbare riechstoffe, lockboten in den gauben.

draußen stolziert ein kopftuch vorbei, auf stiefelspitzen, wie eine frau holle in die wartehalle, dort webend, auf wolken hoffend zum schweben und jch schwelge im weiteren, weben und kleben einer schwebigen textur, ledig des leidens, und leid sein des schreibens, entkleidung - ruptur.

nur der strom ist der grund und der feste boden, warum jch im dunkel noch schreibe und bedecke die seiten mit zeichenteilen, brandschwarze knochen auf leichenteilen, und und und …
wo war jch geblieben? im seidenweiß wie siedenheiß, durchfährt mich bleichend der zug der zeit, ein dauerwulst, ein simsalabami.

ein lochbrandgefäß, ein fraßloch, gebrannt und aus dem lochfraß gefädel des lachens zum maßlosen band, lachbandgefädel und das fahren mit händen und füßen an der wand entlang, dies ein wandgerädel …
und all diese unbesetzten zustände, zustände im schreiben und sprechen und tasten und denken nur:
die aufgabe der tastatur !!!

hirnschlüsselchen zündschlüsselchen stirnschlüsselchen, wo seid ihr nur?
besetzte zustände im glauben.

ein tiefer schnurrender klang.
während jch schiefkörperringe blase geh jch überaus,
erdmäntelig gestaubt,
umher in ungeräumigen a-realen
herumschleichend bereifte über einer grünen lilie,
erdmäntelig gehe jch, auch tongestaubt.

tubenreine tonstaubstube

im licht eines scheinwerfers werden der orchidee die zähne gezogen. ein trauriger
nachtton, eine kleine fanfare.
sind meine erinnerungen ab- oder anwesend
während jch fahre, innerhalb der zeilentransformation, hin und her, präventive reaktion.

restlicher staub aus einer mündung aus knochenhaar.
kein einziges totes pferd und nur der schafhaarboden liegt aufgeklärt

gebahrt.

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zärtlich

in: the daily horror — Szene 37
Alles und Nichts …

von der brust
zur schulter und
zum schlüsselbein.
die eingeweide deiner
hand, deines armes und
deines handgelenkes sind
nicht halb so schmackhaft
wie die deines kopfes.
meine zunge leckt
an deinen fersen,
an deiner brust
saugt mein herz.
aber mein mund,
gehört deinem
hirn allein.

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probiermaterial

in: the daily horror — Szene 29
Alles und Nichts …

gebläut, doch ...
probe ich die dunkelheit und
schüre scheuer rehe auf-äugen.

das herz spielt steine verlegen.
er aber, ach ER ! liegt mir wie ein
krokus im magen, er blüht, kometenschwer.

ach du! du schönes, schönes reh !
ich wage nicht, es laut zu sagen,
DAS, wie er IST:

ein großer kopf im raum.

gedacht.
unfassbar.
sicher da.
untastbar.

aber ich bin handfasser, abwascher,
storykeller, sorryteller ...
sorry. bin ja nicht wa(h)r.

bin versteckt im weckatlas,
zwischen nächtlichen saiten.
ziehe proben aus der dunkelheit
zu immer wilderen zeiten.

du großer kopf im raum !

schwirre welt,
ein wenig scherzer
und schirre an den kragen.
zieh das über hinter dich -
w e i t ... aus.

du aber, mein schönes, schönes reh,
mein circel, leben, augentran.
dein scheuer augen so n n e n b l a u -
z i e h ich ... capreo-l-i-n-i-g
rhetorisch zur figur;
wildhaar - im garten der frau.

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in sympathie

in: Musik

das symphoniehähnchen erwachte vom rufen des kuckucks sieben- bis neunmal, dann acht, dann zweiundsiebzig. flugs sprang es aus seinem instrumenturenbett und stopfte den kuckuck kopfüber unter die aufgeblasene tuba.

von diesem tun anscheinend sehr erfreut und angetan, liesz der ansonsten pessimistische papagei, welcher dicht neben der tuba im käfig des angebrachten wohnte und wie wild nach fremden rockinstrumenten ausschau hielt, ein frohes „köpft huber“ oder „köpft huba !!“ unter lautem gegacker und gekicher erschallen, um sofort darauf wieder in seinen pessimismus zu verfallen. den rest des tages schwieg er wie ein verbrochener versprecher und stierte mit glasigen, schnellen augenbewegungen vor sich hin.

das symphoniehähnchen indes eilte freundlich zu einem groszen schirm an der wand und klappte dort, im takte des metronoms, fenster wild auf und zu.

einem zufällig vorbeikommenden hühnchen schenkte es mit erfreulichen augen den ausdruck eines eigenen gesichtes, wobei es lauthals krähend verkündete, dasz dieses nicht seine eigene erfindung war.

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donner-stag

in: the daily horror — Szene 43
Alles und Nichts …
Komödie

bin heut freier hueter.
kein sturmgeheul. kein regen, keine sonne,
einfach NICHTS ! und das soll man nun ertragen?
nein, soll man nicht man will
ein wenig die monas durch den garten tragen,
sie hin und her legen, verblättern, sie nach ihrem befinden
befragen, ob es ihnen fein und angenehm ist ... ob es noch
was zu ihren wünschen gibt das man ihnen zu füßen werfen
könne, das sich selbst ganz sicherlich ... und dann ein wenig die backofentüre öffnen, mit den hufen scharren und hänsel und gretel spielen. kasch kasch kasch. kasch-perle, bist du schon da? kaschper am brotstuhl, mit dem flintengewehre, schießt in die menge, managerie. drei vierecke zerplatzen,
fünf rosen verrauchen und machen ein beleidigtes gesicht.
an einem kopf pickern unendlich spatzen.
:(
äh, wie fürchterlich.

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