Die Zeitwaisen

Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

Was vom Frosche übrig blieb

G e s p r ä c h s l a i c h

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Bittersüß

Gewidmet E. M., R. M., R. G. und P.

Der folgende Dialog findet statt in einer kühlen, regnerischen Spätsommernacht in den Alpen, auf der Rückfahrt von Trient nach Berlin, in einem alten Zug, dessen Fenster innen beinahe ebenso stark beschlagen, wie sie außen der Fahrtwind mit fließendem Wasser überzieht. Anwesend sind zwei Jugendliche, dicht beieinander sitzend auf dem feuchten Boden im Übergangsbereich zwischen den Abteilen, an Rucksack und Isomatte lehnend, in leichter, klamm an der Haut klebender Bekleidung und mit klitschigen Haaren, ein roter Taschenkalender mit der Aufschrift „Frieden ‘82“, darunter gemalt ein arabisch anmutendes Zeichen, ein Kugelschreiber, und weitere Fahrgäste. Kalender und Stift werden zwischen den beiden jungen Erwachsenen hin und her gereicht. Niemand spricht. Die Stille ist erfüllt von den Klängen über die Gleise rollender, eiserner Räder und an die Glasscheiben prasselnder Regentropfen.

„Also, Du hast keine Lust, wieder mal; wie soll ich denn dann jemals mit Dir über das reden können, was mich bewegt? Wie Du siehst, bin ich schon nicht mal mehr fähig, die Sache mündlich zu klären. Soll ich überhaupt?“

„Es ist 00:38. Seit 5 Nächten habe ich zu wenig Schlaf gehabt. Wo soll da noch Lust her kommen? Das ist ja wohl in den letzten Tagen oft deutlich geworden! Oder? Den Mut zum Reden musst Du selber aufbringen. Alles oder Nichts. Wenn Dir die Sache wichtig erscheint, wirst Du wohl reden müssen, oder bleibt noch eine andere Wahl?“

„Ja, in Melancholie dahin zu dämmern. Du weißt alles? Du weißt Nichts! Zumindest was meine Sache betrifft. Es ist mir wichtig, sonst würde ich hier nicht neben Dir sitzen. Die Probleme, die Du bei P. hattest, sind nichts gegen die Probleme, die ich bei Dir habe, da mein Problem etwas anders gelagert ist. Teil meines Problems ist es aber, dies nicht genau zu wissen.“

„Ich kenne Deine ‚Krankheit‘ sehr wohl, eben wegen P. Oder zumindest kann man Parallelen erkennen. Das Deine Probleme anders gelagert sind? Mag sein! Bei der Vielfalt der Probleme, die ich mit P. hatte, kann ich mir das nicht vorstellen. Vielleicht in Nuancen. Was man nicht weiß, muss man erlernen. Kommt Zeit, kommt Rat. Eine traurige, aber bittere, wahre Erfahrung. Meine Konsequenz aus der Sache mit P. ist eben das, was Dich scheinbar belastet. Aber ich bleibe meinem aus tiefster Erfahrung gewonnenem Prinzip treu. Vielleicht wirst Du das erst später, nach eigenen Erfahrungen, verstehen!“

„Ja, aber dann wirst Du ja nie wieder mit irgendeiner Person engeren Kontakt bekommen. Ich weiß nicht, ob Du auf das was jetzt kommt,

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Baden gehen

Heute Vormittag war ich nach längerer Zeit wieder einmal mit Kind und Kegel Wasser beiseite drücken. Das Hallenbad habe ich kaum wieder erkannt, speziell den Eingangsbereich nicht, der komplett umgestaltet wurde; ebenso wie die Preise. Mit nassen Haaren und vom Schwimmen erschöpft, Pommes und Gummischlangen in den Händen, auf Bänken sitzend vor raumhoher Verglasung, können die dahinter im Nass noch munter sich verausgabenden nun betrachtet werden.

Es ist kaum Betrieb. Trotzdem kommt die Kartenverkäuferin ins Schwitzen, als ich „Drei Kinder, zwei Erwachsene, drei Schlüssel für die Sammelkabine und einen Schlüssel für Männchen und einen Schlüssel für Weibchen“ bestelle. Während sie sich lässig zu konzentrieren sucht, fragt hinter mir jemand, wo denn die Schlüssel hin sollen.

„Da hinten in den Schlüsseleimer.“

„Da ist kein Schlüsseleimer.“

„Moment.“

Sie schwingt den Eimer über die Theke, reißt beinahe mein rechtes Ohr ab und gibt mir beiläufig fünf Karten und drei Schlüssel.

„Da fehlen noch zwei Schlüssel, bitte; Mann und Frau.“

Sie kramt und schiebt zwei weitere Schlüssel über die Theke.

Heidrun:

„Hast du auch für 60 Minuten?“

„Ja.“

Die Ticketverkäuferin:

„Nein, das ist für zwei Stunden.“

Heidrun:

„Oh man, das kostet wieder, ich hatte dir doch gesagt für eine Stunde!?“

Äh, verwirrt, vergessen, gibt es denn überhaupt für eine Stunde?

Verkäuferin:

„Wollen Sie lieber 90 Minuten? Das kommt dann aber teurer. Sehen Sie, ich hab das längste und billigste für sie kombiniert. Heute ist Familientag, und da sind zwei Stunden billiger als 90 Minuten.“

Das längste und billigste. Nach den 60 Minuten frage ich nicht mehr. Heidrun ist beruhigt. Eine Drehsperre versperrt uns den Weg.

„Da links musst du die Karte einstecken.“

Klar, Karte rein, durchgehen, Karte raus … und die anderen … müssen auch noch hindurch … doch, ich habe die Karten …

„Eure Karten, hier … da … deine, nimm … und Julias …“, mit viel Umstand fädeln sich alle auf meine Seite und Julia knallt wieder einmal etwas vor den Kopf. Der Sperrholm. Nicht so schlimm, ist sie gewohnt, hart im nehmen.

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Schlafende Füße

Am Morgen.

So eben alle aus dem Bett gekippt und am Frühstückstisch versammelt. Kaum eine sitzt vernünftig auf ihrem Stuhl, am wenigsten die beiden kleinen Mädchen. Nach einer kurzen Phase matt müder Kohlehydratzufuhr und einiger Unwilligkeiten meldet sich Julia zu Wort.

„Ohhhohhoouuu … mein Fuß ist eingeschlafen, huuuhuuuuuhuuu … “

Der Papa schaufelt halb besinnungslos das Müsli in den Rachen, ob der geringen Menge Schlaf in der Nacht; Salattuning ohne Ende. Zwischen zwei Happen findet er seine Stimme wieder.

„Musste nen Wecker daneben stellen.“

Julia guckt auf, Maren guckt auf, grinst.

„Höhö, sehr witzig … hm … ja …“

Springt auf, rennt in ihr Zimmer, kommt mit dem Mützenwecker zurück.

„Komm Julia, ich stelle den Wecker neben deinen Fuß.“

Julia schiebt sich vom Stuhl und hoppelt zu Maren, streckt das Bein aus. Maren kniet neben sie, den Wecker in der Hand, manipuliert daran herum und stellt ihn vor sich. Er klingelt.

„Na, wacht er auf?“

„Nööööö …“, traurige Miene.

Maren manipuliert noch einmal, schiebt ihn näher. Der Wecker klingelt erneut.

„Und jetzt?“

Julia lacht!

„Ja, jetzt ist er wach!“, hopst, umarmt ihre Schwester und freut sich.

„Du Maren, das machen wir jetzt immer so, ja?“

Der Papa sitzt am Frühstückstisch, grinst sich eins wegen der tollen Performance am Morgen, und schaufelt weiter sein Müsli in sich hinein.

Die Mama kugelt sich derweil am Boden.

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Should I Stay or Should I Go

That’s all too complicated, isn’t it?
Einmal noch über Los gekickt.
Like chess in „Mensch ärgere Dich nicht“ mode.
Worte in großer Rochade.
In der Hitze der Polarisation.
Springer und Bauern im Doppellauf mit Staffel Stab.
Ringend Kontrolle Versagen.
Die Ahnen des Schams begrüßen milchende Rinder.
Im grell Dunkel wässrig bunter Stau Stufen.
Überhoben.
Fits of unembarrassed audacity.
Unintentionally.
Self.
Induced Exposure.
In Cat Like Mirrors.
Schiller plays Kurt.
A mistuned grand pinao.
Shouts.
Snaps at cakes of snow.
Defäckte Tiere auf Traum A Tisch.
Mist Taken.
Human Beings.
In Best Form.
Well, Well, Well.
Traum Haft Wirklichkeit.

No Fun Intended.
Or was it?

Lightning Bugs conditioned by Stormy Weather.
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