Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

KommTier! | Auf | | |

in sympathie

in: Musik

das symphoniehähnchen erwachte vom rufen des kuckucks sieben- bis neunmal, dann acht, dann zweiundsiebzig. flugs sprang es aus seinem instrumenturenbett und stopfte den kuckuck kopfüber unter die aufgeblasene tuba.

von diesem tun anscheinend sehr erfreut und angetan, liesz der ansonsten pessimistische papagei, welcher dicht neben der tuba im käfig des angebrachten wohnte und wie wild nach fremden rockinstrumenten ausschau hielt, ein frohes „köpft huber“ oder „köpft huba !!“ unter lautem gegacker und gekicher erschallen, um sofort darauf wieder in seinen pessimismus zu verfallen. den rest des tages schwieg er wie ein verbrochener versprecher und stierte mit glasigen, schnellen augenbewegungen vor sich hin.

das symphoniehähnchen indes eilte freundlich zu einem groszen schirm an der wand und klappte dort, im takte des metronoms, fenster wild auf und zu.

einem zufällig vorbeikommenden hühnchen schenkte es mit erfreulichen augen den ausdruck eines eigenen gesichtes, wobei es lauthals krähend verkündete, dasz dieses nicht seine eigene erfindung war.

KommTier! | Auf | |

nach der lähmung

drehversuch

erschütternde nachbewegung der hand,
sich werfend, unnachgiebig, die köpfe
hinter sich lassend, verschnitten,
mit dem eigenen körper befasst,
diese tausend kleinen verworfenheiten.
es schüttelt mich, soviel ausgrabungen
könnte ich noch machen, wenn ich mich ließe,
kopfklackern, schlankeitsaugen, kopfkakalaken,
dazu dieses aufgeworfensein, geschmissen aus
den unterbrechungen des fließens, abhandlungen
während des schreibens, zerfließen, taukörper,
rohe masse und dann dieses verfallen in geworfen-
heit, hingeworfenheit, auch her, auch gerissen,
in verrückungen, zungenzucker ... außer der zeit,
außer des selbst sein, ein leben lang die fäden,
lang die zeitlosigkeit, die ewige zeitlosigkeit!

KommTier! | Auf | | | |

i-lluminationsphilosophie

ohne enthaltestelle

wir blicken auf
die eigenbewegung
der dinge, hier:
stühle ohne bezug
zur lebensgeschichte eines
wissenschaftlichen körpers,
welcher im andauernden denken
über philosophische artefakte wie z.b.
Erkenntnis, Existenz, licht, umweltkunst,
aktion und bewegung im freien gefangen ist.
spiele.
ein rosa rausch oder die kinetik der poppenden stühle.
in einem ausbalancierten zusammenspiel werden
erholsame wechsel bewußt ermöglicht, standbein
und spielbein, spielbein und standbein um
während des poppens ohne sitzposition
fest und unverkrampft standhaft zu sein.
statik und bein.
fazit: gestelle mit zeitlosen linien in bewegung
harmonieren perfekt miteinander und sind ein blickfang
in jeder alteingesessenen umgebung.

KommTier! | Auf | | |

pata-noster — die physikalität des fahrstuhls

ein auf- und abstück zu spielen in drei klingenen aufzügen

es treten auf:
dinge die zusammen kommen und zusammen gehören.
bambika, eine aus büchern und schöpfkellen gebildete frau
verfaultes rindsfleisch
fortgelaufener text
ein ausgebluteter
blasen

verehrte gekommenen, sehr verehrte herrschaften,
willkommen im pata paranoptikum. und nun bitte präfesenz!

es erscheinen die drammatiken der aufzüge in den aufzügen.

erste dramatik im ersten aufzug:
während der aufzug nach oben fährt,
fällt ein roter schuh konturlos vom nachthimmel nach unten.

erste dramatik im zweiten aufzug:
es kommt ein gekrönter kopf auf großem fuß daher.
der aufzug fährt nach oben.

erste dramatik im dritten aufzug:
in diesem aufzug,
der sich in para-lele zum ersten befindet,
ergreift ein kleinhungriger mit dünner haut
die flüsternde hand einer frau mit zeitung.
man nennt sie auch die zeitungsfrau und
alle zusammen: die „drei mit fisch“.
der sich in nachobenfahrigkeit befindliche
aufzug stockt und bleibt stehen.

zweite dramatik im ersten aufzug:
unter dem nachthimmel dreht sich ein sonniges reh
im karussel der rehe sogenannten bambikarussel.
auf dem rücken des sonnigen rehes sitzt
bambika und malt sich die lippen an.

zweite dramatik im zweiten aufzug:
der gekrönte kopf tanzt einen veitstanz

zweite dramatik im dritten aufzug:
die „drei mit fisch“ lieben sich.
im mittelpunkt eine dose mit namen.

dritte dramamtik im ersten aufzug:
der rehtäuscher erscheint.
bambika öffnet die lippen und spricht verschmachtend:
„bitte fühl mich wohl“. dann wirft sie sich ihm vor die füße
(schon wieder mal) und schmilzt dahin.

dritte dramatik im zweiten aufzug:
der gekrönte kopf tanzt noch immer.
jetzt aber salsa mit grünen und roten blasen.
roja und verde. eine sause beginnt.

dritte dramatik im dritten aufzug:
die „drei mit fisch“ spielen
vater, mutter, kind; das kind eine dosenlibelle.

vierte dramatik im ersten aufzug:
der rehtäuscher penetriert bambika mit einer pferdekerze während
bambika sich dabei am konturlosen roten schuh festhält,
nach oben schaut und sich ergötzt.
zum schluß kein erguss. ein zuschauer ruft empört:
schmäh, alles nur plastisch!!!!
der aufzug setzt sich in bewegung und fährt nach unten weg.

vierte dramatik im zweiten aufzug:
der gekrönte erliegt hingerissen seinen letzten zuckungen
und nagelt sich daraufhin selbst ans kreuz.
der aufzug setzt sich in bewegung und fährt nach unten weg.

vierte dramatik im dritten aufzug:
der kleinhungrige befindet, dass er doch etwas größeren hunger hat.
er schlachtet die zeitungsfrau und weidet sie gründlich aus.
ein penetranter geruch nach vergammeltem rindsfleisch
verbreitet sich, steigt in die nasen des publikums,
setzt sich dort fest und wandert weiter bis ins gehirne.
der aufzug setzt sich in bewegung und fährt nach unten weg.

ein duschvorhang fällt.

die vier apokalyptischen damen, aus der zucht und ordnung
der spring- und dressurreiterinnen, schreiten nach innen und singen:
„wir sind gekommen, das glück zu vertun.
wir, die unendlichseligen
paramell-bon-bon.“

und damit ihre großflächige fähigkeit zu dramatischem ausdruck
bei virtuos geführten coloratüren noch besser in erscheinung trete,
krakeelen sie:
„jubel bitte und applaus!“

KommTier! | Auf | |

ode an die bewegung

im richtigen schritt
die richtige bewegung ist
basis der wichtigen beregung.
die beckenpartie, tief und störungs-
frei im sitz mit der balance des gesäßes
über dem erguss des gefäßes oder darunter
sich bücken durch die tiefenmuskeln im rücken
und mit großer lust zu hoffen: die sitzfläche wird breit
und das gesäß ist offen.

zum schluß das rollende becken und die bewegung
des zungenbeines nicht vergessen.

KommTier! | Auf | | |

der die das - hanglos zu summen

siebter Gesang

in: Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

37. das rot meiner iris geht in wankelgewässern. wandelnd.
jch führe nicht abgespeist den tätern das fühlen zum munde.
stehenden fuszes reiszt es mich aus der tasche falschen fleisches.
wer will mir weiszes als buntes weisz machen?
schwarz-pause in indifferenten graus.
sophisticat.


38. das betörende sommerkleid ist ein hauch aus schwebend leichten lagen.
während die korsettverschnürung hinten für eine wunderbar perfekte paszform der wespentaille sorgt,
setzt eine facettengeschliffene korallenkette am hals einen aparten akzent:
sie verbirgt die häszliche naht der geköpften auf das vortrefflichste.


39. die frau, die solange gewartet hatte bis das licht unter ihren augenlidern verloschen war
und dann den duft des schlangengiftes einatmete um in einen tiefen rausch zu fallen,
fand sich am nächsten morgen in s-förmiger verkrümmung hängend an der gardinenstange wieder.


40. der schnitt wird als vorsorge des risses getan,
sozusagen zur vorsorge des durchrisses.
so ist es in den jahren eingerissen,
den schnitt zur verhinderung des reiszens zu tun.
ein gerader schnitt wird als möglichkeit des leichteren nähens angesehen.
nun aber besinnt mann sich einer abkehr, einer abkehr des schneidens,
hin zum reiszen. das nähen wird so zu einer gröszeren herausforderung.
(aus: unterleibsbeschaffenheiten, sie unterliegen nicht mehr der diskretion)


41. als er den hang zu decken entdeckte,
beschlosz er, seine durchhängende scham
nicht länger zu verschweigen.
er sprach von nun an zu den weiben
nur noch von seinem „E-ntdeckungshang“.
das entschädigte nicht alle frauen,
aber einige beschlossen zu bleiben
und auch ihre scham nicht zu verstecken.
sie gaben sich seiner und ihrer hin,
demütige scham, in kuscheldecken.
aus: impotenz durch hängen lassen


42. das gliedertier rutscht vom fleischabhang.
die gesichtslose rachenbewegung entspricht der tierischsten luststufe:
laut A.

KommTier! | Auf | | |

totgewacht

in: the daily horror — Szene 76
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

das lachen der toten,
megane !
es ruft: übernachtungsgefahr !!
in verwitterung die
verzweigung der träume
stellen sich auf einem teller dar.

floger.
standhaft das prinzip der ordnung
des wassers.
reduktion der komplexe -
komplex ohne e,
lauter losigkeit ...
fortdauernde laufbewegung

unauffälliges
geflüster.

flucht.

KommTier! | Auf | |

p’art’ist’an - wie läuft das geschlecht? - ot-ode

in: Kontraktionen über g.
wie läuft das geschlecht?

nicht kreis, noch kreuz, noch loch
und spiegel, nur tischlägerig im
direkten licht läuft es noch nicht.
döst im stehen, im stande nicht un-
terzugehen, nickt hin und wieder
durch seine glieder, vielgliedrigkeit,
feine fiedrigkeit der nervatur, noch
verblätterte tentakelität, blass,
verborgen, farbzeitlos es geht.
bleiche haut, unbeschuht, steif
angeschaut. davon läuft es nicht
nur aus dem ruder nach der frage.
es geht.
p.
vor der abkrümmung des stieles im
reifen samen gekrümmt hat es eine
breit gefaltete spreite, eine haarige
faltungsbewegung und eine gewöhnliche
scheide.

identizität

KommTier! | Auf | | | |

tapire

in: the daily horror — Szene 56
Alles und Nichts …

man könnte auch sagen: butterblum, zwitterblum, wenn man so sitzt,
inmitten seiner bücherberge wie eine insel von gras umschlossen
und in der hand die schale voll blumentee; wie eine geisha,
buntbekimonot, an seidenfäden das härz gehänkt und der ausdruck
der puppe gegenüber so dem eigenen entspricht, dem eigenen ausdruck,
der eigenen haltung, sprachlos, stumm, nichts. verpupptes spiegelbild
oder spiegelbild verpuppt.

sitzen im zittergras. welch ein bild der ängstlichkeit.
mach ein foto davon. stetiger wechsel zwischen an und aus ...
ziehen, auch im kopf, an-aus-an-aus ... bei welchem zustand
wird wohl stehengeblieben? aus, verbraucht - am wenigsten energie.

mir tränen die augen in dem ganzen blätterhaufen, hafen auch.
ich wünschte, alle wären vom winde verweht, es ersparte mir viel,
auch mühe zu ordnen, doch ich ordne sowieso nichts, wozu auch.
wenigstens gibt es hier keinen gitterzaun. ich sauge die luft
ein und stoße sie aus. denke: der mensch als fortbewegungsmittel.
und: welches zeug! inmitten der pflanzen.

stille sinn thesen, durch addition und subtraktion, eliminierung,
omnipotese; konditionierung. oh, zarthaariger kelch ! wo bist du
verblieben? wächst du nun nur noch unter'm fernen getreide?
schauer laufen still den rücken hinunter. mir gruselt vor den ganzen,
weißen papieren und den kritzeln darauf.

ach du schöne poesie, du bunter fogel mit den weißen flügeln,
kreidebleich. so rot die strümpfe, so ohne schuh, schuhkäfige
sagte eine dazu, para-day. da kannst du vieles denken, wissen
schafft kunst, dann wieder: wie die pflanzen sich verrenken !
auch: einander zu. ein tausendmaliges verbäugen, stilles verehren
und preisen. ein gegenseitiges erheben, so heiß, so viel glut.

ein schmetterling paart sich mit blum und beflügelt den fogel
der nichts davon weiß, nicht weiß, wie ihm geschieht. ich nehme
mir vor, nicht zu versinken in den vielen papieren, ein fast un-
möglicher vorsatz. schreibe dann: was sind wir doch für seltsame
gefäße, behausungen, bauwagen.

aufgestichelt das stichwort in relevanz zum naheliegenden gegenüber
tanzen tanzen tanz, stanz. steht still nicht, loses werk, zeug,
flick, blatt ... brrrr-uch auch brrr-auch stück, von dir stückchen.
schon wieder hungrig nach flugigen tagen, puppenverpuppung, unpuppe,
die aufgetürmten nester, die entschwärzten pupillen, die kugelaugen,
das rothaar schon zu orange.

dieses gespringe, gesprinkel, gespreize.
wolkenfette abgemolken. es regnet keine milch heute, auch keinen honig,
ich spüre wie die verseuchung nicht nachläßt und rauche trotzdem zuviel,
flick-flack der gefühle. es stürmt immer noch, dieses leben, voran !
vorwärts ! unsicher trotz der langen beine oder gerade wohl deswegen.
stürze - einprogrammiert, fallen - einstudiert. ich will nicht sein
gewesen! er ist ein wandertier ! ein hirt, ein hirsch, ein wundertier.

sein hirschschrei, sticht mir brünstig ins eingeweide. süßholzlippeln,
pappeln wie espenlaub, mundtaub vom vielen küssen. innig die wände aus
zuckerguss in der kussgießerei und ein strömendes zerfließen. augenlos.
endgültig ist nichts. flucht von den plätzen ist logische antwort. obwohl,
er gestaltet die luft mir mehr als zur genüge und mehr als reichlich ...

trotzdem. diese lebendige form der leere bleibt, ist wie ein film,
endlos sieben mal centimeter drei, es wachsen meine papiere zu
skulpturen sich aus wie unser im sturm zerrissenes gekleide. weiße
blätter vor dunklen wänden, dunkle blätter in weißen händen. all
unsere finger schoben sich kritzel zu- und ineinander, ohne zu enden.

es müßte da ja etwas sein woran ich erkenne eine abwesenheit und wann
weiß ich, daß etwas fehlt? dabei ist sie schon längst vorhanden, die
erkenntnis: es kommt bei allem nichts raus. ich mag es, wenn die
papiere fliegen. innen nach außen, außen nach innen. verpuppte zustände
und darunter mein alpwissen, von dem, wie es wirklich ist.

KommTier! | Auf | |

ein summer oder summen. additionen oder substitutionen. verzunderung.

hin und wieder versucht mr. homes von drinnen einen blick auf die außenwelt zu werfen;
ein ziemlich verwegenes unterfangen, wie er persönlich findet. trotzdem begibt er sich
zum fenster um hinauszuschauen, doch die schwärze der fliegen verhindert jegliche aussicht,
auch die auf erfolg.

so begibt sich mr. homes wieder beruhigt hin und zurück an seine anlegestelle,
welche auch ein wilder liegeplatz ist. dort beginnt er, sich die außenwelt vorzustellen,
basierend auf den erinnerungen seiner zuletzt eingesammelten bilder.

und er erinnert sich seines vorangegangenen gehens und wie er so von einem zimmer
ins andere schritt, so ging er durch verschiedene zeiten, vor und zurück. es war eine
bewegung ohne richtung und mr. homes sagt laut: so ward das verwegene unterfangen
doch nicht zu einem erfolglosen verkommen. dann verfällt er in schweigen.

während draußen die durch die lüfte segelnden fische, denen die medusen im nacken sitzen,
die kurve nicht mehr kriegen und spiralförmig wie schraubtiere nach unten in elektromagnetische
feldfallen fallen, hört mr. homes nur noch die individualität des gleichbleibenden tones bräungelblicher
kerbeltiere. er nennt sie isolatoren im simulationsraum.

KommTier! | Auf | | | |

infusionsgebläse oder intubation am fußpunkt

pink ping

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 11
Alles und Nichts …

inzwischen hab jch mich erhoben, den körper tiefenbreit verschoben. wieviele jahre schrieb jch im liegen? lebenslang? es fährt die wand an der hand entlang.
handkantenbang.

hastiges rauchen ermöglicht mir, mehr zeiten zu tauschen.

jch stäube die aschen der verbrennungen vierten grades in flaschen. einwurfflaschen. voller lust ohne luft. mir fällt mein neuestes spielzeug ein, zu händen und:
es spielerisch in die hand zu nehmen, auch an die hand zu nehmen, das maß zu nehmen, das band zu nehmen.

und jch sehne ihm nach und sehe nach ihr.

der bewegung des bandes, einband auch einwand,
wie es seinen ort wechselt, mir dabei das wort wechselt,
wie es fällt, gehäxel – wortgehäxel wart-gemetzel
„auch mein freund hat verfolgungswahn“
entfällt mir sehr schnell.

im sturz der taschen meines abendkleid’s
findet sich noch eine alte fotografie.
duchesse beim barspiel auf rimini unter
schattenrondellen.

halbschattenmorellen.
jch mische mazerate, es schmeckt so besser,
dazwischen ein wasser zu den rosenkernen,
crack. und ein blick hinauf zu den sternen,
in dieser nacht stand jch unter mir.

sphärische objekte gesichtet, gedichtet, dreimal o !
objektive objekte orbitalstationär, nein, das klingt und
klongt nicht, nicht ordinär, nicht ordinate, meint wohl
den patientenverkehr, okee, jch warte und brate nebenher
und verrate den geheimcode lu’s an lie oder lie’s an lu,
dazu einen brief, geschrieben im rosamtenen schuh.

in den hallen draußen probieren probanden gesammelte wartestellungen aus, auch: positionen oder haltung, erhaltung, auch: erwartungshaltung und verhaltung der inneren exposition, retention in halber zeit zum hinlänglichen passieren der station. hirnlänglich.
jch wünsche im vorbeigleiten: schönen halbzeit-aufenthalt.

wechseln der stellung und warten auf den transfer.
transferverkehr, auch zur entladestation, ent- oder endstation, ent- oder endlang, dabei umgehen der enthaltestelle denn noch will man aufwarten, aufwarten in gestiegener hoffnungshaltung, aufgestiegen aus geschlossener formation. ausgestiegen.

klappen verkippen kippen verklappen. klicken klacken.
verklickern: klick klack und: es nicht raffen aber gaffen.
der zug fährt ab.

es klackert unmenschlich das hallen von schnallen.
blindes schuhgebinde, verworrene wirren, purrendes flirren, im flirrlicht schließ jch die augen zu; verwundert.
auch verwundet, auch: verwunden verbunden.
auch schutzgebinde, mull, müll, schmutzgebinde.

jch schreie: au-gen-gewaidle! gold-gen! laßt gold wachsen, aus den haaren rinnen! mein goldgebinde mit
grünlichem schimmer, es klirrt auf den boden,
faktoriell, drei tauben dazu und einen geschliffenen bogen, skalpell. und draußen wird es schon wieder hell.
blut ist im schuh.

:)

KommTier! | Auf | | | |

gehirnfogelfutter

in: the daily horror — Szene 90
Alles und Nichts …

folge
folgefogel
follgefuttert.

ganz eigenartige
hundbewegung,
hofbewegung,
wie melusinenhaft.

nach einer drehung
folgen ameisenfögel
aus strelizienstrahlen,
unzweifelhafte fögel.

den ganzen tag huschen
pustende wesen vorbei,
verschroben in ausstoßender
blasblümigkeit.

im blau der beeren vergoren
kauern meine meisen, taumeln
entlang der sinnlosigkeit, die beine
durch dinge gezogen.

schöne bummelei.
ich komme nicht davon,
auch nicht - geschoren.

KommTier! | Auf | |

Ape Won – Alles ist Fremd – 6

„Gewiss. Innerhalb der nächsten Minute wird einer von uns beiden diese Pistole benutzen.“

„Weil Krieg ist.“

„Krieg ist immer auf die eine oder andere Art und Weise.“

„Nein, Krieg hat immer einen Grund. Ich sehe keinen Grund, warum ich diese Waffe benutzen sollte, oder warum Sie dies tun sollten.“

„Weil Sie mich nicht kennen, weil Ihnen die Situation nicht vertraut ist, weil da kein Bezug ist.“

„Das ist absurd. Sie werden nicht vor all den Leuten auf mich schießen, nur um Ihrem Krieg etwas Fleisch zu geben. Das nimmt Ihnen niemand ab. Die werden sie wegschließen.“

„Das ist zwangsläufig unser Krieg hier draußen, und das mag so sein, wie Sie sagen, würde für Sie aber auch zwangsläufig ohne weitere Konsequenz sein, nicht wahr?“

„Vielleicht wären wir besser drinnen geblieben. Vielleicht hatten Sie bereits ausreichend Sonne. High Noon, hm? Der Sieger macht sich zum Affen? Ich bitte Sie. Das Ding ist doch gar nicht geladen.“

„Leugnen hilft Ihnen nicht. Von der Ebene der Affen haben wir uns vor langer Zeit entfernt. Doch in welche Richtung?“

Die Bedienung bringt die bestellten Getränke, ein weißes Service mit im Sonnenlicht funkelndem Teelöffel auf einem schwarzen, runden Tablett, und stellt sie vor uns auf diese blendend weiße, runde Tischdecke. Seine linke Hand fasst den Henkel der im Gegenlicht gleißenden Tasse und hebt sie elegant und geräuschlos von der Untertasse. Das ist wundervoll. Glocken beginnen in der Ferne zu läuten.

„Vorsicht, verbrennen Sie sich nicht. Ich hatte noch nie eine Waffe in der Hand, auch keinen Waffenschein.“

Langsam führt er die Tasse zum Mund, an seine offenen Lippen, trinkt einen Schluck, setzt sie ebenso langsam wieder auf der Untertasse ab und lässt los. Warum beeindruckt mich dies alles so sehr, diese perfekten Bewegungen, dieses plötzlich so vertraute, so anziehende Gesicht. Er schnellt nach vorne, der Teelöffel rutscht beiseite, Metall klingt auf Porzellan, er langt zur Pistole und zielt auf mich. Überflüssigerweise schrecke ich zurück.

„Das erste Mal lässt sich nur schwer vermeiden. Probieren Sie.“

„Nicht Ihr ernst, oder?“

Ohne den Blick von ihm zu wenden, strecke ich meinen rechten Arm zögerlich über den Tisch, umfasse den glatten, kühlenden Griff und ziehe die Waffe vorsichtig aus seiner Hand. Nicht nur seine Füße sind erregend. Unverständlicherweise ist meinen Fingern die Waffe vertraut. Ich verliere mich in seinen Augen. Stechender Sonnenschein kitzelt trocken duftend in meiner Nase. Die Glocken scheinen näher zu kommen, ich spüre ihr Vibrieren in meiner Hand, in meinem Arm.

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 18

„Zugegeben, die meisten Krankheiten verschwanden allmählich in den Jahrzehnten nach Brand und Wiederaufbau. Organversagen und frühes Altern wurden jedoch Normalität.“

„Im Gegensatz zu meinem Schweben in der Halle.“

„Dein Schweben? Trägst Du einen Sublimationsanzug? Weißt Du, wie massiv die Dinger sind? Glaub mir, eine Masse, die nur Hybiorobs bewegen können .“

„Hybiorobs?“

„Maschinen. Maschinen, die von sich selbst denken, sie wären keine Geräte, denken, sie wären Menschen. Wie soll ich Dir das jeztzt auch noch erklären.“

„Na, dann erwähne sowas nicht. Ist eh schon alles verwirrend genug. – Da Du von Gewicht sprichst, dieser Boden auf dem wir sitzen, wieso ist der so schmeichelnd bequem? Oder bilde ich mir das auch nur ein? Sieht spiegelglatt aus und fühlt sich an, na, so hart wie Phytan, wenn ich mit der Hand darüber streiche. Sitzt sich aber sehr bequem, wie auf einem Flies.“

„Das ist deshalb so, weil wir in Wirklichkeit auf warmem, weichem, schmiegsamem Sand sitzen, und ein paar Schritte weiter rauscht das Meer.“

„Nicht Dein Ernst!“

„Nein, Scherz. Die Simulation ist keine Zauberei. – Gut, Zauberei selbst ist auch keine. … Egal.“

„Hahaha.“

„Der Boden funktioniert ähnlich wie ein Flies, passt sich deinen Bewegungen und der an ihn abgegebenen kinetischen Energie an, beispielsweise durch dein Gewicht, zum Wohlgefallen deines Körpers; glücklicherweise tut er das unmittelbar. – Was ist Deine Erklärung für Dein Erlebnis in der Halle?“

Ich hab keine Erklärung. Aber das heißt noch lange nicht …“

„Die vielen Leute sind tatsächlich da draußen, nur sind sie keine Nomaden, sie sind Angeschlossene, so wie Du. Und sie bewegen sich tatsächlich benommen auf das Ende der Halle zu. Doch da ist kein Loch in der Wand. Da schweben Wechsel. Dicht an dicht. Auf der ganzen Breite der Halle, ein Ozonstinker neben dem Anderen. Und nicht nur auf dieser Ebene. Und nicht nur in diesem Turm. Und das ist mein aktuelles Problem, mehr noch Dein Problem. Ist die Situation ein Problem für die Leute in der Halle? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich. Wo ist Jochen?“

„Stop, mir schwirren noch andere Fragen im Kopf. Zum Beispiel. Warum verteilt der Stamm keine Implantate an alle? Und kann die Simulation nicht abgestellt werden? Rein hypothetisch gedacht, denn was für einen Sinn macht die Simulation im Großen und Ganzen? Wie weit reicht sie? Was wird alles simuliert? Hat die Simulation nichts dagegen, hahaha, dass Du mir dieses besondere, nicht übermittelte Wissen – diese Geheimnisse –, so umfangreich anvertraust? Ist das was ich höre, wirklich das, was Du mir sagst? – Was für eine blödsinnige Frage. Nur mal Dein Zeug weiter gesponnen. O.k., selbst wenn; das mit der Verschönerung der durch die Übergabe erzeugten Lebensmittel, das erscheint mir noch einigermaßen plausibel, aber die Situation in der Halle? Und warum hört sich Deine Version dessen was ich in der Halle erlebt habe, genauso absurd an wie meine? Ein Loch oder diese Dinger?

7

Suche