Die Zeitwaisen

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Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni – 83

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni
Reisen, Radreisen

-10:40-

Die Fahrt raus aus London ist zuerst ganz o.k., trotz düsteren Wetters. Wenig später, ätzende Strecke entlang der vielbefahrenen Hauptausfallstraße, zusätzlich zum depressiven Himmel. Immerhin stets auf Radwegen und Radspuren, oder Wege und Spuren die sich für solche halten. Kilometer weit auf der „National Route 6“, entlang dem nicht enden wollenden Flughafen Heathrow – hier über dem „Concorde Roundabout“ ohne Concorde – und auf der gegenüberliegenden Seite, die Häuser der armen Leute, die diesen Verkehr Tag aus Tag ein ertragen müssen. Überflüssigerweise scheint der Wind sowohl die Abgase vom Flughafenbetrieb als auch vom Autoverkehr direkt herüber zu wehen. Hier wird gedieselt, benzient und kerosient was das Zeug hält, und nicht zu leise.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni – 84

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London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni
Reisen, Radreisen

-11:17-

Nach einer gefühlten Ewigkeit liegt London endlich weit zurück, mehr oder weniger. Fahre kurz hinter dem „Langley Roundabout“ – auf dem Verbindungsweg zur „National Route 61“ – durch eine lang gestreckte Voliere hinüber über die „Major’s Farm Road“ im Süden, die M4 in der Mitte, und die „Riding Court Road“ im Norden. Der bisher grausigste Abschnitt der Reise hat zum Glück ein Ende. Ein Stückchen des Weges entlang am Jubelee Fluß, beinahe passend, auf jeden Fall angenehmeres Strampeln als zuvor.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni – 86

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London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni
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-11:26-

Etwa anderthalb Kilometer hinter der Fußgängerbrücke taucht unvermittelt das erste NCR Hinderniss auf. Eine der überaus genialen Durchlassperren, die zuhauf auf dem National Cycle Network installiert sind. Versperrt dem voll bepackten Reiseradler den Weg und zwingt zum Absteigen und hakeligem Durchfädeln.

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni – 87

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London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni
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-11:35-

Überquere die M4 auf einem Viaduct bei Myrke erneut. Wunderbarer Ausblick in alle Richtungen und auf das ca. 2 km entfernte „Windsor Castle“ und anderes Gerümpel im Südwesten inklusive. Mal schauen was das Tele der kleinen Kamera leistet, bei diesen weiterhin deprimierenden, mit Unwetter drohenden, diesigen Lichtverhältnissen. Immerhin, kein Regen bisher.

Und noch eine von den netten Gängelungen Und noch eine von den netten Gängelungen.
Die Wahl zwischen drüber wuchten oder durch fädeln.

Fahre durch Maidenhead, kurz vor Reading, auf der Suche nach einem Lebensmittelgeschäft, um die überfällige Brotzeit einzusacken. Zwangsweise ein Lidl, da kein corner shop weit und breit. Sieht alles recht eng aus im Bereich der zahlreichen Abstellbügel. Unmittelbar dahinter grenzt eine Sammelstelle für Einkaufswagen und am einzigen, noch halbwegs freien Abstellbügel lehnt schon ein Rad. Immerhin der letzte Bügel in der Reihe. Wird schon klappen. Schalte spaßeshalber mal den Fahrradalarm ein, lasse sogar die Lenkertasche hängen, nehme nur Portemonnaie und GPS mit.

Im unübersichtlichen Markt ist schwer was passendes zu finden, gibt anscheinend nur Großgebinde und Kilomengen. Fummel zwei Halbliterflaschen aus einem Sechserpack Plastikschrumpf raus. Obst, Käse, Jogurt für die Mittagspause, Brot und Nudeln reichen noch, Fisch für den Abend. Ab zur Kasse, Blick durch die raumhohe Glasfront. Da steht ein Radler Pärchen hinter dem Argos und schaut verdattert abwechselnd aufs Rad und herüber zum Lidl. Unsere Blicke treffen sich, Handzeichen, Mimik, soweit aus dieser Entfernung wahrnehmbar. Lasse den Einkaufswagen stehen und eile nach draußen.

What's that been? Your bike made some deafening and nerve-racking sounds for some minutes! Er lächelt. Erkläre ihm das Gerät. Oh, I like it, nice feature! Er sei nur kurz an den Lenker gestupst, als er sein Rad habe wegschieben wollen und der Alarm sei los gegangen. Lidl anscheinend schalldicht, drinnen war nichts zu hören. Draußen offensichtlich umso mehr, auch andere Leute stehen gaffend in der Nähe. Löse den Alarm beinahe erneut aus, erinnere zum Glück rechtzeitig, dass das Teil zwar nach einer gewissen Zeit aufhört zu lärmen, aber immer noch scharf ist, bis zum nächsten Ruckler. Weiterer Smalltalk mit dem Mann; da er das Teil möge, überlege er, sich auch eins zuzulegen, wo er das denn kaufen könne, etc.. Freundliches Verabschieden und schnell wieder rein in den Laden - Eingang ist links du Depp -, Wagen finden, zu den Kassen rollen, und ein paar Kunden später werden die Wasserflaschen über den Scanner gezogen.

Die vor der Kasse sitzende Frau ist faszinierend. Bewegung, Haltung, Aussehen, Kommunikation, alles passt. Ob das sonst noch jemand wahrnimmt? Woher ich die Flaschen hätte. Da drüben aus dem Regal, aus den Sixpacks. Oh. Sie erklärt, dass sie diese Flaschen nicht einzeln an der Kasse abrechnen könne. Bin noch geblendet und verstehe nicht. Die Flaschen hätten keinen eigenen Scannercode. Ah, o.k.. Do you sell half litre single ones with code? Couldn't find any others. Yes we do, over there, the sports drinks. Ah, didn't see these, it's pure mineral water though?. Yes, sure. Sie überlegt kurz, steht auf. How many do you need? Just two. Sie bewegt sich, als wäre sie eins mit der Umgebung, blicke ihr gebannt hinterher. Schon ist sie wieder da mit den beiden Flaschen und kassiert weiter, als wäre nichts gewesen. Thank you very much. You're welcome.

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-13:44-

„Desborough Park“, südlich des „Rixman Close“ auf der Capitals Route - part United Kingdom (England 4).

Wind und Pieselei nehmen zu. Überlege erstmals, Regenzeug anzuziehen. Suche nach einem Plätzchen für die Mittagspause und ausgerechnet jetzt muss das Wetter von leicht deprimierend zu handfest belästigend wechseln. Parke am Rand des „Desborough Parks“ unter einen Baum und neben dem dort errichteten National Cycle Route Denkmal „Flora’s Garden“. Starke Windböen und mal mehr mal weniger spritziger Regen blasen und nässen ins Futter und dessen Zubereitung. Glücklicherweise hängt unweit ein öffentlicher Müllbehälter; das Bändigen des ansonsten in der Mittagspause obligatorischen Müllbeutels am Fahrradlenker entfällt. Nicht wirklich gemütlich der Aufenthalt, deshalb schnell weiter, trotz Regen und Wind. Macht keinen Sinn das auszusitzen, das super Wetter läuft sich offensichtlich grad in Schwung und wird gefühlt nicht so schnell stoppen, eher zulegen, also Action.

„Flora’s Garden“ (Sculpture by Philip Bewes & Diane Gorvin, 1999) „Flora’s Garden“ (Sculpture by Philip Bewes & Diane Gorvin, 1999)

Broken nose Broken nose

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-15:02-

Auf der Capitals Route - part United Kingdom (England 4) in einem Wald zwischen „Knowl Hill“ und „Crazies Hill“, am höchsten Punkt bei immerhin 140 Metern, fast Berliner Verhältnisse, nur 20 Meter höher als der Teufelsberg.

40 Minuten vorher 40 Minuten vorher

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Berlin–Dingle–Avranches 2017 – London-Ealing–Lambourn-Farncombe, Montag 5. Juni – 90

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-16:31-

In Reading fährt ein Stück weit entfernt ein Radfahrer mit dem typischem Gepäck eines Reiseradlers. Schaffe nicht ihn einzuholen. Er scheint aber ebenfalls aufmerksam geworden zu sein, bremst plötzlich ab, steigt vom Rad und dreht sich um. Komme schließlich vor ihm zum Stehen und er grüßt glücklich lächelnd und ganz aus dem Häuschen. Ich sei der erste Radler mit Gepäck, dem er begegnen würde auf seiner Tour. Ja, dito. Er habe schon befürchtet, ganz alleine auf diese Art und Weise unterwegs zu sein. Bekannte, Verwandtschaft und Freunde hätten über sein Vorhaben nur den Kopf geschüttelt. Der Mann ist Ire und aus Irland angereist, was für ein Zufall. Besucht seine Familie in Reading. Da das Quakkeln im Straßenverkehr zu hakelig wird, wechseln wir an der „Oxford Road“ Ecke „Western Elm Avenue“ auf den Bürgersteig. Er möchte ein Foto von uns machen, damit die ihm glauben würden, dass nicht nur er auf solche Ideen käme, Reise mit dem Rad und so. Boah, und jetzt in kunterbunten Regenoutfit, unrasiert und mit strubbeligem Haar posieren. Immerhin hat der Regen grad etwas nachgelassen. Namen möchte er auch noch wissen. Aber bitte nicht ins Netz stellen. Nein, nein, sei nur privat, als Erinnerung. Er klaubt einen Gorilla aus dem Gepäck und sucht was zum abstellen oder befestigen. Weise auf den Laternenmast hin, da fühle der sich garantiert wohl. Er zweifelt erst, montiert ihn dann aber doch problemlos. Smartphone eingeklinkt und … Smile. Vergesse, nach einer Kopie zu fragen.

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-17:44-

Round Berkshire Cycle Route, südlich „Upper Basildon“ / „St. Stephens Church“.

Das Wetter wird nicht besser. Regen und Wind mit starken Böen entschließen sich zu bleiben. Das dauerhaft gegen den Wind Fahren ist Kräfte zehrend und einschüchternd. Dennoch wohlgemut verzweifelt, darüber grübelnd, weiter zu fahren oder irgendwo ein Lager aufzuschlagen, fällt hinter der oben abgebildeten Biegung der „Gardener's Lane“ die Entscheidung für eine kurze Denkrast. Mitten auf der Auffahrt in ein Sperrgebiet, unter dem leidlich regendichtem Blätterwerk einer kleinen Ansammlung von Bäumen. Wird auch Zeit für den Latte Macchiato in Form eines Oat Snacks, und etwas Studentenfutter. Kurz vor sechs erst, nur noch 40 Kilometer bis zum Campingplatz, und dazu bestes Wetter zum Radeln und Zelten. Was kannst du mehr verlangen? Fröhlich dem Unbill des Klimas trotzend, bleibt keine bessere Wahl, als einfach weiter zu fahren.

Bezogen auf Wetter und Gelände, schlimmster Tag bisher. Zum Glück kaum Kfz auf den schmalen, teilweise übermannshoch beheckten Straßen – „derSammy“, Du hattest Recht –. Letzteres allerdings auch angenehm, da der Wind etwas gebändigt wird. Folge dem Gelände in einem zermürbenden, stetigen Auf und Ab und Auf und Ab und Auf und Ab, im nassen, düsteren Windkanal. Doch dann ist der Totpunkt plötzlich überwunden, fährt sich nun fast wie von selbst, nur noch ankommen, Zelt aufbauen, und rein ins Trockene. Zelt aufbauen? Auf triefender Wiese? In Wind und Regen? Bei 15° auf Sommertour? Boah eij.

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-21:05-

Gleich da vorne soll der Platz sein, laut digitaler Karte, aber noch kein Mast mit Camping Fahne oder dergleichen in Sicht. Prinzip Hoffnung. Ja klar, und zum fulminanten Abschluss nochmal 200 Meter Zufahrtsweg mit knapp 8% Steigung zum weiterhin nicht als solchen erkennbaren Campingplatz - wo sind die Zelte und Wohnwagen? Laut Karte muss der Platz aber hier sein. Rechts schiebt sich eine riesige grüne Wiese schräg ins Blickfeld, einsam ganz hinten in der Ecke steht ein Campinganhänger, sonst nichts, wie ausgestorben. O.k., das muss er wohl sein, der Campingplatz. Egal, bleibe hier, so oder so, endlich geschafft, nach strapaziösen 120 Kilometern und etwas mehr als 1000 Höhenmetern. Der Wind bläst ins Gesicht und drückt gegen den Körper, und Regen prasselt aus allen Richtungen. Bin an der Wiese vorbei und oben angekommen, links ein verlassen wirkender Flachbau, wahrscheinlich ein Wohnhaus. Die Ausschilderung ist nicht wirklich Ziel führend. Hoffentlich ist jemand da und noch wach, ist schon gleich neun. Immerhin steht ein PkW vor dem Haus. Schiebe das Fahrrad über den Grobkies in Richtung Eingang und sichere es mit Click-Stand und Bremsenfeststeller, so gut das eben geht auf dem wenig Widerstand bietenden Kiesbett. Eine Klingel neben der Tür, juhu, klingle. Nichts. Hm, kann natürlich auch einfach so die Wiese in Beschlag nehmen, aber will ich das bei dem Wetter? Klingel lieber nochmal, versuche durch das Riffelglas in der Tür etwas zu erkennen, und ja, da ist Bewegung, jemand kommt anscheinend auf die Tür zu. Ein freundlicher, sympathischer, agiler Herr älteren Baujahrs öffnet und guckt mich erstaunt an. Hoffe ich störe nicht, guten Abend, gut das Sie noch da sind, was für ein Wetter, ist das der Farncomb Farm Zeltplatz, bin ich da bei Ihnen richtig? Ja, das sei korrekt, aber ob ich das wirklich wolle … bei dem Wetter … ich könne natürlich, Platz sei ja genug auf der Wiese …. Da hat er recht, mit dem Wollen ist das so eine Sache. Könnte ich denn stattdessen vielleicht bei Ihnen … vermieten Sie auch Zimmer? Nein, das könne er nicht machen. Überlegt kurz. Aber wenn ich gewillt sei, etwas mehr als für einen Zeltplatz zu bezahlen, könne ich in der Shepherd's hut übernachten, die sei noch frei, lacht. Kein Wunder bei dem Sturm, da sind nicht viele campend unterwegs, ob mit oder ohne Zelt. Ja, das sei vollkommen o.k., gerne, danke, nur raus aus diesem Wetter. Super, gebongt, könnte hüpfen vor Freude. Die Shepherd's hut! Hatte die fast vergessen. Das ist ja der Campingplatz mit der Hütte auf Rädern. Boah, so ein Glück. 20 Pfund. Egal.

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-21:06-

Während wir zur Hütte gehen, erklärt er dies und jenes, WC und Duschen seien weiter unten, da bei den Bäumen, Zahlen bräuchte ich erst morgen, die Tür am Wagen müsse ich einhaken, ansonsten blase sie der Wind sofort wieder zu. Wir gehen hinein, er ganz unbesorgt mit leicht feuchten Schuhen bis nach hinten durch. Bleibe mit den triefenden, erdigen Gamaschen überm Schuh lieber im Eingangsbereich stehen und versuche seinen Ausführungen zu folgen. Will nur raus aus den nassen Klamotten, was futtern und entspannen. Die Couch könne ich zum Bett ausziehen, hier ... schauen Sie, und dann die Rückenlehne, ja alles klar, bestens. Frage ihn, ob im Wagern die Verwendung eines Kochers o.k. sei, der hätte auch keine offene Flamme. Überlegt wieder kurz. Ja, ich könne aber auch den kleinen Kamin da in der Ecke benutzen und das Holz, und den Kessel zum Kaffee kochen, alles Notwendige müsse da sein. Ah, prima, den hätte ich noch gar nicht gesehen, perfekt, würde den Kocher auf der Gusseisenplatte abstellen, nach oben sei ausreichend Platz, aber nein, den Kamin würde ich nicht extra befeuern, so kalt sei es nun doch nicht. Außerdem scheint der Umgang mit dem Kocher einfacher, bin inzwischen perfekt vertraut mit dem Teil. Ja kein Problem, ich solle machen, wie das für mich am besten sei. Bis wann ich denn morgen bleiben könne, wegen des ungewissen Wetters. Das sei egal, bis Mittag oder so. O.k., prima, das solle passen. Ob ich das Rad irgendwo unterstellen könne, überlegt wieder, ja, sicher, da sei wohl ausreichend Platz, ich solle ihm folgen. Was aussieht und sich auch öffnet wie ein Garage ist an den Seiten voll gestellt mit mannshohen Kühlschränken und halb so hohen Kühltruhen. Hier wird u. A. das gute Brunskill Beef gelagert. Mitten drin ausreichend und komfortabel Platz fürs Rad.

Der Ofen in der Shepherd's hut Der Ofen in der Shepherd's hut

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Reisen, Radreisen

-22:20-

Schnalle, ruckel und klicke bei 150% Luftfeuchtigkeit und gut Wind das Gepäck vom Rad und schleppe die äußerlich triefend nassen Taschen in die Hütte, möglichst dicht an den Eingang, so dass nicht der ganze hintere Bereich durchnässt. Dann das Rad in die Fleischkammer. Zurück in die Hütte, raus aus den Schuhen, aus tropfenden Regensachen und schweißnassen Klamotten. Hänge rundherum alles auf, und schlüpfe in die trockenen Ausgehsachen. Könnte ein ganzes Wildschwein verschlingen. Reicht aber nur zu Spaghetti und Dosenlachs. Und Knoblauch natürlich. Baue den Kocher auf dem Ofen auf. Vor dem entzünden des Brennkopfes, sicherheitshalber das Oberteil der Tür und das Fenster öffnen. Muss beide festklemmen, damit der Wind sie nicht wieder zuschlägt. Sitze nach nur knapp zehn Minuten vor dampfendem Nudellachsketchupknoblauch Eintopf und genieße das Futtern, das heimelige Interieur, das Plattern des Regens und das Pfeifen des Windes der draußen im Dunkel der Nacht Baumkronen hin und her schwingt. Abwasch muss bis morgen warten. Ebenso keine Lust, durch sommerliche Kälte, Wind und Wetter zu den Duschen und WCs zu wanken. Schnell noch die Couch zum Bett umbauen, voll bekleidet in den Schlafsack schlüpfen, Licht aus, und mit dem Inlet kuschelnd, wegdämmern. Hoffentlich pustet der Wind die Hütte nicht von den Rädern.

Spät in der Nacht oder sehr früh am Morgen drückt die Blase. Zum Glück pausiert der Regen grad. Leicht benommen im Kopf, kleiner Ausflug durch die Dunkelheit zum Clo und wieder zurück. Das Gras macht schmatzende Geräusche, oder sind es die Schuhe? Die Luft ist wundervoll.

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