Lila Regenflieg

Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

KommTier! | Auf | |

im aus der zweifler

in: Alleinsein
Absurdes Theaterstück

im aus der zweifler

im aus der zweifler - nachtwachsende szene - abwischbar.
blau bereifte schlafwandlung

und es bezweifeln sich alle restlichen fragen,
die nicht aufgenommen wurden in’s gesamtverzeichnis a) oder b).

a) eine dame sitzt am tisch und sagt: „a! wo ist denn der herr geblieben
den ich gestern hier fand? der so freundlich und mir behilflich war,
meine liebe zu zerstören?“

während der ober ihr einen papierflieger bringt und sagt:
„vom nachbartisch, herabgeflogen von rechts.
wie können Sie etwas so zweifelhaftes sagen?“

„ich tat es freiwillig. aus freien stücken.
glauben Sie mir. ich habe die liebe wie einen zwieback
zerbröselt und in den tee mit honig getan.“

der ober überreicht ihr den flieger in einer unvollendeten verbeugung
und die dame sagt: „oh, ein flieger. von dem herrn, der so freundlich
und mir behilflich war. in die flügel sind schwarze zeichen eingebrannt,
gebrannt im türkis des ozeans und im violett des sonnenuntergangs.“
danach beginnt sie hellauf zu leuchten.

„so fiel er herab mit der sonne wie in höflicher
nachtausgabe“ fällt dem ober dazu ein und er fügt hinzu:
„wenn diese nacht bliebe oder auch bis ans ende aller tage
höflich ausbliebe, hätten wir stunden der siebe aus gold?“

„gewiß mein herr,“ sagt die dame, und „legen Sie nur siebenhundert
und siebeneinhundert tagestunden übereinander und das gold der nacht
berauschte bis zum sankt nimmerleinstag.“

der ober, in angespannter haltung verharrend, wagt zu behaupten:
„er war ein lichtstaub, wie leuchtende tiere, das wasser belebte
seine empfindungen. er muß ein fisch gewesen sein.
berauschen wir uns am sonnenuntergang.“

„nein, mein herr, er war ein flieger. es trug ihn das licht
eines weißen heliotrops und so hatte auch sein leuchten einige dauer.
sehen Sie, ich bin voller luziferin. begegnet mir solch ein flieger,
beginne ich zu leuchten. und so will ich auf ewig sein leuchttier sein.“

dann geht sie nach draußen, um zur arbeit zu fahren.

b) tage danach fand ein herr, der freundlich und behilflich war,
im haltestellenpapierkorb einer straßenbahn einen gefalteten zettel
mit der notiz: welch ein-geknickter umgang.
dem ober warf er daraufhin entspannung vor.

KommTier! | Auf | | | |

blatt vier.zwo

in: fogelprotokolle — Blatt 4
Absurdes, Alles und Nichts …

ge.braut aus papier

nun aber erhebe ich mich.
denn der wind geht nicht mehr.
und so, ach! so still bleibt er.
_________

betört sprang er zum fenster hinaus.
ich musste lachen, doch er zerschellte.
es klang wie jericho im sonnenuntergang.
auch er war von dieser welt,
als er mich lieblos gelöste … löste.

welche stille. welche ruhe
kam aus seiner haut.
ich lief hinaus auf die straße, aber ach !
alles lief darauf hinaus …

lief hinaus auf die sprache, tief
im rachenlaut auch,
lief hinaus auf die straße,
tief in der rache laut.

„nimm mich mit.“ rief ich, und:
„ich wollte doch nur DEIN sein,
wollte doch nur sein sein.“
doch langkreiszeit ist langzeitkreis:
entpulst.
und er, er hatte mir so sehr vertraut.

KommTier! | Auf | | |

totgewacht

in: the daily horror — Szene 76
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

das lachen der toten,
megane !
es ruft: übernachtungsgefahr !!
in verwitterung die
verzweigung der träume
stellen sich auf einem teller dar.

floger.
standhaft das prinzip der ordnung
des wassers.
reduktion der komplexe -
komplex ohne e,
lauter losigkeit ...
fortdauernde laufbewegung

unauffälliges
geflüster.

flucht.

KommTier! | Auf | | |

das rotliegende, aufgerichtet verkieselt

eine gelungene traumatisierung

in: Lulu

eilig versinken die kastraten in ihren liedern
und schaffen es doch nicht bis zur kelleroktave
vorzudringen. vom flieder verwundet sind sie
irgendwo hängengeblieben, irgendwo dazwischen.

an der haltestelle steht wartend das rotbehütete mädchen
und ruft: ich heiße nicht rotkäppchen, nein! rotkäppchen
heiß' ich nicht! ich heiße - lulu! auf einen schlag
verlöschen die lichter, es wird viel zu schnell hell.

auch andere warten. auf den tagesaufgang, die bahn, den bus.
ein mann in einer vorbeifahrenden bahn schreit: weg! weg!
schert euch weg von mir!!! dann sucht er sich eine unbeklebte
fensterscheibe und springt durch sie hindurch - weit hinaus.
eine verwildert aussehende frau schaut ihm verwundert nach,
sie hatte lange, sehr lange nach ihm ausgeschaut.

der vorbeieilende jägermeister bemerkt von alledem nichts.
er misst die zeit in hirschsprüngen, suchend nach der lust
und der nacht.



Lila Regenflieg: das gewand der zeit begreifen
„das gewand der zeit begreifen“

KommTier! | Auf | | |

urlaubsreif

in: the daily horror — Szene 52
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

rotweinbetrunken hatte florandi drei gäste zu gast,
die ihm die letzte scheibe toastbrot entnahmen und
sie zwischen zwei nervösen blüten aufteilten.
florandi wollte fliehen, doch der fluchtweg ward ihm
durch ein paar linien verstellt, die aussahen wie ein
porträt zwischen laufenden leuten und ihm die birne
helene aus dem gedächtnis vertrieben. da erfasste ihn
eine stille freude zum tanzenden bonsaibär, der aus
verschiedenen stoffen joghurt zu sich nahm, bis er
sich eine infektion einholte und daraufhin auf
ostereier umstieg. sein mund sagte leise schmatzend:
karfreitag, und: in ostfriesland zwischen weinbeeren
und gänsefüßchen im wasserglas wären einer bindehaut-
entzündung a la michelangela vorzuziehen. dann warf er
aus einer papiertüte seltsame schatten, die dem vater-
unser-mutter-kind-spiel glichen, während sich aus seiner
anzugtasche blätter ihrer nächtlichen linien cooler
busfahrten zu maria annocentia entleerten. der arbeits-
platz danach war immer ein wasserhahn, zu dem er den weg
durch sein badezimmer nehmen musste, um mit seinem
rechten fuß pünktlich genau auf den pinselstrich
einzutreffen.
er fühlte sich danach auch immer wie ein daneben-
geschlagenes selbstporträt, wenn er mit basecap in
den spiegel mit fragezeichen sah, wo daneben der
gebrauchte briefumschlag mit den adressen der leute
auf dem campus lag. links verschwand schweigsam eine
tulpe in einem tetrapack kondensierter milch, er aber
rief: sanschetta ! die mittlere der schlafenden in
meinem alten molekel nehme: ich ! karotte und kirsche
gerieten in wut. sollte dieser wanderer aus dem nebelmeer
ihnen etwa den apfel vorenthalten?

aus seiner trauernden jacke fischte florandi ein bonbon
in die papiertüte. ein schiffchen befand sich im monolog
mit einem glas terpentin, in welchem seine zahnbürste
eine aufrechte haltung einnahm.
es war in dem zimmer nahe beim see. er rief: nicht vergessen !
die einkäufe vom supermarkt zu pflanzen in die vollen töpfe.
das mädchen mit der wasserkanne begoss seinen koffer
und er begab sich im marinemantel zum frühstück.

KommTier! | Auf | | |

cis

in: the daily horror — Szene 54
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

theater - logisch

cisfinite, das vergießen des
körpers in die form, finte.
begrüßung und einverleibung
des allgemeinen all-gemein.
dann fortsetzung der begrüßung - und:
ausblick auf die vollendete form ...
das ziel: die bekanntmachung.

unbekanntes zeigen,
sich untereinander und dafür sein,
wohingegen wohin wogen ... geh,
fort sein. bei uns entledigen Sie
sich aller worte, aber kleidsam.

die nacktheit folgt aus dem gehölze
des mädels krummen nachtebein
auf dem fuße ... spricht: ge-heim!
zur verstärkung: sago.
im anschluss ladung zu roten drinks
im feuer. dann: das auf die uhr schauen,
zu immer gleich bestimmten zeiten
und laut sagen: das ist geheimnisvoll
wie kaminholz, ungeheuer,
eine diva im netz !

kaminvoll. ein geheimnis im feuer ...
unverraten, das reihen, das du an du
und übertragen der träger der rollenden
elementarteilchen von einem diwan
auf den anderen.
finten wörter, wörter finten,
ekstasen der zärtlichkeit.

wir wären im mond.
hätten wir nicht vergossen der organe
sprossen, alles uns
verschossen.

KommTier! | Auf | |

ein summer oder summen. additionen oder substitutionen. verzunderung.

hin und wieder versucht mr. homes von drinnen einen blick auf die außenwelt zu werfen;
ein ziemlich verwegenes unterfangen, wie er persönlich findet. trotzdem begibt er sich
zum fenster um hinauszuschauen, doch die schwärze der fliegen verhindert jegliche aussicht,
auch die auf erfolg.

so begibt sich mr. homes wieder beruhigt hin und zurück an seine anlegestelle,
welche auch ein wilder liegeplatz ist. dort beginnt er, sich die außenwelt vorzustellen,
basierend auf den erinnerungen seiner zuletzt eingesammelten bilder.

und er erinnert sich seines vorangegangenen gehens und wie er so von einem zimmer
ins andere schritt, so ging er durch verschiedene zeiten, vor und zurück. es war eine
bewegung ohne richtung und mr. homes sagt laut: so ward das verwegene unterfangen
doch nicht zu einem erfolglosen verkommen. dann verfällt er in schweigen.

während draußen die durch die lüfte segelnden fische, denen die medusen im nacken sitzen,
die kurve nicht mehr kriegen und spiralförmig wie schraubtiere nach unten in elektromagnetische
feldfallen fallen, hört mr. homes nur noch die individualität des gleichbleibenden tones bräungelblicher
kerbeltiere. er nennt sie isolatoren im simulationsraum.

KommTier! | Auf | |

innen. in der tat.

das mohntier schläft;
wir reifen im haus,
jede stunde ist geprägt,
wir schweifen nicht aus,

wir spielen nicht mehr.

die pfade sind ausgetreten
der züge entgleisen: vorbei.
gedanken drehen, gedanken kneten,
wir sitzen fest im gehäuse der zeit

und jedes fest ist zu fest diktiert.

da spielt einer!
in meinem schatten!!
ich trete aus -
montiert.

Suche