Die Zeitwaisen

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donner-stag

in: the daily horror — Szene 43
Alles und Nichts …
Komödie

bin heut freier hueter.
kein sturmgeheul. kein regen, keine sonne,
einfach NICHTS ! und das soll man nun ertragen?
nein, soll man nicht man will
ein wenig die monas durch den garten tragen,
sie hin und her legen, verblättern, sie nach ihrem befinden
befragen, ob es ihnen fein und angenehm ist ... ob es noch
was zu ihren wünschen gibt das man ihnen zu füßen werfen
könne, das sich selbst ganz sicherlich ... und dann ein wenig die backofentüre öffnen, mit den hufen scharren und hänsel und gretel spielen. kasch kasch kasch. kasch-perle, bist du schon da? kaschper am brotstuhl, mit dem flintengewehre, schießt in die menge, managerie. drei vierecke zerplatzen,
fünf rosen verrauchen und machen ein beleidigtes gesicht.
an einem kopf pickern unendlich spatzen.
:(
äh, wie fürchterlich.

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empfindung zur zeit

in: the daily horror — Szene 16
Alles und Nichts …
Tragödie

es ist eiweißhaltig aber wir haben ja nie
zeit und schlangen sind gut für die zähne,
ins fleisch zu schlagen, sich einzugraben,
in fleisch …

fleisch liegt in den gräben, weit noch
vor der zeit, und wir, in modernen zeiten,
sind von moder und gräben umgeben;
nicht der tod ist der horror -

der horror ist das leben !

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manche tage könnten etwas charmanter sein

protokoll über eine wahrgenomme busfahrt

in: the daily horror — Szene 18
Alles und Nichts …

hustender mann in reihe eins.
hustet und hustet, hustet ohne ende
und übergibt sich dabei.

der bus hält.

frauchen mit hündchen steigt ein.
stellt es auf platz hinterm fahrer ab.
der bus fährt an, der hund, der bellt,

hebt das bein, scheißt auf den platz.

busfahrer hält den bus an,
dreht den kopf aus der kabine,
verweist den hund dieses platzes.

feines theater mit dem fahrer.
frauchen nimmt hündchen und geht,
beleidigt, zwei meter nach hinten ab.

kommt nicht weiter. im gang steckt eine fette frau
in nöten und engen, fest und verklemmt
zwischen den hal-te-ge-stän-gen.

der bus, der fährt.

wiederum eine frau, beisst sich in die hand.
ihr blick ist leer.
sie spiegelt ihr gesicht im fenster, hin und her.

ich sitz weit hinten. damit ich den überblick hab.
neben mir ’ne alte frau. regt sich über
„falsch geparkte schuhe“ auf.

sie keift. und während des gekeifes
fällt eis aus ihrer kopfhaut heraus.
mir wird kalt, es riecht wie auf einer deponie.

„zu falsch! viel zu falsch! es ist ein ungleiches paar!!“

so geht ihr unablässiges gekeife. ich möchte ihr den hals
umdrehen und weiss nicht wie. öffne meine tasche,
hole eines der messer hervor, schneide ihr den kopf ab.

der busfahrer hält den bus an.

er kommt aufgeregt, zu mir gelaufen
und gratuliert mir zu der kopflosen tat.
dann nimmt er den kopf und verläßt den bus, ohne fragen.

das einzige, was ich von ihm noch höre, ist:
ausgangsmaterial ... !
exit. material.

das war einer von manchen tagen.

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brummenfeld

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 4
Alles und Nichts …

bauchschmerz o. herzrauchen
r-au-ch-schmerz o. herz-b-au-ch-en
bauchherz o. schmerzrauschen.

wer tauscht den schmerz, wenn der tausch ihn schmerzt?

t.auch ein
und aus.

o beelay.

prima! ein raum mit 57 dimensionen und jch krauche auf der chromatischen tonleiter in den kosmos hinauf. ja! rufe jch von dort unten-oben: „jch bin ein kosmochromat, auch chromkosmokrauch.“ und: „du bist die sonne, jch bin die haut.“ dann pfeift nach mir ein himmlisches kind, jch lass mich fallen und schweife geschwind gestreift an einem schein -
vorbei.

o lie bye.
als komplexbildner der komplexen bilder bild jch mir ein, munter oder wach zu sein. und oben scheppern die jetter und zertöppern eros zu tausend scherben.
wir eros.erben.

jch sollte silben stilben oder:
still kunst-untersetzer sein.

silben stilben
stilbein stilbern
silbern silben

silbern leuchten die silbern keuchten. einmal raus und einmal rein. na faunastisch! während jch bü-ro-tiere schlaf jch halb drei dabei.

doch sind noch nicht genug löcher gewebt.
und während jch dem fluchtfall nachsinniere, sucht das himmlische kind noch immer den punkt im gehäuse, darin frau holle sitzt webend, doch aus diesem, lebensgehäuse, kommt keiner raus, nicht lebend.

jch aber astronaute hin und her, schwer die flaute, jch flehe, dasz leicht wind wehe hinüber mich mehr zu dir in die ferne und gehe und sehe sternenschwer wie teerasphalt auf-hallt und halt kennt kein halten mehr dasz jch asphaltiere sehr zum asphaltteer … mich brennt’s tierleibleer, mich brennt’s, mir rennt’s vor’m abseits her … und bebe: bienenkehr, körperschwer -
punkt . grund: verkehr.t.

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pünktlich

in: the daily horror — Szene 42
Alles und Nichts …

wir schließen anatomisch pünktlich.
genau um acht nach der tür.
die muskulatur des herzens.
liebevoll mit gespür.
für die heilige wärme der würmer.
unendlich tief in uns drin.
wo die maden auf steter wacht sind.
mit liebe im hintersinn.
klimbim.

anatomisch genau.
und pünktlich um acht.
wird das gold von den löffeln.
nach innen gebracht.

gekehrtes aus.
____________
fish don't have any feelings.

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rudelsicher

in: the daily horror — Szene 89
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

pfeilgespitzt da bin jch,
kleine momente meiner anwesenheiten hinter mir lassend
ziehe ich feldräumend tangenten um kreise zu überwinden,
schlupflöchernd meiner unzulänglichen beschreiblichkeiten
und durchwegend wenig hymnisch eingefräste fögel bin ich
ungelegen in schuppenhäuten ganz gewöhnlich lebend, ich,
da bin ich, im glaszeitalter, unbeschaulich eben.

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täglich

in: the daily horror — Szene 82
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

die tage sind wie zugenäht.
ich bewege mich in ihnen mehr oder weniger anstößig.
kann anfang oder ende nicht erkennen.
will es auch nicht.
sehe wülstige nähte,
rote fäden.
hautfalten sind in tagescreme gelegt,
eingelegt wie in suppe.

so enter ich durch die gegend und
in manchen momenten ist mir, als ob ich geliere.
als ob mich die anspannung verlässt.
dann denke ich an seewespen-briefe und anderes
würfliges tier.

unter der elektrodrähte summentausch finde ich
manches verlorene wieder. symbole und zeichen.
haltepunkte. halte mich auf oder halte du mich.
auf; in provisorien, verbarrikadiert.

die welt ist: voller ungesehener erinnerungen.
unausgesprochen AUCH.

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gegenstände schreibendes nichtschreiben

in: the daily horror — Szene 48
Alles und Nichts …
Komödie

die labung der räume
fliguren
goldhülsen lippenstifte
hälse
riemchen und schnüre
schuhe
vorgerückte zeit
fehler
sprach vergessen
weinen
vor lust und wollen
lachen
subversives dasein
injektionen
und lange beine
weilen
an langen leinen
hälsen
mit mundverzückung
fließen
verzuckertes laben in
räumen
sich zu ergießen in
träumen
einander zu er-tragen.

ächzs.

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donner-stag

in: the daily horror — Szene 43
Alles und Nichts …
Komödie

bin heut freier hueter.
kein sturmgeheul. kein regen, keine sonne,
einfach NICHTS ! und das soll man nun ertragen?
nein, soll man nicht man will
ein wenig die monas durch den garten tragen,
sie hin und her legen, verblättern, sie nach ihrem befinden
befragen, ob es ihnen fein und angenehm ist ... ob es noch
was zu ihren wünschen gibt das man ihnen zu füßen werfen
könne, das sich selbst ganz sicherlich ... und dann ein wenig die backofentüre öffnen, mit den hufen scharren und hänsel und gretel spielen. kasch kasch kasch. kasch-perle, bist du schon da? kaschper am brotstuhl, mit dem flintengewehre, schießt in die menge, managerie. drei vierecke zerplatzen,
fünf rosen verrauchen und machen ein beleidigtes gesicht.
an einem kopf pickern unendlich spatzen.
:(
äh, wie fürchterlich.

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aufschlag

in: the daily horror — Szene 91
Alles und Nichts …

am abend rutschen die gedärme an den wänden hinunter.
in den ecken sammelt sich verwirrung, verzweigt sich,
breitet sich aus, steigt empor. aus schmalen spalten tropft
gilb, hirnmasse. eine stirn öffnet sich und läßt einen gedanken
frei. dieser gedanke fällt wie ein knetklumpen auf bodenbretter.
irgend einer tritt ihn fest, geht danach zur seite, schlägt seinen kopf
an der kalkweißen wand auf wie ein ei und erzeugt ein krachendes
geräusch. haare und splitter an der wand.
das gilbe tritt hervor, rinnt ein kleines stück herab, bleibt kleben.
das rote fließt ungehindert zu boden, hinein in die herab gerutschten
gedärme die inzwischen einen see gebildet haben, in dem es mächtig
schlingert. die graue farbe der gedärme vermischt sich mit dem roten
zu einem prächtigen farbton von fauligem fleisch. ein fulminanter verlauf.

die gäste sitzen geruhsam in den stühlen und stieren vor sich hin.

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o-ton

ein kurzer knalleffekt,
wirkliche errettung;
füße tragen körper
durch die kurzwelligkeit
in hingabe an die dinge.

das aufflechten der tage im gelben einfliegen,
das einfliegen der tage im gelben aufflechten.
entfremdungsfogel.

der fogel stelzt auf den stäben der heuschrecke
davon. aufwendig und farbenprächtig, ein
ungeduldiges warten in der flur.

anhand des fließens,
damit er nicht die form verliert
in dieser nacht-komm!-position
diametraler bauchmassen, … o
ton, komm.

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anrufung

in: Lulu

wie gehen wir mit den orangenen schuhen um,
während wir nach den steinen schauen,
harrenderdinge mit den hufen scharren,
wieviel der wartezeit verrinnt im sand?
haltestellen, sammelplätze für alle, auch
menschen, mit blick auf die aufbewahrungsbehälter
für das menschenmaterial, auch menschliches.
vollklima, hinter blumenkästen, geranien, hängend und
stehend, such dir aus, was du brauchst. was du wirklich
brauchst, weißt du von der verblendungsindustrie.
keramik.
luiza! bau dir eine schaluppe und huste drauf,
auf den auswurf der anderen. bau deinen gang zu den fernen.
zimmere dein schaluppenhaus! ein zimmer, ein saloon,
zieh schleifen und kreise über ungeschliffenem holz,
schleif dich ein, zwischen den steinen.

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