Die Zeitwaisen

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Die imperative Hypothese des kategorischen Pfeifenbläsers – 2

Beine, Fahrrad, ÖPNV oder einen Leihwagen zu nutzen, anstatt eines eigenen PKW, weniger Fleisch zu verzehren oder gar vollständig auf den Verzehr von Tieren zu verzichten, Nahrung aus fairem Handel und nachhaltiger Erzeugung, unabhängig von Chemiekonzernen in den Speiseplan zu integrieren, seinen Zugang zum Energienetz über einen Anbieter zu beziehen, der keine Stromgewinnung durch über Jahrzehntausende umweltresistenten Abfall erzeugende Kraftwerke finanziert, und es steht jedem frei, einen Teil seiner Einnahmen dieser oder jener, die Interessen der Allgemeinheit vertretenden Organisation zu spenden, öfter mal nahe ein Buch zu lesen, anstatt fern zu schauen. Alles machbar, für die meisten; ganz ohne Ideologie. Und schon all dies, mit geringeren Kosten für all die Anderen, und immer noch ohne Verlust an Lebensqualität; im Gegenteil, betrachtet man es aus einer sinnvollen Perspektive, sogar mit geringeren Kosten für sich selbst.

In den letzten Wochen waren meine Füße an manchen Abenden dicker als an anderen Abenden. Seit über zwanzig Jahren nehme ich kein reines Natriumchlorid zu mir, nicht zusätzlich; Tamari statt dessen, in Maßen, gelegentlich. Vor einem Jahr habe ich jedoch begonnen, stark gesalzene Nüsse zu verzehren, und da stelle ich nun einen Zusammenhang her. Nachdem ich die gesalzene Nüsse mied, wurden meine Füße wieder dünner. Zum Glück lag es nicht am Kaffee. Das war mein anderer Verdacht. Kaffee trinke ich aber auch erst seit Anfang des Jahrtausends, meist abends, nicht täglich, zeitweise gar nicht. Salz, Pfeffer, und überhaupt, Gewürze. Wie schaffen es diese Fleisch fressenden oder Pflanzen zermalmenden anderen Tiere, ihre Nahrung ohne zusätzliches Würzen aufzunehmen? Diese zwangsläufige Gewohnheit scheint ihnen nicht zu schaden. Habe ich jemals etwas von frei lebenden, übergewichtigen Tieren gehört oder gelesen, geschweige denn solche gesehen? Nein. Besteht da auch ein Zusammenhang? Enthemmen Gewürze die natürliche Essbremse des „Boah, mehr von dem faden, zähen Zeug geht nicht!“? Viel Gewürz, viel Übergewicht? Scheint schlüssig. Je nach Standpunkt, Perspektive und Wissen.

Ähnlich wie die Antwort auf die Frage, ob ein Pfeifenbläser, also ein Mensch, welcher die Allgemeinheit betreffende Zusammenhänge aufdeckt, indem er vor genau dieser Öffentlichkeit verborgen gehaltene Informationen allgemein verfügbar macht, ein Krimineller ist, ein Verräter, ein Nestbeschmutzer. Nein, ist er nicht, das Nest ist schon schmutzig, der Schmutz nur unter den Tisch gekehrt; ansonsten würde der Bläser keinen Staub aufwirbeln. Nein, nicht er ist der Kriminelle, der Verräter; genau diese Umstände macht er öffentlich.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Es + Der Klang – 4

jetzt fiel ihm auf, dass der Engel ohne Flügel erschienen war. Er versuchte sich zu bewegen, und war verblüfft, dass es ihm spontan gelang, sich so zu drehen, dass er nun in Flugrichtung sah. Flugrichtung? Welch ein wunderbarer Wahnsinn. Er trank in einem Meer aus unzähligen Lichtern. Sterne, Sternenhaufen, Galaxien, Sternennebel, sie alle bewegten sich weit draußen in betörender Klarheit an ihm vorbei. Zwei schwach grünlich schimmernde Lichtpunkte jedoch, rasten direkt auf ihn zu, wuchsen, Schwindel erregend schnell, zu leuchtenden Scheiben, glühenden Sphären; Flammen nahmen lodernd sein Blickfeld ein. Instinktiv hob er die Arme; ohne Effekt, denn da war nichts zu heben. Fasziniert starrte er nur noch, hilflos weiter treibend, sich abwesend dem beruhigenden Gedanken hingebend, ohne Augen nicht erblinden zu können, geschweige denn zu verbrennen, ohne Körper. So entspannte er, gab sich hin, ließ sich aufnehmen in die berauschende, allumfassende Helligkeit und duftende Wärme. Vom Plasma verschlungen, fühlte er sich eins mit dem sprudelnden Feuer und dem schmerzlos stechenden Brennen, welches in ihm selbst seinen Ursprung zu haben schien, für einen kurzen Moment, nur für einen kurzen Moment, bevor das Plasma ihn wieder hinaus schleuderte, in die kalte Dunkelheit, in die undurchdringlich flache Schwärze, die Schwärze, in deren Mitte ein Planet, in erdrückender Massivität, rasant vor ihm aufwuchs. Er begann zu taumeln, rotierte, spürte wie sich alles in ihm zusammen zog und unaufhaltsam in einen trockenen oralen Orgasmus mündete. Keuchend, würgend und zitternd fiel er, tiefer und tiefer, schneller und schneller, stürzte er dem Planeten entgegen, durch graue Wolkenfelder, in sein Gesicht peitschende Regentropfen. Ein Sausen in den Ohren, ein Vibrieren im Kopf. Kamen diese Wahrnehmungen wirklich von Außen? Dem Außen, das nun voller Dynamik zu schwingen begann, zur Unkenntlichkeit verschwamm, verschwamm, verschwamm, verschwamm … schwimmend … ein Zerren plötzlich, wie von unzähligen, seinen Körper auffädelnden Schnüren empor gerissen. Stillstand. Vor ihm erstreckte sich, unnachgiebig vereinnahmend, die Oberfläche des Planeten, im sanften Zwielicht des hinter ihm strahlenden weißgoldenen Zwillingsgestirns. Dann, von einem Lidschlag zum nächsten, blendende Helligkeit. Dunkelheit. Helligkeit. Dunkelheit. Gefangen im Flickern eines Stroboskops. Schnitt. Strahlend blauer Himmel. Von zerstäubenden, an seinen Poren rüttelnden Vibrationen durchdrungen, schien er nun ganz und gar den Verstand zu verlieren. An ihm vorbei, sich in Zeitlupe überschlagend, einen bitteren, metallischen Geruch verströmend, glitt ein Gebilde … von dem er nicht wusste, was es war … ein von innen nach außen gekehrter, feucht glitzernder, langstreckender, überdimensionaler Pudding, kristallisierender, innerer Organe … von innen

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Grenzen Los

Des Hetzen Grenzen
Hetzen Mich
Zu Tode
In Samen
Blühen
Der Unnachgiebigkeit
Sinn
Zerspringt die Welt
In verletzte Töne
An Dauernder
Resonanz
Im freien Fall
Der Seelen
Heulender
Träume Schwingen
Giert das Leben
Leben
In nacktem Aussetzen
Entsetztem Schmerz
Nach Mehr
Im Meer
Der Zeit
Geronnen
Kein Anfang
Ohne Ende
Versklavt im Ich
Durch Spiegel
Schreitend
Unverhüllter Hülle
Erstickend
Last des Seins
Erdrücken
Tanzend zu entfliehen
Entgegen
Verführen
Der Fluchtpunkte
Grenzen
Loser
Freiheit
Zurück
Auf
Gelöst
Im Nichts
Vereinigt
Mit Allem
Im Eins
.

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Sinnlich

„Sinnfreiheit und Gedankenlosigkeit.
Gedankenfreiheit und Sinnlosigkeit.


Die Freiheit des Sinns erlangt, wer den Gedanken loslässt.
Und.
Die Freiheit des Gedankens erlangt, wer den Sinn loslässt.

Alternative Lesart No.1

Die Freiheit der Sinne erlangt, wer die Gedanken loslässt.
Und.
Die Freiheit der Gedanken erlangt, wer die Sinne loslässt.

Alternative Lesart No. 2

Die Freiheit der Sinne beginnt dort, wo die Gedanken losgelassen werden.
Und.
Die Freiheit der Gedanken beginnt dort, wo die Sinne losgelassen werden.

Alternative Lesart No. 3

Die Freiheit des Sinns beginnt dort, wo der Gedanke losgelassen wird.
Und.
Die Freiheit des Gedankens beginnt dort, wo der Sinn losgelassen wird.

Alternative Lesart No. 4

Die Freiheit des Sinns beginnt dort, wo der Gedanke losgeht.
Und.
Die Freiheit des Gedankens beginnt dort, wo der Sinn losgeht.

Alternative Lesart No. 5

Die Freiheit der Sinne beginnt dort, wo die Gedanken losgehen.
Und.
Die Freiheit der Gedanken beginnt dort, wo die Sinne losgehen.

[…]“


Brainard Wohlsinn, „Verlässlich Nachlass, Nachlässig Verlass“, wel. 2063

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Alles ist Eins

„Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht nur Eins sind; machen Sie sich bewusst, Sie sind eine Vielzahl; unter anderem, eine Vielzahl von Zellen, die in unablässigem Informationsaustausch zueinander stehen, permanent kommunizierend, in fortwährender Bewegung.

Wäre dies nicht der Fall, würden Sie, diese Vielzahl, im wahrsten Sinne des Wortes zerfallen, nun, früher oder später ist dies der Zustand, den zweifellos jeder Mensch erreichen wird, der Zustand, zu dem er unaufhaltsam hin fortschreitet.

Versuchen Sie einmal sich diese vielen Zellen vorzustellen, diese vielen Zellen die Sie sind, versuchen Sie es intensiv, betrachten Sie Ihren Körper dabei.
Und dann, versuchen Sie sich vorzustellen, aus welchen Stoffen diese vielen Zellen bestehen mögen, und wie ohne Nachlass und zu jeder Zeit und überall in Ihrem Körper, diese Stoffe sich bewegen und miteinander austauschen.
Gehen Sie anschließend eine Dimension tiefer, auf die Ebene der Teilchen, welche diesen Stoffen resonant Existenz verleihen. Die Teilchen und Wellen mit denen Sie unaufhörlich schwingen, die Ihnen Masse und Energie verleihen.

Erweitern Sie nun Ihre Perspektive, sehen Sie auf und gehen Sie den gleichen Weg mit allem, das Sie außerhalb Ihrer selbst wahrnehmen, mit all dem, dessen stetig kommunizierender Bestandteil Sie in Ihrer Vielzahl selbst sind.

Und schließlich, machen Sie sich bewusst: e = m * c2
Masse und Energie sind Eins.
Sind Schwingung.“


Kaskadenteil Chen, „Der Weg“, xib. 2203

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Bittersüß – 3

nicht in Deinen Kram passt! Dein Problem ist, was auch meines war, dass Du Dich genau damit nicht abfinden willst!!!!

Zu II 2.) Du willst etwas, ich gebe es Dir nicht. Damit musst Du Dich vorerst abfinden, da ich passiv darauf warte, dass Du mir genau sagst, was Du willst. Ich kann es mir zwar denken, aber auch ich zweifele. Aber wie gesagt, bevor ich nicht weiß, was Du genau willst, werde ich auch nicht reagieren. Du willst etwas von mir!!!“

„Ich ‚will‘ nicht, dass Du meine positiven Gefühle aufrecht erhältst. Wenn Du sie nicht erwiderst, meine Gefühle für Dich, dann kann und will ich Dich nicht zwingen, das wäre ja Schwachsinn, ginge ja auch gar nicht, absurd. Eine solche Beziehung kann nicht einseitig sein. Wüsst ich, es hätte keinen Zweck, würde ich mich von Dir trennen. Was ich von Dir will, steht zum Teil in den ersten Zeilen meines zweiten Gedichtes.“

„Was ist der andere Teil?“

„Was diese Sache betrifft, ist es bei Dir das erste Mal, dass ich empfinde, wie du nach gesellschaftlicher Moral eigentlich nur für jemanden Deines eigenen Geschlechts empfinden solltest. So, und nun? Ich hoffe Du weißt, dass ich Dir hier etwas anvertraue, was … ach ich weiß nicht weiter. Mir ist es allerdings vollkommen egal, ob Mädchen oder Junge, Gefühle lassen sich nicht verhindern und ich will’s auch gar nicht!“

„Das gleiche Gefühl (bei P.) mit den gleichen Symptomen (erstes Mal; Gefühle lassen sich nicht verhindern …) hatte ich auch, und ich war mir auch nicht im Klaren, was das nun zu sagen hat. Aber nach biologischer Lehre der Adoleszenz, ist das meist so. Bei mir ist die Frage noch nicht endgültig entschieden, aber Meilensteine sind gesetzt. Nun zu Deiner Frustration. Gefühle dieser Art für Dich, sind bei mir (leider)?) nicht vorhanden. Tatsache! Nun musst wohl auch Du zum ersten Mal lernen, einen ‚Korb‘ zu erhalten.“

„Nicht das erste Mal, aber ich habe Dir schon mal gesagt, dass es mir 1000 x schwerer fällt in Ungewissheit zu leben, als mit der Wahrheit. Ich habe nicht vor, diese Frage bei mir zu entscheiden, da es bei mir keine Frage ist, s.o. Wenn ich also den Schluss ziehen kann, dass zwischen uns nichts laufen wird, wird diese Reise wohl unsere letzte Gemeinsamkeit sein. Ich wäre ja masochistisch. Das alles verarbeiten kann ich momentan nicht; erst mal ist mir schlecht. Es ist traurig.“

Von folgendem Satz zeigt eine Klammer auf die Zeilen: „Ich habe nicht vor diese Frage bei mir zu entscheiden, da …“

„Nix verstehen! Warum letzte Gemeinsamkeit? Gehört es nicht auch dazu, zu lernen, mit jemandem auskommen zu müssen, auch und gerade wegen der Gefühle für ihn? Das ist nicht leicht, aber sehr vorteilhaft, wenn

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Der Wechsel – Wechselspiel

Silvie + Es

Sie hörte die anderen zwar reden, aber nicht worüber sie sprachen. Etwas drängte sich zwischen sie, verdrängte sie in sich. Sie verharrte in der Hocke, ihre Arme auf den Oberschenkeln, starrte auf den Boden, durch ihn hindurch, und betrachtete die Stockwerke tief unter sich, wie sie übereinander gestapelt miteinander verschmolzen. Das war lustig. Und auch verwunderlich. Sie versuchte ihren Kopf zu schütteln, ohne Erfolg. Sie versuchte sich zu konzentrieren und für einen kurzen Moment fand sie wieder zurück. Was war geschehen? Sie war vor etwas geflohen, wollte den Turm verlassen. Warum saß sie dann immer noch hier, mit Starf und zwei Fremden, und … erneut zog es sie in sich hinein.

Es wusste was zu tun war. Zeitweise erforderte Es die Kontrolle zurückzugeben, doch dies war jedes Mal ein Risiko. Es musste ihm gelingen, den Pfad zu erreichen. Eine der drei Instanzen besaß das Blatt. Jene Instanz war der Schlüssel zum Pfad. Die anderen waren irrelevant. Es registrierte nun, wie diese Instanz den Flur hinunterging, aber Es durfte ihr nicht folgen, nicht jetzt. Es war nicht plausibel, Es hatte keine relevante Beziehung zu seiner Instanz feststellen können. Es analysierte ihre Schritte und kalkulierte ihre zukünftigen Bewegungen. Sie würde wiederkommen. Gut. Die Anderen sollten das Appartement nun auch verlassen.

Starf fragte etwas, das sie nicht verstehen konnte. Sie bewegte den Mund und hörte ihre Stimme antworten; wie auf einer Aufnahme:

„Beiß ihn durch, du bist doch auch sonst sehr bissig.“

Und wieder ließ Es sie in sich verlieren. Wörter und sinngebende Abfolge hatte Es innerhalb der Sphäre dieser Instanz und deren Tensor Relationen zu den zwei weiteren Instanzen erfahren. Mit positivem Effekt. Eine der beiden Instanzen näherte sich der zweiten, durchdrang sie. So war es gut. Zeit für seine Instanz, den Raum zu verlassen; dies würde die beiden anderen initialisieren, ebenfalls zu gehen.

Sie bemerkte, wie sie aufstand und zur Tür ging, ohne dass sie es tat, doch konnte sie auch nichts dagegen tun. Warum kam es ihr so vor, als hätte sie Watte in ihren Ohren? Hatte sie sich infiziert? Sie sollte sich besser hinlegen. Aber dies waren nur Gedanken, Gedanken ohne Bezug zum Sein, in dessen Trieb Sie weiter gedrängt wurde, zu den Kabinen des Rundherum, vorbeifließend im Strom scheinbar zahlloser anderer Instanzen. Instanzen?

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Schlafende Füße

Am Morgen.

So eben alle aus dem Bett gekippt und am Frühstückstisch versammelt. Kaum eine sitzt vernünftig auf ihrem Stuhl, am wenigsten die beiden kleinen Mädchen. Nach einer kurzen Phase matt müder Kohlehydratzufuhr und einiger Unwilligkeiten meldet sich Julia zu Wort.

„Ohhhohhoouuu … mein Fuß ist eingeschlafen, huuuhuuuuuhuuu … “

Der Papa schaufelt halb besinnungslos das Müsli in den Rachen, ob der geringen Menge Schlaf in der Nacht; Salattuning ohne Ende. Zwischen zwei Happen findet er seine Stimme wieder.

„Musste nen Wecker daneben stellen.“

Julia guckt auf, Maren guckt auf, grinst.

„Höhö, sehr witzig … hm … ja …“

Springt auf, rennt in ihr Zimmer, kommt mit dem Mützenwecker zurück.

„Komm Julia, ich stelle den Wecker neben deinen Fuß.“

Julia schiebt sich vom Stuhl und hoppelt zu Maren, streckt das Bein aus. Maren kniet neben sie, den Wecker in der Hand, manipuliert daran herum und stellt ihn vor sich. Er klingelt.

„Na, wacht er auf?“

„Nööööö …“, traurige Miene.

Maren manipuliert noch einmal, schiebt ihn näher. Der Wecker klingelt erneut.

„Und jetzt?“

Julia lacht!

„Ja, jetzt ist er wach!“, hopst, umarmt ihre Schwester und freut sich.

„Du Maren, das machen wir jetzt immer so, ja?“

Der Papa sitzt am Frühstückstisch, grinst sich eins wegen der tollen Performance am Morgen, und schaufelt weiter sein Müsli in sich hinein.

Die Mama kugelt sich derweil am Boden.

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In meinem Raum

Was ist wichtig. Falsche Formulierung. Was macht einen Unterschied. Nicht gleich die oh so schweren Fragen am Anfang. Wieso Fragen? Jene? Was war am Anfang? Warum wirkt Musik? Ja klar, irgendwer hat bestimmt eine klare, heimleuchtende Antwort. So eindeutig wie ein Armleuchter, der dich hinter das Licht führt, anstatt hindurch.

Ist es o.k., so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Ist das der Sinn des Lebens? Man lebt nur einmal, so jedenfalls die Auffassung in meinem Kulturkreis. Ist das mein Kulturkreis, mein Kulturkreis? Wieso Kreis? In sich geschlossen, also nicht offen. Nein, nur so viel Spaß wie möglich haben, reicht nicht, ist ganz nett, aber reicht nicht, ist leer irgendwann, wie ein geschmackloses Lieblingsessen, oder ein versalzenes. Was dann? Anderen helfen, so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Aber wenn es schon für mich nicht in Frage kommt, wieso sollte es für andere? Durchschaubar, nicht wahr? Wenn der Ausschluss den Abschluss schlüssig einschließt bleibt vieles verschlossen, schlussendlich.

Logisch oder? Wer hat die Logik erfunden? Nicht Ricoola! Was, wenn Logik nur eine Projektion des Gewünschten auf das Beobachtete ist. Sich selbst erfüllende Prophezeiung, weißer Schimmel auf dem Nussnugatcremebrot? Ist die ursächliche Wirkung wirklich die Ursache oder ursächlich rückwirkend. Könnte diesen Gedanken verdrängen. Es kommt ja in Frage. Das ist die Frage. Aber ich muss sie nicht unbedingt stellen. Leben wie am Schnürchen, vielen Schnürchen, schnurgerade, schnurstracks in den Himmel oder die Hölle, logisch. Wieso dies oder jenes tun. Wieso tut ihr dies oder jenes? Ihr habt natürlich für alles einen guten Grund, ohne wirklich jemals dahin zu gehen, auf den Grund, den es, hm, vielleicht oder wahrscheinlich gar nicht gibt. Was dann? Ohne Grund kein Halt, Fallen. Fallen überall, wohin man tappt. Tappen im Dunklen, und dann auch noch grundlos. Da kommt einiges zusammen, was nur schwer verdaulich ist, so wie die versalzene Lieblingssuppe halt. Halt. Wo gibt es den noch heutzutage? Wo sind die Grenzen und wer legt sie fest? Spiele ohne Grenzen? Warum tust du das, warum lebst du so? Bist du glücklich? Definiere glücklich. Große Schwester Google hat immerhin 47.900.000 Antworten. Das sollte doch reichen. Macht mich ganz glücklich. Macht macht glücklich? Ein scherzender Glückskeks. Glücklicher Scherzkeks? Ja, das war ein loser Einfall.

Ich gehe nicht immer um anzukommen, setze einen Fuß vor den anderen nach dem anderen immer wieder. Bäume so grün und frisch, fließen vorüber,

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Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Klang + Starf

Versunken in Gedanken, ging er den Flur hinunter. Vorbei an den ehemals leeren Räumen, in die er nun unbewusst hinein blicken musste, am Rande wahrnehmend, dass diese sich wieder mit Norminventar füllten. Die Zips produzierten zuverlässig wie zuvor.

Bezüglich Starf hatte er ein merkwürdiges Gefühl und fragte sich, ob nicht doch sein Bruder hatte entführt werden sollen, die Verwechslung nur inszeniert war. Oder hatten sie alles inszeniert? Doch warum? Zweifellos war PARK über jede Bewegung seiner Mitarbeiter informiert. Sie mussten wissen, dass er mit Starf Kontakt aufgenommen hatte und dass sein Bruder das Appartement bewohnte. Einen Sinn ergab dies alles nicht.

Er sah nach hinten, die drei hatten den Raum noch nicht verlassen, betrat die Halle, schloss die Tür und studierte den Minkow. Zögerlich lief er in Richtung Rundherum. Es war ungewöhnlich, aber der Anzeige nach zu urteilen, musste das Objekt sich noch im Gebäude befinden. Zumindest zeigten sich diesmal keine der Rhythmen, wie sie üblicherweise bei einem Wechsel auftraten. Wenn es sich denn um Ortswechsel handelte. Schließlich vermuteten sie dies nur.

Aus den Aufzeichnungen hatte sich zwar bisher jedes Mal problemlos der neue Standort ermitteln lassen, was die These vom Wechsel plausibel erschienen lies. Prinzipiell hätte es aber auch jeweils eine Signatur mit Verweis auf ein weiteres Objekt sein können.

Er entschied sich zu warten, bis die drei das Gebäude verließen. Sofern das Objekt noch da war, musste es sich über die Folie aktivieren lassen. Er spielte kurz mit dem Gedanken zum Stamm zurückzukehren, um den Minkow intensiver zu analysieren und die anderen über die aktuellen Vorfälle zu informieren, verwarf ihn aber rasch wieder. Warum schien Starf so desinteressiert? Er hatte erwartet, sein Bruder würde mit ihm kommen, nach dem was vorgefallen war. Stattdessen blieb er bei dieser Nomadin und seiner aggressiven Exbeziehung. Nun gut, wahrscheinlich hatte er mit beiden noch etwas zu klären. Sein Ding.

Verdammt, falls PARK das Gebäude unter Kontrolle hatte, waren sie über jede ihrer Aktivitäten informiert. Sollte er doch besser zum Stamm zurückkehren? Er sah sich um. Scheiß Gefühl. Andererseits war die Verteilung längst nicht fehlerfrei. Für sensible Informationen würde auch PARK die Pseudon oder eine persönliche Übermittlung vorziehen. Anscheinend hatte sich jedoch noch niemand hierher bemüht, und entgegen dem was er vorhin gesagt hatte, hegte er Zweifel, PARK könnte einen Turm wirklich umfassend kontrollieren, geschweige denn eine lückenlose Überwachung des Stammes realisieren.

Es bestand die Möglichkeit das Objekt endgültig zu verlieren, wenn er jetzt wieder zurückkehrte. Nein, er änderte seinen Entschluss nicht.

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BlackBox

Das was wir sehen, scheint mit dem übereinzustimmen, was wir bei dessen Berührung fühlen, sofern es einer Berührung zugänglich ist, und mit dem, was unser Verstand an Rückschlüssen zieht und wiederum durch Wahrnehmung bestätigt sieht. Dies ist nur natürlich, da erstens die optische Wahrnehmung alle anderen Wahrnehmungen überlagert, eine Art Autosuggestion, und zweitens sich jegliche Wahrnehmungsfähigkeit und der Verstand im Zusammenhang entwickelten, und eine Übereinstimmung der Empfindungen und Erkenntnisse des Verstandes für ein adäquates Handling der Wirklichkeit plausibel erscheinen.

Doch im Grunde haben wir keinerlei Kenntnis davon, wie die Wirklichkeit außerhalb unserer Sinne existiert. Wie sind gegenüber der Wirklichkeit außerhalb unserer Sinne stockblind. Warum gelingt nicht alles, was wir uns erdenken, warum stoßen wir an Grenzen, warum scheint die Welt in diesen Grenzen fehlerhaft, grausam und ungerecht? Weil unsere Wahrnehmung nur ein sehr eingeschränktes „Bild“ der Wirklichkeit ermöglicht, gerade einmal so viel, dass sie – in Grenzen – ein Überleben und weiter entwickeln gewährleistet.

Wir sind blind und tasten uns mit einem Blindenstock durch diese Wirklichkeit. Dies ist alles, was wir wahrnehmen.


Blackbox Wirklichkeit.

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23

die 23 ist keine zahl
die 23
Ist
die qual
der wal
der heilige gral
wem es gefällt
wird erhellt
illuminiert
verziert
die kunst zu vergeben
heißt nicht
sich ergeben
nicht verzagen
doch ertragen
wagen
woanders
liegt das glück
in deinen händen
die haben
je fünf finger
zum begreifen
mach gebrauch
verspürst den hauch
es heißt zu leben
beständiges weben
zwei plus drei
ist fünf
in diesem
ein pentagram
der sinne
die 23 ist eine zahl
nicht die wahl
der qual
.

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Der Wechsel – Verwechslung – Silvie – 5

sehen, selbst wenn sie ihn stellte. Er hatte einfach keine. Er verstand auf Kosten anderer zu leben. Aber in die Eier treten wollte sie ihm allemal und auf dem Boden sich winden sehen! Das lohnte eine Übernachtung in der Halle.

Sie hatte sich entschieden und stellte ihr Interess auf 6; nur noch knapp vier Stunden. Sie durfte ihn auf keinen Fall verpassen. Doch so früh würde er nicht aufstehen. Das mit der Halle war aber vielleicht doch keine gute Idee. Erneut aktivierte sie ihr Interess und sah nach, ob im Turm auf dieser Ebene noch ein Appartement frei war in der Nähe. Unglaublicherweise waren alle Appartements frei, bis auf zwei. Ohne weiter darüber zu grübeln, beantragte sie einen Anschluss für die Nacht. Dieser Luxus würde ihr Konto weiter ins Minus reißen. Sie kicherte. Der Typ verursachte ihr sogar noch Kosten, obwohl sie nicht mehr mit ihm zusammen war. In Momenten wie diesen, erschien ihr der ganze Aufwand komplett sinnlos und sie fragte sich, warum sie nicht in ihrem Turm geblieben war, dort gemütlich im eigenen Bett schlief, die positiven Seiten der letzten sechs Monate genoss und auf den Rest schiss. Vielleicht hatte sie ja auch ihn ausgenutzt?

Sie presste ihre Hand auf die Autorisation und die Tür wurde freigegeben. Das Appartement war klein und bis auf den Schlafraum und die Versorgung leer, aber das interessierte sie jetzt nicht, war es doch entschieden besser als die Halle. Halb benommen packte sie sich aufs Flies. Während sie rasch in den Schlaf dämmerte, malte sie sich aus, wie sie an seiner Tür den Pfeif auslöste, er öffnete, sie ihm bevor er etwas sagen konnte mit aller Wucht in die Eier trat, und sie dem am Boden sich Krümmenden die Hosen von den Beinen riss. Sie schlief ein, ohne sich bewusst zu machen, dass er sie durch das Subjektiv würde identifizieren können.

Trotz ihrer geschlossenen Augen schien ihr zu viel Licht im Raum, als sie ins Wachbewusstsein zurückkehrte. Erneut schreckte sie hoch. Es war taghell. Verdammt, sie hatte das Interess nicht wahrgenommen! Zu wenig Schlaf in den letzen Tagen. Sie blickte auf die Zeitanzeige: 8:07. Das konnte immer noch klappen. Auch für ihn war es spät in der Nacht gewesen und allzu bald werden sie nicht eingeschlafen sein, so wie sie Starf kannte. Sie schnellte aus dem Bett und verließ das Appartement. In der Halle war niemand zu sehen. Sie zog sich in den Vorraum des Rundherum zurück, wartete und hatte Glück. Wenig später öffnete sich eine Tür. Die Blonde, die Starf aufgerissen hatte, trat in die Halle hinaus, lief in Richtung Rundherum und auf sie zu. Den Mann, der unmittelbar nach der Blonden das Appartement verließ, hatte sie jedoch noch nie gesehen.

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