Die Zeitwaisen

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stürmeerwischt in gepflügtenen eiligenheiten reigen wir uns von gegeneinanderer im zaum gehaltener hineingaben verschronnen vor dem kuntergrund trapetzerie wandelnder diesbezüge überfallenem jenseits vertrunken im partrickelndem seinschein splitterbuntem graureifs dich erspürend in pulserierenden gravuren deiner wunderwärmend lebendigen hand in hand über hand unter hand fest ineinander gleistend im ström regelent brassender witterwinderungen verschlungernder pfaden deiner stimme flauschig schwerenden samtfühlerungen gehörig - oh der umklang deiner stimme dieser stimme die mich sänftig herb fesselnd auflöst auflösend fesselt von moment zu moment von augenblick zu augenblick - der im widerstand meiner entschlossenen lippenhäute erregende andruck deiner prickelnde feuchte in meinen gemächtlich zöglichterloh nachgiebenden mund pressenden zunge nassrauhen lustfleisches kitzeln - dann die zeit die zeit die zeit die zeit in stillen gravuren deiner wundersam kühlenden hand verschollene gedanken an die geringerung der umhangenden zerrinnerung verrauntet im schlachentrief der gegebenenden unvergeblichtenen versinndet in dinglichtungen unendlichter ringschlüsse lichter dunklingenden - nein kein letztes mal der wärmende duft deiner weichenden nacken härchen

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Ape Won – Alles ist Fremd – 10

„Auf Nimmerwiedersehen dann also.“

„Einen Rat noch. Achten Sie mehr auf die Dinge an sich, nicht so sehr auf deren Bezeichner.“

„Hatten Sie einen Philosophen zu viel heut Morgen?“

Augenzwinkernd hebt er die Hand leicht winkend zum Abschied, geht die Stufen bis zum ersten Absatz hinunter, und verschwindet in der Rundung hinter dem massiven Treppenhauskern. Mein Gesicht entspannt sich ein wenig, ich klopfe an Martins Tür und lausche auf Schritte. Nichts. Ich klopfe erneut. Nichts zu hören. Ein letztes Mal. Stille. Ich drehe mich um, überlege was ich tun soll, drehe mich zurück und klopfe doch noch einmal. Nichts. Ich klopfe. Nichts. Ich warte. Ich klopfe. Nichts. Ich überlege, entweder ist er nicht zu Hause – doch wo sollte er sein um diese Zeit – oder er leugnet das Klopfen. Vielleicht der Schock durch die morgendlichen Ereignisse, oder das schlechte Gewissen, mir diesen Typen hinterher geschickt zu haben. Das schlechte Gewissen nach einer Lüge. Sofern er ein Gewissen hat. Macht das Sinn? Er wird uns beobachtet haben, belauscht. Ich klopfe ein weiteres letztes Mal. Die Tür bleibt verschlossen. O.k., alles ist gut. Das wird sich klären. Mit der rechten Hand ziehe ich den Schlüsselbund aus der linken Gesäßtasche, die Finger finden den passenden Schlüssel und das Schloss. Doch ich kann die Tür nicht aufschließen, der Schlüssel lässt sich nicht drehen. Die Tür ist gar nicht abgeschlossen. Hatte ich vergessen die Tür abzuschließen? Unwahrscheinlich, aber möglich. Ich drücke die Klinke nach unten, die Tür nach innen, ziehe meine Schuhe aus und gehe hinein, drehe mich um, bücke mich, nehme die Schuhe auf, klappe die Tür zu, stelle die Schuhe auf die Schuhablage neben der Tür, wende mich wieder zurück zur Tür und schließe ab. In der Küche, auf dem Weg ins Arbeitszimmer, lege ich Portemonnaie, Schlüssel und Revolution auf den schwedischen Küchenwagen aus China. Ich gehe am Kühlschrank vorbei und habe Hunger. Nicht jetzt. Ein paar Schritte weiter, auf leicht knarrend federnden Dielen, quer durch ein anderes Zimmer, bleibe ich vor dem Schreibtisch stehen und rüttle an der Maus den Computer aus seiner Ohnmacht. Draußen scheint noch immer die Sonne, reflektiert von der Hauswand gegenüber, zwischen leuchtend grüne Blätter hindurch, hinein zum Fenster, hinein in das Zimmer. Ein Surren rechts hinter mir, hinter hellen, weißen Wänden. Ich lausche dem Surren und verharre. Lausche dem eindringlichen Surren. Janosh hat einen Schlüssel. Soll ich öffnen? Nichts bewegt mich. Ich erwarte niemanden. Surren steht für Werbemüll und die Paketlieferung an einen Nachbarn. Das wird aufhören, das Surren. Das Surren wird aufhören.

Ich setze mich auf die ergonomisch federnde schwarze Mechanik vor dem vierbeinig gespreizten Statum. Der Bildgeber, Gestennehmer, Vermittler zwischen einem hochentwickelten Zellklumpen und einer erwachenden, relativ komplexen Rechenmaschine – beide unter Spannung –, erreicht alsbald den Zustand vertrauten Leuchtens. Dem betörenden Leuchten der Sonne. Wo war ich, bevor ich diese Stätte verließ?

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Ape Won – Alles ist Fremd – 3

„Aber Sie haben an meine Tür geklopft, und nicht ich an Ihre.“

„Vertrauen Sie jedem, der an Ihre Tür klopft?“

„Warum haben Sie nicht geklingelt?“

„Das hätten Sie überhört.“

„Sie waren sehr ausdauernd. Woher wissen Sie, – was rede ich eigentlich mit Ihnen? Was wollen Sie mir verkaufen? Staubsauger, Jesus, Schnaps? Ist das überhaupt noch üblich? Tür zu Tür?“

„Alles was Ihnen bisher geschah, konnten Sie auf vorausgegangene Ereignisse zurückführen, egal wie weit zeitlich oder räumlich entfernt. Ihr Leben hatte in jedem Moment einen, wenn auch noch so kleinen, Bezug zu ihrem bisherigem Leben, habe ich recht?“

„Machen Sie jetzt den Verschwörer, hm? Das Geschäft mit dem Krieg vor der Haustür als Bonus? Was für eine Frage. Keine Ahnung, könnte wohl so sein, noch nicht wirklich drüber nachgedacht. Ich führe kein Buch über mein Leben. Entweder Sie kommen jetzt rein, oder ich komme zu Ihnen hinaus und wir gehen etwas spazieren. Tolle Sonne heute wieder. Wird Ihnen gut tun; mir sowieso.“

„Das ließe sich vielleicht arrangieren.“

„O.k., warten Sie einen Moment.“

Ich klappe die Tür zu und ziehe den Riegel knarzend, scharrend, klackend in die Falle.

Das Klopfen beginnt erneut. Ich gehe zwei Schritte zurück, drücke den Riegel wieder heraus, ein Knall auf Metall, drücke die Klinke, ziehe die Tür auf.

„Kennen Sie mich?“

„Nun warten Sie doch mal kurz, bin gleich wieder zurück, hole nur Schlüssel, Portemonnaie und Teledings.“

„Sagen Sie, kennen Sie mich?“

„Nein, woher sollte ich Sie kennen?“

„Und, Sie finden das nicht verwunderlich, dass ich an Ihre Tür klopfe?“

„Doch schon, Klingeln erscheint mir jedenfalls weniger verwunderlich, aber darüber können wir auch spazierend unter blauem Himmel plaudern.“

„Ja, Sie haben vermutlich recht. Erhoffen Sie sich Nichts. Das Reden wird überschätzt. Am Anfang war das Ding, nicht das Wort. Und das Ding zeugte, was das Zeug hielt. Ich warte. Bitte beeilen Sie sich.“

Wir starren uns an.

„Ein Clown zu viel heut Morgen?“

Abermals klappe ich die Wohnungstür zu, erspare dem Riegel die Falle. Schlüssel, Portemonnaie und Revolution liegen auf dem Küchenwagen. Auf dem Weg zurück verteile ich die Dinge des Lebens in meine Hosentaschen, hebe den Kopf, und da steht er vor mir. Der Mann. Im Flur. Kleine

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Ape Won – Alles ist Fremd

An zwei Monitoren vorbei blicke ich auf das alte Kastenfenster und seine zwei Glasscheiben. In der unsichtbaren Sommersonne angenehm leuchtend grüne, stumme Blätter, lassen meinen Blick verharren bis ihr Abbild beginnt zu solarisieren. Eine erfrischende Ahnung von klarem, blauem Himmel. Stille. Windstille. Nordseite. In der Wohnung gegenüber läuft, wie so oft, ein Zeichentrickfilm. Die Zeitanzeige, links unten auf dem rechten Monitor, 11:21. Ich bin ein Kind der Sonne. Sonnenschein macht mich glücklich, wahnsinnig glücklich. Auch damals, zu Fuß die Ngong Road entlang, in heißes Feucht getaucht, kurz vor dem Ertrinken in dieser scheinbar stagnierenden Wärmeflut, hatte ich keinen Hass auf die Sonne. Im Gegenteil. Sterben mit der Sonne glühenden Wärme auf meiner Haut, muss eine angenehme Art und Weise sein das Licht auszuschalten.

Klopfen im Hintergrund. An der Tür? Ja, muss die Tür sein. Klopfen an der Tür. Aber wer oder was klopft , und warum? Ich erwarte nichts und niemanden. Klopfen. In beinahe regelmäßigem Abstand nun. Klopf, klopf, klopf. Ob das mal aufhört? Warum klopfen und nicht klingeln? Ein Zwerg? Gut, ich schnappe mir die weiße Fahne, schiebe die Maus nach vorne, stehe auf, gehe durchs Zimmer, die Küche - ein paar Kinder spielen kichernd mit dem Fußball auf dem Parkplatz zwischen den Häusern -, in den Flur. Da klopft wirklich jemand auf die Wohnungstür. Vor dem Spion steht ein großer Mann mit dunklem Gesicht, Nickelbrille, kurzem, graumeliertem Vollbart und noch kürzeren blonden Haaren. Er trägt einen schwarzen Anzug mit makellos weißem Hemd unter dem Sakko und einen hell rosa Schlips. Sein Anblick fasziniert mich. Ich drücke den Riegel aus der Falle, ein Knall auf Metall, und öffne vorsichtig die Tür. Wir schauen uns in die Augen. Meine schweifen kurz ab. Nackte, umwerfend schöne Füße. Ein wohliges Gefühl schwärmt in meinen Kopf.

„Draußen ist Krieg!“

„Was? Wovon reden Sie?“

„Lesen Sie keine Zeitung? Fernseher, Radio, Internet?“

„Letzteres. Draußen ist kein Krieg.“

„Woher wissen Sie das?“

„Nicht aus der Zeitung.“

„Das sagten Sie bereits.“

„Also …“

„Unschuldige Menschen sterben.“

„Machte das einen Unterschied, Schuld oder Unschuld?“

„Nehmen Sie Passagierflugzeuge. Hunderte unschuldige Menschen, die nichts ahnend umher fliegen, stürzen vom Himmel.“

„Von wem sonst. Nichts ahnend? O.k., aber woher wissen Sie, dass die alle unschuldig sind? – Diesen Krieg meinen Sie. Die Ukraine.“

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Volle Pulle Leben

In meiner Zelle sitzend. Neben mir die Tür, verriegelt. Stimmen um mich herum.

„Haben die keine für Kinder?“

„Geh, ich warte auf dich!“

„Warum sind hier so viele Türen?“

Was geschah bisher?

Geboren an einem sonnigen, heißen Sommertag als Nachfahre einer Prinzessin und eines Stallburschen. Ah, nein, das führt jetzt doch zu weit, zurück.

Spät rein ins Bett. Spät raus aus dem Bett. Anziehen, Frühstücken, Zähne putzen, Packen. Wasser aus Bad Neuenahr, Fruchtsaft aus Berlin, Nüsse aus Brasilien, Mini Moleskine und Faserstift. Alles rein in den kleinen Rucksack. Übliche Radtour entlang dem Mauerweg, der doch immer wieder anders ist, immer wieder neu für das Kind. Raus aus Berlin im Süd-Süd-Westen, Natur, Natur, rein nach Berlin im Süd-Süd-Osten, weiter den Mauerweg zwischen Strauch und Baum, Pferdekoppeln links liegen lassen, endlos zwischen Teltowkanal und E 36, nonstop Richtung Mitte, vorbei an Jacobs Krönung, grün und monumental, durch Parkweggeschlängel zur Kugel auf Stelze in Straßenflucht, und wieder am Wasser, vorbei an duftenden, laut pulsierenden Wiesenpartys, vorbei an Malerei verzierten Mauerrestbeständen und vorbei an einer aus dem Jenseits driftenden Rohbauruine, und dann, Endspurt mit Biege am Ostbahnhof zum Hinterhof Alex.

Aprilwetter, Nase läuft. Druck ablassen unvermeidlich vor dem Saft, Cappuccino, Erdnuss Ritual mit Leute schauen. Im Kaffee zu viele, blockieren das WC. Wird wohl länger dauern. Nein danke. Hinhocken auf dem Alex? Nein, auch nicht. Das übliche WC-Angebot im Bahnhof hinter der Straßenbahn kommt in den Sinn. Suchen und Finden. Kostet natürlich. Ein Eurostück. Plastik keine Option. Gegenüber in der Apotheke eine Flasche Sagrotan und eine Tube Canesten erhalten. Empfehlung der Verkäuferin. Plus umsonst Taschentücher. Gut beobachtet. Und irgendetwas musste ja gekauft werden. Des Volkes Bank Geldautomat erbrach wie erwartet nur Papier. Hätte auch Touristen anhauen können. Can you give me one Euro, please? I have to defecate. Zu spät.

Eine Zelle weiter vor, kräht lauthals ein Hahn, zwei Mal. Dann spricht er.

„Hallo?“

-

„Ja, ich bin am Bahnhof, auf dem WC.“

-

„Ja!“

-

„O.k., gut, wir treffen uns auf Bahnsteig B, bis gleich.“

Klopapier raschelt, Stoff raschelt, Gürtelschnalle klackert, Spülung. Mein Einsatz. Klopapier raschelt, Stoff raschelt, Spülung.

Volle Pulle Leben.

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 17

Neurometrie, das ist der Begriff dafür, soweit ich mich erinnere. Du musst jahrelang üben, bis Du das beherrscht. Die Abstimmung zwischen Implantat und Gehirn muss perfekt sein, wenn du es fehlerfrei ausführen willst. Ohne ein besonders hohes Maß an Selbstkontrolle keine Chance. Denkst du trotzdem mal daneben, und anfangs tust du das oft, führt das zu – interessanten Effekten.“

„Lustige Effekte, anscheinend. Du sagst Erfahrung, aber woher weißt Du, dass Dein Implantat nicht eine falsche Wahrnehmung erzeugt?“

„Berechtigte Frage. Du kennst sie bestimmt, diese Situationen, in denen Du den Eindruck hast, als schmecke etwas für einen Augenblick ganz anders, als noch kurz zuvor, oder wenn sich plötzlich, für einen Moment, etwas völlig ungewohnt anfühlt, wenn Dir Dinge aus der Hand fallen, obwohl Du Dir absolut sicher bist, sie fest im Griff gehabt zu haben, wenn Du etwas zu sehen scheinst, es aber schon nach dem nächsten Blinzeln nicht mehr wiederfinden kannt, wenn Du meinst, jemand hätte etwas gesagt, hat er aber nicht, jedenfalls nicht so, wie Du es erinnerst, wenn Du ein Buch liest und du an manchen Sätzen hängen bleibst, sie wieder und wieder lesen musst, sie aber in keinen plausiblen Zusammenhang zum Rest bringen kannst, und so weiter und so weiter.“

„Das ist doch völlig normal.“

„Genau. Denkst Du, an der Übergabe könnte ein Stück Torte materialisiert werden, dass, mal abgesehen von den synthetischen Zutaten, wirklich der selbstgebackenen Torte entspricht, welche Du aus Deiner Kindheit erinnerst? Vieles ist inzwischen machbar, aber das nicht, und wird es wahrscheinlich auch nie; es besteht keine Notwendigkeit mehr. Denn das Stück Torte ist so wie es ist, so gut wie echt. Eben genau, wie Du es erinnerst.“

„Und was ist mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und all den anderen vom Körper benötigten Stoffen? Werden die auch simuliert?“

„Selbst die Schwarzwälder Kirschtorte aus Deiner Erinnerung, enthält wahrscheinlich nicht allzu viel Vitamine und Spurenelemente. Keine Gefahr also, iss weiter. – Zum Teil werden sie simuliert. Zum Teil werden sie der Paste zugesetzt, so wie das Coffein im Wasser. Die Simulation ist genau das, eine Simulation. Sie kann das Nervensystem beliebig Glauben machen – interessante Analogie nebenbei –, und es wird entsprechend reagieren, auch, nun ja, körperlich. Das funktioniert allerdings nur soweit, wie die Relationen zur Wirklichkeit tragen. Wird simuliert, was nicht existiert, nicht wirklich ist, keine oder fehlerhafte Relationen hat, nimmt der Körper auf Dauer Schaden, altert früher. Auch dieser Art Abweichungen wurden vor dem Brand unter dem Begriff Krankheit zusammengefasst.“

„Ich habe diese Krankheiten erlebt. In den vielen Übermittlungen, in denen schrecklichen Abweichungen aus der Zeit vor dem Brand abgebildet wurden.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 10

Wissenschaftler die Brisanz des Materials jedoch klar gewesen sein. Welche Auswirkungen das allgemeine Bekanntwerden gehabt hätte? Eine potentielle Sensation? Schwer zu sagen.“

„Ja, und dann? Wurde das Thema für beendet erklärt? Kann nicht sein, oder? Und die Studentin?“

„Offiziell schon, das heißt nein, offiziell gab es das Thema gar nicht. Hinter verschlossenen Türen wird die Forschung selbstverständlich weiter geführt; kontrolliert durch die Administration und das Militär. Nach 1953 gelangen wesentliche Entdeckungen in der Biochemie mit Bezug zur Hirnforschung, sowie in der Hirnforschung selbst, nicht mehr an die Öffentlichkeit, abgesehen von irrelevanten, unverfänglichen Erkenntnissen. Das Thema Gentechnologie tritt stattdessen in den Vordergrund öffentlicher Wahrnehmung und bleibt dort bestimmend bis weit ins nächste Jahrtausend. Was aus der Studentin wurde? Darüber liegen keine Informationen vor.“

„Verschwörungstheorien waren weit verbreitet vor dem Brand.“

„Ja. Leider. Und nicht von ungefähr. Die wirklich entscheidenden Zusammenhänge nahm kaum jemand wahr.

Forschungsergebnisse Mitte der Neunziger des 2o. Jahrhunderts belegen folgendes: Die Sporen gelangen tatsächlich, wie von Selbiger angenommen, erst nach der Geburt in den menschlichen Körper, quasi mit dem ersten Atemzug. Genauso verlassen sie den Körper auch wieder, mit dem letzten Atemzug. Nicht ganz so prosaisch, aber vom Prinzip her. Während Geburt und Tod wurden sie auch außerhalb des Körpers nachgewiesen, im näheren Umfeld, sonst jedoch nirgendwo. Vorerst.“

„Und woher kommt das Zeug dann bitte? – Hunger!“

„Mutter, Vater, die Menschen in der Nähe. Während deiner Geburt oder zum erst bestmöglichen Zeitpunkt. Je später, desto wahrscheinlicher jedoch die Möglichkeit unvollständiger Symbiosen und deren Nebeneffekten. Stirbst Du, suchen sie sich einen Zwischenwirt. Woher sie ursprünglich stammen? Ist in letzter Konsequenz nicht geklärt. Wieso sie tun was sie tun? Auch an dieser Stelle keine neuen Erkenntnisse. Ein weiteres Teil im Puzzle der natürlichen Selbstorganisation. Die Sporen werden, soweit möglich und soweit die Definitionen greifen, zweifelsfrei als Grundlage für die Existenz von Bewusstsein identifiziert, nicht nur dem Bewusstsein von Dir selbst, sondern auch dem, was als Qualia bezeichnet wurde, deinem ganz eigenen Sinneseindruck. – War Raumfahrt mal ein Thema in Deinen Übermittlungen? Raumstationen?“

„Märchen über im Himmel schwebende Schlösser?“

„Witzig. Apropos Märchen, Zauberer, Hexen, Nebeneffekte, etc.. Indizien

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Der Wechsel

Blickwechsel

Starf + Silvie (Epilog Dialog)

„In meinem Rucksack? Aber, ich habe sie doch … gerade eben noch … Ne, nicht wahr! Da ist sie! In meinem Rucksack …“

„Sage ich doch. Andererseits, je nach Wahrnehmung, ist da weder Rucksack noch Pumpgun.“

„Du spinnst. Was meinst Du denn damit? – Was passiert da? – Da draußen in der Halle. Und warum hantierst Du derart hektisch in den visuellen Abwicklungen der Anschlüsse? Das sind doch Anschlüsse? Was ist das für ein Raum?“

„Fragen über Fragen, hm? – Der Scanner. Hab’s gleich. Bin halt hektisch, weißt Du doch.“

„Der Scanner. Aha. Kannst Du mir bitte erklären, was vor sich geht? Ich meine, am Ende der Halle ist eine riesige Öffnung in der Wand und die Leute schwuppen einfach so durch, und dann dieses Schweben …“

„Du hast nicht geschwebt.“

„Hab ich nicht? Toll. Warum hatte ich den Eindruck, ich würde schweben, und die Pumpgun, und die Patrone, kein Knall …?“

„Du sagst es selbst. Du hattest den Eindruck. Täuschend echt, hm? Hast Du schon mal darüber nachgedacht, was das genau bedeutet, ‚echt‘, ‚täuschend‘?“

„Würdest Du bitte von ganz vorne beginnen? In echt und nicht täuschend, und ohne mich dumm zu quatschen? Ich hatte echt nicht viel Schlaf die Nacht und die letzten Stunden waren doch recht enttäuschend, kann mir aber nicht vorstellen das führt zu Halluzinationen, die sich dermaßen täuschend echt anfühlen; oder es ist immer noch Nachtag und ich träume das alles nur. Hah. Schwer zu sagen in dieser Box. Oder meinst Du Projektion? So wie dieses Ding beim Wechsel, das angeblich eine Projektion gewesen sein soll? Kannst Du die Wand nochmal öffnen, den Zugang durch den Du mich rein gezogen hast, oder können wir auf irgendeinem deiner Abbilder in die Halle sehen? Generiert das aus der Verteilung? Ich bekomme hier echt Platzangst.“

„Das würde nichts ändern. Nein, keine Projektion. Und nicht Du bist es, die halluzinierst. – Eigentlich doch. Genau genommen wirst du halluziniert, je nach Glaube und Standpunkt. Und nein, die Verteilung ist nicht alles. Atme mal tief durch. Du bist auch nicht gerade ein Bündel an Ruhe.“

„Häh? Ich existiere nicht?“

„Was meinst Du? Ah nein, Missverständnis. Habe ich unklar formuliert. Ich wollte sagen, unabhängig von deinem Befinden wird dir, nun ja, Realität implantiert. Nur mit einem Implantat, oder eventuell als Abseitiger, kommst du da drum herum. Verwirrend, ich weiß. – Entschuldige. Warte. – Hmm – lass mich das bitte noch beenden. War nicht geplant, Dich mit in den Scanner zu nehmen, schon gar nicht unter diesen Umständen. Lässt sich jetzt nicht

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Der Wechsel – Wechselspiel – Starf + Suzan – 4

Suzans Griff lockert sich, ich nutze den Moment, drehe am Daumen ihre Finger vom Ring, „Aaaauuu!“, führe ihre Hand langsam an meine Lippen und spüre mit sanft drängender Zunge der pulsierenden Ader unter ihrer weichen, durchscheinenden Haut, an der Innenseite ihres schmalen Handgelenks nach.

„Oh, Du …“

Sanft schiebe ich sie in die Kabine – „Plateau“, lasse ihre Hand frei, und diesmal klappt der Schritt zurück. Sie zieht ihren Arm an sich, vor ihren Mund, die Kabine schließt, sie sieht mich an, und ich schmecke ihren Duft.

„Nachbrand, 15.“, beinahe glaube ich es selbst.

Abrupt senkt Suzan den Arm, ihren Kopf, und bewegt beide Hände hinter ihren Rücken.

„Bin bei Josey. Weiß noch nicht, ob ich später komme, ob die Zeit reicht, muss doch mal klar …“

Inmitten schier endlosem Gestänge taucht die Kabine nach unten ab, und verwundert schaue ich Suzan hinterher. Ihr Kopf ruckt in den Nacken, ein letzter Augen Blick. Wer ist Josey? Egal. Ist das Leben eine Ansammlung von Kapiteln? Welche haben Relevanz?

Zögernd wende ich mich zur Halle, der gleiche Anblick wie oben. Das läuft aus dem Ruder. Oder kippt es schon? Die nächste Kabine schießt mich zurück in die Höhe und ich verspüre überdeutlichen Druck an Darmausgang und Blase, ergänzt durch ein herzhaftes Knarzen im Magen. Hunger. Der Hunger kann warten, das Drängen in Darm und Blase weniger, denn einmal bewusst, verstärkt sich mein Bedürfnis nun exponentiell.

Die Kabine stoppt, öffnet, und ich drücke mich dicht an der Wand entlang in die gut gefüllte Halle. Ein kräftiger Hauch Ozon beißt sich entlang meiner Nasenflügel. Scheint kaum möglich, wieder auf die andere Seite zu gelangen. Dieser Strom aus schlafwandelnden Menschen. Diese Gesichter. Kein Zweifel. Der rosa Apfel. Ohne Scanner kann ich nicht einsteigen in die Illusion. Und der Ozongeruch? Muss ebenfalls warten. Zeit für ein wenig Magie; allerhöchste Zeit.

Ich streiche mit der Hand über die Wand neben dem Rundherum und während ich grinsend durch scheinbar transparentes Material in den Scanner schreite, brummt mir auch schon waberndes Tiefbassdröhnen in den Schädel und blendend rotes, rhythmisches Leuchten füllt mein Gesichtsfeld. Ohne Zögern schließe ich den Zugang – dieselbe, beiläufige Bewegung – , woraufhin das Rot zu einem hellen, gleichmäßigen Weiß wechselt und der Bass verstummt.

Ich renne weiter zum Nassraum, wische mit hektischem Wedeln die Schleusenzugänge auf, öffne den Beckenverschluss und hänge mich, Gewicht nach hinten verlagernd, in den Einfang. Ups, vorsichtig! Was gebrochen beim Sturz? Unsinn, nur die gezerrte Muskulatur. Entspann Dich. Mein entlasteter Schwanz streckt sich lässig in die Freifeldführung und auf

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Die imperative Hypothese des kategorischen Pfeifenbläsers – 3

Kriminelle Machenschaften zum Nachteil der Allgemeinheit und der Verrat an der Allgemeinheit; ein längst schmutziges Nest, in dem die Allgemeinheit zu versinken droht. Doch wer entscheidet, was, in welchem Zusammenhang, wie zu bewerten ist, wem widerspricht, welche Regel von wem gebrochen wird, wer wen und was verraten hat? Eine Erörterung ohne Ende, in den ebenso schmutzigen Schützengräben der stets überzeugten Ideologen. Eine Illusion von allgemeingültigen Regeln und Kriterien, für dieses oder jenes Handeln. Der kategorische Pfeifenbläser bewertet nicht. Er bläst die Pfeife, um öffentlich zu machen, was im allgemeinen Interesse ist. Informationen allgemeinen Interesses sind Informationen, die eben diese Öffentlichkeit, die Allgemeinheit, direkt oder indirekt zum Thema haben. Sofern ich eine Welt ohne klandestine Informationen will, muss ich eben genau diese Informationen öffentlich machen. Der kategorische Pfeifenbläser, der sein Wissen, seine Informationen, allen zur Verfügung stellt, ist ein Spion im Auftrag aller, ein Multispion. Nein, kein Spion. Ein Wächter im eigenen Auftrag, ein Wächter im Dienste Aller, der seine Pfeife für die Allgemeinheit bläst, den Ort des konspirativen Geschehens verrät, unter den Tisch gekehrte Informationen wieder hervorkehrt und, nicht zuletzt, die Allgemeinheit um Unterstützung bittet.

Würden nun alle wachen und auf dieser Pfeife blasen, käme das tatsächlich einer Zugänglichkeit aller Informationen für jedermann und jedefrau gleich; Erkenntnis und Wissen für alle, eine Welt frei von Informationen intra muros und darauf aufbauenden Missbrauch-, Macht- und Verteilstrukturen, frei von Verrat, Misstrauen, Unterdrückung und Abhängigkeit. Die Hypothese von einer gleichberechtigenden Welt für alle, durch allgemein zugängliche Informationen allgemeinen Interesses jedweder Art für alle. Eine Welt ohne Geheimnisse, ist widerspruchsfrei eine Welt ohne Geheimnisse.

Wer die Möglichkeit hat, bestimmt die Regeln, imperativ, egal ob Individuum, Gruppe, oder Allgemeinheit; was meist auf das selbe hinaus läuft, da es immer die Allgemeinheit ist, die den Einzelnen oder die Gruppe legitimiert. Wo kein Maßstab ist, wo keine Anschauung ist, wo Willkür herrscht, da endet Verhalten in einer dunklen Sackgasse.

Die Frau, am Tisch zwischen Baustelle und Café, liebkost noch immer feinfingernd die Tastatur unter ihren Händen, leicht nach vorne gelehnt, den Kopf im Nacken, gebannt Blicke wechselnd mit dem ihr gegenüber sitzenden Monitor. Der junge Mann im himmelblauen Stretch-Shirt vibriert weiterhin

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Ausgeliefert

„Die Strukturierung dieser Gesellschaft an und für sich, die Organisation von Arbeitszeit und die Organisation von Freizeit, die obligate Organisation des gesamten Lebenslaufs, die omnipotent monetäre und somit letztendlich institutionelle Abhängigkeit, all dies sind Instrumente der wohlwollenden Entmündigung, Unterdrückung und Lenkung par excellence.“


Richard Kaste II, „Ad libitum, Leben ist keine Option“, out. 2039

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Der Wechsel – Wechselspiel – Silvie + Starf – 3

Wann hatte sie das letzte Mal gegessen? Es grummelte ganz außerordentlich in ihrem Magen. Sie war wieder am Anfang. O.K., zuerst die Physe, dann die Psyche. Und da sie nun schon im Nassraum stand, wurde ihr drängend bewusst, da war noch mehr, das nach draußen wollte.

Rasch stellte sie sich vor den Einfang, lehnte mit einer Hand gegen die Wand, spreizte geübt mit zwei Fingern das Klett zwischen ihren Beinen, ergab sich dem abrupt ansteigenden Druck und ließ, während sich ihre Blase mit geradem, fast perfekt geführtem 45° Strahl in die Freifeldführung entleerte, den erlösenden Wechsel von Kontraktion in Relaxation wohlig über sich ergehen.

Erleichtert, hungrig und mit dem Willen, ohne weiteres Nachdenken, dieses Gebäude so schnell wie möglich zu verlassen, stieß sie sich von der Wand ab, schloss den Klett, lief aus dem Nassraum hinaus, zurück durch die hinderliche Schleuse, und den Flur des unverkennbar schon freigeschalteten Appartements hinunter. In ihrem Appartement hatte sie die Schleuse deaktiviert, entgegen den Vorgaben, wie so vieles.

Am Ende angelangt, riss sie die Tür zur Halle auf, kippte leicht nach hinten, anstatt weiter nach draußen und verharrte augenblicklich. Verwundert betrachtete sie die an ihr vorbei ziehende Menschenmasse. Klar, die starke Zunahme an Aktivität in den Türmen war normal, sobald ein Zugang wieder neu hergestellt worden war. Aber dies hier. So viele Leute, die anscheinend zielstrebig in eine Richtung liefen, wie hypnotisiert, mit starrem Blick und schlaffer Gestalt? Würde sie in den Augen der anderen genauso wirken, wenn sie sich in diesen schier endlosen, dichten Fluss einließe? Momentan war ihr zumindest ebenso taub zumute. Schnell fasste sie sich wieder.

Der Eingang zum Rundherum war schräg gegenüber. Wie konnte sie, ohne mitgerissen zu werden, durch diese wälzende Wand aus Körpern gelangen? Die Strömung war kräftig, doch was blieb ihr anderes zu tun? Stellte sich die Frage, war es effektiver, sich langsam zwischen die wenigen Lücken zu schlängeln oder mit voller Kraft zur anderen Seite durchzuschlagen. Wie sollte sie es angehen? Konnte sie es angehen? War das ein Vorgeschmack von Panik? Nein, sie nicht. Stattdessen dachte sie kurz an ihre Pumgun. Aber dies wäre wohl zu drastisch. Eine beunruhigende Erinnerung machte sich zudem erneut bemerkbar. Egal. Los.

Sie schritt energisch durch die Türöffnung, wurde aber, quasi wie erwartet, prompt und widerstandslos mitgerissen, konnte ihren Weg nicht mehr frei bestimmen, ruderte im Affekt hilflos mit Armen und Beinen. Was war das nun wieder? Sie blickte nach unten. Ihre Füße glitten über den Boden, obwohl sie nicht die Ursache ihrer Bewegung waren. Ganz toll, dachte sie, klasse, und bemühte sich, die nun doch ein wenig aufkommende Panik in Schach zu halten. Was zum Sack hatte das alles zu bedeuten? Sie probierte den Verlauf ihres Schwebens mit den Armen zu beeinflussen, stieß aber nur an die anderen.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Silvie + Starf – 2

Kniebeugen, Speedbag Wirbel in der Luft, füllte ihre Lunge in einem langen Atemzug und reckte dehnend ihre Arme nach oben, soweit sie kam. Mit durchgestreckten Beinen beugte sie sich herunter und presste dabei den angestauten Atem vollständig heraus, griff mit den Händen um ihre Füße, wippte ein paar Mal hin und her, und atmete, während sie sich aufrichtete, gleichmäßig, so tief wie möglich wieder ein. Der Löffel im Kopf schrumpfte zu einem Mikrospatel. Sie hüpfte ein wenig auf den Zehnspitzen auf und ab, schlenkerte mit locker hängenden Armen um sich, rannte auf der Stelle und begann sich besser zu fühlen, auch wenn ihr ungewöhnliches Gewicht sie weiterhin verwunderte.

Sie nahm ihre Pumpgun auf, steckte sie in den Rucksack, blickte noch einmal um sich. Der Raum sah aus, wie jedes andere automöblierte Appartement. So sehr sie sich auch konzentrierte, weiter als bis zu diesem leuchtenden Ding war sie bisher nicht gekommen in ihrer Erinnerung. Und genau dieses Ding fehlte hier. Dieses Ding. Jenes Ding. Das Ding.

Plötzlich war es wieder da, in ihrem Kopf. Ein Zittern und Vibrieren durchströmte ihre Organe, ein flauschiges Prickeln verglomm aus ihrem Inneren und unter ihrer Haut. Wie durch eine Gefühlslupe hindurch, nahm sie überdeutlich den Druck wahr, den die winzigen, sich aufrichtenden Härchen auf ihrem Unterarm ausübten, als sie sich gegen den dünnen Stoff ihres Anzugs pressten. Für einen kurzen Moment empfand sie als zwei. Bilderfetzen wirbelten vor ihren Augen. Eine unglaubliche, nicht zu erfassende Gestalt ruckte und zuckte schemenhaft in ihrem Gesichtsfeld hin und her. Sie und dieses Wesen. Dieses Wesen und sie. Ihr wurde schlecht.

Sie rannte aus dem Zimmer und weiter zum Nassraum, wartete, bei sich zusammenziehendem Schwindel in der Brust, ungeduldig vor den nervigen Schleusentüren, taumelte hinein, beugte sich über das Ausbecken und brachte das wenige, was sie an Nahrung noch in sich hatte, säuerlich, in hechelnden Schüben plätschernd nach draußen. Sie fühlte, wie ihre Haut abkühlte, als die dort angesammelte Feuchte, zusammen mit einem Teil der Wärme ihres Fleisches, durch die Fasern des Samtkevs diffundierte. Sie schüttelte sich und fröstelte, verspürte jedoch keine Übelkeit mehr.

Und wo war Starfs Bruder, Jochen? Wo waren Starf und Suzan? Sie hatte sich in Fragmenten wieder bewußt erinnert an das, was geschehen war, was ihre Erinnerung ihr aufdrängte, das geschehen sein musste, sollte, sah die Ereignisse in wiederkehrenden, wild geschnittenen Einstellungen vor sich; doch selbst die vorüberziehenden Bilder dieser absurden, lächerlichen, schlackernden, um sich spritzenden Gehirnsubstanz, mit den schnappenden … Händen? … Klauen? … Tentakeln? … ließen sie jetzt vollkommen gefasst; ohne dass sie sich im Entferntesten einen Reim auf all das machen konnte. Das hatte sie nur geträumt, oder?

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