Die Zeitwaisen

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KommTier! | Auf | | |

Schach Matt

Geordnet im lichten Chaos
Durchs Treibhaus jagend
Den Gang des Lachens
Rückwärts laufend
In den Tag hinein
Im Endspurt
Entgegen dem Vergessen
Winkt fliehend
Lustvoll
Aus unweiter Ferne
Der Schnäppchen Tod
Dem Füllhorn Leben
Die fröhliche Grimasse
Strahlenden Seins
Verdrehender Tüten Schein
Durch das Dunkel Hell
Verschlossener Türen Zufall
Lockend dem Gewinner
Alles
und
Nichts
Gewährend
Was nicht schon gewesen
Jetzt und immerdar
In der Zeit Verlust
Die Wunden
Nur geleckt
Nie geheilt
Ertragen sich
Verbleibende
Stunden rund um die Uhr
Stehend im Galopp
Das blumige Ende
Ziellos erreicht
Auf Händen getragen
Zu Staub gebettet
In Liebe
Der Nächste bitte
Springer, Läufer, Turm
Schach und Matt
.

KommTier! | Auf | |

Ziehung der Achter – 3

Die Tür zum Warteraum wurde schnell geschlossen. Nervöses witzeln, sich lockernde Atmosphäre, gegenseitiges Beruhigen.

Ich kann nun aufstehen. Es geht mir so lala. Noch einmal dieser Hinweis mit dem Tupfer, der noch auf meiner Wunde liegt. Ich soll ihn nach einer Stunde unauffällig entfernen. Unauffällig entfernen? Ich bekomme das alles nur halb mit. Tupfer im Mund? Ich merke doch gar nichts. Kann ich den nicht verschlucken?

„Sie beißen doch darauf.“

Aha, beruhigend. Wenn ich nur etwas fühlen würde.

„Ich verschreibe Ihnen hier ein Antibiotikum und Schmerzmittel. Das Antibiotikum nehmen Sie unbedingt. Die Wunde ist sehr tief, sehr große Körperöffnung … offene Verbindung … Rachen …“

Ich verstehe nur die Hälfte. Er drückt mir ein kleines mit Papier umwickeltes Kühlkissen in die Hand.

„Kühlen Sie! Das ist wichtig! Gegen den Schmerz und die Schwellung.“

„Muss ich das Schmerzmittel auch nehmen?“

„Nehmen Sie es. Ist besser. Sie werden sehen. Wenn die Betäubung nachlässt. Und gut kühlen. Morgen kommen Sie wieder, zum nachsehen und entfernen des Streifens. Und bitte in der nächsten Zeit nicht stark durch die Nase schnauben! Auf Wiedersehen.“

Mein Privatchauffeur fährt mich nach Hause. Hört sich gut an? Ist mein Onkel. Vor seinem Ruhestand war er Taxifahrer. Nett von ihm. Fährt jetzt die Familie von A nach B.

Zu Hause erwarten mich drei weitere Familienmitglieder mit Ringelröteln; eine Virusinfektion. Zum Glück habe ich das schon vor zwei Wochen abgemacht. Gemütlich tummeln sich stöhnend vier Patienten. Ach nein, meine Kinder sind zwar auch rotgetupft, sonst aber putzmunter. Ich setze mich mit einem neuen Kühlkissen an der Wange auf die Couch. Ich habe vorgesorgt. Da ich mich akustisch nur schwer verständlich machen kann, erklärt Heidrun unseren Kindern was mit Papa los ist.

„Hihi, Papa hat eine dicke Backe …“, das war Julia. Ich versuche, mich nicht auf die nachlassende Betäubung und die stärker werdenden Schmerzen zu konzentrieren. Das übliche Chaos, in das ich akustisch leider nicht eingreifen kann, lenkt zum Glück ab. Ich stehe auf und will das kleine Kühlkissen aus der Praxis in das Gefrierfach legen, um es wieder herunter zu kühlen, doch kann es nirgends finden. Leicht genervt gestikulierend und brabbelnd mumbelnd fordere ich den Rest der Anwesenden auf zu suchen.

„Das haben bestimmt Julia und Maren verschleppt. Julia, hast du dieses kleine weiße Kissen weggenommen, dass hier auf dem Tisch lag?“, das war

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