Die Zeitwaisen

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teich

die forelle durchs nasse feuchte fleucht
der bieber bibbernd mit dem schwanze keucht

libellen lispeln lieblich im sonnenschein
quappen schwappen qualvoll ins land hinein

treibend bloß nur vom trieb getrieben
sich gleitend durch warme säfte wiegen

unter sämig tang schlingernder schlingen
unverhüllt leben umeinander ringen

in tiefem dunkel klamme kälte triefend
vergeblich stoßend sich ergießend

eng umgliedert leid erstaunter leere
entkommt ein letzter puls der schwere


regungslos gelöst erlöst
nur die stille bleibt

und befreiter wille
.

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Lackadaisical

Lying on her
Lying to her
I realize
I’m lying to her
Lying on her
What the Fuck
This is just a Fuck
I pump into her
Again and Again
Below me
She looks like an ugly pudding
Do I look the same to her
Stupid, senseless, cadaver pumping
Where has all my love gone
She looks me in the eye
I see only myself
Still pumping, pumping
She moans, She knows
I know it
Her nipples as hard as stone
It’s cold
Her parched lips as tight as a shell
Filling her for the last time
Not with joy but with sorrow
Pulling back lackadaisically
Slumping on my belly
I’m on my way to nowhere
She’s on her way to the sink
Already running out
I watch her walk
One last glimpse of beauty
Losing it all at once
.

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Mein Symbiont der Pilz[1]

Seit fünf Jahren lebe ich in Symbiose mit einem Pilz. Wenn es denn ein Pilz ist. Ich kann da nichts Auffälliges sehen. Nur ab und zu fühlen. Ein rohes Rau, unter und zwischen den drei äußeren Zehen am linken Fuß. Und ein Jucken, oh, was für ein Jucken, das ich gelegentlich befriedigen muss. Welch Wonne, welch Zehorgasmen; ein wahrlich Neurotransmitter Gewitter.

Jucken, Reiben bis die Haut platzt, Zehorgasmen, rohes Fleisch, Schmerzen, temporäre Heilung. Ein wundervolles Gefühl, mit dem Fuß den Rand der Bettdecke zwischen den Zehen zärtlich bis ekstatisch hindurch zu ziehen, immer wieder, bis die Juckreizbefriedigung, diese brennend süße Empfindung, übergeht in sanfte Qual; mich treiben bis fast zur Benommenheit, die Bewegung immer wieder dosiert, im Wechsel zurücknehmend und intensivierend, bis an die Grenze zum plötzlich schneidenden Schmerz, der das Spiel dann abrupt beendet. Ich bin kein Masochist, nicht bis ins Letzte. Das mit der Bettdecke, das erfordert Geschicklichkeit und Gewandtheit, ebenso wie guter Sex. Aber wer braucht schon Sex, wenn er einen Pilz hat. Mit einem Fuß das untere Deckenende greifen und gespannt zwischen den Zehen des anderen Fußes langsam aber bestimmt hindurch streifen. Göttlich. Wahnsinn. Über viele Monate hinweg zieht er sich oftmals zurück, der Pilz, wohin auch immer, kein Juckreiz, nichts – bin dann schon fast entwöhnt –, und keimt doch spontan, erneut wieder auf.

Weshalb sollte ich ihn verdrängen, aufgeben, beseitigen? Dem Pilz mit chemischer oder biologischer Kriegsführung den gar ausmachen, ihn niederpinkeln oder im Öl ersaufen? So ein zurückhaltender Freudenspender, begnügt sich mit dem Platz zwischen meinen drei Zehen, gönnt mir Ruhepausen, beansprucht mich nie zu viel. Er weiß wohl genau, er würde mich andernfalls nicht überleben oder würde sich um seinen Wirt bringen, was für ihn auf das gleiche hinaus liefe; im Megadauerzehorgasmus oder einer saftigen Blutinfektion dahinscheiden. Nein, bis aufs Blut haben wir uns bisher nicht getrieben. Eine Entzündung blieb auch aus. Und, vielleicht, eine ungewöhnliche Sicht, ich weiß, aber vielleicht tut er mir noch mehr Gutes. Was das sein könnte? Keine Ahnung. Freigesetzte Hormone, Enzyme, Chemikalien, Halluzinogene, Antibiotika? DNA Erweiterung? Ausscheidung, Synthese oder Katalyse welcher Art auch immer? Durch ein Zusammenspiel von Pilz, Haut und Reizung? Bewusstseinserweiterung durch Fußpilz? Blutegel en miniature? Immunsystembereicherer? Hat das schon einer erforscht? Fußpilzernte? Eine glückliche Symbiose, hier Protokooperation oder Mutualismus, kann nicht schädlich sein. Würde ich freiwillig meine Darmbakterien abtöten? Und auf Ebene der Zelle betrachtet? Symbiosen soweit das Mikroskop vergrößert. Leben und leben lassen, statt leben und sterben lassen. Und wenn er sich doch irgendwann endgültig verabschiedet? Oder zum Parasiten mutiert? Ich werde das überleben, mit Sicherheit, ich und die Milliarden anderer Lebewesen die ich bin, ich, der ich nur zum geringsten Teil humane DNA bin.

Sommer, er ist wieder auf Reisen, oder so. Mehr Zeit für Harm losen Sex.

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Fluids

“If you think about it, to squirt fluids – bodily liquids –, no matter how or what kind, always induces some form of orgasm feeling.
That is because a part of us is leaving, is parting, spontaneously.
It is the orgasmic pain of, in some cases anticipated but nevertheless always sudden, separation.”


Jantan Rulethum, “Reconfiguration of artifical life”, rep. 3331

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Bittersüß

Gewidmet E. M., R. M., R. G. und P.

Der folgende Dialog findet statt in einer kühlen, regnerischen Spätsommernacht in den Alpen, auf der Rückfahrt von Trient nach Berlin, in einem alten Zug, dessen Fenster innen beinahe ebenso stark beschlagen, wie sie außen der Fahrtwind mit fließendem Wasser überzieht. Anwesend sind zwei Jugendliche, dicht beieinander sitzend auf dem feuchten Boden im Übergangsbereich zwischen den Abteilen, an Rucksack und Isomatte lehnend, in leichter, klamm an der Haut klebender Bekleidung und mit klitschigen Haaren, ein roter Taschenkalender mit der Aufschrift „Frieden ‘82“, darunter gemalt ein arabisch anmutendes Zeichen, ein Kugelschreiber, und weitere Fahrgäste. Kalender und Stift werden zwischen den beiden jungen Erwachsenen hin und her gereicht. Niemand spricht. Die Stille ist erfüllt von den Klängen über die Gleise rollender, eiserner Räder und an die Glasscheiben prasselnder Regentropfen.

„Also, Du hast keine Lust, wieder mal; wie soll ich denn dann jemals mit Dir über das reden können, was mich bewegt? Wie Du siehst, bin ich schon nicht mal mehr fähig, die Sache mündlich zu klären. Soll ich überhaupt?“

„Es ist 00:38. Seit 5 Nächten habe ich zu wenig Schlaf gehabt. Wo soll da noch Lust her kommen? Das ist ja wohl in den letzten Tagen oft deutlich geworden! Oder? Den Mut zum Reden musst Du selber aufbringen. Alles oder Nichts. Wenn Dir die Sache wichtig erscheint, wirst Du wohl reden müssen, oder bleibt noch eine andere Wahl?“

„Ja, in Melancholie dahin zu dämmern. Du weißt alles? Du weißt Nichts! Zumindest was meine Sache betrifft. Es ist mir wichtig, sonst würde ich hier nicht neben Dir sitzen. Die Probleme, die Du bei P. hattest, sind nichts gegen die Probleme, die ich bei Dir habe, da mein Problem etwas anders gelagert ist. Teil meines Problems ist es aber, dies nicht genau zu wissen.“

„Ich kenne Deine ‚Krankheit‘ sehr wohl, eben wegen P. Oder zumindest kann man Parallelen erkennen. Das Deine Probleme anders gelagert sind? Mag sein! Bei der Vielfalt der Probleme, die ich mit P. hatte, kann ich mir das nicht vorstellen. Vielleicht in Nuancen. Was man nicht weiß, muss man erlernen. Kommt Zeit, kommt Rat. Eine traurige, aber bittere, wahre Erfahrung. Meine Konsequenz aus der Sache mit P. ist eben das, was Dich scheinbar belastet. Aber ich bleibe meinem aus tiefster Erfahrung gewonnenem Prinzip treu. Vielleicht wirst Du das erst später, nach eigenen Erfahrungen, verstehen!“

„Ja, aber dann wirst Du ja nie wieder mit irgendeiner Person engeren Kontakt bekommen. Ich weiß nicht, ob Du auf das was jetzt kommt,

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Vom Sein

im Dunkel
Tönenden Schmerzens
Laut Hals
Gebärender
Stein Fliesen
Schnellen
Zäh Flüssig
Benetzte
Vaginen
Smaragd Grüne
Föten
Kristallin
zu Eis
Geschmolzenen
Strahlen
Dreier Sonnen
vom Überschall
Geblendeter
Fakire
im Nebel
Licht Grau Weißer
Nächtigkeit
durch
Vorhänge
Temporären
Alterns
Duftender
Mehl Särge
Blechernd Klangem Stahl
Sich ergießend
in
Rauschend
Blasigen
Strömen

unendlich bunt cremig leuchtender farben meere zärtlich getragen auf haut nah sich berührenden gliedern in einander gleitender ekstase unerträglich süßer glück seligkeit

Schwimmend
Empor
.






Xabu Iborian: Vom Sein (Encapsulated Onset)
Vom Sein

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Sehn Sucht

Vermisse Deiner Hände Wärme kribbelnd auf meiner Haut
Vermisse Deiner Lieder sanften Flügelschlag schwebender Vögel
Vermisse Deiner glücklichen Liebe brauner Augen Blick wundersamer Sommer
Vermisse Den Hauch Sandelholz auf Deiner Haut duftendes Meer
Vermisse Den süßen Geschmack Deines Mundes Nektar
Vermisse Das zarte Tasten Deiner Zunge schmiegsam spalten meiner Lippen
Vermisse Deiner Haare zärtliches Streichen wilden Windes fliehender Pferde
Vermisse Deiner Stimme hellen Klang dunklen Waldes Geräusche
Vermisse Dich liebkosen zu dürfen like tending a magical garden
Vermisse
Die schwebende Stimmung mit Dir
Die Tiefe
Deiner Nähe
Ohne Dich
fehlst du mir
fehlt ein Teil
von Mir
.

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