Die Zeitwaisen

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 15

„Das Interess ist keine Verbindung, sondern selbst ein Anschluss. Dem Stamm wurde im Laufe der Zeit klar, dass die G-Sporen einen funktionellen Verband bilden. Zum Wechsel konnte jedoch bis heute kein Bezug hergestellt werden. Du müsstest es eigentlich als Fremdkörper wahrnehmen. Doch das Konzept erschließt sich Dir nicht. Die Reichweite und Funktionalität meines Implantats stößt hier an seine Grenzen.“

„Der Stamm, ich erinnere mich an Übermittlungen zum Stamm. Sie gehörten zu den Menschen, welche den Brand überlebten oder ganz von ihm verschont blieben. Ohne sie hätte es keine Wiederbelebung gegeben, heißt es. Warum waren sie nicht ebenso betroffen, wie alle anderen, wenn die Ursache bei den G-Sporen lag?“

„Legenden werden wahr. – Immer schon lebten Menschen, mit denen die ursprünglichen Sporen keine Symbiose eingehen konnten – keine Sporen, keine Simulation –, so wie Julian. Oder Menschen, bei denen trotz der Sporen eine Simulation nicht möglich war und die Nanoobjekte keinen Effekt hatten. Ebenso wie Menschen, die sich der Sporen, und später auch der Nanosporen, bewusst waren und diese sogar kontrollieren konnten; dazwischen ein breites Spektrum an Abstufungen, durch Unverträglichkeit bedingte Krankheiten, ungewöhnliche Verhaltensweisen und Fähigkeiten. Die Geschichte ist voller Beispiele. Immer wieder verbündeten sich einige dieser Menschen, und auch die Vorläufer des Stammes fanden so zusammen, lange Zeit vor Selbigers Entdeckung. Und nicht nur die Vorläufer des Stammes. Sie sahen ihre Aufgabe darin, den anderen wieder das wahre Sehen zu ermöglichen, auf die eine oder andere Art und Weise. Eine zwiespältige Melange aus Wissenschaft und Religion, die mit den Jahrhunderten weiter und weiter auseinander trieb, sich in kleineren und größeren Strudeln der Macht konzentrierte.

Dem Stamm gelang schließlich, noch vor G-Sporen und Brand, die Konstruktion eines Implantats, welches dem Träger die Abschirmung und Remodulation der Simulation ermöglicht. Doch ihre Anzahl war zu gering, sie hatten zu wenig Einfluss auf die allgemeine Entwicklung. Niemand sah die Notwendigkeit, ihre Aktivitäten einzuschränken oder gar zu beenden. Eine weitere Sekte von Freaks. Glück im Unglück.“

„Aber Du hängst bei PARK mit drin, nicht beim Stamm; hast Du erzählt. Trägst Du ein Implantat?“

„Nein, so habe ich das nicht beschrieben. Ich bin ungebunden. Ich erhalte Anfragen. Jenseits von Anschluss und Übermittlung. Selbstverständlich trage ich ein Implantat.“

„Du behandelst diese Anfragen ganz alleine?“

„Wir agieren zu zweit, als Partner, weitgehend unabhängig. Wir sichern uns jedoch gegenseitig.“

„Weißt Du, wo Dein Partner zur Zeit ist und was er tut?“

„Sie. Sie organisiert. Sie war es auch, die vor ein paar Stunden die Wächter abgehalten hat.

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 12

„Haben die Leute sich nicht gewundert über diese Dinger, wenn die überall rumflogen?“

„Nein, denn die hatten ähnliche Aufgaben wie die Pseudon.

In dieser Epoche spielt der persönliche Besitz immer noch eine zentrale Rolle, selbst wenn er nicht mehr in jedem Fall mit persönlichem Eigentum einherging. Indirekt und unauffällig wird die Bereitwilligkeit zur Akzeptanz all dieser Geräte gefördert. Große Firmen, Organisationen, die diesen persönlichen Besitz verkaufen, verleihen und kontrollieren, laden zu pseudoreligiösen Zusammenkünften, auf denen sie ihre neuesten Datengeräte und dessen unverzichtbaren Besitz predigen. Alles geht Hand in Hand. Abhängigkeiten werden geradezu spielerisch erzeugt. Eine unüberschaubare Anzahl von Psychologen und Soziologen erarbeiten, ohne es zu wissen, die Basis für diese Manipulation. Die Massen sind begeistert. Wie Du vielleicht weißt, gab es damals schon etwas Ähnliches wie den Anschluss. Das Fernsehen und das Internet. Letzteres ein wegweisendes, weltweites Datennetzwerk. Das Rückgrat der Aufklärung und Manipulation seiner Zeit.“

„Ich erinnere mich. In den Übermittlungen wird es als fehlerhafter Vorläufer des Anschlusses beschrieben. Instabil, und deshalb ein weiterer Grund für den Brand.“

„Die Abweichungen in den Übermittlungen erscheinen doch immer wieder minutiös.

Selbst Menschen, die dem ganzen Prozess kritisch gegenüber standen, aus verschiedenen Gründen, hingen fest im System, ob sie wollten oder nicht. Ein Spiel mit der Zeit beginnt. Verzögerung und Ablenkung überall dort, wo entlarvende Erkenntnisse an die Oberfläche spülen. Kurz bevor bedeutende und authentische Informationen über die Zusammenhänge allgemein verbreitet werden können, ist die Simulation soweit fortgeschritten, dass es irrelevant ist, was diese Informationen tatsächlich aussagen. Den meisten werden nur noch die anscheinend positiven Aspekte bewusst. Die friedvollste Versklavung seit Menschengedenken, wenn auch schon damals nicht mehr deutlich war, wer eigentlich wen versklavt und warum. Die Entwicklung beginnt sich zu verselbstständigen. Sie durchdringt deine Existenz. Global verdrängt sie traditionelle Lebensweisen. Der Anschluss wie du ihn heute kennst, ist die Perfektionierung des Ganzen. Mitte des 21. Jahrhunderts siehst Du kaum noch jemanden im öffentlichen Raum, der nicht eines oder mehrere dieser Geräte trägt. Sie werden in Kleidung und Schmuck integriert, direkt am Körper getragen oder implantiert; obwohl für den ursprünglichen Zweck nicht mehr erforderlich, unterstützen sie die allgegenwärtige, direkte Manipulation hervorragend.“

„Ich denke, es fällt mir schwer, Deinem Redefluss noch zu folgen, mein Zuckerspiegel …“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 9

„Julian erlag mit 25 Jahren einer Lungenentzündung, im Anschluss an eine schwere Grippe. Kasimir wandte sich wenig später von seinen Eltern ab. Selbigers Frau verstarb kurz darauf. Selbiger forschte weiter, bis zu seinem Tode. Wie er starb, ist nicht bekannt. Beide starben viel zu früh.“

„So viel zu 'keinen Schaden nehmen'.

O.k., das ist alles sehr interessant. Soweit kann ich auch alles verstehen, denke ich. Was ich unter anderem nicht verstehe, wie hängt das alles zusammen mit dem, was da draußen in der Halle passiert und mit Deiner Bemerkung über Halluzinationen, die ich angeblich habe oder hatte. Und ob diese Zellstrukturen nun im Menschen entstehen, oder von außen eindringen, welche Bedeutung hat das? Wo ist der Unterschied zu den Bakterien, die im Darm eines Menschen leben, beispielsweise?“

„Nach Selbiger, keiner. Der Zusammenhang erschließt sich etwa hundert Jahre später, zum Advent des binären und digitalen Zeitalters.“

„Gibt es hier eine Übergabe? Ich habe sooo einen Hunger. Tagan nichts gegessen. Wen ich es recht überlege, seit gestern in der Theke nicht mehr. Kaffee wär auch nicht schlecht. Bitte.“

„Ein klein wenig Geduld noch.“

„Puh, Du hörst Dich aber auch die ganze Zeit über an, als hättest Du Hunger.“

„Selbigers Publikation, vergessen und verstaubt in den abgelegensten Regalen der Fachbibliotheken, weckt das Interesse einer Studentin der Biochemie und Neurophysiologie. Alles Weitere ergibt sich von selbst, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Studentin bestätigt in ihrer Abschlussarbeit die Zellstrukturen im Gehirn und weist Selbigers weitere Annahmen durch DNA Analysen nach. Die Sporen enthalten eindeutig nicht menschliches Material und finden sich weder in Toten noch in Ungeborenen. Die Erkenntnisse werden nicht veröffentlicht. Selbigers Publikation, sowie jeder Hinweis darauf, verschwinden aus den Bibliotheken."

„Wie war das möglich? Ihre Forschungsergebnisse hätten sich doch schnell verbreiten müssen? Diese ganze Geschichte mit dem Bewusstsein, war das nicht für alle interessant?“

„Nun, zum einen gab es damals keinen Anschluss, und keine Massenkommunikation. Zum anderen wurde die Arbeit von Anfang an durch einen dafür zuständigen Wissenschaftler begleitet. Dessen Betreuung wird sich innerhalb kurzer Zeit in Beaufsichtigung und Abschottung gewandelt haben. Die entscheidenden Instanzen hatten kein Interesse die Ergebnisse öffentlich zu machen; im Gegenteil. Auf Selbigers Thesen zum Bewusstsein, nimmt die Studentin sogar nur am Rande Bezug. Sie konzentriert sich in erster Linie auf den Nachweis und die Beschreibung der Zellstrukturen, der Sporen. In Kenntnis Selbigers Thesen muss dem

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 8

„Hast Du eigentlich mal Tiere erlebt, lebendig, direkt?“

„Wenige. Jedenfalls wenige mit vier Gliedmaßen. In den Ballungen können sie nicht leben und außerhalb sind sie über Wasser inzwischen so selten, wie das Land selbst.“

„Die haben früher wirklich das Gehirn von lebenden Tieren untersucht, bei vollem Bewusstsein?“

„Das war üblich in der Forschung. Bewusstsein bei Tieren, das entsprach längst nicht der allgemeinen Auffassung. Oder aber der Gedanke wurde ignoriert – zum Wohle des Menschen. Anästhesie stand noch am Anfang. Macht aber auch nicht bei allen Experimenten Sinn. Doch ja, da war Widerstand, vereinzelt. Selbigers Thesen hätten diesen Widerstand überzeugend stützen können, wären sie denn anerkannt worden. Er hat damals zwar schon Ether verwendet, das änderte aber nichts am anschließenden Tod der Tiere, mag dieser auch schmerzlos gewesen sein.“

„Und wenn die Entwicklung von Julians Gehirn ganz einfach anders verlief, als die von Kasimirs?“

„Möglich. Ebenso möglich, wie Selbigers Annahme einer Symbiose mit den von ihm entdeckten Sporen, die bei Kasimir fehlschlug. Aus welchen Gründen auch immer.“

„Eben, die Ursache dafür hat er doch gar nicht entdeckt. Und warum dann diese Sporen ins Spiel bringen, die sich zudem in der Umwelt nicht nachweisen lassen, wenn eine einfache Erklärung genau so viel Sinn macht, wenn nicht mehr?“

„Korrekt, er konnte den Grund für Julius Andersartigkeit nicht klären. Seine Erkenntnisse erwiesen sich jedoch später als von weitaus größerer Bedeutung. Und ich würde Dir zustimmen, wäre da nicht ein weiteres Indiz, das Selbiger nur wenige Monate vor seinem Tod notierte. Ihm gelang, die Zellstrukturen experimentell hervorzurufen, spontan. Wohlgemerkt im toten, biologisch inaktiven Gehirn. Er konnte diesen Zustand jedoch nicht über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten; nach kurzem verschwanden die Sporen wieder. Das nahm von seinen Kollegen, und im weiteren wissenschaftlichen Umfeld, aber schon kaum jemand mehr zur Kenntnis. Diejenigen die ihn noch lasen, warfen ihm Alter, unsauberes Arbeiten und Manipulation vor. Die Kirche sprach gar von Ketzerei. Die Kirche. Zu Zeiten der Inquisition hätte man Selbiger und seinen Sohn verbrannt. Wahrscheinlich die ganze Familie, und jeden der mit ihr in Verbindung stand. Menschen wie Julian wurden schon immer benachteiligt, abgesondert, verfolgt, weggesperrt, gefoltert oder umgebracht.“

„Was wurde aus den beiden Söhnen?“

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Der Wechsel – Wechselspiel

Starf + Suzan

Operieren wie geplant, oder noch zu heiß? Suzan und ich gehen den Flur zum Ausgang hinunter und im Schritt meiner Beine regt sich, knapp zwei Meter über dem Boden, mein Cortex Praefrontalis, um den Aktivitäten im Cortex Insularis und Gyrus Cinguli entgegenzusteuern. Oh mein lieblicher rosa Apfel, auf was hast Du Dich da nur eingelassen.

Suzan schmiegt sich an mich und spätestens jetzt sollte mir klar sein, ich muss eine Lösung finden, wie ich vorerst aus der Nummer effizient wieder raus komme. Das Übliche und doch immer wieder frisch. Cogitare, cogitare, cogitare. Alternativ, all das ignorieren, mit Suzan ins Zentrum gleiten und ein paar Spannen absenken? Nein, zuerst Jochen. Und der Scanner? Gut, zuerst der Scanner. Das eine führt zum anderen, wahrscheinlich. Kein Zweifel, dass er nochmal zurück ist, auf der Suche nach dem Wechsel. Oder doch schon unterwegs zum Stamm? Klare Gedanken wo seid ihr? Hallo? Ist da noch wer? Wer weiß? Ich? Ich könnte ihr alles erklären – so ist der Plan – sie begleitet mich kurz, Statuscheck, Jochen markieren und abwärts ins Innere. Tief in der Sub abrauschen, das ganze Zeug beiseite schieben, so ungestört wie letzte Nacht, nur vertrauter. Alter, reiß Dich zusammen. Also, ich nehme sie nicht mit zum Scanner und ich erkläre ihr nicht alles. Noch nicht. Ich könnte ihr die Augen verbinden, die Ohren stöpseln, den Mund knebeln, sie an meine Ringe ketten, ein Spiel, die versprochene Überraschung! Wäre dann welche? Noch ganz klar im Kopf? Ich brauch dringend eine Auszeit, Eiszeit. Das Biogese Projekt. Ich hätte mich besser sofort in diese Richtung bewegen sollen. Weg vom Stamm. Doch konnte ich seine Bitte abschlagen? Seine Bitte! Und was bringt mir der Gedanke im Moment? Nichts. Warum denke ich ihn dann?

Ich schließe die Tür. Suzan, hinter mir, führt ihre Fingerspitzen unter meinen Achseln hindurch, gleitet ihre weit gefächerten Handflächen auf meine Brust und lehnt ihren Kopf in meinen Nacken. Ooohhh Mann.

Gegenüber, die Kabinen des Rundherum; weder Jochen noch Silvie sind zu sehen, stattdessen ungewöhnlich viele Angeschlossene. Gut, Änderung des Plans, die schlichte Variante. Ich drehe mich vorsichtig um, sie lässt ihre Arme sinken, sieht in meine Augen.

„Suzan, gib mir zwei Stunden und lass uns dann im Nachbrand treffen, o.k.?“

„Ah, soviel zur Überraschung!“

„Schau, die Ringe sind echt lästig. Die müssen ab und ich muss hier meinen Job zu Ende bringen. Überraschung folgt.“

„Also ich find die Ringe süß. PARK und der Stamm, Legenden werden wahr.“

„Spar Dir den Spot. Wie auch immer, mit güldenen Ringen in die Sub wäre absurd, wirklich.“

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Die imperative Hypothese des kategorischen Pfeifenbläsers

In einem Café mitten in Berlin, das Moleskine Notebook aufgeklappt auf dem Tisch vor der raumhohen Verglasung, den Stift in der einen Hand, die Tasse Cappuccino in der anderen. Nahezu salzloses Wasser fließt meinen Oberkörper hinunter, in einer Menge, die in keinem Verhältnis steht, zur relativ trockenen, luftgekühlten Haut der letzten zweieinhalb Stunden, der letzten 45 km im Sattel bei 38 Grad im Schatten – der Bereich zwischen Sattel und Ritze nicht eingerechnet – und einer zur Hälfte über meinem Kopf entleerten Flasche Wasser. Die Luft ist kühl, der Kaffee ist heiß. Auf der anderen Seite der Glasscheibe, nur wenige Meter entfernt von hitzeresistenten, im schwülen Freien weilenden Gästen, erhebt sich eine Baustelle im Schatten des Papstes Rache. Im Blickfeld streichelt eine Frau zärtlich, rhythmisch die auf ihrem Tisch liegende Tastatur. Sonntagabend. Die Stadt scheint menschenleer. Flucht vor der Hitze oder dem vorgewarnten Sturm, der jedoch nicht kommen mag, oder der letzten Fallout Warnung, die mir entgangen ist. Im Hintergrund spielt Bowies „The man who sold the world“. Rechts neben mir nimmt ein junger Mann in himmelblauem Stretch-T-Shirt Platz, verkabelt mit obligatem Ohrhörer, vertieft in seinen smarten Identitätsscanner, den er vor sich ablegt; kein Getränk für ihn. Das wässrige Sekretieren lässt langsam nach. An der Innenseite meiner eben noch vollen Tasse hängen ein paar wahrscheinlich leckere, aber kaum erreichbare Milchschaumreste. Spricht der junge Mann zu seinem Apparat? Ein kurzes Vibrieren erfasst den, sich über die gesamte Länge der vollverglasten Caféfront erstreckenden Stehtisch. Der Junge, in Richtung Vibrator gebeugt, scheint diesen tatsächlich immer wieder kurz anzusprechen. Links und rechts hinunter am Tisch entlang verteilt, stieren sieben der zwölf dort gebeugt Weilenden auf ihre handlichen Befriediger. Am Tisch neben der zärtlich fingernden, auf eine flickernde Oberfläche vor sich hin starrenden Frau, unterhalten sich tonlos drei Frauen, während sie, ihre Schminkgeräte fixierend, auf diesen herumgesteln. Die Welt hat definitiv an Faszination gewonnen. Die Menschen sind informierter, gesünder, fitter, glücklicher, zufriedener, sie leben länger, haben mehr freie Zeit, zeugen mehr Nachkommen? Zugegeben, nicht alle Menschen, nicht all dies in gleichem Maße. Mehr oder weniger auf Kosten derer, die nicht gesünder und zufriedener länger leben, doch nicht weniger, wenn nicht noch mehr Nachkommen zeugen?

Prinzipiell steht es jedem frei, nachhaltige Produkte aus fairem Handel, statt kurzlebigem Ausbeutergut zu erwerben und zu verwenden, sich für ein auf Nachhaltigkeit bedachtes Finanzinstitut zu entscheiden, anstatt für ein rücksichtslos Investierendes, ja innerhalb der Stadt gehend, die eigenen

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Ende Erkenntnis

„Wie Sie sicherlich wissen, ist es unmöglich Erkenntnis zu erkennen.
Das heißt, es ist nicht möglich zu erkennen, dass Sie wirklich etwas erkennen, was außerhalb Ihrer selbst liegen könnte.
Dass Sie überhaupt erkennen, ist alles, was Sie mit Bestimmtheit erkennen können.

Und irgendwann findet dieses Erkennen anscheinend ein Ende.
Das heißt, genaugenommen ist dies keine Erkenntnis, die Sie erlangen können.
Denn sollte dieser Zustand des Erkennens tatsächlich zu einem Ende kommen, könnten Sie dies nicht mehr erkennen.

Und wenn Sie dies nun konsequent genug zu Ende denken, genügt das Erkennen ausschließlich sich selbst.
Sie haben keine Möglichkeit, des Erkennens wirklichen Effekt zu erkennen.

Und genau an dieser Stelle, kommt das Konzept des Vertrauens ins Spiel, und damit zwangsläufig auch das Konzept des Willens und das Konzept der Vorstellung.“


Kaskadenteil Chen, „Der Weg“, xib. 2203

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Mein Symbiont der Pilz[1]

Seit fünf Jahren lebe ich in Symbiose mit einem Pilz. Wenn es denn ein Pilz ist. Ich kann da nichts Auffälliges sehen. Nur ab und zu fühlen. Ein rohes Rau, unter und zwischen den drei äußeren Zehen am linken Fuß. Und ein Jucken, oh, was für ein Jucken, das ich gelegentlich befriedigen muss. Welch Wonne, welch Zehorgasmen; ein wahrlich Neurotransmitter Gewitter.

Jucken, Reiben bis die Haut platzt, Zehorgasmen, rohes Fleisch, Schmerzen, temporäre Heilung. Ein wundervolles Gefühl, mit dem Fuß den Rand der Bettdecke zwischen den Zehen zärtlich bis ekstatisch hindurch zu ziehen, immer wieder, bis die Juckreizbefriedigung, diese brennend süße Empfindung, übergeht in sanfte Qual; mich treiben bis fast zur Benommenheit, die Bewegung immer wieder dosiert, im Wechsel zurücknehmend und intensivierend, bis an die Grenze zum plötzlich schneidenden Schmerz, der das Spiel dann abrupt beendet. Ich bin kein Masochist, nicht bis ins Letzte. Das mit der Bettdecke, das erfordert Geschicklichkeit und Gewandtheit, ebenso wie guter Sex. Aber wer braucht schon Sex, wenn er einen Pilz hat. Mit einem Fuß das untere Deckenende greifen und gespannt zwischen den Zehen des anderen Fußes langsam aber bestimmt hindurch streifen. Göttlich. Wahnsinn. Über viele Monate hinweg zieht er sich oftmals zurück, der Pilz, wohin auch immer, kein Juckreiz, nichts – bin dann schon fast entwöhnt –, und keimt doch spontan, erneut wieder auf.

Weshalb sollte ich ihn verdrängen, aufgeben, beseitigen? Dem Pilz mit chemischer oder biologischer Kriegsführung den gar ausmachen, ihn niederpinkeln oder im Öl ersaufen? So ein zurückhaltender Freudenspender, begnügt sich mit dem Platz zwischen meinen drei Zehen, gönnt mir Ruhepausen, beansprucht mich nie zu viel. Er weiß wohl genau, er würde mich andernfalls nicht überleben oder würde sich um seinen Wirt bringen, was für ihn auf das gleiche hinaus liefe; im Megadauerzehorgasmus oder einer saftigen Blutinfektion dahinscheiden. Nein, bis aufs Blut haben wir uns bisher nicht getrieben. Eine Entzündung blieb auch aus. Und, vielleicht, eine ungewöhnliche Sicht, ich weiß, aber vielleicht tut er mir noch mehr Gutes. Was das sein könnte? Keine Ahnung. Freigesetzte Hormone, Enzyme, Chemikalien, Halluzinogene, Antibiotika? DNA Erweiterung? Ausscheidung, Synthese oder Katalyse welcher Art auch immer? Durch ein Zusammenspiel von Pilz, Haut und Reizung? Bewusstseinserweiterung durch Fußpilz? Blutegel en miniature? Immunsystembereicherer? Hat das schon einer erforscht? Fußpilzernte? Eine glückliche Symbiose, hier Protokooperation oder Mutualismus, kann nicht schädlich sein. Würde ich freiwillig meine Darmbakterien abtöten? Und auf Ebene der Zelle betrachtet? Symbiosen soweit das Mikroskop vergrößert. Leben und leben lassen, statt leben und sterben lassen. Und wenn er sich doch irgendwann endgültig verabschiedet? Oder zum Parasiten mutiert? Ich werde das überleben, mit Sicherheit, ich und die Milliarden anderer Lebewesen die ich bin, ich, der ich nur zum geringsten Teil humane DNA bin.

Sommer, er ist wieder auf Reisen, oder so. Mehr Zeit für Harm losen Sex.

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Bittersüß – 2

eingehen wirst; schön wär‘s! Also, nimm an, Dich würde mein Problem brennend interessieren. Stelle also Fragen, mit denen Du hinter mein Problem kommst. Ich werde immer antworten.“

„Glaube ich nicht. Der Kontakt läuft am Anfang verhalten, letztendlich ‚auf Sicherheit‘. Erst nach längerer ‚Probe‘ kann es engen Kontakt geben. Das bewahrt vor Enttäuschung und lässt trotzdem alle Chancen offen. Das ist jedenfalls meine Sicht!

1. Warum fällt es Dir so schwer, von der Sache los zu kommen, was ist der Motor? Deine Sturheit? Dein Ehrgeiz? Deine Selbstbestätigung? …

2. Wie ist das Problem überhaupt entstanden? Was hat Dich dazu veranlasst?

3. Sind Dir Auswege überhaupt ersichtlich, oder versperrt Deine ‚Gier‘ alle rationalen Wege?“

„1. Wenn Dir etwas sehr, sehr, sehr schöne Gefühle vermittelt, würdest Du dann von ihr loskommen wollen? Ich nicht. Sturheit, Ehrgeiz, mensch, R.! Diese Worte passen hier doch überhaupt nicht hin!!!!

2. Unterscheiden zwischen Problem und Sache. Mein Problem ist dadurch entstanden, dass ich einerseits etwas will, andererseits ich nur Erfüllung finden könnte, wenn Du das Gleiche wolltest. Ich habe Angst vor der Wahrheit.

3. Nein / Ja, bzw. alles zu vergessen, was mir allerdings sehr schwer fiele.“

„Zu 1.) Ungerne. Aber was bliebe mir im schlimmsten Falle übrig? Ich kann mich nicht zum Bestimmer über eine andere Person aufspielen.

Zu 2.) 1. Satz völlig unklar!“

An dieser Stelle verblassen die Buchstaben, der Kugelschreiber versagt. R. kramt einen Faserschreiber hervor.

„Siehe bei 1.) Auch wenn ich mir denken kann, was ich machen muss, warte auch ich auf eine genaue Erwartungsdef. Nur brauche ich dadurch keine Angst zu haben, da ich hier nur passiv handle und zurzeit auch nur handeln will.

Zu 3.) Siehe auch 1.)“

„Was hat denn das mit Bestimmen über eine andere Person zu tun? Ich will über niemanden bestimmen! Die Sache ist das, was ich will, das Problem dürfte klar sein!“

Von folgendem Satz, zeigt ein Pfeil auf die Zeile: „Siehe bei 1.) Auch wenn ich mir denken kann …“

„Bitte nochmal klarer!!! Bezug??“

„Wenn Du willst, dass eine Person Deine positiven Gefühle aufrecht erhält, und Du daher ungerne zulässt, dass sie sich dem verweigert, dann bestimmst Du über sie, da Du ihre freie Entscheidung nicht akzeptierst, die

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Baden gehen – 3

Schwimmen, spielen, toben, rutschen, Schlüssel immer wieder festzurren, Discomusik. Auf einem Plakat ist zu lesen, heute sei Tag der offenen Tür. Und warum mussten wir dann Eintritt bezahlen? Zehen stoßen am holprig gefliesten Boden. Verdammte Schlamperei in der Ausführung.

Beim Verlassen der Badeanstalt, auf dem Weg zur Kasse, suche ich nervös alle Taschen abtastend nach meiner Karte; ohne Karte lässt sich die Sperre zum Ausgang nicht öffnen.

Heidrun verteilt ihre Karten an die Kinder. Ich erhalte keine.

„Heidrun, ich hatte dir alle Karten gegeben, wo ist meine?“

„Ich habe deine nicht, die hast du selber.“

„Ne, habe ich dir allesamt gegeben vorhin in der Hektik.“

„Ich habe aber keine weitere!“

Kein Problem, mit der Ticketfrau wird sich reden lassen. Bei meinem Anhang ist es plausibel, dass ich zur gleichen Zeit rein bin? Vielleicht erinnert sie sich ja noch an uns, so wie wir uns aufgeführt haben. Heidrun legt ihre Schlüssel an der Theke ab.

„Hallo? Ich habe meine Karte verloren.“

„So. Verloren.“

„Ja, da, alle, wir gehören zusammen, sind alle gleichzeitig rein.“

Ich reiche ihr meinen Schlüssel während der Rest der Fraukindfreundschaft schon dabei ist, sich durch das querstehende Drehteil zu drücken.

Die Verkäuferin:

„Das ist ja ein Damenkabinenschlüssel!“

„Ja, Schlüssel aus Versehen vertauscht vorhin.“

„Und, war es nett in der Damendusche?“

„Super. Wie komme ich jetzt hier durch?“

„Da hinten den Knopf.“

Knopf. Da ist der Knopf. Ich strecke meinen Daumen aus. Halt. Grad noch rechtzeitig. Da steht Alarm drauf.

„Ne, nicht der; da!“

Ich drehe mich hektisch hin und her, und suche.

„Na, da. Geradeaus, vor Ihnen!“

Wie, wo?

„Die Klinke, meine Güte!“

Ach so, ja, nee, die ganz normale Fluchttür nach draußen meint die Dame. Und ich verstehe Knopf, einen Knopf um die Sperre frei zu geben. Sie hat doch Knopf gesagt?

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Es – 2

als es abrupt vor ihm auftauchte. Das hätte schief gehen können. Nur die Ruhe. Wie jedes gutes Interface musste sich auch dieses logisch erschließen lassen, hoffte er und spielte lautlos eine Variation der Melodie. Kein Luftzug, kein Geräusch, nur Leere, wo das Objekt sich noch vor einen Augenblick befand. Vorsichtig ging er zwei Schritte vorwärts und lächelte in sich hinein. Das war zweifellos grandios. Er ging zurück, ließ das Objekt wieder erscheinen, kam sich vor wie ein kleiner Junge, tat diesmal nichts weiter und wartete.

Ein schmaler Streifen auf der Folie leuchtete rot auf. Staccato berührte er ihn mit zwei Fingern und beobachtete wie die Luft vor ihm zu flimmern begann, sich ausdehnte soweit sein Blickfeld reichte, und schließlich einem sternenklaren Himmel wich. Er kannte diese Konstellationen. Verrückt. Eine holografische Karte? Projiziert auf was? Er streckte seine freie Hand in die von strahlenden Punkten übersäte Dunkelheit. Die Sterne rasten ihm entgegen. Taumelnd zog er seine Hand rasch zurück. Perfekte Illusion! Behutsam griff er aufs Neue nach den Sternen und schmunzelte ob der Bedeutung dieser Worte. Ein wohliger Schauer durchlief seinen Körper. Er bewegte seine Hand nun vorsichtiger und lernte, wie er gezielte Ausschnitt, Geschwindigkeit und Richtung beeinflussen konnte. Zu den Sternen und wieder zurück.

Auch die Folie hatte sich inzwischen verändert. Drei leuchtende Felder waren hinzugekommen. Ein grüner Ring, eine weiße, auf der Seite liegende 8 und eine flach gelegte rosa Raute. Die 8 pulsierte schwach. Er berührte den grünen Ring. Die Sterne verblassten und die Erde erschien vor ihm. Als er seine Hand erneut zu schnell in die Karte führte, stürzte diesmal er nach vorne, scheinbar, schrak jedoch sofort gedanklich zurück und die Bewegung kam zum Stillstand. Sein Implantat. Anders konnte er es sich nicht erklären. Offensichtlich ließ sich die Folie über das Implantat steuern. Ungeübt wie er war, musste er sich intensiv konzentrieren, um die Karte nach seinem Willen zu beeinflussen. Er bermerkte seine Verkrampfung und versuchte sich zu entspannen.

Wieviel Zeit war vergangen? Er konnte es nicht sagen, doch es gelang ihm schließlich mühselig zum Sitz des Stammes zu navigieren. In das Gebäude selbst konnte er nicht vordringen. Erneut berührte er das grüne, inzwischen flackernde Symbol. Die Projektion über dem Kästchen fiel in sich zusammen. Stattdessen sah er das Bauwerk nun durch das Objekt hindurch vor ihm auftauchen, so real, dass er den Eindruck hatte, er könne es mit wenigen Schritten erreichen. In seinen Schläfen pochte es unangenehm und seine Hände hatten Schweißabdrücke auf der Folie hinterlassen. Abermals fragte er sich, wie lange er hier verbracht haben mochte. Jegliches Zeitgefühl war ihm verloren gegangen.

„Ein nettes Spielzeug, nicht wahr?“

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In meinem Raum – 3

Wesen deshalb? Blinder Glaube. Gehörsam einsam in einmassierter Menge. Die Gabel schwebt zum Mund, der mit Ingwer belegte Harzer zergeht nicht auf der Zunge, Zähne kauen, Rächen schluckt, verschluckt, Panik duckt, verhungern, ersticken oder Einheitsbrei. Aber doch nicht Harzer mit Ingwer. Senf dazu geben. Nein, da haben wir aber schon noch ein paar mehr in petto auf Lager. Mischen wir uns nicht in innere Angelegenheiten. Pfeif nicht wenn du pisst. Das wusste schon Herr Wilson. Robert Anton. Don’t Panic. Andere Schneiden Hecken und blicken durch, wenn auch nicht über den voll gefüllten Rand ihres Tellers und verschlucken sich trotzdem oder hüsteln, leider ohne zu verschwinden.

Ich bin eigentlich schon Tod jeder Tag der mir geschenkt wird betrachte ich als Gottes Gnade nicht das ich an Gott glauben würde aber du weißt schon was ich meine und erfreue mich an jedem Detail des an mir vorbei rauschenden Lebens im Zug nach Nirgendwo sitzend von Nirgendwo kommend Musik in den Ohren die Realität transformierend schwarzweiße Kühe auf grüner Wiese erleuchtet grasend folgen zwei Autos nebeneinander gleich ziehend driften aneinander vorbei wie zwei Freunde die sich nie wieder sehen werden. Liebe. Endlose Weite bei 210, grün blau grün blau grün blau ein Pianosolo. Eine Reise ohne Abfahrt, Ziel und Ankunft, aber so in etwa habe ich das ja schon im letzten Absatz geschrieben, ewiglich unterwegs. Die Uhr tickt nicht mehr, dafür kann sie leuchten und die Richtung weisen in die der Fortschritt nicht fortschreitend fort schreitet und bleibt Schein ohne Sein im Schein Nichtsein Sonne erleuchtet und blendet in einem Atemzug Augenzwinkern Zucken. Ich brauche mehr Papier. Häuser wachsen aus dem Boden eilen geschossgleich von vorne wusch nach hinten an mir vorbei. Schwarze Löcher und Offenbarungen. Morgen kommt, Nacht versinkt, Wolken bespielen den Himmel in lautlos ergreifenden Sinfonien. Realität ist nur ein Abbild der Wirklichkeit die endlos sich wiederholend immer wieder neu erfindet. Der wahre Kern des Göttlichen. Wahre Hilfe braucht keine Belohnung sich selbst schon Belohnung ist in dem hin geben unendliche Befriedigung und Glückseligkeit. Heilen. Hast Du Angst vor dem Sterben, erschrickt Dich der Gedanke zu Tode? Prophezeiungen erfüllen sich immer von selbst ist der Mann und der Weg endlos kann er beim Orgasmus tatsächlich Sterne sehen der mächtigen Ohnmacht nahe dem kleinen Tod. Vielleicht starb unsere Beziehung deshalb. Scherz beiseite. Der Drang wieder zu zeichnen hat mir die Augen geöffnet sehe ich auch wieder ohne Hilfe klar und deutlich das Gefühl welches dem Verstand so unerträglich schmerzvoll hinterherhinkt bleibt so wie Du ein Teil in mir das einzig Wahre Schrift zieht auf stillen Wagons … vorbei! Wenn Bier dann Guinness. Gruben die man sich

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In meinem Raum

Was ist wichtig. Falsche Formulierung. Was macht einen Unterschied. Nicht gleich die oh so schweren Fragen am Anfang. Wieso Fragen? Jene? Was war am Anfang? Warum wirkt Musik? Ja klar, irgendwer hat bestimmt eine klare, heimleuchtende Antwort. So eindeutig wie ein Armleuchter, der dich hinter das Licht führt, anstatt hindurch.

Ist es o.k., so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Ist das der Sinn des Lebens? Man lebt nur einmal, so jedenfalls die Auffassung in meinem Kulturkreis. Ist das mein Kulturkreis, mein Kulturkreis? Wieso Kreis? In sich geschlossen, also nicht offen. Nein, nur so viel Spaß wie möglich haben, reicht nicht, ist ganz nett, aber reicht nicht, ist leer irgendwann, wie ein geschmackloses Lieblingsessen, oder ein versalzenes. Was dann? Anderen helfen, so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Aber wenn es schon für mich nicht in Frage kommt, wieso sollte es für andere? Durchschaubar, nicht wahr? Wenn der Ausschluss den Abschluss schlüssig einschließt bleibt vieles verschlossen, schlussendlich.

Logisch oder? Wer hat die Logik erfunden? Nicht Ricoola! Was, wenn Logik nur eine Projektion des Gewünschten auf das Beobachtete ist. Sich selbst erfüllende Prophezeiung, weißer Schimmel auf dem Nussnugatcremebrot? Ist die ursächliche Wirkung wirklich die Ursache oder ursächlich rückwirkend. Könnte diesen Gedanken verdrängen. Es kommt ja in Frage. Das ist die Frage. Aber ich muss sie nicht unbedingt stellen. Leben wie am Schnürchen, vielen Schnürchen, schnurgerade, schnurstracks in den Himmel oder die Hölle, logisch. Wieso dies oder jenes tun. Wieso tut ihr dies oder jenes? Ihr habt natürlich für alles einen guten Grund, ohne wirklich jemals dahin zu gehen, auf den Grund, den es, hm, vielleicht oder wahrscheinlich gar nicht gibt. Was dann? Ohne Grund kein Halt, Fallen. Fallen überall, wohin man tappt. Tappen im Dunklen, und dann auch noch grundlos. Da kommt einiges zusammen, was nur schwer verdaulich ist, so wie die versalzene Lieblingssuppe halt. Halt. Wo gibt es den noch heutzutage? Wo sind die Grenzen und wer legt sie fest? Spiele ohne Grenzen? Warum tust du das, warum lebst du so? Bist du glücklich? Definiere glücklich. Große Schwester Google hat immerhin 47.900.000 Antworten. Das sollte doch reichen. Macht mich ganz glücklich. Macht macht glücklich? Ein scherzender Glückskeks. Glücklicher Scherzkeks? Ja, das war ein loser Einfall.

Ich gehe nicht immer um anzukommen, setze einen Fuß vor den anderen nach dem anderen immer wieder. Bäume so grün und frisch, fließen vorüber,

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Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Klang + Starf

Versunken in Gedanken, ging er den Flur hinunter. Vorbei an den ehemals leeren Räumen, in die er nun unbewusst hinein blicken musste, am Rande wahrnehmend, dass diese sich wieder mit Norminventar füllten. Die Zips produzierten zuverlässig wie zuvor.

Bezüglich Starf hatte er ein merkwürdiges Gefühl und fragte sich, ob nicht doch sein Bruder hatte entführt werden sollen, die Verwechslung nur inszeniert war. Oder hatten sie alles inszeniert? Doch warum? Zweifellos war PARK über jede Bewegung seiner Mitarbeiter informiert. Sie mussten wissen, dass er mit Starf Kontakt aufgenommen hatte und dass sein Bruder das Appartement bewohnte. Einen Sinn ergab dies alles nicht.

Er sah nach hinten, die drei hatten den Raum noch nicht verlassen, betrat die Halle, schloss die Tür und studierte den Minkow. Zögerlich lief er in Richtung Rundherum. Es war ungewöhnlich, aber der Anzeige nach zu urteilen, musste das Objekt sich noch im Gebäude befinden. Zumindest zeigten sich diesmal keine der Rhythmen, wie sie üblicherweise bei einem Wechsel auftraten. Wenn es sich denn um Ortswechsel handelte. Schließlich vermuteten sie dies nur.

Aus den Aufzeichnungen hatte sich zwar bisher jedes Mal problemlos der neue Standort ermitteln lassen, was die These vom Wechsel plausibel erschienen lies. Prinzipiell hätte es aber auch jeweils eine Signatur mit Verweis auf ein weiteres Objekt sein können.

Er entschied sich zu warten, bis die drei das Gebäude verließen. Sofern das Objekt noch da war, musste es sich über die Folie aktivieren lassen. Er spielte kurz mit dem Gedanken zum Stamm zurückzukehren, um den Minkow intensiver zu analysieren und die anderen über die aktuellen Vorfälle zu informieren, verwarf ihn aber rasch wieder. Warum schien Starf so desinteressiert? Er hatte erwartet, sein Bruder würde mit ihm kommen, nach dem was vorgefallen war. Stattdessen blieb er bei dieser Nomadin und seiner aggressiven Exbeziehung. Nun gut, wahrscheinlich hatte er mit beiden noch etwas zu klären. Sein Ding.

Verdammt, falls PARK das Gebäude unter Kontrolle hatte, waren sie über jede ihrer Aktivitäten informiert. Sollte er doch besser zum Stamm zurückkehren? Er sah sich um. Scheiß Gefühl. Andererseits war die Verteilung längst nicht fehlerfrei. Für sensible Informationen würde auch PARK die Pseudon oder eine persönliche Übermittlung vorziehen. Anscheinend hatte sich jedoch noch niemand hierher bemüht, und entgegen dem was er vorhin gesagt hatte, hegte er Zweifel, PARK könnte einen Turm wirklich umfassend kontrollieren, geschweige denn eine lückenlose Überwachung des Stammes realisieren.

Es bestand die Möglichkeit das Objekt endgültig zu verlieren, wenn er jetzt wieder zurückkehrte. Nein, er änderte seinen Entschluss nicht.

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 9

„Ein Spiel ist dies nun gerade nicht“, Jochen hält den Minkow hoch, „halten wir fest: Das Objekt hat erneut gewechselt, und die Daten im Minkow warten auf Auswertung. Da hier alles sauber ist, werde ich zum Stamm zurückkehren. Du kommst mit Starf?“

Starf sieht Suzan an und dann Silvie, die immer noch regungslos den Boden vor sich fixiert, lässt seinen Blick wieder zurück zu Jochen wandern und zieht nun seinerseits die Stirn in Falten. Suzan legt ihren Kopf schräg und presst ihre Lippen zusammen.

„Egal Starf. Was die beiden zu erzählen hätten, würde niemanden interessieren, außer jenen, die sowieso schon involviert sind. Ich nehme an, beim PARK ist inzwischen angekommen, was los war. Sie werden sich ihren Reim machen. Ich glaube sogar, sie werden sich nicht allein auf dich verlassen haben. Kann mir gut vorstellen, im Flur wurden Dimis und andere Gerätschaften integriert, von denen DU nichts weißt. Und der Trupp unten, das waren auch Leute von PARK?“

„Nicht direkt, aber ich bin autorisiert und zufällig kannte ich einen der Wächter persönlich. Falls du recht hast, scheint einiges Durcheinander beim PARK zu herrschen. Wir sehen uns Jochen.“

Starf sieht seinen Bruder an, auf eine Art, die wir nicht in Worte fassen können.

„O.K.“, nun grinsend, mit einer Geste des Bedauerns, wischt er mit einer Hand durch die Luft und verabschiedet, nur mit einem Lächeln, Suzan und auch Silvie, die ihn jedoch klar erkennbar nicht wahrnimmt, da sie immer noch unbewegt und stumm in der Hocke verharrt.

„Setzt ihm nicht zu sehr zu“, sind seine letzten Worte.

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