Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

KommTier! | Auf | | |

kakao schwimmer

stürmeerwischt in gepflügtenen eiligenheiten reigen wir uns von gegeneinanderer im zaum gehaltener hineingaben verschronnen vor dem kuntergrund trapetzerie wandelnder diesbezüge überfallenem jenseits vertrunken im partrickelndem seinschein splitterbuntem graureifs dich erspürend in pulserierenden gravuren deiner wunderwärmend lebendigen hand in hand über hand unter hand fest ineinander gleistend im ström regelent brassender witterwinderungen verschlungernder pfaden deiner stimme flauschig schwerenden samtfühlerungen gehörig - oh der umklang deiner stimme dieser stimme die mich sänftig herb fesselnd auflöst auflösend fesselt von moment zu moment von augenblick zu augenblick - der im widerstand meiner entschlossenen lippenhäute erregende andruck deiner prickelnde feuchte in meinen gemächtlich zöglichterloh nachgiebenden mund pressenden zunge nassrauhen lustfleisches kitzeln - dann die zeit die zeit die zeit die zeit in stillen gravuren deiner wundersam kühlenden hand verschollene gedanken an die geringerung der umhangenden zerrinnerung verrauntet im schlachentrief der gegebenenden unvergeblichtenen versinndet in dinglichtungen unendlichter ringschlüsse lichter dunklingenden - nein kein letztes mal der wärmende duft deiner weichenden nacken härchen

KommTier! | Auf | | |

fasse fassen gezeiten

in: the daily horror — Szene 24
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

in der sonne sitzen und über die zufälle des lebens nachdenken
die einem so zufallen wie die augen, wenn man lange genug gewacht,
gelesen, gelegen, gesessen oder gestanden hat oder die zeit
in irgendeiner anderen körpergrundhaltung verbracht, zugebracht,
um die ecke gebracht hat. um die obere, linke oder die untere rechte
des magnetischen quadrats, an dem zwei dinge aufeinandertreffen,
die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, aber durch
dieses aufeinandertreffen einen funken schlagen, einen funkenschlag
erzeugen, der sie im ersten moment erschrecken läßt -
über die gewaltigkeit der entladungen;
ihrer entladungen,
sie dann aber über die art der herausgeschleuderten materie
als ergebnis eines ungeplanten anstoßes zum nachdenken anregt
und miteinander vereint, um fortan gemeinsam zu sinnen
über die entleerung der gefäße, welche mit der absicht des füllens
oder des sich-füllen-lassens bereitwillig stehen, sitzen oder liegen
oder in irgend einer anderen gefäßgrundhaltung die zeit des wartens
auf ‚das füllen‘ bzw. das ‚sich füllen lassen‘ verbringen und dabei
durch die existenz bloßer körperlichkeit ihrem sein verstärkt ausdruck geben,
ja, mehr noch, ihrem sein den anstrich verleihen, leibhaftig zu sein während
der zeit des wartens und auch davor und danach und es nur eine, mit leichtigkeit
zu erfüllende bedingung gibt: daß das füllende stets und bedingungslos die form
des zu füllenden annimmt, während es vor dem füllen und während des füllens
(und nach der entleerung) doch irgendwie ganz formlos ist, ein formloses gewühl,
an dem niemand anstoß nimmt, weil es selbstverständlich ist,
daß es im fließen keine festen formen gibt ...
und zum nachdenken nicht anregt ...
fließend gehen,
gezeiten ..

KommTier! | Auf | | | |

die dame schreibet nun dem herrn

in: die annäherung zweier epidermen am logischen tränenflusz — Blatt 6
Alles und Nichts …, Gemeinsamkeit

lieber herr,

wie hell es doch war, als Sie noch bei mir waren ...

ich bin so müde der schweren verläufe,
des hin und her's der risse und brüche,
vernäht zu den schweren tüchern des fluszfalls.
ich schaue aus keinem fenster mehr, als durch jenes,
durch welches ich Ihre ankunft sah, durch welches ich SIE
sah. SIE und wie Sie kamen, von dort über's meer
und ich Ihnen entgegenlief, mit flatterndem haar.

als ich vor Ihnen kniete und Sie mir mit Ihrer federleichten hand
sanft über das haar strichen und mir den schädel öffneten
mit leichtigkeit, durch mich hindurchstiegen und machten, dasz mir
alle neuronen splitterten, zersplitterten ... und da diese unendliche helle kam ...

ich spüre immer noch Ihre anwesenheit in meinem zimmer,
obwohl Sie es doch nie betreten haben.

was wäre auch der grund? er ist offen und wir haben ihn zurückgezogen,
über uns hinweg---gezogen, im moment unseres zusammen-, im moment
unseres aufeinanderkommens, gleich zweier düsterer kometen.
als unser begehren und unsere trauer sich vereinten und sich alles ringsum entfernte,
als wäre es aus einer anderen zeit, als wären wir aus einer anderen zeit.
verloren an uns selbst, in einer schweren fremde; fallzeit.
und jeder augenblick fiel geschlossen aus,
fiel aus zusammengefalteten akkorden.

bitte, knien Sie nicht weiter vor mir.
erheben Sie sich und schlagen Sie mit der hand auf das verdammte papier.
aus geflatterten ränden fällt wasser.
schreiben Sie!
an Ihre dame.

KommTier! | Auf | | | |

der herr schreibt an die dame

in: die annäherung zweier epidermen am logischen tränenflusz — Blatt 5
Alles und Nichts …, Gemeinsamkeit

liebe dame,

es drängt mich, Ihnen ein kurzes zeichen zu senden und mehr als einen dank für Ihre
gastfreundschaft. noch befinde ich mich auf der rückfahrt und es
wirbeln die erinnnerungen mir wild durch den geist und ich bin verwirrt,
verworren auch und weit von allen welten abgetrennt.

die schönheit und das strahlen Ihrer gedanken, auch augen ...
wie sehr ich Sie vermisse, schon jetzt ... seit der ersten sekunde,
seit dem allerersten moment meiner umkehr, um zurückzukehren dorthin,
in dem nichts mehr so sein wird, wie es einst war.

nur das klopfen des herzens füllt die leere meines körpers aus, die leere,
dessen ausmasz ich erst erkannte, seit ich mit Ihnen war.

doch seien Sie ohne sorge, schon wende ich mich dem kommenden zu,
schlafend im freien unter ebensolchen segeln. oh, liebe dame,
um wieviel heller wird mein dasein sein,
nach der ankunft in den düsteren, feindseligen räumen mit den unzähligen rändern ...

ich fühle mich eins, eins mit Ihnen und dieser nacht, die unsere war.
wie werde ich fortan leben können?
unerträglich, der gedanke, daran, unerträglich ...
ohne Sie zu sein ....

ich knie zu Ihren füszen
Ihr H.

KommTier! | Auf | | | |

blatt 6

liebesbrief eines astronomisch gebildeten fogels
astronomisches fogelgebilde

in: fogelprotokolle — Blatt 6
Absurdes, Alles und Nichts …
Liebesbrief

. -- =j-/ -- ^ ksa bi''
ø
gel*ebt-s dujaview
- -,-,; e+e2- --- // ~, , 1ai in fiiber.
yrr* ^v-eo.r*III/ - //" - *- f au r^ q
tain c sm tran.ce. If cos A ei = a it's sin
so is , / , s 1/2 sin an aj. ''^
and I girrlando in sekunden.
bin air ∞ j sin#i in d'' verli-^^

o tAng tAng z* -f- A#
sag -^j*, dU #eine geliebte faU v 2 = -
*it dünen sterntal. eraugen -
>! dUv∃nus phom m∀rs.

la cuües ! -- f-osin- lacüsE.
j+* s//ehe spektr. doppeltes st#eren,
in fesin, astr. i !
h -- -rr SI!) I, io,
Qn -- lo
o du ! düne konfigura, so da6i,
-j-adie, miner achse Eklipklaptik dreht
O sich dir nach ... O
ø ø
lang a ===== ^
*phäre ini yom,
fii fii.

>, *<**<=2^^- ; : .;.; /;..
rinke met Eore, ∀mor∃
+eim t#inken d:in^s met, o rita,
ka*en doppel sterne m;r herphore.
am: m-/-m
E ros co r cos u -. glu.

efosco ! librido ! unbekamtes r.,
sei hurzelle eö. 0,07 tag ellipso
ge^^st und grasinus, p_ö.
tang- /// .;.; /;.. a. o. ens.
a an a, anna. l. mond E dAmE !
äne mo oder si ? ne? belle?
sali la crüsss, cos co sin ra
fiiir fii -%
∅- ø
pArable pErihelle -
E∨A.
Ihr *ritter phon radius und halbacht∝e am A.∃qua-torial
****

… und damit kein schlechtes licht auf ihn
und seine liebe falle, in dem momente,
wenn sie seinen ersten briefe läse,
stellte er die kerze links neben das blatte,
so dasz der schatten seiner schreibenden hand -
nach rechts wegfiel.

KommTier! | Auf | |

Zwei mögliche Sichten auf diese Welt

Herbst.
Später Nachmittag.
Warten an der Fußgängerampel.
Eine Familie.
Zwei Kinder.
Junge und Mädchen.
Das Mädchen hopst heran,
klatscht seine Hand auf den gelben Taster mit den drei schwarzen Punkten.
Der Junge: „Das ist für Blinde, oder?“
Ein Moment vergeht. Wagen halten.
Das Mädchen, hüpfend: „Na, dann spieln wa jetz blinde Kuuuh?!“
Die Ampel schaltet Grün, das Mädchen hopst voraus, über die Straße, auf die andere Seite.

KommTier! | Auf | | |

von den königen

ein rotationsprojekt

in: Alles und Nichts …

in den büschen sitzt der kräuterkönig. wenn früh die sonne scheint, dann sitzt er da.
jagt seine tausend mucken fort und mit den augenlidern fächelt er sich luft zu.
von diesem moment an ist er der narr. und der narr ist könig. der narr ist könig
der blätter, der palmen und fächer. er denkt: farnfarbenes rotationsobjekt
und schaut zwischen den kräutern und büschen nach frauen in bunten blättern,
nackt. am mittag sagt er: "ja. nun harre ich der runden dinge, denn ich bin der könig
der fliegenpilze und grünröhrlinge."

eine antilope lässt ihren schatten auf den scheibenkönig fallen.
er beginnt, ein buch darüber zu schreiben. über das beschatten,
den fall einer verlorenen form und den abschied vom körper.
die antilope tanzt dazu. laut sagt er dann: "o du! anti-loop,
mein gnomonomon. ohne deinen schatten wüsste ich nicht,
dass dein festkörper wirklich anwesend ist" und ruft voller freude:
"welch ein fest ! die antilope tanzt ! zündet grüne fackeln an grünen
spänen an! wir wollen auf den abend warten und im nachtgewächs
verreisen, zu den sternenbeissern fahren, zunder auf die erde schmeissen!"

und als sich der abend senkt, sagt die antilope: "komm nun, du,
mein geliebter und könig der scheiben, komm und streichel
mein elektrisches fell, dann schenk ich dir einen funkenflug."

und der nachtkönig befüllt die himmel mit leuchtend gelben blütenscheiben.
ausschweifend sagt er: "nachtkerzen" und stellt einen eimer wasser dazu.
dann beginnt er zu schwärmen und zu schwärzen und schreibt einen brief
an eine fremde geliebte. lu?

über allen aber thront der könig der gestirne mit argusfalteraugenblau
und siebenfarbigem mantelsaum. er durchschaut die komplexität der
orbitale und sagt: "psi-iiiiiiiiii. in wellenfunktionen seh ich meine braut,
eine fast nackte puppe mit goldrandigen strings und aufgerichteter mähne.
unter der mannigfaltigkeit eines elektrolytischen baumes dreht sie spinfäden
zu mächtigen knäueln mit positiver verschlingungszahl. sie heißt a7e und ist
eine theoretische hyäne. nun geh ich auf wolken durch ein ruhiges universum;
ich habe genug gesagt."
zum morgen hin schließt er die augen, legt die himmel in glutrote fächer und
öffnet sie über büschen, kräutern, dächern und einem neuen tag.

KommTier! | Auf | | |

rudelsicher

in: the daily horror — Szene 89
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

pfeilgespitzt da bin jch,
kleine momente meiner anwesenheiten hinter mir lassend
ziehe ich feldräumend tangenten um kreise zu überwinden,
schlupflöchernd meiner unzulänglichen beschreiblichkeiten
und durchwegend wenig hymnisch eingefräste fögel bin ich
ungelegen in schuppenhäuten ganz gewöhnlich lebend, ich,
da bin ich, im glaszeitalter, unbeschaulich eben.

KommTier! | Auf | | |

täglich

in: the daily horror — Szene 82
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

die tage sind wie zugenäht.
ich bewege mich in ihnen mehr oder weniger anstößig.
kann anfang oder ende nicht erkennen.
will es auch nicht.
sehe wülstige nähte,
rote fäden.
hautfalten sind in tagescreme gelegt,
eingelegt wie in suppe.

so enter ich durch die gegend und
in manchen momenten ist mir, als ob ich geliere.
als ob mich die anspannung verlässt.
dann denke ich an seewespen-briefe und anderes
würfliges tier.

unter der elektrodrähte summentausch finde ich
manches verlorene wieder. symbole und zeichen.
haltepunkte. halte mich auf oder halte du mich.
auf; in provisorien, verbarrikadiert.

die welt ist: voller ungesehener erinnerungen.
unausgesprochen AUCH.

KommTier! | Auf | | | |

handfas(s)er (kein glas)

in: the daily horror — Szene 28
Alles und Nichts …

ich schlief in der tür,
ich schlief immer dort,
in hab-acht-stellung,
gewahr der gefahr und
unter geschlossenen lidern
die knochen des bleiben-
wollenden hauses im blick.

die stimmung nach halb ∞
ist abgesackt, stimmgabel-
unendliches schlucken zum
metronom bleibt nicht er-
spart. metrisches karat,
getrocknete samenkerne.

knack mich, knick mach,
wunderstab- und ei-gerecht.
eine stimme hetzt zerfaserung,
zermarterung und die knochen
des hauses sind mit bleicher
blümchentapete bedeckt.

die alten morschen knochen,
verschämt versteckt.
und im inner'n der knochen,
steht ein trauerhaus, ein
langer blues ... o mark ...
durch zu lange verrenkung
verreckt.

schlucken im takte des metronoms.
knochen kochen. zermarterung und
mark. räum den knochen aus, im
zentrum steht ein trauerhaus ...
zemomentrum - es tickt die wanduhr:
alles spiel nur. wunderbar.

5

Suche