Die Zeitwaisen

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Der Wechsel

Verwechslung

Starf

Etwas ist falsch. Dies pulsende Piepen in meinen Ohren. Ist es der Telegrafist der daumenzuckend neben mir sitzt, oder kommen die Geräusche von dem Paar, welches sich auf der Galerie dort hinten im Rhythmus ihrer übereinander gleitenden eingeschweißten Körper glucksend auf einem Wasserbett vergnügt.

Ich blicke an mir herunter. Meine Hände umhüllen Einmalgummihandschuhe und ein dicker grüner Pelz bedeckt meinen Körper. Kein Spiegel in der Nähe. Wasserdampf kondensiert in aufsteigenden Nebelschwaden vor meinem Gesicht wenn ich ausatme.

Das Piepen will kein Ende nehmen, obwohl die beiden Jungs jetzt ermattet in den Wellen des Bettes hängen, und der Telegrafist das Morsen beendet hat. Er beißt in einen rosa Apfel, der sich vorher in seiner Aktentasche befunden haben muss. Die Tasche hat ein Zahlenschloss. Rosa Apfel. Ich bedecke meine Ohren mit gepudert gummierten Händen. Das Piepen ist in meinem Kopf. Tinnitus? Gestern Nachtag ist es extrem laut gewesen; keine Frage.

Aus der Traumwelt ins Erwachen gleitend, klärt sich das Geräusch zum penetranten Weckruf der Verteilung. Eine schlaffe aber zielgerichtet tastende Bewegung genügt. Die Nötigung hat ein Ende, aber meine Schläfrigkeit nicht. Das Frösteln meines unbekleideten Körpers durchfährt unangenehm mein Empfinden. Gänsehaut. Wo ist mein Flies?

Ich versuche meine Lieder zu bewegen. Gleißendes Licht trifft mich schmerzhaft und hindert mein Bemühen, meine nähere Umgebung im Moment wahrzunehmen. Ich richte mich auf und sehe blinzelnd um mich. Links neben mir auf dem Boden liegen verstreut ein paar benutzte Kondome und Verpackungen. Rechts neben mir lugt ein voluminöser brauner Haarschopf unter meinem Flies hervor. Weiter unten ein entblößter unbehaarter Po. Suzan. Das alles gehört Suzan. Zurücklehnend schließe ich meine Lieder und versinke in Fragmenten der Erinnerung.

Die Welt scheint nur aus Piepen zu bestehen. Schrille Töne drängeln mich aus meinen triebhaft treibenden Tagträumen. Wer war Suzan. Vorsichtig krampfe ich mich in die Senkrechte. Das Licht scheint langsam normale Intensität anzunehmen. Ich beuge mich über Suzans frei gelegte Partien, stütze mich auf der Bettkante ab, ohne die Matratze in allzu mächtige Schwingungen zu versetzen. Ein leichtes Stöhnen und Räkeln weiter oben. Ausgestreckt auf einem Fuß und einer Hand balancierend, greife ich das

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Wirklichkeit, Wahrnehmung … und Realität? – Wirklichkeit, Wahrnehmung und Abbildung – 3

in: Abstrakte Fotografie — BerHWolf
Handgetanzt — Sinnliche Eigenwelten – Fragmente der Wirklichkeit

Aber der Mensch liebt ganz offensichtlich visuelle Abbildungen des ihn Umgebenden – so nah wie möglich an dem, wie er die Umgebung auch mit seinen eigenen Augen wahr nimmt, oder sogar näher, und so wenig interpretativ, abstrahierend und transfromierend wie möglich.
Doch, wie schon erwähnt, ist jede Abbildung, ob manuell oder fotografisch, zwangsläufig immer interpretativ und abstrahierend.

In diesem Zusammenhang haben meine Fotografie und meine Graphitmalerei eher einen Bezug zur Musik als zur Literatur, wenngleich Schrift, und der Text den sie bildet, als solche an Abstraktion kaum zu überbieten und wesentlich abstrakter als gesprochene Sprache ist; niemand wird eine Schrift lesen können, ohne das ihm die Elemente aus denen sich die Schrift sich zusammensetzt, vorher erklärt wurden.
Und selbst dann ist zum Verständnis eines Textes ein zumindest rudimentäres Wissen dessen nötig, was der Text zu vermitteln versucht.
Musik, Klang, wirkt hingegen auch auf Ungeborene.

Ebenso wie ein Text spricht ein Bild keine unmittelbare Sprache, anders als Musik, und schon gar nicht für sich … noch nicht einmal Geschichten erzählende oder Zusammenhänge vermittelnde Bilder tun dies.
Die Be-Deutung des Abgebildeten liegt tatsächlich im wörtlichen Sinne im Auge des Betrachters oder besser sie entsteht im Verstand des Betrachtenden, da das Auge ja nur ein Projektionsinstrument ist.

Bedeutungen die der Betrachter dem Betrachteten abringt, in Hinsicht auf schon gemachte Erfahrung, Wahrnehmung und Erläuterung anderer Art, bezüglich der Fragmente des Betrachteten. Das kann ein San ganz anders sehen als ein Inuit.

Wenn also eine visuelle Darstellung keinerlei unmittelbare Deutung ohne Bezug zu bekannten verstandenen visuellen Eindrücken ermöglicht, ist zwangsläufig eine begleitende Erklärung zum Verständnis notwendig, oder zumindest Hinweise zur möglichen Betrachtung, sofern dieser Bezug noch nicht existiert.

Bei einem Bild welches den Betrachter sofort anspricht, das er sofort versteht, ist dieser Bezug, diese Erläuterung, bedingt durch andere Erfahrungen, schon in sein Bewusstsein gerückt, so dass er das Bild ohne weitere Erklärung erfasst.

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Wirklichkeit, Wahrnehmung … und Realität?

Fotografie, Abstraktion, Quanten

in: Abstrakte Fotografie — BerHWolf
Handgetanzt — Sinnliche Eigenwelten – Fragmente der Wirklichkeit

Meine Art der abstrakten Fotografie ist Fotografie in technischer Hinsicht, weil ich mich des Werkzeugs Fotoapparat, einer digitalen Spiegelreflexkamera, sowie fotografischer Verarbeitungsmethoden bediene. Der eigentliche Prozess des Fotografierens, die Wahrnehmung des Motivs, die Führung der Kamera, ist jedoch weitaus mehr charakterisiert durch die intensive Beziehung zwischen Hand, Augen, Wahrnehmung während des Malens oder Zeichnens, als in der klassische Fotografie.

Durch die vorgefundene Situation motivierte, gezielte, intensive Bewegung der Kamera, gestalte ich nicht nur eine Übertragung, sondern eine Transformation des von mir ausgewählten Motivs – eines visuellen Fragments der mich umgebenden Wirklichkeit – in die fotografische Abbildungsebene.

Mehr noch, hält die Kamera nicht etwa meine Wahrnehmung dieser durch Zeit und Raum vorgegebenen Situation der Wirklichkeit fest, sondern entfesselt die zu fotografierende Situation in Zeit und Raum durch den Vorgang der Bewegung, einer Bewegung, mit der ich dem zu fotografierenden Motiv erst seine vollständige Gestalt gebe. Ein Motiv, das nur für den Moment dieser Bewegung existiert, dessen Wahrnehmung in diesem Moment allein der Kamera möglich ist. Ein Vorgang, der unmittelbar auch zu einer Abstraktion der ursprünglichen Situation führt.

Die einzelne Aufnahme in diesem Prozess ist nicht immer ausreichend zu bestimmen. Die antizipierte Transformation gelingt meist nur durch Näherung, durch eine Vielzahl von Aufnahmen, in einer Art rückkoppelnder Iteration – Bewegung, Aufnahme, Grobkontrolle der Aufnahme an der Kamera, Optimierung der Bewegung, etc. –, aus denen ich im weiteren Verlauf selektiere.

An anderer Stelle vergleiche ich dies mit dem gezielt geworfenen Pfeil, der ins Schwarze trifft – oder daneben, je nach Sichtweise. Im Gegensatz zum Pfeil, der gezielt zur Scheibe getragen und ins Schwarze oder daneben gesteckt wird.

Jeder Wurf, jede Fotografie, ein nicht auch nur annähernd in identischer Weise, mit gleichen Mitteln zu reproduzierendes Ereignis; nicht in dem Sinne identisch wiederholbar, wie beispielsweise die Portraitaufnahme in einem Studio.

Das Werk entsteht während der Aufnahme, allein durch die Art der Aufnahme; die digital entwickelte Fotografie wird von mir nicht weiter bearbeitet.

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Wirklichkeit, Wahrnehmung … und Realität?

Lyrik und Poesie der Abstraktion

in: Abstrakte Fotografie — BerHWolf
Handgetanzt — Sinnliche Eigenwelten – Fragmente der Wirklichkeit

Die intensive und spezielle Art des Lichteinfalls, der Beleuchtung, der Lichtreflektion, sind es, die mich visuell faszinieren, Erinnerung und Wiedererkennen evozieren.

Ein vertrauter, wundervoller Moment, durch dessen Magie ich mich bewusst vereinnahmen lasse und der das Potential zum Ertanzen einer entfesselten Aufnahme hat.

Aus diesem Moment gezielter Aufmerksamkeit auf die Szenerie entfacht der kreative Kick.


Ich gestalte, konstruiere oder verändere nicht.

Die Situation wirkt so, wie sie ist, für andere vielleicht verborgen, gewöhnlich und – scheinbar – unscheinbar.

Mit der Fotografie versuche ich die Wirkung dieses Augenblicks festzuhalten, durch Transformation meiner Wahrnehmung der im Licht betonten konkreten Fragmente äußerer Wirklichkeit, in eine eigene, sinnlich, poetisch überhöhte Realität – eine lyrische Abstraktion dieser Fragmente.

Die ursprüngliche Situation ist der Auslöser, das Tor zur erweiterten Wahrnehmung der Wirklichkeit – dieser Kulisse der Realität.

Die Fragmente verlieren dabei ihre ursprüngliche Objekthaftigkeit, Funktionalität und Bedeutung, und werden zum visuellen Medium einer noch abstrakten Realität neu wahrzunehmender Objekte und Empfindungen.

Diese transformierte Realität erschließt sich nicht durch einen nur flüchtigen, konsumierenden Blick, ebenso wenig, wie sich einem ein anderer Mensch durch einen nur flüchtigen oder anonymen Kontakt erschließt.

Der ganze Prozess – die Aufnahme und die folgende Entwicklung – ist bis auf das technisch notwendig Rationale, von Erinnerung und Emotion, von Intuition geleitet.
Emotion hier nicht im Sinne eines inneren Überschwanges der Gefühle, sondern im Sinne einer Empathie den Dingen gegenüber.

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