Die Zeitwaisen

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kakao schwimmer

stürmeerwischt in gepflügtenen eiligenheiten reigen wir uns von gegeneinanderer im zaum gehaltener hineingaben verschronnen vor dem kuntergrund trapetzerie wandelnder diesbezüge überfallenem jenseits vertrunken im partrickelndem seinschein splitterbuntem graureifs dich erspürend in pulserierenden gravuren deiner wunderwärmend lebendigen hand in hand über hand unter hand fest ineinander gleistend im ström regelent brassender witterwinderungen verschlungernder pfaden deiner stimme flauschig schwerenden samtfühlerungen gehörig - oh der umklang deiner stimme dieser stimme die mich sänftig herb fesselnd auflöst auflösend fesselt von moment zu moment von augenblick zu augenblick - der im widerstand meiner entschlossenen lippenhäute erregende andruck deiner prickelnde feuchte in meinen gemächtlich zöglichterloh nachgiebenden mund pressenden zunge nassrauhen lustfleisches kitzeln - dann die zeit die zeit die zeit die zeit in stillen gravuren deiner wundersam kühlenden hand verschollene gedanken an die geringerung der umhangenden zerrinnerung verrauntet im schlachentrief der gegebenenden unvergeblichtenen versinndet in dinglichtungen unendlichter ringschlüsse lichter dunklingenden - nein kein letztes mal der wärmende duft deiner weichenden nacken härchen

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wie läuft das g.schlecht? - leck

in: Kontraktionen über g.
wie läuft das geschlecht?
Absurdes
Groteske

abwechslungsreich
es läuft so episch
energetisch und
prächtig gemächtig
gedanklich schnell
und abgeschliffen
hinterrücks vom
mund ergriffen
abgepflückt und
durchgedrückt.

geführt flattert‘s flatterhaft
und trägt die eier im hut
beim morgenspiel der sich
selbst reinigenden jungfrau -
in den ganzen lecken
nicht anzuecken.

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in sympathie

in: Musik

das symphoniehähnchen erwachte vom rufen des kuckucks sieben- bis neunmal, dann acht, dann zweiundsiebzig. flugs sprang es aus seinem instrumenturenbett und stopfte den kuckuck kopfüber unter die aufgeblasene tuba.

von diesem tun anscheinend sehr erfreut und angetan, liesz der ansonsten pessimistische papagei, welcher dicht neben der tuba im käfig des angebrachten wohnte und wie wild nach fremden rockinstrumenten ausschau hielt, ein frohes „köpft huber“ oder „köpft huba !!“ unter lautem gegacker und gekicher erschallen, um sofort darauf wieder in seinen pessimismus zu verfallen. den rest des tages schwieg er wie ein verbrochener versprecher und stierte mit glasigen, schnellen augenbewegungen vor sich hin.

das symphoniehähnchen indes eilte freundlich zu einem groszen schirm an der wand und klappte dort, im takte des metronoms, fenster wild auf und zu.

einem zufällig vorbeikommenden hühnchen schenkte es mit erfreulichen augen den ausdruck eines eigenen gesichtes, wobei es lauthals krähend verkündete, dasz dieses nicht seine eigene erfindung war.

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lück

in: the daily horror — Szene 75
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

ich fiel;
von einem schlaf in den anderen
und hab die reihenfolge der
farbigkeiten dabei -------> vergessen.
erinnere aber: auszieh----augen,
aug-ureng-leich, die mich an-starr-en
zu jedem schlagrund mit ihren schrei-enden
aus-drücken ... farbausdrücke,
die ich am liebsten wegsperren würde.
nicht eindeutig be......stimmbar und
aus jeder ecke des z/immer/s
drängt ein anderes ge-räusch;
geh-eul auch, nacht-weiß, g-lückl------ich.
des weiteren: ver/w/irrung einer pf-lanze
(statt der füße nur zwei-klobige steine),
die den sinn des w/einen/s nicht versteht,
ihre scham in grün-verhüllt während
über dem boden sich ein wölkchen vorüber-
bewegt. kuckucksspucke am bein und
erregungshaltung, innehalten und beschieden sein.
alles hirschgespinste, brückenstege, über-leger ...
wo ich doch eine mega-mogalie umsetzte und die
felder reine begren/z/ungen haben und zungen
am überlebensbein, mit bernsteinaugen ...
zum glückl---ich sein ...
grün
grün
ÜÜÜ.

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fasse fassen gezeiten

in: the daily horror — Szene 24
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

in der sonne sitzen und über die zufälle des lebens nachdenken
die einem so zufallen wie die augen, wenn man lange genug gewacht,
gelesen, gelegen, gesessen oder gestanden hat oder die zeit
in irgendeiner anderen körpergrundhaltung verbracht, zugebracht,
um die ecke gebracht hat. um die obere, linke oder die untere rechte
des magnetischen quadrats, an dem zwei dinge aufeinandertreffen,
die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, aber durch
dieses aufeinandertreffen einen funken schlagen, einen funkenschlag
erzeugen, der sie im ersten moment erschrecken läßt -
über die gewaltigkeit der entladungen;
ihrer entladungen,
sie dann aber über die art der herausgeschleuderten materie
als ergebnis eines ungeplanten anstoßes zum nachdenken anregt
und miteinander vereint, um fortan gemeinsam zu sinnen
über die entleerung der gefäße, welche mit der absicht des füllens
oder des sich-füllen-lassens bereitwillig stehen, sitzen oder liegen
oder in irgend einer anderen gefäßgrundhaltung die zeit des wartens
auf ‚das füllen‘ bzw. das ‚sich füllen lassen‘ verbringen und dabei
durch die existenz bloßer körperlichkeit ihrem sein verstärkt ausdruck geben,
ja, mehr noch, ihrem sein den anstrich verleihen, leibhaftig zu sein während
der zeit des wartens und auch davor und danach und es nur eine, mit leichtigkeit
zu erfüllende bedingung gibt: daß das füllende stets und bedingungslos die form
des zu füllenden annimmt, während es vor dem füllen und während des füllens
(und nach der entleerung) doch irgendwie ganz formlos ist, ein formloses gewühl,
an dem niemand anstoß nimmt, weil es selbstverständlich ist,
daß es im fließen keine festen formen gibt ...
und zum nachdenken nicht anregt ...
fließend gehen,
gezeiten ..

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pata-noster — die physikalität des fahrstuhls

ein auf- und abstück zu spielen in drei klingenen aufzügen

es treten auf:
dinge die zusammen kommen und zusammen gehören.
bambika, eine aus büchern und schöpfkellen gebildete frau
verfaultes rindsfleisch
fortgelaufener text
ein ausgebluteter
blasen

verehrte gekommenen, sehr verehrte herrschaften,
willkommen im pata paranoptikum. und nun bitte präfesenz!

es erscheinen die drammatiken der aufzüge in den aufzügen.

erste dramatik im ersten aufzug:
während der aufzug nach oben fährt,
fällt ein roter schuh konturlos vom nachthimmel nach unten.

erste dramatik im zweiten aufzug:
es kommt ein gekrönter kopf auf großem fuß daher.
der aufzug fährt nach oben.

erste dramatik im dritten aufzug:
in diesem aufzug,
der sich in para-lele zum ersten befindet,
ergreift ein kleinhungriger mit dünner haut
die flüsternde hand einer frau mit zeitung.
man nennt sie auch die zeitungsfrau und
alle zusammen: die „drei mit fisch“.
der sich in nachobenfahrigkeit befindliche
aufzug stockt und bleibt stehen.

zweite dramatik im ersten aufzug:
unter dem nachthimmel dreht sich ein sonniges reh
im karussel der rehe sogenannten bambikarussel.
auf dem rücken des sonnigen rehes sitzt
bambika und malt sich die lippen an.

zweite dramatik im zweiten aufzug:
der gekrönte kopf tanzt einen veitstanz

zweite dramatik im dritten aufzug:
die „drei mit fisch“ lieben sich.
im mittelpunkt eine dose mit namen.

dritte dramamtik im ersten aufzug:
der rehtäuscher erscheint.
bambika öffnet die lippen und spricht verschmachtend:
„bitte fühl mich wohl“. dann wirft sie sich ihm vor die füße
(schon wieder mal) und schmilzt dahin.

dritte dramatik im zweiten aufzug:
der gekrönte kopf tanzt noch immer.
jetzt aber salsa mit grünen und roten blasen.
roja und verde. eine sause beginnt.

dritte dramatik im dritten aufzug:
die „drei mit fisch“ spielen
vater, mutter, kind; das kind eine dosenlibelle.

vierte dramatik im ersten aufzug:
der rehtäuscher penetriert bambika mit einer pferdekerze während
bambika sich dabei am konturlosen roten schuh festhält,
nach oben schaut und sich ergötzt.
zum schluß kein erguss. ein zuschauer ruft empört:
schmäh, alles nur plastisch!!!!
der aufzug setzt sich in bewegung und fährt nach unten weg.

vierte dramatik im zweiten aufzug:
der gekrönte erliegt hingerissen seinen letzten zuckungen
und nagelt sich daraufhin selbst ans kreuz.
der aufzug setzt sich in bewegung und fährt nach unten weg.

vierte dramatik im dritten aufzug:
der kleinhungrige befindet, dass er doch etwas größeren hunger hat.
er schlachtet die zeitungsfrau und weidet sie gründlich aus.
ein penetranter geruch nach vergammeltem rindsfleisch
verbreitet sich, steigt in die nasen des publikums,
setzt sich dort fest und wandert weiter bis ins gehirne.
der aufzug setzt sich in bewegung und fährt nach unten weg.

ein duschvorhang fällt.

die vier apokalyptischen damen, aus der zucht und ordnung
der spring- und dressurreiterinnen, schreiten nach innen und singen:
„wir sind gekommen, das glück zu vertun.
wir, die unendlichseligen
paramell-bon-bon.“

und damit ihre großflächige fähigkeit zu dramatischem ausdruck
bei virtuos geführten coloratüren noch besser in erscheinung trete,
krakeelen sie:
„jubel bitte und applaus!“

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tapire

in: the daily horror — Szene 56
Alles und Nichts …

man könnte auch sagen: butterblum, zwitterblum, wenn man so sitzt,
inmitten seiner bücherberge wie eine insel von gras umschlossen
und in der hand die schale voll blumentee; wie eine geisha,
buntbekimonot, an seidenfäden das härz gehänkt und der ausdruck
der puppe gegenüber so dem eigenen entspricht, dem eigenen ausdruck,
der eigenen haltung, sprachlos, stumm, nichts. verpupptes spiegelbild
oder spiegelbild verpuppt.

sitzen im zittergras. welch ein bild der ängstlichkeit.
mach ein foto davon. stetiger wechsel zwischen an und aus ...
ziehen, auch im kopf, an-aus-an-aus ... bei welchem zustand
wird wohl stehengeblieben? aus, verbraucht - am wenigsten energie.

mir tränen die augen in dem ganzen blätterhaufen, hafen auch.
ich wünschte, alle wären vom winde verweht, es ersparte mir viel,
auch mühe zu ordnen, doch ich ordne sowieso nichts, wozu auch.
wenigstens gibt es hier keinen gitterzaun. ich sauge die luft
ein und stoße sie aus. denke: der mensch als fortbewegungsmittel.
und: welches zeug! inmitten der pflanzen.

stille sinn thesen, durch addition und subtraktion, eliminierung,
omnipotese; konditionierung. oh, zarthaariger kelch ! wo bist du
verblieben? wächst du nun nur noch unter'm fernen getreide?
schauer laufen still den rücken hinunter. mir gruselt vor den ganzen,
weißen papieren und den kritzeln darauf.

ach du schöne poesie, du bunter fogel mit den weißen flügeln,
kreidebleich. so rot die strümpfe, so ohne schuh, schuhkäfige
sagte eine dazu, para-day. da kannst du vieles denken, wissen
schafft kunst, dann wieder: wie die pflanzen sich verrenken !
auch: einander zu. ein tausendmaliges verbäugen, stilles verehren
und preisen. ein gegenseitiges erheben, so heiß, so viel glut.

ein schmetterling paart sich mit blum und beflügelt den fogel
der nichts davon weiß, nicht weiß, wie ihm geschieht. ich nehme
mir vor, nicht zu versinken in den vielen papieren, ein fast un-
möglicher vorsatz. schreibe dann: was sind wir doch für seltsame
gefäße, behausungen, bauwagen.

aufgestichelt das stichwort in relevanz zum naheliegenden gegenüber
tanzen tanzen tanz, stanz. steht still nicht, loses werk, zeug,
flick, blatt ... brrrr-uch auch brrr-auch stück, von dir stückchen.
schon wieder hungrig nach flugigen tagen, puppenverpuppung, unpuppe,
die aufgetürmten nester, die entschwärzten pupillen, die kugelaugen,
das rothaar schon zu orange.

dieses gespringe, gesprinkel, gespreize.
wolkenfette abgemolken. es regnet keine milch heute, auch keinen honig,
ich spüre wie die verseuchung nicht nachläßt und rauche trotzdem zuviel,
flick-flack der gefühle. es stürmt immer noch, dieses leben, voran !
vorwärts ! unsicher trotz der langen beine oder gerade wohl deswegen.
stürze - einprogrammiert, fallen - einstudiert. ich will nicht sein
gewesen! er ist ein wandertier ! ein hirt, ein hirsch, ein wundertier.

sein hirschschrei, sticht mir brünstig ins eingeweide. süßholzlippeln,
pappeln wie espenlaub, mundtaub vom vielen küssen. innig die wände aus
zuckerguss in der kussgießerei und ein strömendes zerfließen. augenlos.
endgültig ist nichts. flucht von den plätzen ist logische antwort. obwohl,
er gestaltet die luft mir mehr als zur genüge und mehr als reichlich ...

trotzdem. diese lebendige form der leere bleibt, ist wie ein film,
endlos sieben mal centimeter drei, es wachsen meine papiere zu
skulpturen sich aus wie unser im sturm zerrissenes gekleide. weiße
blätter vor dunklen wänden, dunkle blätter in weißen händen. all
unsere finger schoben sich kritzel zu- und ineinander, ohne zu enden.

es müßte da ja etwas sein woran ich erkenne eine abwesenheit und wann
weiß ich, daß etwas fehlt? dabei ist sie schon längst vorhanden, die
erkenntnis: es kommt bei allem nichts raus. ich mag es, wenn die
papiere fliegen. innen nach außen, außen nach innen. verpuppte zustände
und darunter mein alpwissen, von dem, wie es wirklich ist.

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der die das - hanglos zu summen

dritter Gesang

in: Alles und Nichts …, Absurdes
Absurdes Theaterstück

13. das kind das nie müde ward – geschnappt vom hahn

„lasz uns müde spielen“ sagt das kind.
der hahn steigt gehorsam aus dem armaturenbett
und fläzt sich in die nesselseide eines neuen sitzes.
er löffelt schnaps aus einer eierschale.

„die sonne setzt sich um sex zur ruhe“ sagt er zwischendrin. das kind setzt sich ans bett und stampft ungeduldig mit dem breifusz. es ruft: „lasz uns müde spielen! dreifusz, breifusz, entzweifusz!
dummer fogel, blödes sein, messerschwarte, pulverscharte, mit dir, da mach ich hühner klein!“

der hahn schwankt ein wenig, er ist sich nicht sicher auf seinem bein, soll er sofort oder nicht oder später die flucht ergreifen und sie gegen das kind richten oder gegen sich selbst oder ...

er entscheidet sich, spannt sich, beginnt den eierlauf um den in der mitte des zimmers stehenden tisch, schieszt aus dem lauf heraus die erste kugel und – trifft !!!
tödlich wie nie zuvor - das kind.

in der nun eingetretenen, völligen stille setzt sich der hahn an den tisch, ölt sein teebäumchen und beginnt an der schreiborgel ein vivacissimo allegro mit einfachem durchschlag auf kindlichtem pergaminpapier zu komponieren.

als er fertig ist, zieht der hahn den bogen aus der orgel.
an dem durchschlag haftet das grauen wie ein passiertes ei.

so es sei.


14. während die rezipientin sich zur erhaltung des gesichtes durch grüne brillen konservierte, wendete der flaschenzug sich zum rotlicht hinab.

dem rezipienten erschien das sehr dienlich,
da sein brennglas eine hohe spannweite erforderte.

brillen von grünem glas
dienen zum erhalt des gesichtes
denn insgeheim verhindert grün
den allzu starken eindruck des lichtes !


15. die blondäugige hyäne !
im letzten falle sieht sie die rothe farbe bis ins innerste.
dann ward sie vom wind zerstreut und nie wieder gesehen.


16. der vorgang, der damit zu tun hat, die unerhörten vorhänge durch öffnen und schlieszen zu durchlüften, versteifte sich beim groszen staatstheater zur kompositorischen kante. das war sein abstieg, vom türsteher zur konserve.


17. die halbseidenen fliederfüszer tragen den eigengeruch vor sich her. die dame liegt nicht richtig. ihr duft, der sich hemmungslos beim selbstzersetzen entfaltet hatte, hängt freischwebend in der umgehungsluft zwischen ruchlosen gräsern.
in ihren zimtroten lippen unter dem dunklen zindeltaft ist noch der schwanz eines fisches zu sehen.
die fliederfüszer nennen sie ehrfürchtig ‚unser liebes futter mi-florence‘.
würdevoll tragen sie ihren eigengeruch vor sich her.
(aus: cu-marina, eine see-renade der selbstzersetzung vom süszlichen fleische der florence)


18. er warf ihr ein paar tage vor, auf die sich stürzte wie ein hund. die jungfrau aber hat das zinnober der küsse unter den leisten versteckt und führt nun zimt im mund.

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