Die Zeitwaisen

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tierrest an luftalge

der fadenartige
spürt keine luft mehr zum atmen
in seinem kopf. kehl-kopf auch. der wind

treibt es zu toll.
ein zutreibender versingt die
letzten worte, verschlungen

mit dem faden.
neben weiteren knochenfunden
liegt grüne haut, frosch vergrünt

durch biliverdin.
darüber der pferdeschädel mit augen
auf und die bleckenden zähne …

welch ein furchterregendes rot!
rot, so rot, so schamrot in grün.
die nacht hockt sich über den boden.

vom sehen, werfen und entbergen

als der frosch den handschuh warf, war es für die dame zu spät

Ibovist | vom sehen, werfen und entbergen | als der frosch den handschuh warf, war es für die dame zu spät KommTier! | Auf | |

eine dicke frau trug puppenschuhe. der frosch saß zu ihren füßen
und nannte sie „meine dame“. die dicke frau trug eine sehr dunkle brille.
mit ihren augen dahinter machte sie dem mann über dem frosch schöne augen.
der frosch sah das und er sah ihr unter den rock und sah wo der bauch hing.
oh vielfältiger bauch! dachte er, wieviel kugeln würden darin platz finden!
er beschloß aber, sein gold nicht vor die frau oder andere zu werfen,
auch wenn sie von mancher mann perlen genannt wurden; sie waren alle säue.
der frosch warf ihr einen knüppel zwischen die beine in der art, als ob er gerade
aus ihr herausgefallen wäre. dann legte er ihr noch ordentlich steine in den weg,
warf den handschuh und bestieg unverdrossen und mit großer lust eine schaluppe.

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alles gut

in: the daily horror — Szene 47
Alles und Nichts …
Komödie

gebundener mond
reiser,
weißer summer
im taubenholz

durch helene
einen gelben apfel
steigt heißer
kiesel glimmer- glut

an tiefer wasserstelle
fließt ein wechsel
wundergleich
zum hirtenteich

im garten hopfen
an gängen klopfen
das holz in grün
ist zauber- werk

schmerz im mark
rehbrauner goldfuss
im fingerhut
ich fühl karmin ...

goldfluss in glut.

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intermezzotinto tag ibis o

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 12
Alles und Nichts …
Komödie

schütterdürres glas
und haarrissband.

als jch aber aufsprang von ihm,
war jch doch wie ein reh
und alles war wald ringsumher.

staureh und sinistiere :
insis, kosinustiere, intrinsisch.
blosse anwüchse nur
in zweierlei sinne,
dieselben benennungen im -
für - den abgesonderten raum.

eine art gleichlaut,
abgeleitet vom ersten,
zweiglaut.
zeig-bedeutung.

es springt der fluss mir vor die füße,
so ist meine wasserwohnung nicht weit ...

jch zelebriere das schreiben wie dem auge ein fest,
halbtägliches papiere, geschmiere, nicht alltäglich,
halte mich an einem tierhaar, ein nest, festlich,
und friere vor den perlenden tieren.
hühnchen, fogelverwitterung oder
-fervütterung, da schütterts mich gar.

zwischen
rauchrosen und
sonnenmehltau -

lieg jch brach.
den insektizismus klassifiziert,
die lang akzentuierte mehligkeit,
die anhaltende schwadron der bienen
und höre, wie ein reporter sagt:

aussteigen unter'm strich links unten,
da, wo sich das strychnin befindet,
und stichlinge für piloten auf kerosinigen
linien.

sehe im fernrohr das gespaltene gesicht,
meine hausung kann also nicht weit sein.

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ohne titel

in: Innenwelt

auferlegte
berührungsangst
durchdringt die
vorherbestimmte zwanghaftigkeit.
in der starre vervielfältigt sich
die erworbene unfähigkeit.

entarteter alptraum
am ende der nacht
im letzten raum
trauer und zweifel
entfalten sich
bleierne schwere gibt dem tag sein gewicht

völlige hingabe
mit vertrauen gepaart
hat sich verglaubt
und dem herzrot
auf der glückstrasse
wurde die bestimmung
zur last

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fasse fassen gezeiten

in: the daily horror — Szene 24
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

in der sonne sitzen und über die zufälle des lebens nachdenken
die einem so zufallen wie die augen, wenn man lange genug gewacht,
gelesen, gelegen, gesessen oder gestanden hat oder die zeit
in irgendeiner anderen körpergrundhaltung verbracht, zugebracht,
um die ecke gebracht hat. um die obere, linke oder die untere rechte
des magnetischen quadrats, an dem zwei dinge aufeinandertreffen,
die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, aber durch
dieses aufeinandertreffen einen funken schlagen, einen funkenschlag
erzeugen, der sie im ersten moment erschrecken läßt -
über die gewaltigkeit der entladungen;
ihrer entladungen,
sie dann aber über die art der herausgeschleuderten materie
als ergebnis eines ungeplanten anstoßes zum nachdenken anregt
und miteinander vereint, um fortan gemeinsam zu sinnen
über die entleerung der gefäße, welche mit der absicht des füllens
oder des sich-füllen-lassens bereitwillig stehen, sitzen oder liegen
oder in irgend einer anderen gefäßgrundhaltung die zeit des wartens
auf ‚das füllen‘ bzw. das ‚sich füllen lassen‘ verbringen und dabei
durch die existenz bloßer körperlichkeit ihrem sein verstärkt ausdruck geben,
ja, mehr noch, ihrem sein den anstrich verleihen, leibhaftig zu sein während
der zeit des wartens und auch davor und danach und es nur eine, mit leichtigkeit
zu erfüllende bedingung gibt: daß das füllende stets und bedingungslos die form
des zu füllenden annimmt, während es vor dem füllen und während des füllens
(und nach der entleerung) doch irgendwie ganz formlos ist, ein formloses gewühl,
an dem niemand anstoß nimmt, weil es selbstverständlich ist,
daß es im fließen keine festen formen gibt ...
und zum nachdenken nicht anregt ...
fließend gehen,
gezeiten ..

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tag 1 bis x

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 1
Alles und Nichts …

überschriebenes beschreiben
treiben trifft auf schwingkreisreisen

solange ich schreibe bleibe ich, auch bleib ich zurück,
wenn ich weiterschreibe noch weiter zurück, bis ich übrig
bleibe, hin und zurück, als rest vom stück und hingeschrieben,
hin und weg, nein hin und zurück, der weg ist ein fest,
wenn ich mich verschreibe, vielleicht auch beschrieben zurechtgerückt,
und so etwas bleibe, mehr dunkel im licht und verbleibe am ort, dort wo es sich trifft,
und verirre mich, verirre mich auf meiner reise auf eine weise die anders ist.
verwirre mich.

wirre im t-raum-areal also zeit-raum-areal, wo das hirn sich verbiegt
weil es andersrum liegt, weil ich wirre im schreiben vom schreiben nur bleibe,
und irre mich, weil ich richtig falsch dabei liege,
und mich nicht verbiege weil ich immer noch liege und lüge im liegen und lüge nicht,
wenn ich schreib, daß ich im liegen lüge und dies gelogenes schreiben ist weil
das gelogene nichtschreiben ist und ich dem nichtschreiben nicht unterliege und
alles geschriebene ungelogen ist. aber alles geschriebene ist schweinerei?
so liege ich.

über dem schreiben.

überliege und lege mich fliehend und fließend in die bebenden hände beim schreiben
zu zirkelnden kreisen, und jetzt? läßt kreisen mich: über-treiben? zu ihm, zu einem
geraderen, zu einem geredeten hin? hingeredet bleib jch ihm, hingetrieben treib ich sinn,
wieso weshalb wie wer jch bin und ob jch nicht doch, eingeredet bin.
mir schwindelt schon beim schreiben und würde doch so gern noch bleiben, bei ihm,
dem sinn. doch lass mich treiben. springe vor und springe zurück. schwinge vor, schwinge zurück, verzeitige mich, be-seitige mich: bedecke mich mit seiten.

be-decke mich also mit seiten.

mit seidigen deckern, deckenden blättern, seiten-weise, seiden-weiße, seitenweisige seiden. so lieg jch im seidenweißen blätterversteck, bedachtes bedacht, bedecktes bedeckt.
so liege jch bedeckt bedeckt, bedeckt von allen seiten, in seiten und seite und spanne nur und spanne nur die zeiten. ziehe die geraden leinen auf, linien auf leinernen seiten. oh, aufgespannte zeiten, wie leinen auf seidigen weiten und töne drauf und stöhne laut:
oh sieh, nein hör! auf den weiden, die bereiten ! schreib auch schrei-bereiten !
kühe, zwischen hoch gespannten leinen. da liegt große spannung drauf. und die leinen leiten.

so liege jch und bin verlegen durch mein schreiben nicht verloren, nicht verlogen,
doch ungelogen ungelegen spring jch durch die zeiten, mit seitenschwung in den zeitensprung und hänge in den zeilen, will sie teilen zu geteilten weichen weilchen … bedecke die seiten mit zeichenteilchen und wollte doch der müden hand ein ständchen bringen, ein stündchen nur und seh meine hand:

zu einer tasse greifen.

so greifen wir beide, eine stille tasse aus müdigkeit, ein stilles tasten der hastenden hand über die tastatur, auch über DER; auch tastende hand übersetzen, über-tasten, über sätzen, übersetzen der hand. doch was sollte jch aus einer müden tasse anderes trinken als müdigkeit? und daneben: die rosenkerne.
jch sage: g.art.elier.
hier besteht eine möglichkeit zum wenden, zum wendekreis, zum reden hin, zum geraden sinn, doch jch wende nicht, jch ende nicht, jch drehe zu geraden die enden.
schienbeine der zeit, laufen an den wänden entlang, über die decken zur anderen wand,
stiefbeiniges schiefmütterchen, du holst mich nicht ein und du findest mich nicht
in meinen gewändeten verstecken. denn jch habe bewändet begonnen zu sprechen.
in meinem unberandet raum,

abruptes zu wenden dem sprechen.

auch DAS sprechen, in wieviel zügen, zügellosigkeit, leere jch das porzellanige kleid? auch launiges kleid, jch will es glauben, auch schlüssellos, oh, bestirbtes stürzen in meiner glückseligkeit, in meiner rastlosen zügellustigkeit, über bügellistiges brett besteigt der sandbote mit eingeköcheltem handpapier notenbereit das bereift beginsterte fensterbett. jch aber, sprachanästhesist voller linkszeitiger erfüllungen bemerke in lautender konzision: der angeborene mund ! geburtsort, geburtswort, klanggerät und stimminstrument, oh, aris, goldmund voller narzissen, für ihn heb jch den mund aus dem lavendelversteck, heraus aus dem kissen und stopfe die kerne der rosen hinein, in mund und kissen,

rosenkerne im kissen.

daran geheftete hoffnung auf ein wunderwort und das porzellanige kleid am warteort, und töne aus dem mund heraus, lausche den tönen nach und hebe sie auf zum aufheben in gestiegener hoffnungshaltung, heftungshoffnung in lavendelfetzen, in der ferne, wo sterne leuchten als trostlaterne und raufen singen es geht mir gut, in weilen, in weiden, wieder auf zuhauf, gehoppel, getreiden und ferneres schreiben, ein sicherndes gut, einsichernde glut. mir löscht das gewässerte aus den augen die aufgehobene frühlingswut, wunderglut, es geht mir gut, das will jch glauben. vergossen isoliert sich das mundsekret zur flut, zur isolierflüssigkeit neben den nostalgischen geräuschen, geräuschen eines nostalgisch geschriebenen am warteort,

herbeibittend, salbeibittend das wundergrüne zunderwort.

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der die das - hanglos zu summen

achter Gesang

in: Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

43. die postkarte ist grün und ’möchte allein sein’ liest die frau,
legt sie in ein gebundenes fressen ein und erhebt es zu ihrer lieblingslektüre.


44. das vollendete reisegepäck,
welches unter einem ausgeprägten völlegefühl litt,
wollte sich vor der übergabe schützen und entleerte sich ungewollt
inmitten fremder leute.
so ging die reise, die nicht wuszte worauf sie eigentlich hinaus wollte,
ihrem offenen ende entgegen, aber sie wollte dem mann doch für immer
im gedächtnis bleiben.
reisegefühl mit völlegepäck


45. denen, die schon seit jahren miteinander verkehrten,
auf parkbänken, in fahrstühlen, auf treppen,
hinterhöfen und gemeinen plätzen, stellte sich nie
die frage, wer von beiden verkehrer wäre und wer verkehrter.


46. es fällt in räumen bevorzugt von der decke,
lautlos spielend, in einer fallrelevanten fallrelevanz.
das wandern des kindes von ecke zu ecke
hinterläszt rote spuren an weiszer wand.


47. das chronische badetuch hing dort wie immer.
freund von fischblase,
welcher ein ausgearteter kater mit fuchsschwanz war,
fickte den baum, der in schwanzhöhe ein kleines astloch hatte.
danach erging er sich in nachbars wiesen.
das chronische badetuch hing dort wie immer.
(kleine kaubare unendlichgeschichte)


48. rosa, die im farblichen rhythmus einer tiefen inneren unruhe ausartet,
verlottert hintergründig im gelb des umgebungsgrün.
während die gegensätze zusammenfallen, entgleitet dem inerten ihrer kalotte jegliche anziehung.
rosa jedoch bleibt lustvoll und gebiert mit dem konservierten sperma eines ebertons eine wilde zwittole.
damit setzt sie ein neues zeichen: ∃

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Stunden Projekt

Hallo Herr W.,

wie von Ihnen angefordert, habe ich in den mir von Ihnen zur Verfügung gestellten Planungskalender, im Excel Format, auf Grundlage des beiliegenden Ausfüllmusters (Tabelle "Muster" - die für die jeweiligen Tage eines Monats rot markierten Einträge), die Vorabplanung meiner geplanten Stunden für den Zeitraum Mai bis Oktober, nicht exakt aber wie gewünscht taxierend, eingetragen.

Nein, selbstverständlich sah ich davon ab, daraus eine Wissenschaft zu machen. Tatsächlich gelang es mir sogar, die 15 Minuten Vorgabe des von Ihnen genannten Kollegen zu toppen. Bis zum Abschluss der Aktion, obschon nicht ganz im von Ihnen vorgesehenen Maße, wie von mir im Folgenden erläutert, waren von meiner Seite aus nur knapp 10 Minuten erforderlich. Das ist ganz klar absolut zumutbar. Ihre Einschätzung diesbezüglich war vollkommen korrekt.

Bei dem Versuch die Urlaubsstunden zu ermitteln, die laut des vorliegenden Ausfüllmusters in der gleichen Form einzutragen seien wie die Tätigkeitsstunden, wurde ich jedoch stutzig. Mir ist nicht wirklich klar, welche Art Eintragung ich dort genau vornehmen sollte, ohne dass ich nun doch die Absicht entwickelte, eine Wissenschaft daraus machen zu wollen, und vor allem, warum? Zumal die Eintragung dieser Werte keinen Einfluss zu haben scheint, auf jene Werte, der auf Basis der eingetragenen Tätigkeitsstunden in den Mappen automatisch berechneten Einträge, und jene Werte der Tätigkeitsstunden keinen Einfluss auf diese Stunden der Nicht Tätigkeit.

Da ich in meiner Eigenschaft als selbstständig handelnder Freiberufler für ein durch Sie vermitteltes Projekt eines Dritten tätig sein werde, und meine Urlaubspläne naturgemäß nicht Teil eines solchen Projektes sein können, sehe ich mich nicht in der Lage, eine sinnvolle Angabe darüber zu machen, für wie viele Stunden ich nicht im Projekt tätig sein werde, an den Tagen an denen ich nicht im Projekt tätig sein werde.

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lieb ellenfeld

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 14
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

fortlaufende hörung, flüchtiges bienenbetreten,
anfallen im saal; er hört nicht.

der wald fällt zusammen zwischen den bäumen
zum weg. jch verdurste, verhungere an meinem
orts-sinn, oder war es doch der ur-sinn?
unsinnsort. rot der theorie. so heb jch mir
etwas zum knabbern auf. der kern, der bleibt.
die schale ... fliegt.

einbeiniger mann treibt den strom entlang.
daneben ein treideln und gebläse.
meine augen hängen fest im fernverkehr.
die gedanken still im warmkörperhaus,
an geäse, geäst und knochen-gefräse.

die zeit vergeht schneller, je schneller du fährst.

so ruf jch zu; dem stromtreibenden mann,
und bin am halben kochen. ein ganzes dorf voll
flüssigem gold liegt über alten knochen. au und -au.
linksgestreift liegt eine frau, biologisch abgebaut.

und : auf daß ich mich nicht zu weit erhöbe!
erbo(o)t er sich, mir beim halten behilflich zu sein,
einzuhalten, inne zu halten, halt aus, halt ein,
sei sein. niemals. denn wartend im lieb-ellenfeld
zerzaust und verzweifelt mein liebster fällt ...

so präg jch mir ein:

ich möchte das glitzern des sees
und den glimmer des sand's
dir zu füßen legen, ach !!!!
den ganzen strand, ja ! den ganzen strand !

dann zittere ich dem haus entgegen,
mit eingezogenem bienenbein.

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