Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017

Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-10:44-

National Cycle Network Route 47, kurz hinter „Bronwydd Arms“, an der Zufahrt zur Clyngwyn Farm. Nein, das ist kein Schneerest, aber gefühlt kühl genug.


Was geschah zuvor:

Das grob haferflockige Spezialporridge am Morgen ist riesig und es ist das leckerste bisher.

Eine halbe Stunde später, bereit zum Abflug. Schleppe die Packtaschen nach unten in den Eingangsbereich. Das Wetter sieht leider nicht besser aus gestern. Schlüpfe gleich rein in die komplette Regenmontur. Die nette Frau von gestern Abend ist schnell zur Stelle und schließt den Zugang zum Hausflur auf. Wohlbehalten steht das ausgeschlafene Fahrrad noch vor der Treppe. Schiebe es auf den Hof und bringe unter Regenbeschuss das Gepäck an. Die Frau bedauert das Wetter, wünscht aber alles Gute, der Regen lässt bestimmt bald nach, und schaut mitleidig herüber. Könnte selbst Heulen wegen des Wetters, fließen aber nur Regentropfen übers Gesicht.

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni – 164

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-10:59-

National Cycle Network Route 47, kurz hinter der Bryn Farm, Blick zurück Richtung Osten.

Regen, Regen, Regen. Die Strecke ist allerdings ganz schön und nahezu frei von motorisiertem Verkehr. Die vorbei fahrenden Wagen kann ich einmal rund herum an Händen und Füßen abzählen. Dies wird der Tag mit den meisten Höhenmetern, nicht nur in Relation zur Streckenlänge, sondern auch absolut, insgesamt 1350 Meter auf 69 Kilometern. Ebenso der Tag mit dem meisten Wasser: Regen, Regen, Regen, teilweise fließen wieder kleine Bäche schräg über die Straße. Zum Glück keine weitere Reifenpanne.

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni – 165

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-11:03-

National Cycle Network Route 47, kurz hinter der Bryn Farm wie zuvor, Blick zurück Richtung Osten wie zuvor + Selfie, Richtung Westen blickend.

On my way, swimming to Fishguard …


Was geschah bisher:

Nach nur knapp sechseinhalb Kilometern seit Abfahrt aus Carmarthen – die letzten zwei Kilometer von 5% auf bis zu 10% ansteigend – folgen der siebte und achte mit bis zu 12% Steigung. Bald verläuft die Straße wieder etwas flacher, bis auf 3% runter, der Puls geht ebenfalls langsam runter, bin jedoch immer noch am Schnaufen. Schließlich ist der höchste Punkt überwunden und Zeit für ein Gutwetter Selfie. Anschließend zum ersten Mal heute etwas Gefälle, bis hinunter an eine Kreuzung.


Was geschieht im weiteren:

Biege dem Weg folgend an der Kreuzung nach rechts ab, etwa 2 Kilometer hinter dem Zuweg zur Clynwyn Farm. Radle nun auf einer schmalen, beidseitig mit übermannshoher Hecke bepflanzten, einspurigen Straße, eher eine Einbahnstraße, und bleibe abrupt stehen. Vor mir die nächste Steigung. Und nicht nur die. Plötzlich erscheint 50 Meter weiter, um eine Kurve schleichend, ein kleiner LKW der ebenfalls anhält.

Die unangenehmsten Stellen sind diese kurzen, knackigen Steigungen ab ca. 16%, auf schmaler, hochbeheckter Straße mit schlecht einsehbarer Kurve mittendrin. Kann Steigungen dieser Größenordnung immer nur in 30 - 60 Meter Etappen fahren, bis zum nächsten Sekundenverschnaufstopp. Muss deshalb der Kurvensituation entsprechend takten, heißt weitest möglich vor und hinter der Kurve stoppen, jedenfalls nicht mittendrin, und dennoch hoffen, dass beim „schnellen“ Spurt vom einen zum nächsten Stopp niemand entgegen kommt.

In der aktuellen Situation ist dies zwar nicht das Problem, doch der Himmel erbricht Wasser in Strömen, und an dem LKW ist dem ersten Anschein nach kein Vorbeikommen. Er füllt den Straßenraum perfekt aus. Links und rechts Hecke. Boah, ne, nicht wieder zurück und runter bis zum nächsten Passing Place, sofern da überhaupt einer war. Was tun? Steige ab, kippe entnervt mit dem Rad gegen die stabile Hecke und versuche uns bündig in das nur marginal nachgiebige Grün zu drücken. Der LKW kommt langsam näher. Drücke die linke Schulter noch weiter in die Hecke, damit die rechte Schulter nicht den Außenspiegel streift. Schließlich bleibt er rechterhand in Höhe des Fahrerhauses auf Augenhöhe stehen. Die Seitenfensterscheibe gleitet nach unten und ein Lächeln erscheint. Das anknüpfende, lässige Gespräch ist voller Mitgefühl des Fahrers. Übliche Fragen, übliches Staunen, und üblicher Hinweis, dass Wetter solle besser werden, jedoch leider erst Nachmittags, und die ärgsten Steigungen wären geschafft. Well, der Mann kennt die geplante Strecke nicht. Muss mitten im Gespräch das Gewicht verlagern, um nicht wegzurutschen, kippe mit dem Rücken gegen die Hecke, und stelle dabei für einen Moment den rechten Fuß entgegen der Steigung und darf das angenehme Gefühl, den ganzen Fuß umspülenden, kalten Wassers mitnehmen, Wasser das die dünne Wollsocke begierig aufsaugt. Drum merke, stehst Du am Rande einer Gefällestrecke, mit kleinen Sturzbächen links und rechts des Weges, nur mit Sandalen und wasserdichten Überschuhen bekleidet, immer in Fließrichtung stehen, nie entgegen. Das Wasser hat vorne einfach die Kappe des Überschuhs unterspült und sich dann dort und im Rest des Schuhs gut gestaut. Fuck. Lasse mir nichts anmerken. Freundlich und mit den besten Wünschen – das gute Rad wirke zwar sehr stabil und wettertauglich, aber ob ich wirklich sicher sei, bis nach Fishguard weiter schwimmen zu wollen, ja, sei ich – verabschiedet er sich, nahezu besorgt, und fährt von dannen. Ein klitzekleines Gefühl der Einsamkeit kommt auf. Schwinge mit dem Fahrrad aus der Hecke raus und weiter gehts.

Regentropfen auf der Linse und echter Nebel im Hintergrund. Regentropfen auf der Linse und echter Nebel im Hintergrund.
500 Meter weiter. An dieser Stelle wäre mehr Platz gewesen.

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni – 166

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-12:21-

National Cycle Network Route 47, kurz vor Pen-Y-Bont und hinter „St. Teilo’s Church“.

Regen, Regen, Regen. Eine halbe Stunde vor der Aufnahme erscheint der gleiche LKW von vorne kommend erneut, knapp 40 Minuten nach der letzten Begegnung. Keine Ahnung wie er das gemacht hat. Die Straße ist zum Glück breiter. Er kommt näher, stoppt in gleicher Position wie zuvor – Fensterscheibe gleitet nach unten, sehr liebes Lächeln erscheint – und erkundigt sich, ob ich noch immer das Fischding machen würde, also im Regen nach Fishguard schwimmen. Das ist jedenfalls der Satz, den die Eiweismasse im Hirnkasten draus bastelt. Tatsächlich fragt er nur, ob ich immer noch nach Fishguard unterwegs wäre und bietet mir an, ihn auf eine Tasse Kaffee zu begleiten, zum Trocknen und Aufwärmen. Würde das Angebot des sympathischen Fahrers sehr gerne annehmen, bin jedoch im Moment richtig in Schwung, nur von innen ein wenig nass geschwitzt, dank Merino trotzdem angenehm warm, und bis auf den weiterhin triefend nassen aber ebenso warmen Merinostrumpf, guter Dinge. Eine längere, häusliche Pause, nach nur knapp 17 Kilometern Fahrt, raus aus den Regenklamotten, abkühlen, Schweiß trocknen, wieder aufwärmen, aus dem Rhythmus kommen, das scheint grad zu viel des Guten. Obwohl weitere Plauderei sicherlich Spaß machen würde, mehr noch als der Kaffee. Lehne dennoch ab und versuche das entsprechend mitzuteilen, ungünstiges Timing und so, vielen Dank für das Angebot. Nimmt er glücklicherweise easy und erzählt dann noch von einer anderen Strecke, die er selbst ehemals mit dem Fahrrad gefahren sei, die besser zu radeln sei, mit weniger Steigungen, ganz genau könne er diese jetzt aber nicht beschreiben. Erkläre ihm die Sache mit dem GPS, dass ich zwar keine Papierkarten hätte, er mir die Strecke aber prinzipiell auch auf dem Gerät zeigen könne. Das wäre mir aber grad alles zu kompliziert und abenteuerlich in dem Wetter, komplett neue Strecke und so, zumal er den Weg auch nicht sicher beschreiben könne. Vielleicht das nächstes Mal, grins, dies hier sei schon die Strecke, die ich jetzt weiter fahren wolle, dennoch danke für den Tipp. Ob ich mir wirklich sicher sei, auch bezüglich des Kaffees. Ja wirklich, sei ich, alles gut, vielen Dank, das sei wirklich sehr freundlich. Er wirkt sichtlich besorgt, habe fast etwas Mitleid mit ihm. Erneut verabschieden wir uns grinsend, und vielleicht sähen wir uns ja tatsächlich noch einmal.

Der Regen nimmt kein Ende. Knapp eine Stunde später – nur wenige Kilometer weiter, aber zu viele Meter hoch, zumindest bei diesem nassen, kühlen, windigen Wetter –, scheint eine kleine Pause nicht verkehrt, fühle mich nicht mehr ausreichend fit weiter zu radeln. Eine kurze, rasante Abfahrt führt ins übersichtliche Trelech, bis an eine Kreuzung. Der Ort wirkt verwaist. Niemand zu sehen oder zu erahnen. Halte Ausschau nach einer Möglichkeit, dem Regen zu entkommen. Ein trockenes Plätzchen für eine leichte, stärkende Zwischenmahlzeit. Das überdachte Wartehäuschen einer Bushaltestelle, am Rande des kleinen Platzes gegenüber der Kreuzung, schaut mehr oder weniger vielversprechend aus. Mangels weiterer Optionen gar keine andere Wahl. Für ein paar Minuten raus aus dem gröbsten Wasserbad, sollte es ausreichen. Richtig gemütlich ist die Szenerie nicht. Eine Banane, ein paar Nüsse, etwas Trinkwasser, etwas entspannen, und bevor die Körpertemperatur zu weit absackt, schon wieder drauf auf dem Sattel. Bei der aktuellen Außentemperatur wärmen die Klamotten nur in Bewegung auf angenehmen Level.

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni – 168

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-15:28-

National Cycle Network Route 47, im Pembrokeshire National Park, kurz hinter dem Waldo Memorial bei Mynachlogddu.

Dream of sheep.

Schon seit ein paar Stunden liegt leichter Dunst über dem Land. Auf einer längeren Strecke, zwischen 180 und 280 Metern schwankender Höhe, beträgt die Sichtweite nun nur noch wenige Meter. Umhüllt von dichtem, kühlen Nebel, ist die Welt drumherum abhanden gekommen. Allein ein paar Schafe und ich existieren noch. Und ein wie aus dem Nichts entgegenkommender, freundlich hupender PKW. Wünsche einerseits innigst, dass die surreale Suppe bald ein Ende hat, anderseits bringt das Unheimliche aber auch irgendwie Freude. Nur der Ausblick auf die wahrscheinlich schöne Landschaft ist leider arg eingeschränkt.

Nebel des Grauens Nebel des Grauens

Habe jetzt doch Sorge um den seit Stunden in nasse Wolle gehüllten Fuß - wie lange der wohl braucht, bis er sich im Wasser aufgelöst hat - und suche im strömenden Regen nach einem trockenen Platz, um den Strumpf wechseln zu können. An der Bushaltestelle war der Leidensdruck noch nicht groß genug.

Die nächste Gruppe tropfnasser Bäume kurz hinter Crymych, am Rande des Pembrokeshire National Park, scheint geeignet. Viel Auswahl ist auch hier nicht. Pfützen soweit das Auge reicht und umzingelt von prasselnden Wassertropfen. Krame hektisch Papiertücher, Handtuch und den neuen Strumpf aus der linken Satteltasche, immer bedacht, dass dieser nicht gleich wieder nass wird. Überzieher ab, raus aus dem Schuh, und auf einem Bein stehend, den klitschnassen Strumpf vom Fuß pellen, Fuß abtrocknen so gut möglich, ebenso den Schuh von innen, neuen Strumpf mühsam über den feuchten Fuß ruckeln, wieder rein in den Schuh, und den Überzieher drüber. Papier und Handtuch irgendwo verstauen. Bloß schnell wieder weiter.

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni – 169

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-15:40-

National Cycle Network Route 47, ca. 1.5 km weiter als zuvor, nördlich Rhosfach.

Am späten Nachmittag, kurze Zeit später, versiegt der Regen zum ersten Mal an diesem Tag, dumm gelaufen. Der Nebel lichtet sich langsam, und die Umgebung wirkt wieder bewohnter. Suche, warum auch immer noch gut gelaunt, endlich einen Platz für die Mittagspause. Lecker irisches Baguette und Zaziki. Köstlich. Hopse nur 20 Minuten später in bester Stimmung auf das Rad, um den Rest des Weges zu bezwingen.

Rastplatz nach Nebelsession Rastplatz nach Nebelsession

Radix | Berlin–Dingle–Avranches 2017

KommTier! | Auf | | | |

Berlin–Dingle–Avranches 2017 – Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni – 170

in: Berlin–Dingle–Avranches 2017
Carmarthen–Fishguard, Samstag 10. Juni
Reisen, Radreisen

-16:47-

B4313, immer noch im Pembrokeshire National Park, an den kläglichen Ausläufern eines Waldes, ca. 1 km vor dem Abzweig der C3009, östlich des Gipfels „Mynydd Morvil“. Ganz vorne scheinen schon Küste und Hafen zu erahnen, noch 11 Kilometer bis Fishguard.

Endlich raus aus dem Nebel. Nach ein paar entspannten, längeren Abschnitten relativ flachen Fahrens, stressen kurz vor Fishguard nochmal zwei steile Anstiege. Bezwinge auch diese, und rolle dann frühzeitig und voller Glück hinunter in die Hafenstadt. Keine Unterkunft geplant, also Ausschau halten und nachfragen, z.B. die Frau dort vorne. Ob sie ein B&B in der Nähe kenne. Wir kommen ins Gespräch. Ein B&B in der Nähe wisse sie jetzt zwar nicht zu nennen, aber sie sei schon einmal in Berlin gewesen, ein Verwandter wohne dort in Pankow. Die Welt ist klein. Fix hat sie ihr Smart zur Hand, und schaut bei Booking.com nach B&Bs. Erwähne beiläufig das eigene Smart, könne mit dem natürlich ebenso nach Unterkünften suchen, grins. Etwas unangenehm, aber wie das jetzt auf die Schnelle erklären. Sie wird jedoch auch nicht fündig. In Richtung Hafen müssten aber bestimmt Hotels und B&Bs zu finden sein. Also wieder ein Stück zurück radeln, zur letzten Kreuzung. Das erste B&B auf dem Weg hat kein Zimmer frei. Weitere sind auf der Strecke hinunter zum Hafen nicht zu sehen. Die Anstrengungen des Tages machen sich langsam bemerkbar. Bin jetzt doch zu schlapp und zu faul, um noch weiter in der Umgebung zu suchen, brause die Straße weiter hinunter zum Hafen und stoppe schließlich um 18:00 Uhr am direkt an der Straße gelegenen Seeview Hotel. So günstig wie geplant, wird die Reise nicht werden.

Glücklicherweise ist ein Zimmer für zwei Nächte frei, klein aber fein. Zwei Nächte, wie geplant, um vor der Überfahrt nach und der Weiterfahrt in Irland etwas auszuruhen, Wäsche zu waschen und vernachlässigte Körperpflege zu betreiben, sprich rasieren und Nägel schneiden. Nachdem an der Rezeption alles geklärt und bezahlt ist, folgt das übliche Abladen. Räume das Gepäck zuerst in einen Vorraum, lege die tropfenden Regenklamotten dazu und versuche den Schuppen zu finden, in dem das Fahrrad abgestellt werden kann. Der erste Anlauf misslingt, lande hinter einem Dummytor irgendwo hinter dem Hotel in der Pampa. Die Luft ist windig und kühl, derzeit aber immerhin trocken, und der Himmel zeigt zwischen Wolkenfeldern freundliches Blau und Gelb. Frage erneut die Frau an der Rezeption. Wir gehen zu einem Fenster im Gästeraum und sie erklärt noch einmal gestikulierend. Kapiere jetzt, was sie meint. Der Schuppen befindet sich unterhalb der Terrasse vor dem Parkplatz.

Ein verrostetes Dekorad steht vor der Tür. Schiebe und hebe das Teil vorsichtig beiseite, in Sorge dass es unter den Fingern zerbröseln könnte. Alles geht gut. Der Raum ist eng, der Boden recht modrig, und ein paar Farbeimer und andere Utensilien stehen herum. Das Rad passt grad noch so hinein.

Trage die Taschen und Regensachen ins Zimmer hoch und auf der Treppe kommt die Frau von der Rezeption entgegen, sieht die nassen Klamotten und meint, ich könne die Sachen da hinten in der Kammer trocknen, da sei gleich die Heizung daneben. Tatsächlich ist das ganze Hotel sehr warm, was dem schnellen Trocknen der Wäsche und der Schuhe auch im Zimmer entgegen kommt. Die Kammer entpuppt sich jedoch als Wandschrank, aus dem zwar eine Hitze wie aus der Sauna entgegenschlägt, dessen Regale jedoch voll belegt sind mit Handtüchern und Bettwäsche. Denke nicht, dass sie ernsthaft meinte, ich solle mein wasserhaltiges Zeugs dazu drappieren. Vielleicht ein Missverständnis. Egal, die praktische Wäscheleine durchs Zimmer gespannt wird schon passen. Wäsche waschen steht jedoch erst morgen an. Nur rasch unter die warme Dusche, und dann in saubere, trockene Sachen und in die Ausgehsandalen schlüpfen.

Erholsames Abendessen im ruhigen, luftig möblierten Restaurant des Hotels, und schließlich mit vollem Magen, und dennoch einem Schokonachtisch unterm Arm, aufs Zimmer - ich solle unbedingt aufpassen, keine Schokoflecken auf dem Bett zu hinterlassen, nein, natürlich nicht, alles safe, würde den Kuchen nicht im Bett essen - kurz ans Notebook, und bevor die Augen vorm Monitor zu klappen, ins Bett kippen und schwupp bricht schon der nächste Tag heran.

Suche