Die Zeitwaisen

Textlich Bildlich Klanglich Denklich

KommTier! | Auf | | |

fasse fassen gezeiten

in: the daily horror — Szene 24
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

in der sonne sitzen und über die zufälle des lebens nachdenken
die einem so zufallen wie die augen, wenn man lange genug gewacht,
gelesen, gelegen, gesessen oder gestanden hat oder die zeit
in irgendeiner anderen körpergrundhaltung verbracht, zugebracht,
um die ecke gebracht hat. um die obere, linke oder die untere rechte
des magnetischen quadrats, an dem zwei dinge aufeinandertreffen,
die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, aber durch
dieses aufeinandertreffen einen funken schlagen, einen funkenschlag
erzeugen, der sie im ersten moment erschrecken läßt -
über die gewaltigkeit der entladungen;
ihrer entladungen,
sie dann aber über die art der herausgeschleuderten materie
als ergebnis eines ungeplanten anstoßes zum nachdenken anregt
und miteinander vereint, um fortan gemeinsam zu sinnen
über die entleerung der gefäße, welche mit der absicht des füllens
oder des sich-füllen-lassens bereitwillig stehen, sitzen oder liegen
oder in irgend einer anderen gefäßgrundhaltung die zeit des wartens
auf ‚das füllen‘ bzw. das ‚sich füllen lassen‘ verbringen und dabei
durch die existenz bloßer körperlichkeit ihrem sein verstärkt ausdruck geben,
ja, mehr noch, ihrem sein den anstrich verleihen, leibhaftig zu sein während
der zeit des wartens und auch davor und danach und es nur eine, mit leichtigkeit
zu erfüllende bedingung gibt: daß das füllende stets und bedingungslos die form
des zu füllenden annimmt, während es vor dem füllen und während des füllens
(und nach der entleerung) doch irgendwie ganz formlos ist, ein formloses gewühl,
an dem niemand anstoß nimmt, weil es selbstverständlich ist,
daß es im fließen keine festen formen gibt ...
und zum nachdenken nicht anregt ...
fließend gehen,
gezeiten ..

KommTier! | Auf | | |

flut- oder fut.

leck elektronenfutter und reduziere dich redlich.

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 9
Alles und Nichts …
Komödie

detektiere die aufschläge meiner hand auf die decken;
entgegengesetzt proportional den aussetzern meiner hirnströme,
zwirn auch, zwirnströme, fäden, fäden am laufenden band
im deckblätterland, entgegengerichtet hingegen lebensland,
erschreckenslang.

o delay line
my bee leg fine

eingerichteter sichtzwang, bitte kein bestürztes zurückbleiben !
zwängelos, engelos lass jch mich treiben ...
die krümmung des raumes zu vergleichen,
mit einer banane bogengang, so entsteht eine
universalbanane für cosima, ariadne und helena und
cosinus alpha, das männchen, irrt noch umher im wandelgang,
paralysiert von evas gesang, zwecklos, dem zu entgleiten.

ariadnes raumschiff traumfisch ist eine kosmische banane mit
freundlichem empfang am ersteckungsbecken, beckenstrecken
und beugen vor der spanischen wand; dann
einfliegen und: aus allen wolken fällt: don juan

und bückt sich nach dem handschuh,
von semipermeabler halbmembran.

torturhebewerk flischfisch,
ein hebelgang.
seichte leichte traumtönung -
raumdröhung, ein sekundengang.
gerade strecken und bitte:
das gesicht nicht vergessen !

o bee leg mine
my delay line
hier geht es nur um
strom zu lecken.

KommTier! | Auf | |

salzkonstrukte am morgen

sie früchtete meinen tee und ich mußte ihr stundenlang zucker reden,
ein reiher von worten solang bis meine lippen zerbröselten und sich
in nichts auflösten, ich rieb sie mit worten ein, schrieb sie ein
in ihren leib, balsamierte sie regelrecht mit worten, reier - seltsames
palyndrom, in der nacht träumte ich brosamen von ihrem fleisch …

und die worte kreuzten sich wie klingen in meinem hirn, diesem brutkasten,
geburtskasten von krötengewächsen, knöteriche und kröten die sich winden und verknoten,
verlassene hirsch- und hasenformen, hasenverläufe, spuren auf weißem sandpapier,
rot, immer wieder dieses rot in schleifen, unter den hüten, häuten, zwischen den saiten,
eine silberne klinge …
das mähen des grases sollte verboten werden, es ist ein un.erträgliches geräusch und
ich erwache davon …

leises aufstehen der füße, ich lausche und laufe ihnen hinterher.
vor dem spiegel im bad überschütte ich mein herz mit wasserglas,
es soll ein schutz gegen un.sinniges entflammen sein, man sagt …
danach das träufeln von salz in die augenpartikel. mit der blindheit
meiner vorfahren geschlagen erscheint mir salz eine gute lösung zu sein,
auslösung der augen, erlösung, lösung aus dem fleisch …
sind im augeninneren, sind in diesen ganzen innereien die erinnerungen vergraben?
zwischen weiteren fragen notiere ich mir: mein molchgesicht suchen …

die augen drehen sich gestielt nach rückwärts und stellen sich quer,
das ist ein gutes zeichen, schnell öffne ich das fenster und schaue hinaus,
glühende rußnanometer brennen sich in meine haut, netz-haut …

KommTier! | Auf | | |

das rotliegende, aufgerichtet verkieselt

eine gelungene traumatisierung

in: Lulu

eilig versinken die kastraten in ihren liedern
und schaffen es doch nicht bis zur kelleroktave
vorzudringen. vom flieder verwundet sind sie
irgendwo hängengeblieben, irgendwo dazwischen.

an der haltestelle steht wartend das rotbehütete mädchen
und ruft: ich heiße nicht rotkäppchen, nein! rotkäppchen
heiß' ich nicht! ich heiße - lulu! auf einen schlag
verlöschen die lichter, es wird viel zu schnell hell.

auch andere warten. auf den tagesaufgang, die bahn, den bus.
ein mann in einer vorbeifahrenden bahn schreit: weg! weg!
schert euch weg von mir!!! dann sucht er sich eine unbeklebte
fensterscheibe und springt durch sie hindurch - weit hinaus.
eine verwildert aussehende frau schaut ihm verwundert nach,
sie hatte lange, sehr lange nach ihm ausgeschaut.

der vorbeieilende jägermeister bemerkt von alledem nichts.
er misst die zeit in hirschsprüngen, suchend nach der lust
und der nacht.



Lila Regenflieg: das gewand der zeit begreifen
„das gewand der zeit begreifen“

Suche