Die Zeitwaisen

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tierrest an luftalge

der fadenartige
spürt keine luft mehr zum atmen
in seinem kopf. kehl-kopf auch. der wind

treibt es zu toll.
ein zutreibender versingt die
letzten worte, verschlungen

mit dem faden.
neben weiteren knochenfunden
liegt grüne haut, frosch vergrünt

durch biliverdin.
darüber der pferdeschädel mit augen
auf und die bleckenden zähne …

welch ein furchterregendes rot!
rot, so rot, so schamrot in grün.
die nacht hockt sich über den boden.

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beginn

das war der akt des aushöhlens,
unreif noch, als der engel mit dem
gesicht nach unten lag, erlegen dem
taurus, auch tau-ruß, im tiervorrat
verkrochen hinter dem schleier der
gut gelüfteten leichen. im kopf die
nacht, sie ward ihm entsprungen
aus zeitungsgrau im pergament der
alten untierhaut, während die minerale
stürzten aus einem tiefen epidermisblau.
es war der akt des aushöhlens,
der ablauf der dinge; unverhinderbar,
unverhandelbar – immer erwartbar.

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un-mitteilung

unerhört einbeinig
steht ein nicht näher
identifizierbares tier
zwischen zwei geteilten
stühlen.
unter langen geweihstangen
verhält es sich beängstigend
friedlich.

während dieses geschehens
verändert ein engel unaufhörlich
seine gestalt und wendet seine nähe
ausgefransten objekten zu.
im wechsel streben erde und himmel
unverdrossen einander entgegen.

erde und himmel. sie fielen ineinander
und wurden zu einer einzigen eindeutigkeit.
tier und engel aber fielen übereinander,
zerbissen sich, zerrissen sich und lösten sich
auf in langen zersetzungsphasen.
niemand hatte ihnen gesagt, es wäre hier nicht
gefährlich.

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im aus der zweifler

in: Alleinsein
Absurdes Theaterstück

im aus der zweifler

im aus der zweifler - nachtwachsende szene - abwischbar.
blau bereifte schlafwandlung

und es bezweifeln sich alle restlichen fragen,
die nicht aufgenommen wurden in’s gesamtverzeichnis a) oder b).

a) eine dame sitzt am tisch und sagt: „a! wo ist denn der herr geblieben
den ich gestern hier fand? der so freundlich und mir behilflich war,
meine liebe zu zerstören?“

während der ober ihr einen papierflieger bringt und sagt:
„vom nachbartisch, herabgeflogen von rechts.
wie können Sie etwas so zweifelhaftes sagen?“

„ich tat es freiwillig. aus freien stücken.
glauben Sie mir. ich habe die liebe wie einen zwieback
zerbröselt und in den tee mit honig getan.“

der ober überreicht ihr den flieger in einer unvollendeten verbeugung
und die dame sagt: „oh, ein flieger. von dem herrn, der so freundlich
und mir behilflich war. in die flügel sind schwarze zeichen eingebrannt,
gebrannt im türkis des ozeans und im violett des sonnenuntergangs.“
danach beginnt sie hellauf zu leuchten.

„so fiel er herab mit der sonne wie in höflicher
nachtausgabe“ fällt dem ober dazu ein und er fügt hinzu:
„wenn diese nacht bliebe oder auch bis ans ende aller tage
höflich ausbliebe, hätten wir stunden der siebe aus gold?“

„gewiß mein herr,“ sagt die dame, und „legen Sie nur siebenhundert
und siebeneinhundert tagestunden übereinander und das gold der nacht
berauschte bis zum sankt nimmerleinstag.“

der ober, in angespannter haltung verharrend, wagt zu behaupten:
„er war ein lichtstaub, wie leuchtende tiere, das wasser belebte
seine empfindungen. er muß ein fisch gewesen sein.
berauschen wir uns am sonnenuntergang.“

„nein, mein herr, er war ein flieger. es trug ihn das licht
eines weißen heliotrops und so hatte auch sein leuchten einige dauer.
sehen Sie, ich bin voller luziferin. begegnet mir solch ein flieger,
beginne ich zu leuchten. und so will ich auf ewig sein leuchttier sein.“

dann geht sie nach draußen, um zur arbeit zu fahren.

b) tage danach fand ein herr, der freundlich und behilflich war,
im haltestellenpapierkorb einer straßenbahn einen gefalteten zettel
mit der notiz: welch ein-geknickter umgang.
dem ober warf er daraufhin entspannung vor.

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tag t bis ∃

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 5
Alles und Nichts …

rake-teer
nake-teer

mein leibastral !
cuticula.
jch löffele nautisch astronenquark, dazu diesen ganzen nanosalat,
onano, nano-partikular, verblätter mich, nicht unbitter, bin ritter in terrinen,
und draußen gleitet bei den bienen
stromleitend geheucheltes des-interesse
vorbei.

bin kosmochronisch chrom-os-kon-aut,
in’s sternengespräch vertieft verlesen,
in verliesen,
schwerklebend verfallen der fluktuation,
der gravitation in grünen wiesen.

flukturiere bee-„lie e8“ dabei.
mein luftschlüsselschloß vibriert, weil: es musiziert
kosmogonautisch. dann tanzt es an mir
vorbei.

o bee-lay lie,
ein nacktes tier,
fällt ein
wie blei.

schiebe schiefe
schriefe schriebe
schreibe scheibe
schei be schreibe
schei be schreie
schrei beschreie:
schreib! oder stirb!
nein! schrei!

schneide schneisen
kreide kreisen
Ü-berschreie
Ü-berschreibe
überschrei
be-mich.

bekreistes kreisen
reistes reisen
eistes eisen
ist es sein?

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hohe zeit

in: Alles und Nichts …

shorts.
the-true-man-show.
chaosmose im chaosmoose. chamoix entzückt.
ein mann entrückt.

„lu.divine, meine göttin, mein verrücktes geschenk,
mein toffee, mein touteè, meine seligkeit.
gesegnet seien deine schultern, deine brüste, dein haar,
das gurren deiner augen, das lispeln deiner lippen,
das tröpfeln deiner scham, oh ludivine, meine schischi,
gesegnet seiest du roh und gebraten, halb und ganz,
deine hüften, dein bäuchlein und dein schwanz.

und über allem steht der zauber deiner brauen.

zabre-mäudchen – zebrau-mädchen,
blauglockige tuunikatze,
schenk mir deinen mantel her.“

der a-chord im hintergrund.
singt: „unicata toc! nuit nuit.

braut braut.
dem mann dem mann.
ein tier ein tier.“

und ein riesenmännlein schreit:
„heute rauf ich, morgen aas ich und übermorgen bin ich
dann soweit.
kastriert.“

der erzähler dazu schweigt: „jaaaaa, gut tier will weide haben.“

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pläne

in: the daily horror — Szene 51
Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

hin und wieder läßt sich ein löffel auf der straße finden.
ich denk dann immer, aha ! wieder ein toter aus plastik mehr.
freundlich grüße ich das vorbeigleitende fahrrad,
das eine frau in grünen, knielangen op-hosen vorüberträgt.
Aber das ist - teil eines anderen
planes ...

ich gehe schnurstracks nur der sonne entgegen. sowieso.
immer in die andere richtung der löffeltiere.

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nach der lähmung

delokation

heraus! aus den wildesten zusammenhängen will es sich
ergießen. gefedertes schaf. früher ausgetrieben und
in der fremde, der kleine wendekreis, er führt ins
nichts. gleittier auch, wie fogel, fliegt.

aber heut morgen war doch das aussscherende,
das sich selbst scherende und war es denn wohl gelitten?
siehe, es war irisierend, was du mir schriebst und ich sah
in dem weißen gesicht das weiße. daneben der fliederfächer
im schrank der komödiantin, welche herabstieg – gliederfach –
aus der bürde des gewellten wassers und lichtschwere
entfiel den blüten, wie zufällig zugemacht.

verdigris am rebstock. vorbeiziehende wolken
in ziegelrot und wachsender geschwindigkeit.
ein ganz spezielles grün, durch witterung empor-
geschleudert. wir besteigen das tote gefährt.


und nun muß es bis morgen schon aufgegessen sein,
morgenschön und ich schäme mich der angelegenheit,
da doch noch ein kasten daran hängt, ein technisches
gerät und es ist doch keine anlegestelle in sicht und
es war doch lieber ausgesessen.

fremde. fremdes bestauben, gesteinsmehl, geruch,
gras und bestaunen … soweit das auge reicht.
ein verträumtes seeglitzern gefunden, am salbeigerüst
und: engel müssen nicht flügge sein. so fällt es aus den
ansichten einer augenhöhe und mir schwanen wieder
diese schlankheitsaugen, gliederfüße, gold in schnüren.

ständiges gerede von licht und später. also: s p h ä r e.

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intermezzotinto tag ibis o

in: sich ent-schrei-bendes — Sektion 12
Alles und Nichts …
Komödie

schütterdürres glas
und haarrissband.

als jch aber aufsprang von ihm,
war jch doch wie ein reh
und alles war wald ringsumher.

staureh und sinistiere :
insis, kosinustiere, intrinsisch.
blosse anwüchse nur
in zweierlei sinne,
dieselben benennungen im -
für - den abgesonderten raum.

eine art gleichlaut,
abgeleitet vom ersten,
zweiglaut.
zeig-bedeutung.

es springt der fluss mir vor die füße,
so ist meine wasserwohnung nicht weit ...

jch zelebriere das schreiben wie dem auge ein fest,
halbtägliches papiere, geschmiere, nicht alltäglich,
halte mich an einem tierhaar, ein nest, festlich,
und friere vor den perlenden tieren.
hühnchen, fogelverwitterung oder
-fervütterung, da schütterts mich gar.

zwischen
rauchrosen und
sonnenmehltau -

lieg jch brach.
den insektizismus klassifiziert,
die lang akzentuierte mehligkeit,
die anhaltende schwadron der bienen
und höre, wie ein reporter sagt:

aussteigen unter'm strich links unten,
da, wo sich das strychnin befindet,
und stichlinge für piloten auf kerosinigen
linien.

sehe im fernrohr das gespaltene gesicht,
meine hausung kann also nicht weit sein.

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nach der lähmung

deutung

dazu dieses furchtbringende erregende grillengekreisch.
geschrei der grillen, im heu, das pferd wird's richten,
das lockere gefüge, ach, das über die stränge schlagen,
haltlos auch das strenge elterntier, weit abgeschlagen
fielen die früchtchen in loser folgsamkeit, lagen wie
in streuobstwiesen, musterlos, mit dem schlagen der flügel
begann die andere zeit.

wo einer vom abschied schrieb,
die gesichtsspannung gelöst und eingetauscht
gegen das abenddenken noch ein paar tabletten
mehr zu nehmen als es steht in den tabellenblättern
weil der arm ganz automatisch ausfährt um mit der hand
zu...greifen zu können und das, das denken sagt:
aber heut morgen ...

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der die das - hanglos zu summen

siebter Gesang

in: Alles und Nichts …
Absurdes Theaterstück

37. das rot meiner iris geht in wankelgewässern. wandelnd.
jch führe nicht abgespeist den tätern das fühlen zum munde.
stehenden fuszes reiszt es mich aus der tasche falschen fleisches.
wer will mir weiszes als buntes weisz machen?
schwarz-pause in indifferenten graus.
sophisticat.


38. das betörende sommerkleid ist ein hauch aus schwebend leichten lagen.
während die korsettverschnürung hinten für eine wunderbar perfekte paszform der wespentaille sorgt,
setzt eine facettengeschliffene korallenkette am hals einen aparten akzent:
sie verbirgt die häszliche naht der geköpften auf das vortrefflichste.


39. die frau, die solange gewartet hatte bis das licht unter ihren augenlidern verloschen war
und dann den duft des schlangengiftes einatmete um in einen tiefen rausch zu fallen,
fand sich am nächsten morgen in s-förmiger verkrümmung hängend an der gardinenstange wieder.


40. der schnitt wird als vorsorge des risses getan,
sozusagen zur vorsorge des durchrisses.
so ist es in den jahren eingerissen,
den schnitt zur verhinderung des reiszens zu tun.
ein gerader schnitt wird als möglichkeit des leichteren nähens angesehen.
nun aber besinnt mann sich einer abkehr, einer abkehr des schneidens,
hin zum reiszen. das nähen wird so zu einer gröszeren herausforderung.
(aus: unterleibsbeschaffenheiten, sie unterliegen nicht mehr der diskretion)


41. als er den hang zu decken entdeckte,
beschlosz er, seine durchhängende scham
nicht länger zu verschweigen.
er sprach von nun an zu den weiben
nur noch von seinem „E-ntdeckungshang“.
das entschädigte nicht alle frauen,
aber einige beschlossen zu bleiben
und auch ihre scham nicht zu verstecken.
sie gaben sich seiner und ihrer hin,
demütige scham, in kuscheldecken.
aus: impotenz durch hängen lassen


42. das gliedertier rutscht vom fleischabhang.
die gesichtslose rachenbewegung entspricht der tierischsten luststufe:
laut A.

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